Monatsarchiv für November 2014

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„Es begann vor 300 Jahren”

Sonntag, 30. November 2014

„Es begann vor 300 Jahren”

Anzeige in „Reader's Digest”, Mai 1962

Besonders gut gefällt mir die Formulierung „heute mehr denn je das unentbehrliche Werk­zeug für jede geistige Arbeit”.

Morgendliche Begegnung

Sonntag, 30. November 2014

Morgendliche Begegnung

Die Waage

Freitag, 28. November 2014

Eines der bekanntesten Warenzeichen aus der Welt der Bleistifte ist die Waage, die viele Jahrzehnte die Produkte von A.W. Faber zierte und auch auf dem Bleistift Castell 9000 an­zutreffen war. Doch welche Geschichte hat sie?

Die Waage

Bleistift Castell 9000 (1983)

Die Waage war ursprünglich das Markenzeichen der Bleistiftfabrik J.W. Guttknecht in Stein bei Nürnberg, die 1907 von A.W. Faber übernommen wurde1.

J. W. Guttknecht

Firmengründer war Johann Andreas Guttknecht aus Frankfurt, der sich in Stein als Schrei­nermeister niederließ und 1769 erstmalig als Bleistiftmacher urkundlich erwähnt wurde. Im Jahr 1828 übernahm sein Sohn Johann Wilhelm Guttknecht die Firma und gab ihr seinen Namen. Er blieb Junggeselle und verkaufte er das Unternehmen 1865 an die Kaufleute Elßmann und Haase, doch diese hatten nicht viel Glück – 1893 war die Firma völlig ver­schuldet, und Haas beging im selben Jahr Selbstmord. Eigentümer waren anschließend die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank und danach die Kaufleute Jakob, Eckert und Betz; letzterer wurde 1899 Alleinbesitzer und verkaufte das Unternehmen 1907 an Ale­xander Graf von Faber-Castell und dessen Frau Ottilie2.

Die Waage

Titel des Warenkatalogs der Bleistiftfabrik J.W. Guttknecht (19073)

Unklar bleibt für mich, woher die Jahreszahl 1750 stammt. – Wie die Unterlagen im Deutschen Patent- und Markenamt in München belegen, wurde die Waage im Mai 1875 als Warenzeichen für zahlreiche Produkte4 von J.W. Guttknecht eingetragen.

Die Waage

Quelle: Nachweisung der im Deutschen Reiche gesetzlich geschützten Waarenzeichen, 1. Band5. –
Die Lücke in der Waage ist auch im Original.

Doch warum eine Waage? Welchen Bezug zum Handwerk des Bleistiftmachers hat sie? Ich weiß es nicht, habe aber eine Vermutung. Wie Dr. Gustav Schwanhäußer in seiner 1895 als Buch veröffentlichten Dissertation „Die Nürnberger Bleistiftindustrie und ihre Arbeiter in Vergangenheit und Gegenwart” schreibt, stand bis 1708 noch nicht fest, mit welchen Warenzeichen die Bleistiftmacher ihre Fabrikate versahen und versehen mussten. Abhilfe schaffte das Rugsamt, die damalige Handwerksaufsichtsbehörde, mit der Festlegung von zwölf Zeichen im selben Jahr.

Die Waage

Quelle: Dr. Gustav Schwanhäußer, Die Nürnberger Bleistiftindustrie und ihre Arbeiter
in Vergangenheit und Gegenwart. Schrag-Verlag, Nürnberg 1895.

Die beiden letzten Zeichen standen noch bis 1730 zur Verfügung der Schreiner, gingen aber im darauffolgenden Jahr in den Besitz der Bleistiftmacher über. Ich halte es für denk­bar, dass die damaligen Bleistiftmacher beliebige Zeichen ohne oder mit nur wenig Bezug zum Gewerbe genutzt haben und diese Praxis bis in das 19. Jahrhundert weiter bestand. – Den heute üblichen Markenschutz gab es damals noch nicht. Als die Produkte von A.W. Faber aufgrund ihres großen Erfolges imitiert wurden, reichte Lothar von Faber Anfang der 1870er Jahre eine Petition zum Schutz des Markenartikels beim Deutschen Reichstag ein. Diese führte dazu, dass 1875 ein Gesetz zum Markenschutz in Kraft trat6; aus diesem ent­stand unserer heutiger Markenschutz.

Wie die Registerauskunft des DPMA informiert, ließ sich A.W. Faber die Waage im April 1914 als Bildmarke eintragen.

Die Waage

Wann genau und auf welchem Produkt A.W. Faber sie zum ersten Mal genutzt hat, konnte ich allerdings noch nicht herausfinden.

Die Waage

Banderole der Polygrade Lead Pencils 1205 № 17

Ich finde es bemerkenswert, wie viele Varianten der Waage es über die Jahrzehnte gab. Waren die Änderungen beabsichtigt? Wenn ja, lassen sich mit ihrer Hilfe Produkte datie­ren? Oder ging man damals einfach lockerer damit um und achtete nicht immer auf eine einheitliche Gestaltung?

Die Waage

Briefpapier (1932)

Sicher machte auch die verwendete Drucktechnik Abwandlungen nötig, denn es lassen sich z. B. auf Briefpapier feine Details besser wiedergeben als im Prägedruck. – Hier noch ein paar Varianten der Waage aus meinem Fundus.

