Gebrauchsgegenstand
Spitzmaschine Modell 130 „Asis“ (DDR, 60er/70er Jahre), in Benutzung im Museum für Druckkunst, Leipzig
Spitzmaschine Modell 130 „Asis“ (DDR, 60er/70er Jahre), in Benutzung im Museum für Druckkunst, Leipzig
Der STAEDTLER WOPEX ist sicher der bisher beste, aber nicht der erste durch Coextrusion gefertigte Bleistift. Bereits 1969 beauftragte der Spielzeughersteller Hasbro, damals Eigentümer der Empire Pencil Company1, die Unternehmensberatung Arthur D. Little mit der Entwicklung eines Kunststoff-Bleistifts; 1975 folgten das Patent und die Markteinführung des „EPCON“ genannten Schreibgeräts.
Irv Arons, ehemaliger Mitarbeiter von Arthur D. Little und Entwickler des Schaftmaterials für den EPCON, war so freundlich, mir einige Exemplare zu überlassen, so dass ich diesen historischen Stift unter die Lupe nehmen und zeigen kann. – Der grüne Stift stammt aus der Frühzeit des EPCON und der leuchtend blaue aus dem Jahr 1986; das Alter des graublauen kenne ich nicht. Alle haben eine polymergebundene Mine2 von Empire. (Soweit ich weiß, war der EPCON-Bleistift in Deutschland nicht erhältlich3, dafür aber Thema des Artikels „Satter Strich“ im Spiegel vom 1. Juni 1981.)
Der EPCON hat Standardmaße, ist aber mit knapp 8 g deutlich schwerer als ein mit Zwinge und Radierer4 ausgestatteter Holzbleistift. Neben den für mich rätselhaften Spuren an drei der ungespitzten Enden fällt auf, dass der EPCON lackiert ist, die äußere Schicht also nicht wie beim WOPEX im Coextrusionsprozess aufgebracht wurde. Der Lack ist glatt und fühlt sich an wie der eines holzgefassten Stifts. Die Angabe des Härtegrads fehlt, doch die Mine dürfte HB sein; der Text auf den Stiften kennzeichnet sie als Sonderauflagen.
Beim (übrigens sehr leichten) Spitzen zeigen sich die typischen Merkmale des extrudierten Bleistifts, denn im folienähnlichen Span hängen die Materialien von Mine und Schaft zusammen. Bei meinen Tests war der Span zudem elektrostatisch geladen und zog die Minenkrümel an.
Das Material ist rötlich und porös, und so ist der EPCON auch nicht ganz so dicht wie der WOPEX und lässt sich im Gegensatz zu diesem im Kurbelspitzer spitzen. – Über die Komponenten des Schafts informieren die Patentdokumente5: 50–75% eines Thermoplasts6, 20–40% faseriger Füllstoff (Holzmehl) und etwa 0,5–10% Metallseife (Aluminiumstearat). Letztere ermöglicht eine niedrigere Prozesstemperatur und erleichtert das Spitzen des Bleistifts. – Zum Vergleich: Der WOPEX enthält 70% Holz7 im Schaft sowie 4–12% Wachs und (als drucksenkende Extrusionshilfe) 0,5–2% Palmöl in der Mine8.
Die feine, frische Spitze des EPCON bricht beim ersten Kontakt mit dem Papier ab, doch dann schreibt der Stift gut. Ein Haften der Mine auf dem Papier, wie man es von anderen extrudierten Bleistiften kennt, ist nicht zu bemerken; er gleitet recht leicht (wenn auch nicht so leicht wie der WOPEX) und hat einen sauberen Abstrich. Schwärzung und Wischfestigkeit sind gut, kommen aber nicht an die des WOPEX heran. Der EPCON ist nur eingeschränkt radierbar; hier und bei der Bruchfestigkeit ist der WOPEX ebenfalls überlegen.
Gespitzt (von links): EPCON (Carl Decade DE-100), EPCON (M+R 201), WOPEX (M+R 201)
Mir gefällt die Färbung des Schaftmaterials9, erinnert diese doch an die des Holzbleistifts. Die Poren allerdings machen sich in meinen Augen nicht gut; das Geschlossene des WOPEX sieht besser aus. – Charakteristisch für extrudierte Bleistifte ist dieser Bruch, der Nutzer holzgefasster Bleistifte vermutlich überrascht.
