Archiv des Stichworts „A.W. Faber”

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Schwarzes Gold

Donnerstag, 4. März 2010

Als der französische Kaufmann Jean-Pierre Alibert Mitte des 19. Jahrhunderts im südlichen Sibirien nach Gold suchte, machte er eine ungewöhnliche Entdeckung. Die Brocken reinen Graphits, die er nahe Irkutsk fand, ließen ihn nach der Quelle suchen; 1847 ortete er diese schließlich auf dem Gipfel des Berges Batugol1 im Sajangebirge, gut 430 km westlich der ursprünglichen Fundstelle.

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1885)

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1885)

Erst nach sieben Jahren des mit unglaublichem Aufwand betriebenen Abbaus stieß er auf eine zweite Lagerstätte, deren Graphit die Alibert-Mine legendär machen sollte, denn in der Qualität stand dieser dem aus Cumberland in nichts nach.

Blick in die Graphit-Mine des Batugol (Holzstich, ca. 1870–1888; Ausschnitt)

Den zahlreichen Ehrungen Jean-Pierre Aliberts folgte im Jahr 1856 ein Exklusivvertrag mit der Bleistiftfabrik A.W. Faber, die fünf Jahre später die ersten Stifte mit sibirischem Graphit auf den deutschen Markt brachte; 1865 waren diese auch in Amerika erhältlich.

Anzeige für Bleistifte von Johann Faber mit sibirischem Graphit (USA 1888)

Anzeige für Bleistifte von Johann Faber mit sibirischem Graphit (USA 1888)

Die hohe Qualität des Graphits und dessen Kombination mit bayerischem Ton ermöglichten erstmals die Fertigung von Bleistiften in 16 reproduzierbaren Härtegraden, die unter dem Namen „Polygrades” in den Handel kamen und auf der Londoner Weltausstellung im Jahr 1862 gefeiert wurden.

(Warum ich das schreibe, wo es doch schon in Henry Petroskis Klassiker „Der Bleistift”, di­versen Broschüren von Faber-Castell und auch unter „Looking for Gold, Finding Graphite: Faber, Alibert and the Siberian Mines” bei Palimpsest steht? Nun, ich konnte den Stich und die Anzeige bekommen und wollte beides nicht ohne Drumherum zeigen.)

Nachtrag vom 5.3.10: Hier noch ein paar Worte zu den Quellen der beiden Dokumente. Der 178 × 118 mm große Holzstich war bei zwei eBay-Anbietern zu finden, wobei ihn der eine auf 1800–1870 und der andere auf 1885 datiert hat (dabei ist die erste Angabe sicher nicht ganz korrekt, gab es die Mine doch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts). Eine weitere Suche förderte zwei Antiquariate zutage, die diesen Stich ebenfalls führen und die Jahre 1878 und 1888 angeben; eines nennt als Künstler Franz Schreyer.

Signatur auf dem Holzstich (unten links)

Signatur unten links

Die Signaturen auf dem Holzstich (wenn es denn welche sind) haben mir bis jetzt nicht weitergeholfen, ebenso wenig die Angabe „Vol. 11″ in der linken unteren Ecke des Blattes (sie ist in der hier gezeigten Reproduktion nicht zu sehen).

Signatur auf dem Holzstich (unten links)

Signatur unten rechts

Die Anzeige stammt laut eBay-Händler von 1888 und aus „Century Illustrated Monthly Magazine” oder „Harper's Magazine”.

Nachtrag vom 14.3.10: Erhard Sattmann schreibt in seinem Buch „Vom Faustkeil zum Bleistift” (1949) zu dieser Graphitmine:

  • Das Graphitvorkommen in den Gebirgsschluchten von Irkutsk soll schon vor Jean-Pierre Alibert durch den Kosakenoffizier Tscherepanoff entdeckt, aber nicht ausgewertet worden sein.
  • Bis man auf den hochwertigen Graphit stieß, mussten mehr als 300 Tonnen eines minderwertigen aus dem 2000 Meter über dem Meer liegenden Lager gefördert werden.
  • Der Berg Batugol erhielt später zu Ehren des französischen Kaufmanns den Namen „Alibertberg”.
  • Der sibirische Graphit wurde anfänglich sogar im Naturzustand für Bleistifte verwandt und erst später mit Ton gemischt.

Danke an Herbert R. für den Hinweis auf dieses Buch!

