Archiv des Stichworts „Museum”

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Magna-Dialer

Mittwoch, 16. November 2016

Sola von pencils and other things hat kürzlich einen Telefonbleistift in Aktion gezeigt, der ihr in einer Folge der Serie „The Crown” aufgefallen ist. Das hat mich an etwas Ähnliches in meinem Fundus erinnert.

Magna-Dialer

Der Magna-Dialer stammt aus den 1950er Jahren, und auch er hat eine Kugel, die man statt des Fingers in die Wählscheibe stecken konnte. In einer frühen Anzeige von Eberhard Faber für holzgefasste Telefonbleistifte mit Kugel wurde betont, dass damit die Fingernägel geschont würden.

Magna-Dialer

Der in den 1950er Jahren1 hergestellte und 141 mm lange Telefonstift hat einen 7 mm star­ken, sechsflächigen Metallschaft2 und eine 14 mm dicke, abschraubbare Kugel aus Kunststoff. Das Drehen der Spitze transportiert die 1 mm dicke Mine, die etwa den Härtegrad H hat. Ein Magnet im Stift hält ihn auf der mitgelieferten Ablage, die ursprüng­lich eine selbstklebende Rückseite hatte. – Weder der Stift noch der Karton, dessen De­ckel fehlt, tragen eine Kennzeichnung.

Magna-Dialer

Man beachte die handschriftliche Ergänzung auf dem Beileger. – Auf Flickr gibt es eine Reklame für den Magna-Dialer aus dem Jahr 1952.

Telefonbleistifte mit Kugel kenne ich nur aus den USA. Eine andere Variante des Telefon­stifts hatte eine Öse oder einen Ring, damit man ihn am Apparat befestigen konnte; er­hältlich war er u. a. von Eberhard Faber und J.S. Staedtler. – Offenbar hat man auch das Radierer-Ende zum Wählen benutzt, denn es gab Werbebleistifte, die an beiden Enden ei­nen Radierer hatten (siehe hier)3.

  1. Quelle: Verkäuferin auf Etsy.com.
  2. Er glänzt goldfarben, doch es wollte mir nicht gelingen, diese Farbe im Foto festzuhalten. Der Glanz an der Spitze lässt die Farbe erahnen.
  3. Nicht zu verwechseln mit dem Null-Fehler-Bleistift.

Kurz notiert

Samstag, 15. Oktober 2016
  • Wer 620 Schweizer Franken loswerden und dafür einen Spitzer haben möchte, wird bei Hieronymus fündig. – Danke an Frau Fischer für den Hinweis auf dieses bemerkens­werte Produkt!
  • Zum Monatswechsel erschien bei Prestel das Buch „Schreibwaren”; es enthält auch einen Beitrag von mir. – Eine englische Ausgabe („Stationery Fever”) ist ebenfalls erhältlich.
    Schreibwaren (Prestel)
  • Aus der Reihe „Tools of the Trade” des NPR: „Trace The Remarkable History Of The Humble Pencil”. – Danke an Andreas Weinberger und Sean für den Hinweis!
  • Ein Rückblick auf die Bleistiftfertigung von Eberhard Faber in New York: „New York Today: Our Past in Pencils”. – Danke an Michael Leddy für den Hinweis!
  • Am vergangenen Samstag war ich einen halben Tag auf der Insights X in Nürnberg, der noch recht neuen1 PBS2-Messe in Nürnberg; man hatte mich zu einem Blogger-Treffen eingeladen. Besonders gefreut hat mich das Treffen mit Matthias, mit dem ich seit 2009 in Kontakt stehe, und seiner Familie. Die Zeit war knapp, und wie erwartet habe ich mich hauptsächlich am Stand von STAEDTLER aufgehalten.
    Insights X
    Ob es einen Blog-Beitrag zur Insights X geben wird, kann ich noch nicht sagen.
  1. Sie fand erstmals 2015 statt.
  2. Papier, Büro, Schreibwaren.

„Janus”

Donnerstag, 28. April 2016

„Janus”

Werbemotiv 1910/1920

Danke an Faber-Castell für den Scan!

Granate 1938–1980

Freitag, 15. April 2016

Alte Kataloge von Möbius+Ruppert liefern weitere Details zur Geschichte des Handspitzers „Granate”.

Granate 1938–1980

1938

Der älteste Eintrag stammt aus dem Jahr 1938 und führt den Messingspitzer unter der Nummer 14/I auf. Es gab auch eine Variante aus „Elektron-Metall”, wie es damals hieß, also aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung; sie hatte die Nummer 14/II.

