MARS J.S. Staedtler 1919 (10) 

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Vor kurzem kam das vierte Set der Reihe „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache”1 auf den Markt und sofort in meinen Warenkorb2.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Mein erster Eindruck war ein sehr guter. Der Klappkarton der ersten drei Sets wurde von einer stabileren und mich ansprechenden Schiebeschachtel abgelöst. Ihre Verarbeitungs­qualität und die der vier Bleistifte ist sehr gut; Fertigungsmängel wie beim ersten Set konn­te ich nicht feststellen.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Nach härteren Minen im zweiten und dritten Set sind die im aktuellen wieder weicher und denen im ersten Set sehr ähnlich; sie entsprechen etwa HB–B beim Staedtler Mars Lumo­graph3. Unklar ist für mich jedoch, warum sie sich überhaupt unterscheiden. – Gleiteigen­schaften und Radierbarkeit sprechen für eine keramische Mine.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Auch dieses Set enthält ein dreisprachiges Faltblatt. Unter „Aussergewöhnliche Holzarten* für eine exklusive Kollektion” werden Afrikanisches Ayous, Silberpappel, Red & Olive Zebra­no und Indische Pappel genannt; das Sternchen verweist dabei auf „Pressholz” am unteren Rand. In der französischen und englischen Beschreibung heißt es „Des essences* de bois d'exception pour une collection exclusive” (*Bois reconstitué) und „An exclusive collection made with essences* of noble woods” (*Reconstituted wood). Bei einem weiteren Blick auf die Faltblätter zu den anderen drei Sets entdecke ich den Hinweis auf Pressholz auch in dem zum zweiten. Doch warum Pressholz? Und was bedeutet „essences”, zu finden in al­len Faltblättern?

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Ich finde das rätselhaft. Würde da nicht eher „Hergestellt aus …” stehen, wenn diese Blei­stifte tatsächlich aus den genannten Hölzern gefertigt worden wären?4 Während Caran d'Ache beim 348 aus Buche und dem Bleistift aus Lärche das jeweilige Holz verarbeitet hat, kam bei den Bleistiften der „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache”-Sets offenbar eine an­dere Technik zum Einsatz. Mein Leser Tom kommentierte bereits am 31.7.14:

Am I right in thinking the pencils are NOT made from the woods they are named after? They are I think made from reformed and coloured wood powder (FSC) that is inspired by certain natural woods in its patterning and colouring …

Ich habe diesen Gedanken zunächst abgetan, kann ihn aber jetzt nachvollziehen, denn die Bleistifte haben kein für mich wahrnehmbares Aroma und ihr Gewicht schwankt bei weitem nicht in dem Maß, wie es die Dichten der aufgeführten Hölzer erwarten lassen. Es wäre zweifellos eine große Leistung, mit gefärbten Holzmehlen die Maserung edler Hölzer nach­zuempfinden, doch sollte man das bei diesen Sets wirklich gemacht haben, hätte ich eine entsprechende Information ehrlicher gefunden als den für mich hier nichtssagenden Begriff „essence” (aber immerhin wurde auf Pressholz verwiesen).

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Die Stifte aller Sets finde ich sehr schön, doch die meiner Ansicht nach unklare Material­beschreibung trübt meine Freude.

Nachtrag vom 11.11.14: Kurioserweise habe ich noch etwas übersehen. Selbst mit der Lupe kann ich bei keinem der 16 Bleistifte in den Sets die für einen aus Brettchen herge­stellten Bleistift typischen Trennlinien erkennen. Gerade bei den stärker gemaserten Exem­plaren müssten die Hälften durch eine Störung des Musters deutlich erkennbar sein, doch das ist nicht der Fall.

Nachtrag vom 12.11.14: Weitere Beobachtungen und Gedanken habe ich in diesem Kommentar untergebracht.

Nachtrag vom 15.11.14: Weiter geht es hier.

  1. Das erste gibt es hier zu sehen.
  2. Zeichen-Center Ebeling, knapp 21 Euro. – Aus der Serie „Les Crayons de la Maison” gibt es jetzt auch eine Stiftablage № 1.
  3. Die Minen im zweiten kommen F–HB und die im dritten H–F sehr nahe.
  4. Rätselhaft finde ich übrigens auch, dass mir dieser Gedanke nicht schon beim ersten, spä­testens jedoch beim zweiten Set gekommen ist.

