Archiv des Stichworts „Museum”

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… mit einem Lächeln!

Dienstag, den 9. März 2010

Für das „Schreiben und Zeichnen mit einem Lächeln” diente Gilbert & Blanzy-Poure im Jahr 1959 mit dieser etwa 24 × 32 cm² großen Anzeige seine mechanischen und Holzbleistifte, Kugelschreiber und Bleistiftminen der Marke „Criterium” an.

Anzeige von Gilbert & Blanzy-Poure (1959)

Wie die hervorragende Website Leadholder informiert, brachte die französische Gilbert Pencil Co. 1939 automatischen Bleistift „Criterium” auf den Markt und hatte damit solch großen Erfolg, dass „Criterium” in Frankreich zum Synonym für den mechanischen Bleistift wurde. – Gilbert schloss sich 1945 mit dem Schreibgerätehersteller Blanzy-Poure zu Gilbert & Blanzy-Poure und 1960 mit Conté zu Conté-Gilbert zusammen; 1979 kaufte BIC das Unternehmen.

Anzeige von Gilbert & Blanzy-Poure (1959, Ausschnitt)

BIC hat auch heute noch Bleistifte im Sortiment, darunter die holzgefassten Gilbert 33 und Critérium 550, deren Namen an die Geschichte der Firma erinnern, sowie den klassischen 2,0-mm-Fallminenstift Criterium 2603, den es in Metall- und Kunststoffausführung gibt. – Für Besprechungen dieser Stifte verweise ich gerne auf pencil talk.

Ausgrabungen

Mittwoch, den 3. März 2010

Ebenso wie sicher noch viele andere, die sich eingehender mit der Geschichte des Bleistifts beschäftigen, ging auch die österreichische Zeitschrift „Der Papierhändler”* in ihrer 58. Ausgabe vom 15. Dezember 1950 davon aus, dass Friedrich Staedtler 1662 erstmalig als Bleistiftmacher erwähnt wurde und damit als der älteste seiner Zunft gilt. Kurz darauf erhielt das Blatt eine Zuschrift mit äußerst bemerkenswerten historischen Details, die diese Annahme widerlegen, und veröffentlichte in der 61. Ausgabe vom 1. Februar 1951 eine Richtigstellung. Dank meines sehr kundigen Lesers Herbert R., der mir freundlicherweise eine Kopie des betreffenden Artikels hat zukommen lassen, kann ich diese interessanten Aspekte mit meinen Lesern teilen. Ich zitiere:

Daß ein gewisser Friedrich Staedtler, der als Vater eines Täuflings im Jahre 1662 im Taufbuch von St. Lorenz in Nürnberg genannt ist, der erste Bleistiftmacher war, ist nicht richtig, denn es findet sich unter dem 7. Februar 1659 im Kirchenbuch von St. Lorenz eine Aufzeichnung, nach der Hans Baumann auf dem Johannis-Friedhof beerdigt wurde, der gelegentlich der Verheiratung seines Sohnes als „Schreiner dann Weißerbeiter und Bleystefftmacher” bezeichnet ist. Auch sein Sohn Hans, geboren 1642, übte den Beruf des Bleystefftmachers aus. Zur Zeit ist somit Hans Baumann d. Ä. der erste in Nürnberg namentlich erwähnte Bleistiftmacher, bei dem es noch dazu durch seine Herkunft aus dem Schreinergewerbe unzweifelhaft ist, dass er Bleistifte mit Holzhülle herstellte.

Der Verfasser der Einwendung hält jedoch auch Hans Baumann nicht für den Erfinder des Bleistifts und vermutet, dass die Erfindung wahrscheinlich viel früher und in einer ganz anderen Gegend gemacht wurde. Dabei verweist er auf einen Kupferstich eines Kölner Straßenhändlers aus dem Jahr 1589, der Bündel von Stiften verkauft; als Quelle nennt er die Historiker Johannes Bischoff und Franz Feldhaus. – Weiterhin heißt es:

Die ununterbrochene Reihenfolge der Vererbung des Bleistiftmachergewerbes von Friedrich Staedtler auf Paulus Staedtler ist historisch nicht nachzuweisen. Die Firma J.S. Staedtler wurde erst 1835 gegründet. Die Behauptung, daß Paulus Staedtler der erste Nürnberger Bleistiftfabrikant gewesen ist, ist insoferne falsch, als viel früher, nämlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die jetzige Firma A.W. Faber-Castell am Rande Nürnbergs gegründet wurde und im Jahre 1806 Johann Froescheis die jetzige Johann Froescheis LYRA-Bleistiftfabrik gründete. Auch die angebliche Erfindung der heutigen Oelkreidestifte durch J.S. Staedtler im Jahre 1834 läßt sich widerlegen.