Die Empire Pencil Corporation hat es nicht beim extrudierten Bleistift belassen, sondern ihr Sortiment später um ebensolche Farbstifte erweitert. Wann das war, konnte ich nicht herausfinden; die gezeigten Exemplare wurden Ende der 1990er Jahre in Portugal gekauft.
Die runden Farbstifte sind gut 7 mm dick und haben einen 3 mm dicken Kern sowie ein offenes Ende; die ursprüngliche Länge der benutzten Stifte kenne ich nicht. Ihr Schaft wirkt an manchen Stellen etwas feinporiger als der des EPCON, doch das könnte an der Serienstreuung liegen.
Zusätzlich zur weißen Kennzeichnung mit Produktbezeichnung, Logo und Hersteller gibt es die Blindprägung „® EPCON USA“, aber keine Chargenbezeichnung. – „Pedigree“ bezeichnete offenbar eine ganze Reihe, denn es gab auch Bleistifte dieses Namens.
Der Pedigree ist bruchstabil und wischfest, aber kaum radier- und nicht wasservermalbar; er krümelt fast nicht und haftet beim Schreiben nur wenig am Papier.
Diese Farbstifte sind sehr interessant und kämen sicher heute noch gut an.
Passend zum Thema bot sich eine kleine Exkursion durch Patentunterlagen an, aus denen einige Abbildungen gezeigt seien.
Pencil making machine (1909)
Method and apparatus for making pencils (1926)
Method and apparatus for manufacturing pencils (1952)
Pencil sheath compositions (eines der drei EPCON-Patente, 1975)
Pencil sheath compositions (eines der drei EPCON-Patente, 1975)
Der extrudierte Bleistift ist eine bemerkenswerte Erfindung, die mit dem EPCON begonnen und mit dem WOPEX ihren derzeitigen Höhepunkt, aber bestimmt noch nicht das Ende ihrer Entwicklung erreicht hat. Ich bin gespannt auf das, was die Zukunft bringt!
Vielen Dank an Irv Arons für die EPCON-Bleistifte und Melanie für die Leihgabe der Pedigree-Farbstifte!
Noch einmal die „Granate“, diesmal in einer alten, großen Ausführung für dickere Stifte und aus Magnesium.
Rechts die aktuelle „Granate“ M+R 604
Dieses Modell ist 27 mm lang und 18 mm dick; es nimmt Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm auf.
Zur Kennzeichnung „W.Z. № 507558“ konnte ich nur wenig herausfinden. „W.Z.“ steht für „Warenzeichen“ und geht zurück auf das 1936 eingeführte Warenzeichengesetz. Letzteres wurde 1995 durch das Markengesetz und damit der Begriff des Warenzeichens durch den der Marke abgelöst; dabei ist auch die Nr. 507558 erloschen.
Diese WZ-Nummer findet sich jedoch auch in der „Kleinen Anspitzer-Fibel“ von Leonhardt Dingwerth und dort in einer Anzeige aus dem Jahr 1940, mit der Möller & Breitscheid in Köln für den „Präzisions-Bleistiftspitzer Granate“ warben. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der hier gezeigte Spitzer von diesem Anbieter stammt.
Im Gegensatz zur heute üblichen Befestigung mit einer Kreuzschlitzschraube sitzt hier das Messer auf zwei Stiften und wird von einer Rändelschraube gehalten. – Bei genauem Hinschauen fällt übrigens auf, dass das Messer einen ganz leichten Hohlschliff hat (in den Fotos ist das leider nicht zu erkennen).
Ein kurzer Test an einem LYRA Super FERBY DUO zeigt, dass das Messer zwar recht stumpf ist, aber immer noch einigermaßen gut schneidet.
Ein interessanter Spitzer, zu dem es sicher noch mehr herauszufinden gibt!
Zur „Granate“ siehe auch:
Nachtrag vom 5.4.12: Wie ich vom DPMA erfahren konnte, wurde das Warenzeichen „Granate“ im Jahr 1939 beim Reichspatentamt für Möller und Breitscheid in Köln registriert.