Stichwörter: Caran d'Ache

6 Kommentare zu „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4”

  1. Matthias

    Da der Name des Red & Olive Zebrano Holzes in der deutschen und französischen Version englisch ist frage ich mich ob es dieses Holz tatsächlich so in der Natur gibt, oder ob es eine Erfindung von CdA oder deren Zulieferer ist.
    Ich habe gerade mal im Internet gesucht und konnte dieses Holz nicht finden. Ich habe aber diese Seite hier gefunden: www.looklikesveneer.com.....ed_veneer/
    Diese Seite hat mich an Bilder von einem der älteren Crayons de la Maison Sets erinnert, in denen der Bleistift Schichten gehabt zu haben schien.

  2. Lexikaliker

    Mit „Zebrano” lehnt man sich vermutlich an das Streifenmuster des Laubholzes Microberlinia an, das ebenfalls „Zebrano” genannt wird. Hast Du die Schichten beim Blue Zebrano aus dem zweiten Set gesehen? Zu diesem Bleistift konnte ich von Caran d'Ache erfahren, dass man verschiedene, nicht eingefärbte Holzsorten verleimt und aus diesen Platten die Bleistifte produziert hat. Angesichts des blauen Holzes hat mich „nicht eingefärbt” allerdings gewundert, und wenn ich jetzt noch „Press­holz” lese, könnte ich mir vorstellen, dass Caran d'Ache unter „Holzsorte” etwas ganz anderes versteht.

    Sollte Caran d'Ache wirklich aus gefärbten Holzmehl beliebig gemusterte Brettchen herstellen können oder herstellen lassen und aus diesen Bleistifte zu fertigen, so wäre das schon eine feine Sache. Allerdings würde ich dann nicht bekannte Edelhölzer imitieren, sondern andere, in der Natur nicht anzutreffende Strukturen schaffen. Vom Bleistift „Psychedelic Zebrano” würde ich ohne Zö­gern ein Dutzend kaufen ;-)

  3. Reaktorblogführer

    Und im nächsten Set: Stifte aus dem seltenen Holz der zamonischen Extrusinie.
    Wenn ein Hersteller irreführende Angaben zu seinen Produkten macht, darf man sich fragen, wo er das sonst noch tut. Statt sein Pressholz als Edelholz zu bezeichnen, sollte er es lieber als das bewerben, was es ist: eine Innovation.

    Zu den Stiften: die sind wirklich schön. Wie gut lassen sie sich eigentlich spitzen? >:)

  4. Sola

    Oh wow, so they are continuing with this series! I would actually feel more comfortable with „reconstituted”, stained wood, but then would expect the price to reflect such economies. For me this set remains something to look at and not used; for everyday writing luxury the Swiss Wood is enough for me ;)

  5. Lexikaliker

    Beim Verfassen des Beitrags habe ich etwas vergessen: Auf dem Faltblatt zum ersten Set – und nur dort – steht: „Die Bleistifte von Caran d'Ache verdanken ihre Besonderheit einer passionierten Suche nach feinen Edelhölzern und sind das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Genfer Manufaktur und dem italienischen Spezialisten für Holzbearbeitung.” Bereits damals bin ich auf Hin­weise gestoßen, dass es sich bei diesem Spezialisten um ALPI handelt (siehe z. B. Skripta Paris, Kadmium und Embelezzia). Zum ALPI-Produkt ALPIlignum heißt es: „ALPIlignum is ALPI's reconstitu­ted wood […] A family of products made from composite wood. ALPIlignum can reproduce natu­rally-occurring species and maintain their patterning through changes in colour and the creation of imaginative designs. ALPIlignum may be applied to any surface and can be manufactured to differ­ent thicknesses depending upon intended use.” Die Design-Vielfalt ist beeindruckend: Wer auf die „Wood Collection” und dort über „Did not find your wood?” zur „Design Collection” geht, findet be­merkenswerte Muster. Auch die Beschreibung von ALPIkord finde ich interessant: „ALPIkord is a line of new generation pre-finished woods, created to enhance and bring out the natural character of wood by offering natural textures and aesthetic impact to a previously unprecedented degree.” Die ALPIkord-Broschüre führt übrigens drei der vier Holzbezeichnungen des ersten Sets auf.

