Archiv des Stichworts „Museum”

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Stiftebecher des Monats

Sonntag, 5. Februar 2017

Als Fan der Reihe „Pencil Pot Of The Month” bei Bleistift kann ich es mir nicht verkneifen, ab und zu etwas Ähnliches anzubieten, auch wenn ich weder mit der Qualität noch mit der Regelmäßigkeit mithalten kann.

Stiftebecher des Monats

Dieser Kandidat ist aus Kunststoff und beherbergt als Besonderheit eine Uhr mit Wecker und ein Thermometer; das Display wird auf Knopfdruck beleuchtet. Während sich diese Beleuchtung nach vier Sekunden selbsttätig abschaltet, tut einem das Wecksignal diesen Gefallen leider nicht. Die sieben wählbaren Melodien sind so grausig, dass man sofort die Batterien (3 × AAA) entnimmt, um sich dieser Qual kein zweites Mal aussetzen zu müssen. Dabei findet man auf der Innenseite des Batteriefachdeckels die Angabe „PATENT NUM­BER 201530007141.1″, zu der ich jedoch nichts in Erfahrung bringen konnte.

Farbenspiel

Samstag, 4. Februar 2017

Einen farbenfrohen Auftritt hatte die Schwan-Bleistift-Fabrik A.G. Nürnberg im Jahr 1944 mit dieser Anzeige.

Farbenspiel

(zum Vergrößern anklicken)

Die als Beileger ausgeführte Anzeige ist beidseitig bedruckt und misst 24 × 16,3 cm; das Papier ist mit gefühlten 70 g/m² vergleichsweise dünn.

Farbenspiel

Der Name „Stabilo” geht zurück auf die hohe Stabilität des 1925 von Schwan vorgestellten Dünn­kernfarbstifts und wurde 1939 eingetragen. – Im gleichen Jahr kam der Schwan auf die Tauchkappe; dieses sog. „Schwan-Auge” ziert die Stifte noch heute.

Farbenspiel

Unnötig zu sagen, dass ich die Gestaltung sehr reizvoll finde.

Farbenspiel

Nachtrag vom 6.2.17: Diese Anzeige lag im Dezember 1944 der Sonderausgabe „Der Eu­ropäische Mensch” der Wochenzeitung „Illustrirte Zeitung Leipzig” bei, die im J.J. Weber Verlag Leipzig erschien. Von dieser Zeitung gab es von 1843 bis in den September 1944 hinein wöchentlich eine Ausgabe. Kriegbedingt wurde der Druck mit der letzten regulären Ausgabe im September 1944 eingestellt; danach erschien nur noch die erwähnte Sonder­ausgabe. Nach dem Krieg wurde die Arbeit an dieser Zeitung nicht wieder aufgenommen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Dienstag, 29. November 2016

Die Broschüre „Die Entstehung des Bleistiftes” von Eberhard Faber, Neumarkt bei Nürn­berg, stellt „Wissenswertes über die Herstellung von Blei-, Kopier- und Farbstiften” in Wort und Bild dar. Ich finde sie nicht nur wegen der Titelseite sehr ansprechend.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

(zum Vergrößern anklicken)

Der zwölfseitige Druck im Format DIN A4 enthält Details, die man als Endkunde auch heute nicht so einfach erfährt; dies und einige Formulierungen sprechen dafür, dass sich Eberhard Faber damit an Händler richtete. Im Mittelpunkt stehen Stifte und Radierer der Marke VAN DYKE, die erstmals 1931 eingetragen wurde1. Angesichts der Gestaltung vermute ich, dass die Broschüre aus den 1940er Jahren stammt.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Bereits die Einleitung ist reizvoll:

Wer sieht es wohl einem Bleistift an, daß zu seiner Herstellung Hunderte von Arbeitsgänge auf sinnreich konstruierten Maschinen und eine unendliche Erfah­rung notwendig sind? Welch große Bedeutung kommt doch diesem unschein­baren Schreibgerät auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu! Für viele Menschen ist der Bleistift unentbehrlicher Freund und ständiger Begleiter.

