Archiv des Stichworts „Museum”

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Flohmarkt-Fund

Montag, 7. September 2009

Auch wenn ich bei mechanischen Bleistiften die Modelle mit Feinmine und Druckmechanik bevorzuge, so bin ich doch anderen Varianten längst nicht abgeneigt. Dieser Drehbleistift unbekannten Fabrikats kam mir auf einem Flohmarkt im niederländischen Middelburg unter die Augen und gleich in die Tasche, da mich seine Gestaltung, sein sehr guter Zustand und der attraktive Preis sehr angesprochen haben.

Flohmarkt-Fund

Er ist 86 mm kurz, 10 mm dick, gut 11 g leicht und arbeitet mit 1,18-mm-Minen, die durch Drehen der metallenen Spitze transportiert werden. Seine geringe Länge lässt vermuten, dass er für den mobilen Gebrauch gedacht war. Wie „Mechanical pencil lead diameters” bei pencil talk informiert, waren Minen dieses Durchmessers bis in die 60er Jahre der Standard und kommen auch heute noch zum Einsatz.

Flohmarkt-Fund

Lediglich 26 mm der Mine passen in das Vorderteil und werden in diesem durch eine 3,5 mm lange, geschlitzte Hülse aus weichem Blech gehalten. Dies erscheint mir sehr wenig, und so kann ich trotz gründlicher Reinigung einen Defekt nicht ganz ausschließen. – Die Befüllung des Stifts findet von vorne statt.

Flohmarkt-Fund

Der Drehbleistift wurde zusammen mit einem unvollständig gefüllten Pappröhrchen Minen des englischen Herstellers Platignum verkauft; diese haben den für den Stift notwendigen Durchmesser.

Flohmarkt-Fund

Bei dem Material des in dunkelrot und braun marmorierten Korpus mit einer Wandstärke von etwa 2,5 mm und ohne jede erkennbare Markierung könnte es sich um Bakelit handeln. – Ein gut sitzender Schraubdeckel aus Metall verschließt den für Reserveminen gedachten Hohlraum des Stifts.

Flohmarkt-Fund

Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie alt diese Schreibutensilien sind. Kann vielleicht meine geschätzte Leserschaft etwas dazu sagen?

Nachtrag vom 8.9.09: Ein kundiges Mitglied des Fountain Pen Network geht davon aus, dass dieser Drehbleistift aus Galalith, einem halbsynthetischen Werkstoff auf der Basis von entfettetem Casein, gefertigt wurde. Angesichts des einfachen Aufbaus und der großen Wandstärke kämen auch kleinere Werkstätten, die derartiges ab 1910 fertigen konnten, als Hersteller des Stifts in Frage. – Danke an Thomas für diese Informationen!

Markiges Marketing (6)

Mittwoch, 2. September 2009

Reklamemarke von J.J. Rehbach

Für die Radiergummis des Herstellers J.J. Rehbach, der von 1821 (damals noch unter dem Namen „Schlüssel-Bleistift-Fabrik J.J. Rehbach”) bis Mitte der 1970er Jahre in Regensburg ansässig war, warb diese 39 × 60 mm große und wohl etwa 80 Jahre alte Reklamemarke.

Das Bild des Zeichenbüros (eines Architekten?), das diese Marke vermittelt, ist sicher stark vereinfacht und daher nicht ganz realistisch. Ich hoffe, dass es um die Ergonomie dieser Ar­beitsplätze etwas besser bestellt war als abgebildet, denn die gezeigte Haltung ist alles an­dere als der Gesundheit des Rückens zuträglich.

Wie das hervorragende Buch „Tools of the Imagination: Drawing Tools and Technologies from the Eighteenth Century to the Present” in beeindruckender Weise zeigt, waren die Werkzeuge und Techniken zu der Zeit, als diese Marke entstand, weitaus fortschrittlicher als auf ihr dargestellt (wenn auch nicht überall bekannt und verfügbar). Der 124-seitige Band, herausgegeben von Susan C. Piedmont-Palladino und erschienen 2007 bei Princeton Architectural Press, schließt an eine Ausstellung mit dem gleichen Titel an, die 2005 im Na­tional Building Museum in Washington, D.C. zu sehen war und einen umfangreichen Einblick in die Zeichentätigkeit von Architekten aus über 250 Jahren bot. – NB: Der Essay „The Lead Pencil: Lever of the Architect's Imagination” von Paul Emmons in diesem Buch befasst sich ausschließlich mit dem Bleistift.

