Monatsarchiv für Juni 2012

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Gelb 2.0

Freitag, 15. Juni 2012

So ganz klar ist nicht, woher die Popularität der gelben Farbe für Bleistifte im englischspra­chigen Raum, vor allem aber in den USA kommt. Manche Quellen nennen als Ursprung den Fund hervorragenden Graphits in südsibirischen Berg Batugol nahe China im Jahre 1874; andere führen den gelben Diamanten Koh-I-Noor an, nach dem L. & C. Hardtmuth im aus­gehenden 19. Jahrhundert ihren besten Bleistift benannten und so diese Farbe mit hoher Qualität verbanden. Doch wie auch immer: Die in den USA bekannten und beliebten Blei­stifte wie Eberhard Faber Mongol, Dixon Ticonderoga und General’s Semi-Hex waren und sind gelb lackiert.

Gelb 2.0

Dieser Vorliebe gerecht wird auch STAEDTLER mit einer besonderen Variante des WOPEX, die in Nürnberg für den britischen und den US-Markt gefertigt wird. Außer in der Schaftfar­be und im Radiertip, einem weiteren charakteristischen Merkmal amerikanischer Bleistifte1 unterscheidet sich der gelbe WOPEX zudem in seiner glatteren Oberfläche von den hier er­hältlichen Ausführungen. Ich finde ihn ansprechend!

  1. Ich wünschte, es gäbe neben dem Noris 122 noch ein, zwei weitere Bleistifte mit Radiertip im Sortiment von STAEDTLER. Einen Mars ergosoft oder einen Lumograph mit Radiertip – das wär's! (Letzteren gab es ja schon einmal, wie diese Anzeige aus den 50er Jahren zeigt.)

Schritt für Schritt

Montag, 11. Juni 2012

Den Klassiker Mars Lumograph 1001 von STAEDTLER kennt wohl fast jeder, doch wer weiß schon, wie seine Lackierung entsteht?

Zur Erinnerung: Graphit, Ton und Wasser werden gemischt, in Stränge gepresst, auf Stift­länge gebracht, gebrannt und in Paraffin getaucht. Die so gefertigten Minen kommen mit Leim2 zwischen zwei genutete Brettchen; aus diesem Leimling fräst man dann die Rohblei­stifte3.

Schritt für Schritt

Dieser Rohbleistift (hier aus Zeder) geht dreimal in die Durchstoßlackierung. Dabei wird der Stift in einen mit Lack gefüllten Behälter geschossen und verlässt ihn lackiert.

Schritt für Schritt

Es folgt eine Schicht eines hochglänzenden, transparenten Lacks.

Schritt für Schritt

Im nächsten Schritt bekommt der Stift seine Folienprägung – Kennzeichnung, Strichcode, EAN und Artikelnummer – sowie die Blindprägung (rechts neben „Lumograph”).

Schritt für Schritt

Anschließend wird das Ende, auf dem die Tauchkappe sitzt, verrundet („geschärfelt”).

Schritt für Schritt

Nach dem ersten Tauchgang, in dem auf Länge der Kappe Isolierlack aufgebracht wird, kommt ein zweiter mit weißem Lack, …

Schritt für Schritt

… ein dritter mit schwarzem, der knapp über den Rand geht, …

Schritt für Schritt

… und ein vierter ebenfalls mit schwarzem Lack. Ein Überzug mit hochglänzendem, trans­parentem Lack4 vervollständigt die Tauchkappe.

Schritt für Schritt

Die Härtegrad-Kennzeichnung wird angebracht.

Schritt für Schritt

Zum Schluss wird der Stift gespitzt5. Fertig!

Schritt für Schritt

Diese Muster stammen aus dem Unterrichtsset, das STAEDTLER auf der Paperworld 2011 vorgestellt hat. Vielen Dank an STAEDTLER für das Set!6

  1. Er kam am 1. August 1930 als Nachfolger des Mars 1225 unter den Namen Mars Lumograph 2886 auf den Markt; 1967 wurde er in den Mars Lumograph 100 umbenannt.
  2. Genaugenommen sind es bei STAEDTLER zwei Klebstoffe, und zwar einer für Mine-Holz und ein anderer für Holz-Holz, da beide Verbindungen unterschiedliche Ansprüche an den Klebstoff stellen.
  3. Apropos Rohbleistift: Ein solcher hochwertiger wäre eines Thoreaus würdig gewesen und hätte sich in diesem Set zweifellos besser gemacht als der in jeder Hinsicht minderwertige Bleistift un­bekannter Herkunft, mit dem Diogenes des 150. Todestages des Schriftstellers und Bleistift­herstellers zu gedenken versucht hat.
  4. Wer sich einen Stift genau anschaut, kann den Rand dieses Lacks knapp unterhalb des weißen Rings erkennen.
  5. Soll der Bleistift ungespitzt verkauft werden (z. B. in Japan), wird das Ende nur gesäubert.
  6. Ich mag Fußnoten und hoffe, einige meiner Leser auch.