Einer Bewertung möchte ich mich enthalten, da ich nicht das dazu notwendige Wissen habe. Seit dieser Richtigstellung, deren Autor leider nicht angegeben wurde, sind jedoch fast sechs Jahrzehnte vergangen, und ich weiß nicht, ob es inzwischen neue Erkenntnisse gibt, die sie widerlegen oder bestätigen.

Vielen Dank an Herbert R. für den Artikel!

* „Der Papierhändler” war eine Halbmonatsschrift für die Interessen des österreichischen Papier- und Schreibwarenhandels, herausgegeben von Franz Bondi; gedruckt und verlegt hat sie Johann L. Bondi & Sohn in Wien-Perchtoldsdorf.

Joseph Dixon Crucible Co. 1902

Dienstag, den 2. März 2010

Der offiziellen Geschichte der Dixon Ticonderoga Company zufolge hat der amerikanische Erfinder und Produzent Joseph Dixon (1799–1869) im Jahr 1829, also zwei Jahre nach der Gründung seines Unternehmens „The Joseph Dixon Crucible Company”, als erster in den USA den holzgefassten Bleistift ersonnen und später dessen automatische Herstellung entwickelt; 1872 stellte sein Werk 86.000 Bleistifte pro Tag her.

Anzeige der Joseph Dixon Crucible Co. 1902 aus dem Jahr 1902

„Wo die Werte von Dixons Bleistiften geprüft wurden”, warb diese 65 × 100 mm große Anzeige aus dem Jahr 1902, „werden keine anderen verwendet” und hob die höchste Qualität der verwendeten Rohstoffe sowie die konstanten Härtegrade hervor.

Der 1913 markteingeführte Bleistift „Ticonderoga”, benannt nach dem Fort Ticonderoga im Staat New York, lieferte 1982 den zweiten Namensteil für die „Dixon Ticonderoga Company”, die nach dem Zusammenschluss mit der Bryn Mawr Corporation entstand. 2004 wurde Dixon Ticonderoga vom italienischen Hersteller FILA übernommen, zu dem seit 2008 auch LYRA gehört; auf diesem Weg und als „Temagraph” kommt das inzwischen klassische „Ticonderoga”-Design mit gelbem Lack, hellrotem Radierer und grüner, ring-angepresster Zwinge nun auch nach Deutschland.

Markiges Marketing (16)

Freitag, den 26. Februar 2010

Inzwischen recht selten anzutreffen sind diese farbenfrohen Reklamemarken, mit denen das traditionsreiche Unternehmen J.S. Staedtler aus Nürnberg vor wohl gut 80 Jahren die Stifte seiner Ende 1900 angemeldeten Marke „MARS” bewarb. Die beiden Stücke weisen zudem zwei Besonderheiten auf, denn ebenso wie die mindestens sechs anderen zu dieser Zeit ausgegebenen waren sie paarweise angelegt, wobei sie das Motiv teilten, und waren obendrein mit etwa 73 × 55 mm² ungewöhnlich groß.

Reklamemarken von J.S. Staedtler

Mich überrascht, dass diese Reklamemarken nicht das beworbene Produkt zeigen, sondern eine Schreibmaschine und (so wie ich es erkennen kann) einen Federhalter; Zubehör wie Tintenfass und Löschwalze fehlt. – Die Schrift am unteren Rand der Marken gefällt mir außerordentlich gut (aber das nur nebenbei).

Kleine Anmerkung: Als erste wirklich nutzbare Schreibmaschine Deutschlands gilt das Modell „Kosmopolit”, gebaut ab 1888 von der Hamburger Nähmaschinenfabrik Guhl & Harbeck, die knapp zehn Jahre später die Spitzmaschine „Jupiter” auf den Markt brachte.

Reklamemarken von J.S. Staedtler

Aufmerksamen Beobachtern wird auffallen, dass es auf der einen Marke „seit 1662″ heißt, STAEDTLER aber in diesem Jahr „175 Jahre MADE IN GERMANY” feiert. Wie passt dies zusammen?