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Mars 1962

Sonntag, 30. August 2009

Stand in den beiden Anzeigen aus dem Jahr 1957 noch das Werk derer im Vordergrund, die mit den beworbenen Produkten arbeiten, so beschränkte sich die J.S. STAEDTLER Inc. in Hackensack, New Jersey (USA), fünf Jahre später in zwei anderen auf die Darstellung eines einzigen Schreibgeräts.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1962)

Als des Fachmanns erste Wahl wurden 1962 die Produkte der „Mars”-Reihe präsentiert, hier vertreten durch den knapp 30 Jahre zuvor eingeführten Bleistift „Lumograph” in dem inzwischen klassischen Design mit blauem Lack, weißem Ring und schwarzer Tauchkappe. Eine linke Hand (die des vielleicht rechtshändigen Künstlers, der mit „Pucci” signiert hat?) hält den Stift so, dass das Auge des Betrachters sofort auf die nicht serienmäßige, sondern mit künstlerischer Freiheit gestaltete und – wie damals üblich – zur Bleistiftspitze laufende Beschriftung „Mars” fällt. Diese expressionistisch angehauchte Illustration in Kombination mit den klaren und in Versalien gesetzten Wörtern der 29 × 20 cm großen, ganzseitigen An­zeige hat ihre beeindruckende Wirkung sicher nicht verfehlt!

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1962)

Den letzten Rest eines mit dem Messer gespitzten „Mars Lumograph” (ebenfalls aus Sicht des Künstlers) nebst zwei Spänen in sechsfacher Vergrößerung und fast fotorealistischer Darstellung zeigt eine weitere Anzeige im gleichen Format aus dem selben Jahr. Das Bild unterstreicht damit die Aussage des Textes, dass man sich selbst vom kleinsten Stummel des bevorzugten Zeichengeräts nur schwer trennt. Auch hier: Exzellente Grafik, knapper Text, deutliche Aussage und damit in meinen Augen sehr gelungen.

Ich wüsste gerne, ob diese beiden Anzeigen zu einer Kampagne gehörten und es noch weitere dieser Art gab; wenn ja, so bin ich sicher, dass diese ebenso sehenswert waren und es auch heute noch sind. Es mag vielleicht hoffnungslos altmodisch, ja sogar irrational wirken, aber ich finde es sympatisch und wohltuend, dass damals noch jemand mit der Hand und einfachen, womöglich den beworbenen Gerätschaften für diese sehr reizvollen Anzeigen zu Werke ging – heute wäre dies ein Luxus, den sich kaum noch ein Anbieter leisten könnte und im ungünstigsten Fall nur wenige Leser zu schätzen wüssten.

 Zurück in die Zukunft | Alte Anzeigen von STAEDTLER | Neues vom Mars 

Zurück in die Zukunft

Samstag, 22. August 2009

Aus dem Jahr 1957 und damit gut ein halbes Jahrhundert alt sind diese beiden im Original 12 × 26 cm großen Anzeigen, mit denen die J.S. STAEDTLER Inc. mit Sitz in Hackensack (New Jersey, USA) in der Publikation „Engineering and Science” ihre Produkte zum pro­fessionellen Zeichnen und Konstruieren präsentiert hat.

Vier Jahre vor dem ersten bemannten Flug ins Weltall und zwölf Jahre vor der ersten Mondlandung waren heutige Science-Fiction-Klassiker wie „Die Dämonischen”, „Alarm im Weltall” und „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C” auf der Leinwand für die Prägung der Zukunftsfantasien zuständig, und auch die – allerdings eher an praktischen Anforderungen orientierten – Konstruktionen in diesen für mich sehr gelungenen Anzeigen fügen sich gut in das damals populäre Bild zukünftiger Welten ein.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

Die hier beworbenen Zeichengeräte der „Mars”-Produktreihe sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Das 1900 registrierte Wortzeichen fand sich erstmals auf dem Kopierstift „Mars Copier” (1901) und anschließend auf dem Bleistift „Mars 1225″ (1908), dem Vorläufer des in den 30er Jahren eingeführten „Mars Lumograph 2886″; mit letzterem wurde auch die tiefblaue Lackierung eingeführt. Der 2886 war damals in 19 Härtegraden von EXEXB bis 9H verfügbar, während sein Nachfolger, der Lumograph 100, heute nur noch bis 6H gefertigt wird. Auf den Stiften auch zu sehen ist die Darstellung des astronomischen Zeichens für den Planeten Mars in der Variante mit den Monden Phobos und Deimos (ein weiteres Foto davon gibt es hier).