STAEDTLER 123 60

Samstag, 9. Juni 2012

Schauspiel in einem Akt

Personen: Verkäufer (männlich, Anfang 30), Kunde (männlich, Ende 40)
Ort: Ein kleines Schreibwarengeschäft in Südhessen, später Nachmittag eines Werktages

Der Verkäufer steht hinter dem Tresen. Die Tür öffnet sich, der Gong ertönt, ein Kunde tritt ein.

Kunde: (munter) Guten Tag!
Verkäufer: Guten Tag! Sie wünschen?
K: Ich suche einen hochwertigen Bleistift ohne Schnickschnack.
V: (zeigt dem Kunden einen dunkelgrünen Bleistift mit goldfarbenem Aufdruck) Da emp­fehle ich ihnen den Klassiker von – –
K: (dreht den Bleistift zwischen den Fingern) Ach du meine Güte! Was steht denn da alles drauf? Ich will nicht lesen, sondern schreiben.
V: (legt einen Lumograph HB auf den Tresen) Gern genommen wird auch der blaue mit der schwarzen – –
K: (schaut nur kurz) Schon besser, aber gibt es denn nichts ganz schlichtes, vielleicht sogar unlackiert?
V: Doch, den 123 60 von Staedtler, aber nur in HB und ohne Radiertip.
K: Kann ich ein paar Fotos machen?
V: Bitte.
K: (holt die Kamera aus seiner Umhängetasche und fotografiert)

STAEDTLER 123 60

K: Prima! Mehr will ich auch nicht.
V: (reicht dem Kunden Papier und einen 123 60) Möchten sie mal testen?
K: Gern! (testet) Ich habe den Eindruck, als wäre der etwas rauher als der Noris in HB. Oder täusche ich mich da? (fotografiert schon wieder)

STAEDTLER 123 60

V: Nein, sie täuschen sich nicht. Der Graphit in diesem Bleistift hat nicht ganz die Qualität von dem im Noris, und außerdem ist die Mine nicht imprägniert. – Dieser Bleistift ist übri­gens der ökologisch nachhaltigste im Sortiment von Staedtler. Wussten sie das schon?
K: (deutet zum Aufsteller mit dem Faber-Castell 1117 auf dem Tresen) Nein, aber ist der denn nicht auch umweltfreundlich?
V: Doch, aber der hat eine Lasierung – der von Staedtler ist unbehandelt. Sie sind doch umweltbewusst, oder?
K: (nickt)
V: Sehen sie, dann kommen sie am Staedtler 123 60 gar nicht vorbei.
K: Das klingt gut. Woher sind denn die Minenbestandteile?
V: Da muss ich passen, doch ich bezweifle, dass sie aus Deutschland kommen. In Kropf­mühl, dem letzten Graphit-Bergwerk im Land, fördert man seit 2005 nur noch sehr einge­schränkt. Es ist billiger, den Graphit zum Beispiel in Sri Lanka oder Mosambik abzubauen und hier zu veredeln. Auch der Ton ist im Ausland billiger – der aus China kostet nur ein Zehn­tel von dem aus der Grube in Klingenberg, die man vor einem halben Jahr zugemacht hat. Aber der Stift wird hier hergestellt.
K: (fotografiert ein drittes Mal und packt die Kamera umständlich ein)

STAEDTLER 123 60

K: Steht ja auch drauf. Und das Holz?
V: Das ist Kolorado-Tanne und spitzt sich leicht und sauber. Normalerweise machen wir das nicht, aber wollen sie mal testen? (reicht dem Kunden einen Kunststoff-Spitzer)
K: (kramt umständlich etwas messingfarbenes aus der Münztasche seiner Jeans hervor) Danke, aber ich nehme lieber meinen.
V: (schaut verwundert) Was ist das denn für einer?
K: (wird noch munterer) Das ist der Janus 4048 von Faber-Castell, so um die fünfzig Jahre alt. Der ist ziemlich pingelig, gerade bei Stiften mit schlechter Verleimung und brüchigen Mi­nen.
V: (zeigt Ermüdungserscheinungen) Beides müssen sie bei Staedtler nicht befürchten.
K: (packt die Kamera wieder aus, fotografiert nochmal und hängt sie sich um den Hals)

STAEDTLER 123 60

K: Prima. (spitzt und inspiziert den Stift) Sehr gut. – Schön, der sparsame Aufdruck. Gibt's den Stift auch ohne Strichcode?
V: Leider nein. (Kunde reibt mit dem Zeigefinger über das Geschriebene) Was machen sie denn da?
K: Ich prüfe die Wischfestigkeit.
V: (freut sich auf den Feierabend) Ah. Und, sind sie zufrieden?
K: Ja, sehr, auch mit der sauberen Abgabe. Ich habe mich nämlich schon im Internet infor­miert. Wissen sie, da gibt es ein paar Seiten, die sich ziemlich gründlich – –
V: Das macht es uns nicht immer leicht.
K: Wieviel kostet dieser Bleistift denn?
V: 45 Cent das Stück.
K: Günstig ist er auch noch! Ich nehme die ganze Schachtel.
V: (erleichtert) Das macht 5 Euro 40.
K: Ich hab's passend! (zahlt und packt ein) Wiedersehen!
V: (noch mehr erleichtert) Auf Wiedersehen! (würde gerne „aber es eilt nicht” nachschie­ben, verkneift es sich jedoch mühsam)

Der Kunde geht zur Tür, öffnet sie und verlässt das Geschäft.

