Nachruf auf einen Pfeil

Ich mag Pfeile: kleine und große, dicke und dünne, gerade und gebo­gene, Pfeile auf und aus Papier, Holz und Metall.

Alter Herzpfeil

Aus­ge­rech­net ein mir beson­ders ver­trau­ter Pfeil ist inzwi­schen fast voll­stän­dig aus dem öffent­li­chen Raum ver­schwun­den, und zwar der Herz­pfeil. Auf zahl­rei­chen Stra­ßen­schil­dern rich­tungs­wei­send und bereichs­mar­kie­rend ver­tre­ten war er für lange Zeit ein wich­ti­ger und auf­fäl­li­ger Teil des Stra­ßen­bilds, das sich jetzt wan­delt, denn schon einige Jahre vor der am 1. Sep­tem­ber 2009 ein­ge­führ­ten neuen Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung erfuh­ren etli­che Schil­der eine Über­ar­bei­tung. Bei die­ser Straf­fung – einer wei­te­ren unse­res All­tags – musste der alte Herz­pfeil mit sei­ner freund­li­chen und etwas fül­lig wir­ken­den Gestalt der mage­ren, kantig-​strengen ISO-​Variante weichen.

Neuer ISO-Pfeil

Es klingt bestimmt völ­lig irra­tio­nal und hoff­nungs­los nost­al­gisch, aber mir wird der Herz­pfeil fehlen.

Stift-​Styling

Der mit wer­ben­der Bot­schaft bedruckte und nicht sel­ten lärmend-​bunte Kugel­schrei­ber ist all­ge­gen­wär­tig, doch es gibt auch einige Anbie­ter, die mit geschmack­vol­len Blei­stif­ten eine wohl­tu­ende und in mei­nen Augen deut­lich inter­es­san­tere Alter­na­tive im Pro­gramm haben. Einer davon, die Rei­din­ger GmbH mit Sitz im frän­ki­schen Ham­mel­burg, hält mit dem Bleistift-​Konfigurator zudem eine Beson­der­heit bereit: Geneigte Kun­den kön­nen mit die­sem ihren Wunsch-​Bleistift ent­wer­fen und dabei aus einer Viel­zahl an Gestal­tungs­op­tio­nen wählen.

Bleistift-Konfigurator von Reidinger

Allein für runde und sechs­flä­chige Blei­stifte mit Tauch­kappe sowie Lack­ring ste­hen bereits über 140.000 mög­li­che Kom­bi­na­tio­nen zur Aus­wahl. Nicht schlecht!

Bleistift-Konfigurator von Reidinger

Aller­dings rich­ten sich die­ses und alle andere Ange­bote von Rei­din­ger (ebenso wie die der mir bekann­ten Mit­be­wer­ber) aus­schließ­lich an gewerb­li­che Abneh­mer – eigent­lich schade, denn ich kann mir durch­aus vor­stel­len, dass man­che pri­va­ten Nut­zer eben­falls Spaß daran hät­ten (wenn auch viel­leicht nicht in den für Groß­kun­den gedach­ten Mengen).

Nach­trag vom 16.4.10: Eine andere Mög­lich­keit der Gestal­tung bie­tet STABILO mit „Design Your Pen“ für drei Pro­dukte an.

„Design Your Pen” von STABILO

Auf den gestal­tungs­freu­di­gen Kun­den und des­sen Farb- und Bedruckungs­wün­sche war­ten der Text­mar­ker „BOSS“, der Kugel­schrei­ber „con­cept“ und der Tin­ten­rol­ler „EASYo­ri­gi­nal“.

„Design Your Pen” von STABILO

Schlau sparen

Mit einer gro­ßen Über­ra­schung war­tete Her­bert R., ein sehr kun­di­ger Kom­men­ta­tor die­ses Web­logs, heute per E-​Mail auf.

Schlau sparen

Gegen die Behaup­tung des Sparbleistift-​Anbieters Haack, der klas­si­sche Holz­blei­stift wäre eine Ver­schwen­dung, wehr­ten sich die Blei­stift­her­stel­ler Anfang der 1930er Jahre mit der vier­sei­ti­gen „Schlaumeier“-Broschüre.

Schlau sparen

Den humor­voll illus­trier­ten, aber lei­der erfolg­lo­sen Bemü­hun­gen des Herrn Schlau­meier, mit Hilfe des bewor­be­nen Spezial-​Stifts zu spa­ren, folgte eine detail­lierte Gegen­über­stel­lung der Eigen­schaf­ten von Spar- und holz­ge­fass­tem Blei­stift, aus der letz­te­rer als kla­rer Sie­ger hervorging.

Schlau sparen

Doch bereits vor die­ser Auf­zäh­lung war klar: „Viel unnüt­zes Geld wurde schon aus­ge­ge­ben für sogen. ‚Spar‘-Gegenstände“. Wem kommt das nicht bekannt vor …

Schlau sparen

Das Ende der Geschichte: Herr Schlau­meier hatte sich geirrt und war nun noch schlauer. – Kaum zu glau­ben, aber wahr: Diese Bro­schüre löste einen etwa vier Jahre andau­ern­den Rechts­streit aus.