Die erste urkundliche Erwähnung des Bleistifts, wie wir ihn heute kennen, findet sich in den Nürnberger Ratserlässen aus dem Jahr 1662. Damals gab es einen Streit zwischen Friedrich Staedtler und der Schreinerzunft, die das Bleistiftmachen, d. h. das Einleimen der Graphitminen in genutetes Zedernholz, für ihr Handwerk beanspruchte. Das Rugsamt, eine sehr strenge Behörde zur Sicherung von Produktion und Handel sowie der städtischen Macht, untersagte zwar zunächst Friedrich Staedtler die Herstellung und den Verkauf von Bleistiften, doch letzterer konnte sich durchsetzen und seinen eigenen Betrieb gründen.

Der Name „Staedtler” tauchte danach erst wieder im Jahr 1835 auf, als Johann Sebastian Staedtler, ein Nachfahre Friedrich Staedtlers, die Genehmigung zur Bleistiftfertigung erhielt, und so missfiel dem Konkurrenten Faber-Castell, der selber nur eine 234-jährige Geschichte hatte, dass sich STAEDTLER 1995 in Werbeprospekten auf eine 333 Jahre alte Tradition berief. Der Rechtsstreit ging zu Gunsten des Klagenden aus, so dass STAEDTLER nun das 175. Jubiläum begeht.

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In Kürze

Dienstag, den 23. Februar 2010

Außer den drei hier gezeigten Varianten des Bleistift-Klassikers Othello 282 von STABILO gab es noch mindestens eine weitere, und zwar diese 85 mm kurze.

Der STABILO Othello 282 als Kurzbleistift

Was das Alter und den angestrebten Verwendungszweck dieses Stifts angeht, so kann ich nur spekulieren: Ersteres schätze ich auf etwa 70 Jahre, und bei letzterem vermute ich den Gebrauch mit einem Taschenkalender oder Notizbuch.

Pentel 1968

Montag, den 15. Februar 2010

Nach der Anzeige von Yasutomo & Co. aus dem Jahr 1967 hier ein weiteres Dokument aus der Frühzeit des Feinminenstifts, und zwar eine Werbung der Pentel of America Ltd. von 1968*. – Die Herkunft des Ausschnitts kenne ich leider nicht, doch da seine Rückseite Informationen über Türen und Fenster von Caradco zeigt, könnte er aus einem Magazin für Architekten stammen.

Pentel 1968

In den besten Kreisen anzutreffen waren der „CPA Sharp 5″, zweifellos ein Vorgänger des P200, sowie der „Graph”, den es in leicht veränderter Form auch heute noch gibt; beide wurden mit einem Minendurchmesser von 0,5 mm und mit Minen der Grade HB und härter angeboten. Hier überrascht mich, dass der mit Clip und Radierer besser ausgestattete „Sharp 5″ deutlich günstiger war als der „Graph”. – Den „continuous feed” des letzteren interpretiere ich nicht als automatische Minennachführung, denn diese Technik kam meines Wissens erst Ende der 1970er Jahre mit den „alpha-matic”- und „TK-matic”-Modellen von Faber-Castell auf den Markt.

* Beim Alter muss ich mich auch diesmal auf den Anbieter verlassen, denn der Ausschnitt selber trägt keine Jahreszahl in Klartext.

Nachtrag vom 6.3.10: Der Anbieter dieser Anzeige hat mir mitgeteilt, dass er sie der Zeitschrift „Progressive Architecture” entnommen hat; das Kürzel „PA-1268″ unten rechts könnte demnach für den Dezember 1968 stehen.

Yasutomo & Co. 1967

Dienstag, den 9. Februar 2010

Hierzulande wohl weitgehend unbekannt ist Yasutomo & Company, gegründet 1954 in San Francisco von Ben Yasutomo mit der Absicht, japanische Schreibwaren in den USA und amerikanische Süßigkeiten in Japan anzubieten. Im Jahrzehnt darauf brachte Yasutomo & Co. den Faserschreiber „Sign Pen” von Pentel erfolgreich auf den amerikanischen Markt und startete später mit NIJI und Y & C eigene Marken, unter denen auch Druckbleistifte geführt wurden.

Anzeige für den Druckbleistift „DEMI-.5” von Yasutomo & Co.