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

(zum Vergrößern anklicken)

Besonders ungewöhnlich für heutige Bleischreiber, aber damals offenbar üblich, ist die Form der Spitzen. Über das dafür verwendete und im Text als „Draftsman's Pencil Sharpener” genannte Gerät kann ich nur spekulieren; ich vermute, dass zum Freilegen der Mine etwas ähnliches wie der Dreifach-Spitzer M+R 207 zum Einsatz kam. – In dem Ausschnitt erkennt man deutlich, dass die Produktabbildungen gezeichnet sind; dies spricht mich ebenso an wie die Ästhetik und die Typografie dieser Anzeigen.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

Mit im Bild der zu dieser Zeit wohl noch recht neue Fallminenstift Mars Lumograph Technico 1001, für den Minen in 18 Härtegraden von EXB bis 9H angeboten wurden (die im Jahr 1951 eingetragene Marke hat sich bis heute gehalten und findet sich bei den aktuellen Fallminenstiften Mars technico 780 C und technico 788 C). Durch den Erfolg der vom japanischen Hersteller Pentel entwickelten und zuerst 1960 in einer Stärke von 0,9 mm vermarkteten Polymer-Mine ließ die Verbreitung der Fallminenstifte jedoch nach, und so ist die Mine Mars carbon jetzt nur noch in sieben Härten von 4B bis 4H erhältlich. – Der als „Pocket-Technico” bezeichnete Fallminenstift war vermutlich der Vorläufer des in den 70er und 80er Jahren angebotenen „Taschenmodells” Mars technico 782 C.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

(zum Vergrößern anklicken)

Für mich ist es immer wieder beeindruckend, mit welchen aus heutiger Sicht primitiven Zeichenwerkzeugen – die ersten kommerziellen CAD-Anwendungen kamen erst Mitte der 60er Jahre in die Unternehmen – Konstrukteure, Ingenieure und Architekten damals solch großartige Leistungen vollbracht haben.

Danke an STAEDTLER für die Genehmigung zur Reproduktion und Stephen von pencil talk für den Hinweis auf diese Anzeigen!

Alte Anzeigen von STAEDTLER | Mars 1962 

Alte Schule

Samstag, 11. Juli 2009

Bereits vor einiger Zeit beim Fischen in der Elektrobucht im Netz hängen geblieben: Der Fallminenstift 612 von Eberhard Faber nebst einigem Zubehör.

Alte Schule

Fallminenstift Eberhard Faber 612, Kunststoffbox Eberhard Faber No. 0369 „Dem braven Kinde”

Der aus goldgelb glänzendem Leichtmetall gefertigte Fallminenstift mit dem sehr geringen Gewicht von noch nicht einmal 7 Gramm, den üblichen Maßen und der bewährten Technik kam in einer Kunststoffbox mit transparentem Deckel, die den Eindruck macht, als würde sie eine Belohnung beherbergen, denn neben „EBERHARD FABER No. 0369″ trägt sie den Schriftzug „Dem braven Kinde”. – Ob Box und Stift zusammen verkauft wurden, habe ich noch nicht herausfinden können, ebenso wenig das genaue Alter, das ich auf 40 bis 45 Jahre schätze.

Alte Schule

Mit dabei war auch der Kunststoff-Minenspitzer 233 in ebenso grüner wie schlichter, heute noch üblicher Ausführung vom gleichen Hersteller. Das Logo des Herstellers, eine Raute mit fünfzackigem Stern, findet sich aber weder auf dem Spitzer noch auf der Box, sondern nur auf dem Stift.

Alte Schule

Minenspitzer Eberhard Faber 233, Fallminenstift Eberhard Faber 612

Zu der Zusammenstellung gehörte außerdem ein Röhrchen mit einem Dutzend Griffelminen Eberhard Faber 3025 in zwei Härtegraden, 2 mm dick und 100 mm lang. Die weichere der beiden Sorten ist jedoch immer noch härter als die Minen im „Milchgriffel 1/34″ von Rheita und im „Heft & Tafel 1133″ von Faber-Castell, zwei holzgefassten Stiften mit ähnlicher Zielsetzung.

Alte Schule

Griffelminen Eberhard Faber 3025

Die klassische, holzgerahmte Schiefertafel, die hier als Hintergrund und im letzten Bild auch ihrem eigentlichen Zweck als wiederverwendbares Beschreibmaterial dient, ist zwar aus der Schule verschwunden, erfreut sich aber in anderen Bereichen wie z. B. in der Gastronomie recht großer Beliebtheit und hat in der Kulturgeschichte der Schreibwerkzeuge zweifellos einen festen Platz.

