Stille Beobachter (33) Kurz notiert 

Flohmarkt-Fund

Auch wenn ich bei mechanischen Bleistiften die Modelle mit Feinmine und Druckmechanik bevorzuge, so bin ich doch anderen Varianten längst nicht abgeneigt. Dieser Drehbleistift unbekannten Fabrikats kam mir auf einem Flohmarkt im niederländischen Middelburg unter die Augen und gleich in die Tasche, da mich seine Gestaltung, sein sehr guter Zustand und der attraktive Preis sehr angesprochen haben.

Flohmarkt-Fund

Er ist 86 mm kurz, 10 mm dick, gut 11 g leicht und arbeitet mit 1,18-mm-Minen, die durch Drehen der metallenen Spitze transportiert werden. Seine geringe Länge lässt vermuten, dass er für den mobilen Gebrauch gedacht war. Wie „Mechanical pencil lead diameters” bei pencil talk informiert, waren Minen dieses Durchmessers bis in die 60er Jahre der Standard und kommen auch heute noch zum Einsatz.

Flohmarkt-Fund

Lediglich 26 mm der Mine passen in das Vorderteil und werden in diesem durch eine 3,5 mm lange, geschlitzte Hülse aus weichem Blech gehalten. Dies erscheint mir sehr wenig, und so kann ich trotz gründlicher Reinigung einen Defekt nicht ganz ausschließen. – Die Befüllung des Stifts findet von vorne statt.

Flohmarkt-Fund

Der Drehbleistift wurde zusammen mit einem unvollständig gefüllten Pappröhrchen Minen des englischen Herstellers Platignum verkauft; diese haben den für den Stift notwendigen Durchmesser.

Flohmarkt-Fund

Bei dem Material des in dunkelrot und braun marmorierten Korpus mit einer Wandstärke von etwa 2,5 mm und ohne jede erkennbare Markierung könnte es sich um Bakelit handeln. – Ein gut sitzender Schraubdeckel aus Metall verschließt den für Reserveminen gedachten Hohlraum des Stifts.

Flohmarkt-Fund

Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie alt diese Schreibutensilien sind. Kann vielleicht meine geschätzte Leserschaft etwas dazu sagen?

Nachtrag vom 8.9.09: Ein kundiges Mitglied des Fountain Pen Network geht davon aus, dass dieser Drehbleistift aus Galalith, einem halbsynthetischen Werkstoff auf der Basis von entfettetem Casein, gefertigt wurde. Angesichts des einfachen Aufbaus und der großen Wandstärke kämen auch kleinere Werkstätten, die derartiges ab 1910 fertigen konnten, als Hersteller des Stifts in Frage. – Danke an Thomas für diese Informationen!

Stichwörter: Druckbleistifte, Museum, Platignum

4 Kommentare zu „Flohmarkt-Fund”

  1. Dr. Ute Strech-Jurk

    Hallo, dieser Flohmarktfund, ein Druckbleistift der alten ARt mit Minen von 1,18 mm! Haben Sie eine Ahnung wo man diese Minen heute noch bekommen kann? Im Handel weniger. Es müsste eine Gruppe von Sammlern alter Schreibgeräte eine sicherere Bezugsquelle sein. Für einen Tip wäre ich sehr dankbar! Gruß Ute Strech-Jurk

  2. Lexikaliker

    Die Firma Wörther in Baden-Baden bietet mit dem „Slight” einen mechanischen Bleistift mit 1,18-mm-Minen und zu diesem auch HB-Ersatzminen an. Ansonsten lohnt sich eine Anfrage im Weblog Dave's Mechanical Pencils, der ersten Adresse für mechanische Bleistifte.

  3. nemo

    Manufactum hatte auch mal nen 1.18er Stift im Sortiment und führt die Minen immer noch.

    www.manufactum.de/graph.....amp;s=Mine

  4. Lexikaliker

    Danke für den Hinweis!

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Ich versuche, auf alle Kommentare einzugehen, und sei es auch nur, um Danke zu sagen.


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