Archiv des Stichworts „Granate”

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Granate 1892

Dienstag, 26. September 2017

Das US-amerikanische Design-Patent1 Nr. 21864 vom September 1892 beschreibt eine Va­riante des als „Granate” bekannten Handspitzers.

Granate 1892

Hat die „Granate” auch heute noch vier Rändelungen2, damit man sie gut greifen kann, ist der im Patent gezeigte Spitzer mit vier Ringen aus jeweils acht Flächen versehen. Interes­santerweise hebt Stephen A. Davis, der Inhaber des Patents, hervor, dass die Vertiefung für das Messer nicht Bestandteil seines Designs ist. – Offen bleibt, ob dieser Spitzer tat­sächlich produziert wurde oder es bei dem Design-Patent blieb.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf dieses Patent!

  1. Vergleichbar mit dem Geschmacksmuster in Deutschland.
  2. Die Ausführungen für Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm (z. B. diese) haben nur drei Rändelungen.

Granate 1892

Montag, 15. Mai 2017

Meine Suche nach dem Ursprung des als „Granate” bekannten Handspitzers dauert an. Ein neuer Fund führt in das Jahr 1892 und damit weiter zurück als bisher.

Mit „Equal to the finest imported” bewarben Greenough, Hopkins & Cushing im April 1893 den „Peerless”, was die Vermutung nahelegt, dass dieser Spitzer als Konkurrenz zu Import­ware antrat. Eine Bestätigung dafür findet sich in „The American Stationer”, Ausgabe 31 vom 7. Januar 1892:

Granate 1892

Granate 1892

Die Formulierung „which has heretofore been imported” belegt es – der „Peerless” (oder ein ähnlicher Spitzer) musste also bisher importiert werden, und zwar aus Europa, wie es weiter heißt.

Einer Meldung in „The American Stationer”, Ausgabe 32 vom 3. November 1892, zufolge war das Unternehmen zehn Monate nach dieser Meldung zur Auslieferung des „Peerless” bereit:

Granate 1892

Und auch hier der Hinweis auf importierte Spitzer. Aber welche waren das? Einen kleinen Hinweis könnte diese Anzeige der B. Lawrence Stationery Co., 224, 226 and 228 Centre Street, New York in „The American Stationer”, Ausgabe 31 vom 7. Januar 1892, geben:

Granate 1892

(zum Vergrößern anklicken)

Leider fehlen der Name und eine Angabe zur Herkunft dieses Modells. War es dieses, zu dem der „Peerless” in Konkurrenz trat?

Granate 1892

Geht man davon aus, dass die Darstellung weitgehend korrekt ist, fallen die beiden Schrau­ben auf. Die frühen Versionen der „Granate” von Möbius+Ruppert und Möller & Breitscheid hatten ein Rändelrad und zwei Stifte, um das Messer zu halten, doch der Brinco „Sharpe-Point” nutzte zwei Schrauben. Führt die Spur nach England?

Janus 1

Samstag, 13. Mai 2017

Ende September letzten Jahres ist bei Prestel das Buch „Schreibwaren. Die Rückkehr von Stift und Papier”1 erschienen. Es geht (so der Verlag) auf die „neue Schreibkultur” und die Rückkehr der „guten alten Schreibgeräte” ein und ist mit seinem eher ungewöhnlichen, aber breiten Spektrum auch für diejenigen interessant, die bereits mit diesem Thema ver­traut sind. Uneingeschränkt empfehlen kann ich es jedoch leider nicht, da manche Dinge meiner Ansicht nach nur oberflächlich abgehandelt werden und einiges auf mich wie Wer­bung wirkt. Die Fülle und die Qualität der Fotos sind allerdings beeindruckend, und auch die Gestaltung ist sehr ansprechend.

Janus 1

Zum Größenvergleich ein Tombow Mono 100.

Ich habe mit einem Kapitel über den als „Granate” bekannten Handspitzer zu diesem Buch beigetragen.

Janus 2

Bei der Lektüre bin ich auf Seite 49 über „Janus 1″ gestolpert.

Janus 3

„Janus 1″ stimmt natürlich nicht, denn der gezeigte Spitzer ist ein Janus 4048. Doch wa­rum hat er eine Torxschraube? Genau, weil es mein Exemplar ist, bei dem ich die originale Schlitzschraube überdreht und durch eine Torxschraube ersetzt habe.

Janus 4

Faber-Castell Janus 4048 und Möbius+Ruppert 604 („Granate”) aus „Top Two (2)”

Das verwendete Foto stammt aus meinem Beitrag „Top Two (2)”. Man hatte es sich we­gen der Granate geben lassen, dann aber nur den Janus 4048 benutzt – allerdings ohne dies anzusprechen, und so habe ich weder auf die Schraube hingewiesen noch ein Foto ei­nes originalen Janus 4048 angeboten (wahrscheinlich hätte dann auch die korrekte Be­zeichnung dieses Spitzers ins Buch gefunden).

Janus 5

Janus 1 (Original und Abbild)2

So können alle Leser dieses Buches meinen persönlichen Janus 4048 bewundern, den ich ab jetzt „Janus 1″ nennen werde3.