Granate 1938–1980

1960er Jahre

In den 1960er Jahren bot man nur noch die Magnesium-Ausführung an. Sie trug jetzt die Nummer 14/II und hatte statt der Rändel- eine Schlitzschraube aus Messing.

Granate 1938–1980

1971

Die Befestigung mittels einer Schraube und zweier Stifte behielt man bis in die frühen 1970er Jahre bei.

Granate 1938–1980

1975

Eine weitere Änderung bestand im Wegfall der beiden Stifte; wie jedoch das Messer ge­gen Verdrehen geschützt war, kann ich dieser Abbildung leider nicht entnehmen. Die „Granate” bekam nun die heute noch aktuelle Artikelnummer 6041.

Granate 1938–1980

1980

In der zweiten Häfte der 1970er Jahre legte man das Messer in ein Messerbett, wodurch es in Position gehalten wurde; daher stand es auch nicht mehr über und ließ den Spitzer gefälliger aussehen. Es musste dafür allerdings schmaler gemacht werden, und so gab (und gibt) es eigene Ersatzmesser nur für die „Granate”. – Die letzte konstruktive Änderung2 war der Umstieg von der im Haus gefertigten Messing- auf eine aus kaltem Draht gepresste und zum Schutz vor Rost galvanisierte Kreuzschlitzschraube von Laro (Italien)3.

Danke an Möbius+Ruppert für die Leihgabe der Kataloge!

  1. Genauer: Zuerst 604 0, später 604.0 und heute 0604.
  2. Zu Änderungen bei den Materialien und Fertigungsverfahren kann ich nichts sagen.
  3. Quelle: „Warenprobe: Das steckt alles in einem Spitzer”.

W.Z. № 47683

Dienstag, 12. April 2016

Ein weiteres Exponat im virtuellen Museum zum Spitzerklassiker „Granate”, und zwar aus Messing, für dicke Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm und mit einer inter­essanten Kennzeichnung.

W.Z. № 47683

Das Stück war in keinem guten Zustand, und so musste ich erst einen Frühjahrsputz1 vor­nehmen.

W.Z. № 47683

Dieses Modell hat die gleiche Form und Größe wie das bereits vorgestellte mit dem 1939 eingetragenen Warenzeichen 507558 und trägt ebenfalls die Prägung „GRANATE”. – Das Messer ist stumpf und schartig, so dass ich auf einen Funktionstest verzichtet habe.

W.Z. № 47683

Hier zu sehen ist jedoch das Warenzeichen 47683, das 1900 angemeldet und 1901 für Möller & Breitscheid eingetragen wurde; daraus schließe ich, dass der Spitzer von diesem Anbieter stammt und um die 100 Jahre alt ist.

W.Z. № 47683

Erst bei dieser „Granate” ist mir aufgefallen, dass sie – ebenso wie die mit dem Waren­zeichen 507558 – nur drei statt vier Rändelungen hat; letztere hielt ich immer für ein typisches Merkmal dieses Spitzers, das über die Jahrzehnte geblieben ist.

Nachtrag vom 9.10.16: Bei der Durchsicht meiner Granaten konnte ich feststellen, dass alle Varianten für dickere Stifte drei und nur für normale Stifte vier Rändelungen haben.

  1. Sehr hilfreich dabei war das Einweichen in der Sidol-Metallpolitur und das anschließende Bearbeiten mit einer alten Zahnbürste; die festsitzende Rändelschraube konnte ich mit Caramba Super Plus Vielzweck-Spray (heute Caramba Super Plus Premium Multiöl) lösen.

Granate 1903–1908

Mittwoch, 30. März 2016

Auch im Archiv von Faber-Castell findet sich der Handspitzer „Granate”.

Granate 1903–1908

(zum Vergrößern anklicken)

In den Warenkatalogen von A.W. Faber Berlin wurden von 1903 bis 1907 unter dem Pro­duktnamen „Granate” der Bleistiftspitzer No. 1903 und der Farbstiftspitzer No. 1696 sowie Ersatzmesser angeboten. – Der höhere Preis für den Farbstiftspitzer lässt mich vermuten, dass er ähnlich dieser Variante von Möller & Breitscheid für dickere Stifte ausgelegt und da­her größer war.

Granate 1903–1908

(zum Vergrößern anklicken)

1908 bewarb ein französischer Warenkatalog von A.W. Faber auf Seite 232 (!) die „Gra­nate”, diesmal mit der Artikelnummer 4001.