Die Waage

Verlängerer 45187

Die Waage

Pestalozzi Krokier-Etui Nr. 7673 (1930er oder 1940er Jahre3)

Die Waage

Blauer Farbstift „Faber 6″ 2671 (1935–19403)

Die Gestaltung der Schalen und den abgesetzten Punkt auf dem Karton des blauen Farb­stifts 2671 finde ich sehr ungewöhnlich.

Die Waage

Prägung auf dem Titel der Firmenmonografie zur A.W. Faber Bleistiftfabrik (1934)

Die Waage

Bleiminen 2577 für Klemmstifte 25417

Wie der folgende Ausschnitt zeigt, waren zuweilen verschiedene Varianten nebeneinander zu sehen.

Die Waage

Aus dem Warenkatalog von 19613

Weitere bekannte Marken von A.W. Faber-Castell waren die Wortmarke „Castell” (1906, der spätere Namensteil), die Kombination mit stilisierter Burg (1906) und das querliegende Oval mit dem Wappen (1950). Die beiden mit Bleistiften kämpfenden Ritter wurden 1906 als Schutzmarke eingeführt8.

Die Waage

Blechdose Castell 9000 (vermutl. späte 1980er oder frühe 1990er Jahre)

Bei der Neuausrichtung des Unternehmens im Jahr 1993 trennte sich Faber-Castell von der Waage, die 118 Jahre lang nicht nur auf Bleistiften zu sehen war. Sie ist jedoch immer noch auf die Faber-Castell AG eingetragen.

Danke an Faber-Castell für den Scan des Guttknecht-Katalogtitels und das DPMA für den Scan des Warenzeicheneintrags aus dem Jahr 1875!

Nachtrag vom 2.7.15:

Die Waage

Von einer Banderole grüner Farbstifte

Die Waage

Von einer Banderole Goldfaber-Bleistifte

Die freischwebenden Waagschalen haben etwas, finde ich.

  1. Bis in die 1940er Jahre vertrieb A.W. Faber-Castell die billigen Bleistiftsorten unter dem Namen J.W. Guttknecht.
  2. Quelle: Gerhard Hirschmann, Stein bei Nürnberg – Geschichte eines Industrieortes. Franken­verlag Lorenz Spindler, Nürnberg 1962.
  3. Jahresangabe von Faber-Castell.
  4. Die Bedeutung des Begriffs „Farbkrene” in diesem Eintrag kenne ich nicht.
  5. Herausgegeben im Auftrag des Reichsamts des Innern. Aufgeführt werden Warenzeichen bis Ende 1886. – Ja, „Waarenzeichen”.
  6. Man beachte den Begriff „Schutz-Marke” unter der im selben Jahr eingetragenen Waage von Guttknecht.
  7. Das Alter kenne ich nicht.
  8. Quelle: „Faber-Castell since 1761″.

Fabermännchen

Montag, 24. November 2014

Gefunden bei der Suche nach etwas ganz anderem: Die Wort-Bildmarke „Fabermännchen” von A.W. Faber-Castell, 1952 eingetragen und 2002 gelöscht.

Fabermännchen

Den gleichnamigen Bleistift kenne ich, doch das lustige Kerlchen ist mir in der freien Wild­bahn leider nie begegnet.

Auf die Schnelle

Sonntag, 23. November 2014

Da ich heute eigentlich keine Zeit fürs Weblog habe, gibt es nur etwas Schnelles.

Auf die Schnelle

Ausschnitt vom Titel der Gebrauchsanweisung zu den Thermochrom-Messfarbstiften
von Faber-Castell (ca. 1964)

Black Star

Samstag, 22. November 2014

Etwas ungewöhnlich finde ich es schon, dass Bohemia Works1 auch diese Farbstifte „Black Star” genannt hat, doch das tut der für mich großartigen Gestaltung keinen Abbruch.

Black Star

Das war's auch schon für heute.

  1. Laut Brand Name Pencils war Bohemia Works eine 1957 gegründete Exportfirma von L. & C. Hardtmuth aus der damaligen Tschechoslowakei

Wundersame Welt der Waren (31)

Donnerstag, 20. November 2014

Der Gebrauch des Hinweises „Serviervorschlag” treibt seltsame Blüten. Sogar die einer Son­nenblume.

Sonnenblume

Wer nun denkt, das einem aus dem Becher der Sonnenblumen-Margarine („mit 5% ande­ren pflanzlichen Fetten”) der REWE-Hausmarke „ja!” eine Sonnenblume entgegensprießt, liegt falsch, denn aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass der Serviervorschlag den Inhalt stets so zeigt, wie er nicht ist. Die Frage, wie man die Sonnenblume aufs Brot streichen soll, stellt sich daher auch nicht.

Wenn ich einen Lieblings-Serviervorschlag nennen müsste, dann wäre es dieser.

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Giraffe

Dienstag, 18. November 2014

Da einigen Lesern der letzte Beitrag zu lang war, gibt es heute einen kurzen.

Giraffe

Die inkorrekten Proportionen bitte ich zu entschuldigen. (Träfe man diese Kombination in der Natur an, wäre der Bleistift etwa 5,70 m lang und 25 cm dick, womit es der Giraffe recht schwer fallen dürfte, ihn zu benutzen.)

Vielen Dank an Baktasch für den „giraffe”-Bleistift!

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