In den frü­hen Fünf­zi­gern gab es zudem eine Post­karte, die ver­mut­lich andeu­ten sollte, dass man zum Anspit­zen eines Blei­stifts die Erlaub­nis des Chefs benö­tigt, und sich so über den „Spar­stift“ mokierte.

Schlau sparen

Danke an Her­bert R. für diese Scans!

Sparmaßnahme

Nicht gespart bei der Reklame für ihren Spar­stift hat die „Erste deut­sche Sparb­lei­stift­fa­brik“ Haack GmbH, hier ver­tre­ten durch das Ver­kaufs­büro Stein & Co. in Mün­chen, mit einer Mas­sen­druck­sa­che vor wohl knapp 80 Jahren.

Reklame für den Sparstift von Haack

Die Emp­fän­ger des hier gezeig­ten Exem­plars der drei­tei­li­gen Wer­be­schrift waren alle Büros und Ämter im ober­baye­ri­schen Traun­stein, an deren Spar- und – die­sem gleich­ge­setzt – Erfolgs­wil­len man auf recht dra­ma­ti­sche Weise appellierte.

Reklame für den Sparstift von Haack

Unter dem Betreff „Prak­ti­sche Blei­ver­bil­li­gung“ wies der Absen­der auf einen „merk­wür­di­gen Gegen­satz“ hin, der „unnö­tige Mehr­aus­ga­ben ver­ur­sacht“: Im Kon­trast zum Feder­hal­ter, bei dem nur die Federn erneu­ert wer­den, sorge die „20 bis 30malige Holz­schnit­ze­lei an einem Blei­stift“ für Zeit­ver­lust und „ver­lust­rei­chen Holz­kon­sum“ beim „Bleige­brauch“, und in der Fuß­zeile, wo viele Schrei­ben admi­nis­tra­tive Infor­ma­tio­nen bereit­hal­ten, wurde noch ein­mal betont, dass die Benut­zung der Haack-​Sparstifte „Eine For­de­rung des Spar­sin­nes und der Zweck­mä­ßig­keit“ sei; die bereits vom Umschlag bekannte Faust hob erneut den engen Zusam­men­hang von Spa­ren und Erfolg hervor.

Reklame für den Sparstift von Haack

Deut­lich war auch die Aus­sage des bei­gefüg­ten Hand­zet­tels: Den Spä­nen, „die Ihr Geld kos­ten“, setzte man den 40 Pfen­nig güns­ti­gen Minen-​Halter von Haack ent­ge­gen, der mit lan­gen 3-​Pfennig-​Bleiminen bestückt wurde, immer schreib­fer­tig war und oben­drein „Viele Arbeits­stö­run­gen“ beseitigte.

Reklame für den Sparstift von Haack

Bei der Dar­stel­lung der Minen dürfte man jedoch etwas über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen sein, denn ich bezweifle, dass das Grö­ßen­ver­hält­nis von Mine zu anbie­ten­der Dame kor­rekt ist. – Ob der dem Holzspäne-​Regen aus­ge­setzte Page noch eine andere Auf­gabe als das Umblät­tern hatte, weiß ich lei­der nicht.

Reklame für den Sparstift von Haack

Um sich für „10 Tage zur Probe ohne Kauf­ver­pflich­tung“ bemus­tern zu las­sen, genügte es, durch das Aus­fül­len und Absen­den der bei­lie­gen­den Karte den Spar­wil­len auszudrücken.

Reklame für den Sparstift von Haack

Bei „abseits von Luxus und Spie­le­rei“ hätte ich aller­dings gezö­gert – gerade auf letz­tere zu ver­zich­ten wäre mir äußerst schwer gefallen.

Reklame für den Sparstift von Haack

Fotos und einige Details zum Spar­stift, bei dem ein Schie­be­me­cha­nis­mus für den Trans­port der Mine sorgte, gibt es im Online-​Museum „Lead­hol­der“.

Verputzt

Verputzt

Im Gegen­satz zu mir, der ich mich stets der unge­schmink­ten Wahr­heit ver­pflich­tet fühle und nur sel­ten dick auf­trage, hat das scho­ko­la­dige Lang­ohr, des­sen schlichte Visi­ten­karte hier zu sehen ist, geschmack­voll auf­ge­legt, um anläss­lich der Fei­er­tage eine appe­tit­li­che Erschei­nung abzu­ge­ben. Mit mei­ner unde­ko­rier­ten Auf­ma­chung kann ich da natür­lich nicht kon­kur­rie­ren, und so werde ich an den öster­li­chen Tagen vor­zugs­weise im Hin­ter­grund herumeiern.

Ich wün­sche mei­nen Lesern ein ange­neh­mes Osterfest!

Bleistiftherstellung vor 60 Jahren

Einen sehr inter­es­san­ten Ein­blick in die Pro­duk­tion von J.S. STAEDTLER im Jahr 1950 bie­tet der kürz­lich von STAEDTLER bei Face­book ein­ge­stellte Schwarzweiß-​Film „Wie der STAEDTLER-​Stift ent­steht“. Im Gegen­satz zu den gezeig­ten Blei­stif­ten ist der gut 15-​minütige Strei­fen ganz ohne Ton, was jedoch seine Attrak­ti­vi­tät für mich nicht min­dert. Ein bemer­kens­wer­tes his­to­ri­sches Dokument!

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