  1. In manchen Quellen findet man auch die Schreibweise „Batougol”.

Ausgrabungen

Mittwoch, 3. März 2010

Ebenso wie sicher noch viele andere, die sich eingehender mit der Geschichte des Bleistifts beschäftigen, ging auch die österreichische Zeitschrift „Der Papierhändler”* in ihrer 58. Ausgabe vom 15. Dezember 1950 davon aus, dass Friedrich Staedtler 1662 erstmals als Bleistiftmacher erwähnt wurde und damit als der älteste seiner Zunft gilt. Kurz darauf erhielt das Blatt eine Zuschrift mit äußerst bemerkenswerten historischen Details, die diese Annahme widerlegen, und veröffentlichte in der 61. Ausgabe vom 1. Februar 1951 eine Richtigstellung. Dank meines sehr kundigen Lesers Herbert R., der mir freundlicherweise eine Kopie des betreffenden Artikels hat zukommen lassen, kann ich diese interessanten Aspekte mit meinen Lesern teilen. Ich zitiere:

Daß ein gewisser Friedrich Staedtler, der als Vater eines Täuflings im Jahre 1662 im Taufbuch von St. Lorenz in Nürnberg genannt ist, der erste Bleistiftmacher war, ist nicht richtig, denn es findet sich unter dem 7. Februar 1659 im Kirchen­buch von St. Lorenz eine Aufzeichnung, nach der Hans Baumann auf dem Johannis-Friedhof beerdigt wurde, der gelegentlich der Verheiratung seines Sohnes als „Schreiner dann Weißerbeiter und Bleystefftmacher” bezeichnet ist. Auch sein Sohn Hans, geboren 1642, übte den Beruf des Bleystefftmachers aus. Zur Zeit ist somit Hans Baumann d. Ä. der erste in Nürnberg namentlich erwähnte Bleistiftmacher, bei dem es noch dazu durch seine Herkunft aus dem Schreinergewerbe unzweifelhaft ist, dass er Bleistifte mit Holzhülle herstellte.

Der Verfasser der Einwendung hält jedoch auch Hans Baumann nicht für den Erfinder des Bleistifts und vermutet, dass die Erfindung wahrscheinlich viel früher und in einer ganz anderen Gegend gemacht wurde. Dabei verweist er auf einen Kupferstich eines Kölner Straßenhändlers aus dem Jahr 1589, der Bündel von Stiften verkauft; als Quelle nennt er die Historiker Johannes Bischoff und Franz Feldhaus. – Weiterhin heißt es:

Die ununterbrochene Reihenfolge der Vererbung des Bleistiftmachergewerbes von Friedrich Staedtler auf Paulus Staedtler ist historisch nicht nachzuweisen. Die Firma J.S. Staedtler wurde erst 1835 gegründet. Die Behauptung, daß Paulus Staedtler der erste Nürnberger Bleistiftfabrikant gewesen ist, ist inso­ferne falsch, als viel früher, nämlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die jetzige Firma A.W. Faber-Castell am Rande Nürnbergs gegründet wurde und im Jahre 1806 Johann Froescheis die jetzige Johann Froescheis LYRA-Bleistiftfabrik gründete. Auch die angebliche Erfindung der heutigen Oelkreidestifte durch J.S. Staedtler im Jahre 1834 läßt sich widerlegen.

Einer Bewertung möchte ich mich enthalten, da ich nicht das dazu notwendige Wissen ha­be. Seit dieser Richtigstellung, deren Autor leider nicht angegeben wurde, sind jedoch fast sechs Jahrzehnte vergangen, und ich weiß nicht, ob es inzwischen neue Erkenntnisse gibt, die sie widerlegen oder bestätigen.

Danke an Herbert R. für den Artikel!

* „Der Papierhändler” war eine Halbmonatsschrift für die Interessen des österreichischen Papier- und Schreibwarenhandels, herausgegeben von Franz Bondi; gedruckt und verlegt hat sie Johann L. Bondi & Sohn in Wien-Perchtoldsdorf.

Kunstvolle Kommunikation

Dienstag, 1. Dezember 2009

Das umfangreiche Drumherum des Bleistifts umfasst neben dessen vielfältigem Zubehör und dem Werbematerial wie Anzeigen, Prospekte usw. auch solche Dinge, mit denen man als Endkunde eher seltener zu tun hat. Dazu gehören u. a. Briefbögen der Hersteller; ein historisches und und meinen Augen besonders prächtiges Exemplar kam mir kürzlich unter.

Briefkopf einer Rechnung von A.W. Faber aus dem Jahr 1932

Gut 180 × 85 mm misst diese sehr aufwändige Illustration auf einer Rechnung von A.W. Faber aus dem Jahr 1932 und deckt damit beinahe ein Viertel des A4-Bogens ab. Die Beschriftung des mit einem Messer gespitzten Bleistifts unterhalb der außergewöhnlich detallierten und in Zentralperspektive mit zwei Fluchtpunkten ausgeführten Zeichnung ist goldglänzend gedruckt; hier ein Foto, da der Glanz im Scan nicht zu sehen ist (den zu einer leichten Verzerrung führenden Knick im Papier bitte ich zu entschuldigen):

Briefkopf einer Rechnung von A.W. Faber aus dem Jahr 1932 (Ausschnitt)

Ich weiß leider nicht, welche Techniken bei diesem Briefpapier zum Einsatz kamen, doch das Ergebnis halte ich für äußerst gelungen.