Eule

Dienstag, 5. Juni 2012

Eule

Passen zusammen: „The Owl Pencil” der Bell Pencil Co.1 und eine auf einem Buch sitzende Eule aus Holz.

Eule

Vielen Dank an Herbert R. für den „Owl Pencil”!

  1. Ich vermute, dass das die Glocken-Bleistift-Fabrik war.

J.S. Staedtler 1919 (7)

Montag, 4. Juni 2012

Spitzenschoner in beeindruckender Vielfalt präsentierte der Katalog von J.S. Staedtler im Jahr 1919.

J.S. Staedtler 1919 (7)

J.S. Staedtler 1919 (7)

Einfach klasse, was es damals gab.

J.S. Staedtler 1919 (7) J.S. Staedtler 1919 (7)
(Zum Vergrößern anklicken)
J.S. Staedtler 1919 (7) J.S. Staedtler 1919 (7)

 Krokier-Stifte | J.S. Staedtler 1919 | Katalogtitel 

Präzisionswerkzeug

Sonntag, 3. Juni 2012

Einst unverzichtbares Werkzeug beim technischen Zeichnen, heute jedoch weitgehend vergessen und Kandidat für das Museum obsoleten Zeichengeräts: Die Radierschablone.

Präzisionswerkzeug

Vor gut 25 Jahren habe auch ich dieses nützliche Zubehör zu schätzen gelernt, als ich da­mit in Konstruktionszeichnungen präzise radieren konnte, ohne andere Teile der Zeichnung in Mitleidenschaft zu ziehen. Der Gebrauch ist einfach: Geeignete Aussparung wählen, Schablone auflegen, über die Aussparung radieren – fertig. Da sie aus Metall ist, verschleißt sie nicht, und wenn man sie pfleglich behandelt (was vor allem bedeutet, sie nicht zu kni­cken), hält sie ewig.

Präzisionswerkzeug

Meine alte Radierschablone unbekannter Herkunft habe ich noch; sie steckte lange in der Falttasche meines Notizbuchs und kam bei kleinen Zeichnungen zum Einsatz. Vor kurzem aber musste sie der hier gezeigten von STAEDTLER Japan weichen, die im Gegensatz zur alten fein gelocht1 ist. Dadurch sieht man die ansonsten verdeckten Teile, was die Hand­habung erleichtert; obendrein gefällt sie mir besser2.

Präzisionswerkzeug

Die Radierschablone mit der Artikelnummer 929 50 misst 94 × 59 mm, ist knapp 0,15 mm dick und kostet in Japan umgerechnet etwa 3 Euro.

  1. Die Löcher haben einen Durchmesser von ungefährt 0,5 mm.
  2. Selbstverständlich was das der einzige Grund für die Anschaffung.

Tombow dust CATCH

Freitag, 1. Juni 2012

Bei der Suche nach Informationen zum Klassiker „Mono” von Tombow1, den zu bekommen knifflig geworden ist2, bin ich auf zwei neue Radierer des japanischen Herstellers gestoßen. Einer davon ist der „dust CATCH”, und der hat mich angenehm überrascht3.

Tombow dust CATCH

Der schwarze, recht weiche und 55 × 23 × 11 mm große „dust CATCH” hat eine Beson­derheit: Während andere Radierer Krümel hinterlassen, rollen sich seine zusammen und bleiben an ihm hängen, so dass das Papier sauber bleibt. Darüber hinaus arbeitet er nicht nur besser als die anderen mir bekannten schwarzen Radierer, sondern kann es auch mit guten hellen aufnehmen. Ganz gleich, ob Bleistifte unterschiedlicher Härten oder radierbare Farbstifte – der „dust CATCH” entfernt sie gründlich, papierschonend und ohne abzufär­ben4.

Tombow dust CATCH

Den mit umgerechnet 1 Euro günstigen und leider nur in Japan erhältlichen „dust CATCH” kann ich sehr empfehlen.

Nachtrag vom 4.6.12: Die Website von Tombow zeigt nur einen kleinen Teil der Pro­dukte, doch der Gesamtkatalog führt neben dem Mono auch die anderen Radierer auf.

  1. Die Ursprünge des Unternehmens gehen zurück ins Jahr 1913. Die Marke „Tombow” wurde erstmals 1927 benutzt, und der Radierer „Mono” kam 1969 auf den Markt.
  2. Es wundert mich, dass Tombow diesen und die anderen auf pencil talk gezeigten Radierer nicht mehr im Sortiment führt.
  3. Der andere ist der „AIR touch”, doch den habe ich noch nicht getestet.
  4. Ja, manche schwarzen Radierer färben unter bestimmten Umständen tatsächlich leicht ab. Löst vielleicht das Fett der Haut den Farbstoff?

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