    Ob Caran d'Ache wirklich ALPIlignum, ALPIkord oder gar eine Sonderentwicklung von ALPI für die Bleistifte dieser Sets verwendet hat, weiß ich nicht, aber für mich spricht einiges dagegen, dass die Stifte aus echtem Holz gefertigt wurden. – Spannend dürften die Details zur Fertigung sein. Wenn Materialien von ALPI zum Einsatz gekommen sind, so hat man vielleicht rohrförmiges Halbzeug um die Mine gepresst (zu ALPIlignum heißt es u. a. „It can be post-formed”); dies könnte das Fehlen der Trennlinie erklären.

    Und noch etwas: Sowohl im ersten als auch im zweiten Set gibt es einen Bleistift, der als „Ame­rikanische Walnuss” geführt wird. Im ersten ist er dunkel und heißt englisch „American Walnut”, doch im zweiten ist er hell und heißt englisch „Lati Grey”. – Im Faltblatt der Sets 2 bis 4 folgt nach Nennung der Holzarten: „Von diesen seltenen und edlen Holzarten hat Caran d’Ache seine In­spi­ration geschöpft, um seine Erfahrung in der Herstellung von Graphitminen zu sublimieren.” Wie mei­nen?

    Reaktorblogführer: Caran d'Ache schreibt ja nicht „Stifte aus …”, sondern überlässt dem Leser die Interpretation des Faltblatts. Dieser denkt jedoch wohl erst einmal an richtiges Holz und nicht an einen High-Tech-Werkstoff, der hier offenbar vorliegt. Aber auch manche Händler haben keine Zwei­fel:

    „Die Bleistifte sind aus folgenden Hölzern hergestellt worden: […]” (Bürowelt Schiff)
    „Bleistifte aus 4 aussergewöhnlichen Holzarten: […]” (Zumstein)
    „Les Crayons de la Maison Caran d’Ache is an exotic pencil set featuring four individual pencils craf­ted out of four rare species of wood […] The woods used in this set are […]” (pencils.com)
    „This, the third set in the range, is a set of 4 pencils and includes one each of the following woods: […]” (CultPens)
    „Nur ausgewählte Holzarten mit FSC- und OLB-Zertifikat kommen hier zum Einsatz: […]” (Bethge Hamburg)

    Da ALPI Holzprodukte fertigt (laut Datenblatt enthält ALPIlignum 70 bis 80% Holz), wäre, hätte man diese verarbeitet, die Formulierung „Aussergewöhnliche Holzarten” irgendwie richtig, und auch das englische „An exclusive collection made with essences* of noble woods” würde nichts Falsches sagen, denn es sagt gar nichts. Allerdings würde ich mehr Freude an diesen Bleistiften haben, wenn sie mit einer präzisen Beschreibung vermarktet würden (und vielleicht sogar in Farbkombi­nationen erhältlich wären, die man in der Natur nicht findet, und in einem Etui aus dem gleichen Material kämen). – Die Stifte lassen sich im Handspitzer gut spitzen, jedoch nicht so gut wie Blei­stifte aus richtigem Bleistiftholz; im Kurbelspitzer (hier: Carl Decade DE100) spürt man die etwas höhere Dichte des Materials.

    Sola: Yes, they are continuing, and I wouldn't be surprised if there were even more sets in the fu­ture. Since I am now a little sceptical about the material used for these pencils and how Caran d'Ache market them the Caran d'Ache Swiss Wood 348 is actually more luxurious to me since this pencil is made from real wood.

  6. Les Crayons de la maison Caran d’Ache, Edition No. 6 « pencil talk | pencil reviews and discussion

    […] Since last featured, we know much more about this pencil series, and the vendor’s own description has been updated. Particularly informative are the comments at a 2014 post at Lexikaliker. […]

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Ich versuche, auf alle Kommentare einzugehen, und sei es auch nur, um Danke zu sagen.


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