Auf die Bestandteile geht man gleich zu Beginn ein. So heißt es, dass der in der Bleistiftin­dustrie verwendete Ton aus Unterfranken kommt; ich gehe davon aus, dass man sich hier auf das Tonwerk der Stadt Klingenberg bezieht.

Beim Graphit wird zwischen dem günstigen, amorphem aus Österreich, Korea und Mexiko und dem höherwertigen, kristallinen aus Bayern („in der Nähe von Passau”), Ceylon und Madagaskar unterschieden. – Mit dem bayerischen Graphit ist zweifellos der von Kropfmühl in Hauzenberg gemeint.

Auch beim Holz ist man recht ausführlich. Neben der Florida- oder Rot-Zeder2 und der kali­formischen Zeder führt man Erle, Linde und Föhre auf. (Linde und Nadelhölzer – vor allem die Kolorado-Tanne und die Weymouth-Kiefer – nutzt man immer noch, die Erle wegen ih­rer Härte indes nicht mehr.)

Als „Politur”3 wird Zelluloselack genannt, doch von diesem ist man aufgrund gesundheit­licher Risiken bei der Verarbeitung und schwieriger Entsorgung schon vor einiger Zeit abge­kommen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Bemerkenswert sind die Materialien, mit denen die Stifte „gestempelt” wurden: Damals waren es Echtgold-, Goldbronze- und Aluminiumbronzefolien.

Bei der Bearbeitung des Graphits ist von „chemisch zerkleinert” und „chemisch verfeinert” die Rede; was es damit auf sich hat, verrät die Broschüre jedoch nicht.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Auch auf Bestandteile und die Herstellung von Kopier-, Farbkopier- und Farbminen wird eingegangen. Alle enthalten u. a. das pflanzliche Verdickungsmittel Traganth, das heute haupt­sächlich für Lebensmittel verwendet wird.

In der Auflistung der Spezialstifte fielen mir mattschreibende Kopierstifte auf, die bei künst­lichem Licht die Augen schonen sollen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Gegen Ende finden sich Handreichungen zum Verkauf:

Es genügt nicht, dem Kunden kurzerhand einen Stift zu reichen. Zeigen Sie ihm vielmehr alle Muster der auf Lager befindlichen Sorten auf einer hübschen Samt­karte aufgemacht!

Und:

Auch der kleine unscheinbare Bleistift muß mit Lust und Liebe verkauft wer­den, denn jeder Kunde freut sich, wenn er auch bei einem kleinen Einkauf vom Ver­käufer aufmerksam bedient wird.

Natürlich darf der Radierer nicht unerwähnt bleiben, und so erfährt der Leser, dass man „den weltbekannten VAN-DYKE-Radiergummi von Grund auf in eigener Fabrik erzeugt” und dass „Eberhard Faber als erster Bleistifte kombiniert mit Radiergummi herstellte”4.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Eine Übersicht der Härtegrade und der „Werdegang des Bleistifts” schließen die Broschüre ab.

Für mich ein schönes Stück Bleistiftgeschichte!

  1. So ganz klar sind mir die Einträge des DPMA nicht, denn es gibt sowohl „Van Dyke” (mit Anfüh­rungszeichen und in Gemischtschreibung, eingetragen am 9.3.26) als auch VAN DYKE (ohne Anführungszeichen und in Versalien, eingetragen 5.11.1940).
  2. Die Erwähnung der Rot-Zeder überrascht mich, denn ich dachte bisher, dass diese bereits vor etwa 100 Jahren durch die kalifornische Zeder (Weihrauch-Zeder) abgelöst wurde.
  3. Der Begriff „Politur” geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spitzenbleistifte einen Schellack­überzug mit Schwermetall-Farben erhielten und von Hand poliert wurden.
  4. Das in diesem Zusammenhang oft genannte Patent von Hyman Lipman aus dem Jahr 1858 beschrieb einen Bleistift, der auf etwa einem Drittel der Länge statt der Graphitmine einen Ra­dierkern enthielt. Dieses Patent wurde später jedoch für ungültig erklärt mit der Begründung, dass Bleistift und Radierer bereits vorher existiert hätten und durch die Kombination von bei­dem nichts Neues entstanden sei. Am 11.8.1891 erhielt Eberhard Faber das Patent auf die Befestigung eines Radierers an einen Bleistift mithilfe einer Zwinge.