Janus 6

Janus 1 und Janus 4048 in trauter Zweisamkeit

Nicht jedem Spitzer wird eine solche Ehre zuteil!

  1. Luca Bendandi, John Z. Komurki: Schreibwaren. Die Rückkehr von Stift und Papier. Prestel 2016, ISBN 978-3-7913-8268-5.
    Luca Bendandi, John Z. Komurki: Stationery Fever. From Pencils to Paper Clips and Everything In Between. Prestel 2016, ISBN 978-3-7913-8272-2.
  2. Das Messer ist ein anderes, weil ich es inzwischen ausgetauscht habe. – Man beachte auch die beiden Spuren an den hinteren hohen Stellen; diese kommen vom Lederetui.
  3. Nein, ich mache mich nicht über diesen Fehler lustig (außerdem wäre er sehr leicht vermeidbar gewesen).

Granate 1893

Dienstag, 9. Mai 2017

Ein weiteres Puzzlestück in der Geschichte des hierzulande als „Granate” bekannten Hand­spitzers: Diese Anzeige in „The American Stationer”, Ausgabe 33 vom 13. April 1893, Seite 821.

Granate 1893

Das ist die älteste mir bekannte Darstellung des „Granate”-Designs1 (zylindrisch, vier Rände­lungen und konische Spitze).

Interessant finde ich die Aussage „Equal to the finest imported”. War der „Peerless” etwa das im Inland gefertige Konkurrenzprodukt für importierte Spitzer, darunter die „Granate”? Wenn ja: Woher kam sie? Wer hat das Design erdacht und sie gefertigt? Welche Firmen haben sie vertrieben und exportiert? Eine weitere Recherche lohnt sicher.

Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf die Anzeige!

  1. Das Early Office Museum führt in der Rubrik „Small Pencil Sharpeners” einen sehr ähnlichen „American Cartridge Pencil Sharpener” von Eberhard Faber auf und gibt das Jahr 1892 an, doch da eine Quellenangabe fehlt, ist diese Information für mich wertlos. – Siehe auch „Granate 1892–1933″.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Samstag, 22. Oktober 2016

Es begann mit Schlüsseln. Joshua Thacker, Künstler und Juwelier aus Kentucky, USA, ver­zierte erst seine Schlüssel, dann die einiger Freunde mit Gravuren; später folgten viele Auftragsarbeiten. Manche dieser Schlüssel öffneten kein Schloss, hatten aber einen sym­bolischen Wert und erfreuten auch diejenigen, die sich ansonsten nichts aus Schmuck machen. Der Autodidakt liebt es zudem, Alltagsgegenstände in außergewöhnliche Stücke zu verwandeln, und widmete sich kürzlich dem als „Granate” bekannten Spitzerklassiker von Möbius+Ruppert.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Er findet, dass Bleistiftspitzer zu den Gegenständen gehören, die aufgrund ihrer Funktion und dessen, was sie für Künstler und Kunsthandwerker bedeuten, nicht nur Werkzeug, sondern auch Leinwand sein können. Dieser kleine, nüchterne Gegenstand, so Joshua Thacker weiter, ging vielen schönen Meisterwerke und großen Leistungen der Menschheit voraus, so dass er eine besondere Bearbeitung in jeder Form verdient.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Der Künstler, der sich von den unterschiedlichsten Dingen in seinem Umfeld inspirieren lässt, arbeitet in verschiedenen Stilen, bevorzugt aber Steampunk, Art Deco und Industrial. Seine Werke bietet er auf Etsy an; Sonderwünschen gegenüber ist er aufgeschlossen.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Die gravierte „Granate” wird auf Kundenwunsch angefertigt (die hier gezeigte gehört dem Künstler) und kann mit zwei oder drei Buchstaben personalisiert werden. Das Werk kostet umgerechnet etwa 54 Euro inklusive Spitzer plus Versand; günstigere Varianten mit weni­ger Gravur sind in Planung.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Die Arbeit und die Gedanken des Künstlers gefallen mir sehr gut, und so habe ich bereits die Gravur eines Pollux in Auftrag gegeben.

Vielen Dank an Joshua Thacker für die Fotos!

Granate 1938–1980

Freitag, 15. April 2016

Alte Kataloge von Möbius+Ruppert liefern weitere Details zur Geschichte des Handspitzers „Granate”.

Granate 1938–1980

1938

Der älteste Eintrag stammt aus dem Jahr 1938 und führt den Messingspitzer unter der Nummer 14/I auf. Es gab auch eine Variante aus „Elektron-Metall”, wie es damals hieß, also aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung; sie hatte die Nummer 14/II.

Granate 1938–1980

1960er Jahre

In den 1960er Jahren bot man nur noch die Magnesium-Ausführung an. Sie trug jetzt die Nummer 14/II und hatte statt der Rändel- eine Schlitzschraube aus Messing.

Granate 1938–1980

1971

Die Befestigung mittels einer Schraube und zweier Stifte behielt man bis in die frühen 1970er Jahre bei.