Alte Schule

Nachtrag vom 14.7.09:: Ein Mitarbeiter von Eberhard Faber hat mir freundlicherweise mitgeteilt, dass der Fallminenstift und die Griffelminen mindestens 45 Jahre alt sind und der Minenspitzer bis etwa 1990 in verschiedenen Farben angeboten wurde.

Rank und schlank

Mittwoch, 1. Juli 2009

Aus einem alten Sortimentskarton des Herstellers J.J. Rehbach: Einige runde, sehr dünne Bleistifte mit ungewöhnlichen Kapseln.

Rank und schlank

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Mit Längen zwischen 12 und gut 15 cm und Durchmessern von 3,5 bis 4,6 mm teilen sie mit den Bleistiften aktueller Produktion lediglich die Dicke der Mine.

Rank und schlank

Zum Größenvergleich: Ein aktueller STAEDTLER Mars Lumograph

Keines der Stücke ist gekennzeichnet, und die Qualität von Material sowie Verarbeitung streut stark.

Rank und schlank

Meine Informationen zu diesen Bleistiften sind noch dünner als die Stifte selber, denn ich kenne weder ihr Alter noch ihren Zweck. Die Öse lässt vermuten, dass diese Bleistifte dazu gedacht waren, irgendwo angebracht zu werden. Handelt es sich möglicherweise um die im englischsprachigen Raum als „dance card pencils” bekannten Stifte? Exemplare wie dieses sprächen dafür. – Eine offizielle deutschsprachige Bezeichnung für diese speziellen Schreiber habe ich leider nicht parat (”Tanzkartenbleistifte” läge da wohl nahe).

Rank und schlank

Kann vielleicht meine geschätzte Leserschaft etwas zu diesen unüblich proportionierten Stiften sagen?

Rank und schlank

Zeitreise

Donnerstag, 18. Juni 2009

Einen Rückblick der ganz besonderen Art bietet dieses japanische Blog: Einige prächtige Seiten eines Katalogs von A.W. Faber New York vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigen Bleistifte, Minenhalter, Zeicheninstrumente, Stahlfedern und Tintengläser.

LYRA Cleopatra

Mittwoch, 17. Juni 2009

Die alten Ägypter, damals noch jung, mögen von Cleopatra I bis VII und vor allem von letzterer, nicht jedoch davon geträumt haben, dass einmal ein solch faszinierender Stoff wie der Graphit entdeckt werden und dieser, mit feinstem Ton vermischt, gebrannt und in Holz gehüllt, den Namen ihrer Königin tragen sollte. Wie unzufrieden wären sie wohl damit gewesen, Pinsel und Calamus über den Papyrus zu führen!

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Eingetragen im Jahr 1895 fand der Markenname „CLEOPATRA” auf diesen Bleistift mit der Artikelnummer 3410 des Herstellers LYRA. Nach dessen Angaben führten ihn die Kataloge von 1911 und 1926 in der hier gezeigten Ausführung auf, so dass der Stift aus dieser Zeit stammen könnte.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Neben den üblichen Details findet sich auf dem sechsflächigen, in mattem Rot lackierten Bleistift der Härte 2 – thematisch passend – eine sog. Hieroglyphenkartusche. Diese Form, meist oval und auch als „Königsring” bekannt, umschloss die Namen der ägyptischen Könige und wurde hier als pfiffiges Gestaltungselement eingesetzt.

Die Material- und Verarbeitungsqualität des „CLEOPATRA” ist leider unterdurchschnittlich. Holzoberfläche, Lack und Aufdruck meiner Exemplare sind unregelmäßig, und nicht immer sitzt die (obendrein unterschiedlich dicke) Mine zentrisch im Holz. Für den unsauberen Abtrag des Holzes beim Spitzen selbst in der Kurbelspitzmaschine könnten jedoch das Alter und vielleicht eine unsachgemäße Lagerung des Bleistifts verantwortlich sein. Die Mine ist leicht kratzig und kommt mit ihrer Qualität nicht an die im ähnlich alten „ROBINSON” vom selben Hersteller heran.

LYRA „CLEOPATRA” 3410

Aufgrund seiner Mängel vermag der „CLEOPATRA” heute zwar nicht mehr zu überzeugen, doch mit seiner ungewöhnlichen Gestaltung ist er ein interessantes Stück Geschichte. – Im LYRA-Katalog aus dem Jahr 1963 war der Bleistift nicht mehr zu finden, und 1996 wurde die Marke „CLEOPATRA” gelöscht.


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