Magna-Dialer

Mittwoch, 16. November 2016

Sola von pencils and other things hat kürzlich einen Telefonbleistift in Aktion gezeigt, der ihr in einer Folge der Serie „The Crown” aufgefallen ist. Das hat mich an etwas Ähnliches in meinem Fundus erinnert.

Magna-Dialer

Der Magna-Dialer stammt aus den 1950er Jahren, und auch er hat eine Kugel, die man statt des Fingers in die Wählscheibe stecken konnte. In einer frühen Anzeige von Eberhard Faber für holzgefasste Telefonbleistifte mit Kugel wurde betont, dass damit die Fingernägel geschont würden.

Magna-Dialer

Der in den 1950er Jahren1 hergestellte und 141 mm lange Telefonstift hat einen 7 mm star­ken, sechsflächigen Metallschaft2 und eine 14 mm dicke, abschraubbare Kugel aus Kunststoff. Das Drehen der Spitze transportiert die 1 mm dicke Mine, die etwa den Härtegrad H hat. Ein Magnet im Stift hält ihn auf der mitgelieferten Ablage, die ursprüng­lich eine selbstklebende Rückseite hatte. – Weder der Stift noch der Karton, dessen De­ckel fehlt, tragen eine Kennzeichnung.

Magna-Dialer

Man beachte die handschriftliche Ergänzung auf dem Beileger. – Auf Flickr gibt es eine Reklame für den Magna-Dialer aus dem Jahr 1952.

Telefonbleistifte mit Kugel kenne ich nur aus den USA. Eine andere Variante des Telefon­stifts hatte eine Öse oder einen Ring, damit man ihn am Apparat befestigen konnte; er­hältlich war er u. a. von Eberhard Faber und J.S. Staedtler. – Offenbar hat man auch das Radierer-Ende zum Wählen benutzt, denn es gab Werbebleistifte, die an beiden Enden ei­nen Radierer hatten (siehe hier)3.

  1. Quelle: Verkäuferin auf Etsy.com.
  2. Er glänzt goldfarben, doch es wollte mir nicht gelingen, diese Farbe im Foto festzuhalten. Der Glanz an der Spitze lässt die Farbe erahnen.
  3. Nicht zu verwechseln mit dem Null-Fehler-Bleistift.

Kurz notiert

Samstag, 15. Oktober 2016
  • Wer 620 Schweizer Franken loswerden und dafür einen Spitzer haben möchte, wird bei Hieronymus fündig. – Danke an Frau Fischer für den Hinweis auf dieses bemerkens­werte Produkt!
  • Zum Monatswechsel erschien bei Prestel das Buch „Schreibwaren”; es enthält auch einen Beitrag von mir. – Eine englische Ausgabe („Stationery Fever”) ist ebenfalls erhältlich.
    Schreibwaren (Prestel)
  • Aus der Reihe „Tools of the Trade” des NPR: „Trace The Remarkable History Of The Humble Pencil”. – Danke an Andreas Weinberger und Sean für den Hinweis!
  • Ein Rückblick auf die Bleistiftfertigung von Eberhard Faber in New York: „New York Today: Our Past in Pencils”. – Danke an Michael Leddy für den Hinweis!
  • Am vergangenen Samstag war ich einen halben Tag auf der Insights X in Nürnberg, der noch recht neuen1 PBS2-Messe in Nürnberg; man hatte mich zu einem Blogger-Treffen eingeladen. Besonders gefreut hat mich das Treffen mit Matthias, mit dem ich seit 2009 in Kontakt stehe, und seiner Familie. Die Zeit war knapp, und wie erwartet habe ich mich hauptsächlich am Stand von STAEDTLER aufgehalten.
    Insights X
    Ob es einen Blog-Beitrag zur Insights X geben wird, kann ich noch nicht sagen.
  1. Sie fand erstmals 2015 statt.
  2. Papier, Büro, Schreibwaren.