Granate 1938–1980

1975

Eine weitere Änderung bestand im Wegfall der beiden Stifte; wie jedoch das Messer ge­gen Verdrehen geschützt war, kann ich dieser Abbildung leider nicht entnehmen. Die „Granate” bekam nun die heute noch aktuelle Artikelnummer 6041.

Granate 1938–1980

1980

In der zweiten Häfte der 1970er Jahre legte man das Messer in ein Messerbett, wodurch es in Position gehalten wurde; daher stand es auch nicht mehr über und ließ den Spitzer gefälliger aussehen. Es musste dafür allerdings schmaler gemacht werden, und so gab (und gibt) es eigene Ersatzmesser nur für die „Granate”. – Die letzte konstruktive Änderung2 war der Umstieg von der im Haus gefertigten Messing- auf eine aus kaltem Draht gepresste und zum Schutz vor Rost galvanisierte Kreuzschlitzschraube von Laro (Italien)3.

Danke an Möbius+Ruppert für die Leihgabe der Kataloge!

  1. Genauer: Zuerst 604 0, später 604.0 und heute 0604.
  2. Zu Änderungen bei den Materialien und Fertigungsverfahren kann ich nichts sagen.
  3. Quelle: „Warenprobe: Das steckt alles in einem Spitzer”.

W.Z. № 47683

Dienstag, 12. April 2016

Ein weiteres Exponat im virtuellen Museum zum Spitzerklassiker „Granate”, und zwar aus Messing, für dicke Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm und mit einer inter­essanten Kennzeichnung.

W.Z. № 47683

Das Stück war in keinem guten Zustand, und so musste ich erst einen Frühjahrsputz1 vor­nehmen.

W.Z. № 47683

Dieses Modell hat die gleiche Form und Größe wie das bereits vorgestellte mit dem 1939 eingetragenen Warenzeichen 507558 und trägt ebenfalls die Prägung „GRANATE”. – Das Messer ist stumpf und schartig, so dass ich auf einen Funktionstest verzichtet habe.

W.Z. № 47683

Hier zu sehen ist jedoch das Warenzeichen 47683, das 1900 angemeldet und 1901 für Möller & Breitscheid eingetragen wurde; daraus schließe ich, dass der Spitzer von diesem Anbieter stammt und um die 100 Jahre alt ist.

W.Z. № 47683

Erst bei dieser „Granate” ist mir aufgefallen, dass sie – ebenso wie die mit dem Waren­zeichen 507558 – nur drei statt vier Rändelungen hat; letztere hielt ich immer für ein typisches Merkmal dieses Spitzers, das über die Jahrzehnte geblieben ist.

Nachtrag vom 9.10.16: Bei der Durchsicht meiner Granaten konnte ich feststellen, dass alle Varianten für dickere Stifte drei und nur für normale Stifte vier Rändelungen haben.

  1. Sehr hilfreich dabei war das Einweichen in der Sidol-Metallpolitur und das anschließende Bearbeiten mit einer alten Zahnbürste; die festsitzende Rändelschraube konnte ich mit Caramba Super Plus Vielzweck-Spray (heute Caramba Super Plus Premium Multiöl) lösen.

Granate 1903–1908

Mittwoch, 30. März 2016

Auch im Archiv von Faber-Castell findet sich der Handspitzer „Granate”.

Granate 1903–1908

(zum Vergrößern anklicken)

In den Warenkatalogen von A.W. Faber Berlin wurden von 1903 bis 1907 unter dem Pro­duktnamen „Granate” der Bleistiftspitzer No. 1903 und der Farbstiftspitzer No. 1696 sowie Ersatzmesser angeboten. – Der höhere Preis für den Farbstiftspitzer lässt mich vermuten, dass er ähnlich dieser Variante von Möller & Breitscheid für dickere Stifte ausgelegt und da­her größer war.

Granate 1903–1908

(zum Vergrößern anklicken)

1908 bewarb ein französischer Warenkatalog von A.W. Faber auf Seite 232 (!) die „Gra­nate”, diesmal mit der Artikelnummer 4001.

Über den (oder die) Hersteller dieser Spitzer hat das Archiv von Faber-Castell keine Infor­mationen. – Bereits ein paar Mal bin ich auf die 1953 gegründete Fabrik für Feinmechanik und Elektrotechnik Hermann Mellert (heute: Mellert SLT GmbH & Co. KG) aufmerksam geworden. Dieses Unternehmen hat in den 1950er Jahren Messingspitzer gefertigt und könnte daher auch die (spätere) „Granate” hergestellt haben, doch leider gibt es im Unter­nehmen keine Dokumente zur Spitzerfertigung mehr.

Granate 1903–1908

Es fällt übrigens die bemerkenswerte Ähnlichkeit der beiden Abbildungen auf (man be­achte u. a. die Darstellung der Reflexionen auf Rändelschraube und Messer); ich gehe da­von aus, dass beiden Katalogeinträgen dieselbe Illustration zu Grunde lag.

Hier noch die Titel der zitierten Kataloge:

Granate 1903–1908

Granate 1903–1908

Danke an Faber-Castell für die Scans!

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