Über den (oder die) Hersteller dieser Spitzer hat das Archiv von Faber-Castell keine Infor­mationen. – Bereits ein paar Mal bin ich auf die 1953 gegründete Fabrik für Feinmechanik und Elektrotechnik Hermann Mellert (heute: Mellert SLT GmbH & Co. KG) aufmerksam geworden. Dieses Unternehmen hat in den 1950er Jahren Messingspitzer gefertigt und könnte daher auch die (spätere) „Granate” hergestellt haben, doch leider gibt es im Unter­nehmen keine Dokumente zur Spitzerfertigung mehr.

Granate 1903–1908

Es fällt übrigens die bemerkenswerte Ähnlichkeit der beiden Abbildungen auf (man be­achte u. a. die Darstellung der Reflexionen auf Rändelschraube und Messer); ich gehe da­von aus, dass beiden Katalogeinträgen dieselbe Illustration zu Grunde lag.

Hier noch die Titel der zitierten Kataloge:

Granate 1903–1908

Granate 1903–1908

Danke an Faber-Castell für die Scans!

„Der Bleistift”

Montag, 15. Februar 2016

„Der Bleistift”

Vom Schmutztitel der Schrift „Der Bleistift” von Franz Maria Feldhaus (1922)

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Donnerstag, 11. Februar 2016

Einer der für mich schönsten Rot-Blau-Stifte ist der Mars Lumochrom 2642 von J.S. Staedtler1.

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Der Farbstift Lumochrom2, den es in 24 Farben und dieser Rot-Blau-Variante gab, kam Mitte der 1950er Jahre auf den Markt und war bis in die 1990er Jahre hinein erhältlich. Mit seiner recht harten Mine wurde er hauptsächlich Technischen Zeichnern angedient, und so gab es ihn nicht nur holzgefasst, sondern auch als 2-mm-Mine.

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Das Alter dieses Lumochrom 2642 schätze ich auf etwa 50 Jahre. Wie andere Stifte von Staedtler aus der damaligen Zeit zieren ihn der goldfarbene Prägedruck mit zum Teil unge­wöhnlich gestalteten Buchstaben (z. B. das A und das M), der Viertelmond3 und das astro­nomische Zeichen für den Mars sowie dessen beide Monde Phobos und Daimos. Auf der abgewandten Seite findet sich die Blindprägung „74″. – Der Blick auf das blaue Ende lässt vermuten, dass der Stift zuerst komplett rot und dann halb blau lackiert wurde.

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Der Farbstift ist 7,6 mm4 und die Mine 2 mm dick. Sie ist bruchstabil, hat eine sehr saubere Abgabe, sättigt gut und bietet eine gute Wischfestigkeit; mit einem hochwertigen Radie­rer5 und etwas Geduld lässt sie sich weitgehend, aber nicht vollständig entfernen. – Es fällt auf, das das Rot ganz leicht ins Violette geht, also einen geringen Blauanteil hat. Dieses wohl 60 Jahre alte Faltblatt6 aus der Frühzeit des Lumochrom belegt, dass man beim 2642 Karminrot (2625) und Blau (2619)7 kombiniert hat:

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Ein feiner Stift!

J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642

Den Ursprung und den erstmaligen Verwendungszweck der Rot-Blau-Stifte kenne ich bis heute nicht, aber ich konnte ein paar Hinweise finden:

  • Im Austellungskatalog „Pencils” schreibt Marco Ferreri, dass italienische Lehrer normale Fehler rot und gravierende Fehler blau markieren.
  • Im 2. Weltkrieg haben deutsche Soldaten auf Karten die feindlichen Truppen in Rot und die eigenen in blau eingetragen.
  • Deutsche Krankenschwestern haben den Blutdruck in Rot und die Körpertemperatur in Blau notiert.

Aber wer weiß – vielleicht dachte mal jemand, dass das eine ansprechende Kombination wäre, und hat einfach einen solchen Stift hergestellt …

  1. Firmen- und Produktname werden eigentlich in Versalien geschrieben, doch zur besseren Les­barkeit wähle ich die Gemischtschreibung.
  2. Der Name war von 1953 bis 2003 geschützt.
  3. Der Viertelmond, angemeldet 1887 beim Amtsgericht Nürnberg, gilt als eines des frühesten Warenzeichen für Bleistifte.
  4. Schlüsselweite 7,2 mm.
  5. Getestet mit dem Plus Tree's Air-in Hard.
  6. Die andere Seite bewarb den Kurbelspitzer 5700 D.
  7. Nach der Umstellung auf neue Artikelnummern im Jahr 1967 hatten diese Farben die Nummern 104-29 und 104-3.

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