„Janus”

Donnerstag, 28. April 2016

„Janus”

Werbemotiv 1910/1920

Danke an Faber-Castell für den Scan!

Granate 1938–1980

Freitag, 15. April 2016

Alte Kataloge von Möbius+Ruppert liefern weitere Details zur Geschichte des Handspitzers „Granate”.

Granate 1938–1980

1938

Der älteste Eintrag stammt aus dem Jahr 1938 und führt den Messingspitzer unter der Nummer 14/I auf. Es gab auch eine Variante aus „Elektron-Metall”, wie es damals hieß, also aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung; sie hatte die Nummer 14/II.

Granate 1938–1980

1960er Jahre

In den 1960er Jahren bot man nur noch die Magnesium-Ausführung an. Sie trug jetzt die Nummer 14/II und hatte statt der Rändel- eine Schlitzschraube aus Messing.

Granate 1938–1980

1971

Die Befestigung mittels einer Schraube und zweier Stifte behielt man bis in die frühen 1970er Jahre bei.

Granate 1938–1980

1975

Eine weitere Änderung bestand im Wegfall der beiden Stifte; wie jedoch das Messer ge­gen Verdrehen geschützt war, kann ich dieser Abbildung leider nicht entnehmen. Die „Granate” bekam nun die heute noch aktuelle Artikelnummer 6041.

Granate 1938–1980

1980

In der zweiten Häfte der 1970er Jahre legte man das Messer in ein Messerbett, wodurch es in Position gehalten wurde; daher stand es auch nicht mehr über und ließ den Spitzer gefälliger aussehen. Es musste dafür allerdings schmaler gemacht werden, und so gab (und gibt) es eigene Ersatzmesser nur für die „Granate”. – Die letzte konstruktive Änderung2 war der Umstieg von der im Haus gefertigten Messing- auf eine aus kaltem Draht gepresste und zum Schutz vor Rost galvanisierte Kreuzschlitzschraube von Laro (Italien)3.

Danke an Möbius+Ruppert für die Leihgabe der Kataloge!

  1. Genauer: Zuerst 604 0, später 604.0 und heute 0604.
  2. Zu Änderungen bei den Materialien und Fertigungsverfahren kann ich nichts sagen.
  3. Quelle: „Warenprobe: Das steckt alles in einem Spitzer”.

W.Z. № 47683

Dienstag, 12. April 2016

Ein weiteres Exponat im virtuellen Museum zum Spitzerklassiker „Granate”, und zwar aus Messing, für dicke Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm und mit einer inter­essanten Kennzeichnung.

W.Z. № 47683

Das Stück war in keinem guten Zustand, und so musste ich erst einen Frühjahrsputz1 vor­nehmen.

W.Z. № 47683

Dieses Modell hat die gleiche Form und Größe wie das bereits vorgestellte mit dem 1939 eingetragenen Warenzeichen 507558 und trägt ebenfalls die Prägung „GRANATE”. – Das Messer ist stumpf und schartig, so dass ich auf einen Funktionstest verzichtet habe.

W.Z. № 47683

Hier zu sehen ist jedoch das Warenzeichen 47683, das 1900 angemeldet und 1901 für Möller & Breitscheid eingetragen wurde; daraus schließe ich, dass der Spitzer von diesem Anbieter stammt und um die 100 Jahre alt ist.

W.Z. № 47683

Erst bei dieser „Granate” ist mir aufgefallen, dass sie – ebenso wie die mit dem Waren­zeichen 507558 – nur drei statt vier Rändelungen hat; letztere hielt ich immer für ein typisches Merkmal dieses Spitzers, das über die Jahrzehnte geblieben ist.

Nachtrag vom 9.10.16: Bei der Durchsicht meiner Granaten konnte ich feststellen, dass alle Varianten für dickere Stifte drei und nur für normale Stifte vier Rändelungen haben.

  1. Sehr hilfreich dabei war das Einweichen in der Sidol-Metallpolitur und das anschließende Bearbeiten mit einer alten Zahnbürste; die festsitzende Rändelschraube konnte ich mit Caramba Super Plus Vielzweck-Spray (heute Caramba Super Plus Premium Multiöl) lösen.

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