(In dieser Zeit einen solchen Namen eintragen zu lassen, ist natürlich – wie es einer meiner Leser ausgedrückt hat – pikant.) Da die Form dieses Spitzers aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, war der Schutz vermutlich abgelaufen und konnte nicht erneuert werden; der des Namens jedoch war noch möglich.
Heute gibt’s nur die Abbildung eines Spitzers, und zwar die der „Granate“ (Messing, Modell 14/I), aus dem Katalog des Jahres 19381 von Möbius+Ruppert.
Im gleichen Katalog: Ein Schriftzug in der Futura mit schöner tz-Ligatur.
Mehr mit und zur aktuellen „Granate“:
Nicht nur LYRA, sondern auch Schwan konnte eindrucksvoll auftreten, wie das Foto von der Bayerischen Jubiläums-Landesgewerbeausstellung 1906 und die Illustration des Standes auf der Bayerischen Landesgewerbeausstellung 1882 zeigen.
1906. – Einfach stark!
1882. – Der Entwurf zu diesem Stand stammt von Prof. Heinrich Schwabe (1847–1907).
Der Riesen-Bleistift war zudem auf einer Reklamemarke zu sehen. – Danke an Herbert R. für die Scans!
Ein imposantes Ausstellungs-Arrangement zeigte die „Gedenkschrift anläßlich des 100jähr. Bestehens der LYRA-Bleistiftfabrik Nürnberg” (1906). – Ob es auf Messen oder im Werk zu sehen war, ließ die Schrift leider offen.
Äußere Ansicht
Innere Ansicht, linker Flügel
Innere Ansicht, rechter Flügel
Innere Ansicht, Mitte
Den Blick auf das damalige Werksgelände von LYRA bietet diese Illustration.
Ein schlichter und guter Dosenspitzer für Minen mit 2 und 3,15 Millimetern Durchmesser ist das Modell 424 von Eberhard Faber.
Der in Deutschland hergestellte und in einer Faltschachtel verpackte Spitzer besteht aus zwei Kunststoff- und fünf Metallteilen und misst etwa 35 × 23 × 17 mm.
Seine Hälften halten fest zusammen und schließen zuverlässig. – Die Unterseite des 424 trägt die Beschriftung „D.B.Pat. D.B.G.M. angem.“1.
Ein ansprechender, gut funktionierender Minenspitzer, der jedoch schon lange nicht mehr erhältlich ist.
Wer denkt, der 424 lebe im KUM-onit № 250 weiter2, hat nur zum Teil recht.
Bauform und Minendurchmesser sind gleich, doch der Einsatzspitzer des KUM-onit ist im Gegensatz zu dem metallenen des 424 aus Kunststoff.
Auf der Unterseite und im Gebrauch zeigt sich ein zweiter, wichtigerer Unterschied. Wohl fertigungsbedingt hat der KUM-onit unter den beiden Halterungen3 für den Spitzer zwei Öffnungen, durch die der Graphitstaub austritt.
Ein Dosenspitzer mit Löchern? Auf mich wirkt das wie eine Fehlkonstruktion.
Ich finde es kurios, dass es hierzulande keinen wirklich brauchbaren, kleinen Dosen-Minenspitzer gibt. Ist die Nachfrage denn so gering? – Deutlich größer und vielleicht auch für unterwegs geeignet ist der KUM 23A R, aber den konnte ich bis jetzt noch nicht finden.
Meine erste Wahl für das mobile Minenspitzen bleibt daher der uni DPS-6004; zuhause werkeln der M+R 0970 und der Tortoise. – Weitere Minenspitzer gibt es bei pencil talk unter „Pointing a lead“ zu sehen.
Nachtrag vom 19.3.12: Von KUM konnte ich erfahren, dass es diese Bauform seit den 1950er Jahren gibt.
Auf meine vor wenigen Tagen gestellte Frage zur Schreibhärte M hatte mein kundiger Leser Herbert R. eine Antwort in Form von Scans (zum Vergrößern anklicken):
Johann Faber Gabelsberger (1922)
Johann Faber MW und Stenographie (1926)
A.W. Faber CASTELL 9000 M (1957)
Den 9000 mit dem Aufdruck „DIE SCHREIBHÄRTE“ finde ich spitzenmäßig. – Danke an Herbert R. für die Scans!
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