Herzlos Artikel des Tages 

Stille Beobachter (27)

Abfluss auf dem Gelände des Römerkastells „Saalburg” bei Bad Homburg

So richtig glücklich wirkt er ja nicht, dieser stille Beobachter, inmitten der zahlreichen, von Römerhand errichteten und später sorgfältig restaurierten Bauwerke, die vor beinahe zwei Jahrtausenden das heute „Saalburg” genannte Kastell wenige Kilometer nordwestlich von Bad Homburg im Taunus ausmachten. Neu geschaffen aus dem Material, das die damaligen Bewohner der Gemäuer um ihn herum erfunden haben, muss er so einiges schlucken – oder ist er vielleicht enttäuscht darüber, dass das auf dem gestrigen „Römermarkt im Kastelldorf” als „Römerbrot” feilgebotene und ebenso schmackhafte wie runde Backwerk bereits am frühen Nachmittag ausverkauft war? Dies wäre nur allzu verständlich, ging es uns lustwandelnden Plebejern doch nicht anders.

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10 Kommentare zu „Stille Beobachter (27)”

  1. Pencil Anna

    Wow! Ein perfektes Beispiel für das Mona-Lisa-Prinzip bzw. eine optische Täuschung.
    Im ersten Moment erscheint das „Gesicht” eher traurig. Schaut man aber länger hin, erscheint es plötzlich wie ein fröhliches Lächeln.
    Die optische Täuschung: Nimmt man die untere Öffnung als „Mund” an und fixiert das (lächelnde)Gesicht dann so, erscheint das andere Gesicht, welches sich von der Seite gesehen her ergibt, dann traurig.
    Versteht mich jemand? :-)

  2. Lexikaliker

    Dieses „Kippen” des Gesichts, das Du beschreibst, ist mir ebenfalls aufgefallen, auch wenn es bei mir nur in sehr geringem Maße kippt. Den zweiten Effekt kann ich nachvollziehen, muss mich dabei aber schon ziemlich anstrengen ;-)

    Es ist schon interessant, was alles bei der Wahrnehmung passiert. Mit am eindrucksvollsten finde ich dieses sog. „one-shot learning”*, bei dem man das, was man vorher nicht sehen konnte, plötzlich nicht mehr nicht sehen kann. Als Kind hatte ich Spaß an den (damals schon alten) Zeichnungen, die z. B. eine Landschaft mit einer darin verborgenen Figur zeigten. Nach mehr oder weniger langer Suche fiel einem dann auf, dass diese Figur, drehte man das Bild um 90°, in den Baumkronen versteckt war. Von diesem Moment an konnte man die Figur nicht mehr nicht sehen, geschweige denn sich vorstellen, dass man sie noch kurz zuvor eine ganze Zeit suchen musste.

    * Ich bin mir allerdings nicht 100% sicher, ob dieser Effekt wirklich so genannt wird (vielleicht bringe ich da auch etwas durcheinander).

  3. Henrik

    „was man vorher nicht sehen konnte, plötzlich nicht mehr nicht sehen kann?“
    Ein sogenannte Vexierbild? Ein bisschen wie die 3D Effekt?

    mvg.
    Henrik

  4. Lexikaliker

    Ja, „Vexierbild” ist wohl die richtige Bezeichnung (mir fiel das Wort nicht ein). Ein gutes Beispiel findet sich hier und dort (letzteres kenne ich noch von früher, auch wenn das Bild damals schon sehr alt war).

  5. Henrik

    Danke, Lexikaliker. Ich erinnere mich gut diese art Zeichnungen. Napoleon und Robinson, nicht?
    Übrigens, ein „Vexierbild“ ist ein „Fixerbild“ in Dänisch bekommen – ein bisschen komisch, als dieser Bilder gar nicht „fixiert“ ist. : =)
    Mvg.
    Henrik

  6. Lexikaliker

    Stimmt, ich glaube mich erinnern zu können, dass man in einem der Bilder, die ich damals sehen konnte, auch den Robinson suchen musste.

    „Vexieren” ist ein nicht mehr gebräuchliches Wort für „irreführen”, „necken”. Könnte es diesen Zusammenhang auch im Dänischen geben? – Einen Hinweis auf Gemeinsamkeiten im Ursprung der Wörter „fixieren” und „vexieren” habe ich leider nicht gefunden.

  7. Henrik

    Fixieren“ und „Vexieren“ - Hmm! Ich denke, weil Dänisch und Deutsch ein bisschen verwandt sind – jemand hat sich einmal irren?
    Oder vielleicht ist es eine Referenz zu den Kemi in fotographischer Entwicklung? Das Fixierbad macht das Foto sichtbar?
    Aber Ich weiß es nicht – nur Raterei.
    Mvg.
    Henrik

  8. Lexikaliker

    Nun, das Fixierbad macht das Foto nicht sichtbar (dafür ist der Entwickler zuständig), sondern sorgt dafür, dass es sichtbar bleibt.

    Inzwischen bin ich fündig geworden: Während „fixieren” im 16. Jahrhunder vom lateinischen „fixus” (angeheftet, befestigt, fest) entlehnt wurde, geht das etwa aus der gleichen Zeit stammende „vexieren” auf das lateinische „vexare” (stark bewegen, schütteln, plagen) zurück. Es sieht also nicht so aus, aks hätten diese beiden Wörter einen gemeinsamen Ursprung.

  9. Henrik

    Nochmals danke Lexilkaliker, heute habe ich etwas neues erlernt.
    Also bleib nur die „jemand hat sich einmal irren“ Möglichkeit zurück? :=)

    Mvg.
    Henrik

  10. Lexikaliker

    Nun, diese Möglichkeit bleibt wohl immer ;-)

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Ich versuche, auf alle Kommentare einzugehen, und sei es auch nur, um Danke zu sagen.


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