Mit der Interesse weckenden Überschrift „Zum Spitzen hier drücken” und obendrein als automatischen Bleistift mit der Welt dünnster Mine pries Yasutomo & Co. den „DEMI-.5″ in dieser etwa 86 × 124 mm² großen Anzeige aus dem Jahr 1967 an, wobei man die angesprochenen professionellen Anwender fachmännisch mit einer Toleranz von 1/1000 mm beim Minendurchmesser zu beeindrucken versuchte. Doch die Vorteile lagen – und liegen – ganz klar auf der Hand, und so unterscheidet sich der typische, funktionelle Druckbleistift von heute nur unwesentlich von seinem über vierzig Jahre alten Vorgänger. – Zum Ursprung des beworbenen Stifts kann ich leider nichts sagen; ein Modell aus den 1970er Jahren gibt es bei Leadholder zu sehen.

Nachtrag vom 6.3.10: Vom Anbieter dieser Anzeige konnte ich erfahren, dass sie aus der Zeitschrift „Progressive Architecture” stammt.

Markiges Marketing (15)

Donnerstag, den 28. Januar 2010

Reklamemarke für Winckler's Ideal-Bleistift

Bei dieser vergleichsweise schlichten Reklamemarke kann ich mich sehr kurz fassen, denn ich weiß überhaupt nichts über sie und das beworbene Unternehmen. Hat vielleicht meine geschätzte Leserschaft einen sachdienlichen Hinweis zu dem 37 × 52 mm² kleinen Stück Bleistiftgeschichte?

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Rüssel und Radierer (3)

Dienstag, den 19. Januar 2010

InhaberInnen einer Dauerkarte für diesen Zirkus sind mit meinen albernen Anwandlungen bestens vertraut und werden daher nicht überrascht sein, die unterhaltsame Verquickung von großem Tier und kleinem Gummi ein drittes Mal präsentiert zu bekommen. Manege frei!

Aufsteckbarer Radierer aus Hong Kong

Der Büste eines Prominenten gleich thront dieser Vertreter der seltsamen Spezies auf dem der schwarzen Spitze abgewandten Ende des Bleistifts und ist somit immer im Blick sowie zur Hand, wenn ein Fehler des Schreibenden die fachkundige Behandlung durch einen fähigen Kopf erfordert. Details zur Identität des imposanten Wesens und seines Schöpfers sucht man jedoch vergeblich, so dass beide unbekannt bleiben; lediglich der Schriftzug „Hong Kong” verrät etwas über die Herkunft des gelben Hauptes.

Reklamemarke von Ferd. Marx & Co. aus Hannover

Auf den nur 32 × 47 Quadratmillimetern einer historischen Reklamemarke ziemlich groß machte sich das für den weichen Gummi des hier bereits genannten Herstellers Ferd. Marx & Co. aus Hannover auftretende Schwergewicht und verfehlte dank seines Kalibers wohl kaum die gewünschte und werbende Wirkung.

Radierer aus China

Weniger Ele- als vielmehr Mikrofant ist dieser winzige Kerl aus dem fernen Osten Asiens, der einen recht schüchternen und zurückhaltenden Eindruck macht, beinahe so, als traute er sich noch nicht einmal das Entfernen einer kleinen Menge Graphit zu. Seine Bedenken indes sind unnötig, hat er doch in mir einen verständnisvollen Halter, der ihn – wenn auch nicht ganz artgerecht – vor aufreibenden Einsätzen bewahrt und stattdessen seine kräftigeren Kollegen vorschickt.

J.S. Staedtler 1919 (5)

Dienstag, den 12. Januar 2010

Als Abhilfe für den Schwund der von mehreren Personen genutzten Schreibgeräte diente J.S. Staedtler im Katalog des Jahres 1919 seinen Kunden den „Telephonstift” an.

Telephonstift

Ausgestattet mit einer Ringkapsel ließ sich der in zwei Ausführungen und dem Härtegrad 2 erhältliche Bleistift an einer Schnur oder Kette befestigen und so zumindest gegen das versehentliche Mitnehmen sichern.

Telephonstift

Kleine Anmerkung am Rande: Der Eindruck, als handle es sich hier um eine frühe Form der heute grassierenden Apostrophitis, täuscht, denn nach meinem Wissen kam der Genetiv-Apostroph Anfang des 17. Jahrhunderts im Deutschen auf und blieb bis ins vergangene hinein üblich.

Telephonstift

Auch wenn man damals mit der nicht nur in diesem Katalog zu findenden Produktvielfalt wohl zuweilen über das Ziel hinausschoss und damit vielleicht manche Kunden verwirrt hat, so spricht sie mich doch aufgrund der zahlreichen und sorgfältig ausgeführten Details, die zudem meist einen praktischen Nutzen hatten, sehr an.

Telephonstift

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