Briefkopf einer Rechnung von A.W. Faber aus dem Jahr 1932 (Ausschnitt)

Eine kleine Kostbarkeit – damals Gebrauchsgrafik und heute fast ein Kunstwerk.

Briefkopf einer Rechnung von A.W. Faber aus dem Jahr 1932 (Ausschnitt)

Danke an Faber-Castell für die Genehmigung zur Reproduktion!

Eberhard Faber kommt nach Hause

Dienstag, 13. Oktober 2009

1978, also vor 31 Jahren, erwarb STAEDTLER die Markenrechte an „Eberhard Faber” für Europa. Wie eine Pressemitteilung vom 1.10.2009 informiert, wurden die bisher unter der Marke „Eberhard Faber” angebotenen Produkte (darunter die sehr beliebte Modelliermasse FIMO) nun in das Sortiment von STAEDTLER integriert und die Marke mit Wirkung zum 1. Januar 2010 an Faber-Castell verkauft. Damit sind zum ersten Mal alle drei „Faber”-Marken im Besitz des ursprünglichen, im Jahr 1761 gegründeten Unternehmens A.W. Faber, das seit 1898 unter „Faber-Castell” firmiert.

Zeitreise

Donnerstag, 18. Juni 2009

Einen Rückblick der ganz besonderen Art bietet dieses japanische Blog: Einige prächtige Seiten eines Katalogs von A.W. Faber New York vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigen Bleistifte, Minenhalter, Zeicheninstrumente, Stahlfedern und Tintengläser.

Markiges Marketing (5)

Dienstag, 16. Juni 2009

Reklamemarke von A.W. Faber

„Dieser hier”, sagte Herr Koch aus der Buchhaltung, der aufgrund seiner – übrigens bemerkenswert häufigen – Aufenthalte in der Eisengießerei Sicherheits-Schuhwerk bevorzugte, „ist mein allerletzter Tintenstift!” und hielt zur Unterstreichung selbigen hoch in die Luft. Bestens gelaunt wie immer und gar nicht überrascht schaute Herr Wagner, dessen beeindruckender Bart genauso bekannt war wie seine ebensolche Sparsamkeit (nicht umsonst fiel die Wahl sofort auf ihn, als es galt, eine neue Leitung für das Magazin zu benennen), durch seine stahlgefasste Brille. Er hatte bereits beim geräuschvollen Erscheinen seines stets befrackten und mit einer sehr großen Kladde bewaffneten Frisur- und Arbeitskollegen dessen Wunsch erahnt, verbrauchte dieser doch beträchtliche Mengen jener nützlichen Schreibgeräte.

Diese Geschichte um die auf der 44 × 59 mm großen Reklamemarke von A.W. Faber abgebildeten Herren ist natürlich blanker Unsinn. Kein Unsinn hingehen ist, dass der Name „CASTELL” zusammen mit den zwei symbolhaft dargestellten, flachliegenden Burgen, die in dieser Anzeige aus dem Jahr 1915 etwas besser zu erkennen sind, bereits 1906 registriert wurde und inzwischen als Faber-Castell (ohne Burg, aber dafür mit Rittern) weltweit be­kannt ist. – Das Alter der Reklamemarke, die zu einer Serie mit mindestens elf weiteren, ähn­lich gestalteten gehörte, schätze ich auf 90 bis 100 Jahre.

Zur Geschichte der Tinten- und Kopierstifte gibt es verschiedene Angaben. Die Publikation „Frühe, nichtphotographische Kopier- und Vervielfältigungstechniken” berichtet von dem Wunsch, mit einem Graphitstift ähnlich unlöschbar zu schreiben wie mit Feder und Tinte, und der Entwicklung der sog. „Tintenstifte”, die dies möglich machten. Später soll deren Eigenschaft, bei kräftigem Farbauftrag Kopien zu erlauben, zur Bezeichnung „Kopierstift” geführt haben. Andere Quellen wie die Wikipedia sehen den Ursprung dieser speziellen Stifte in einer Vorschrift aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von deutschen Kaufleuten verlangte, Duplikate ihrer Korrespondenz vorzuhalten. Nach der Erfindung der Nasskopie knapp hundert Jahre zuvor und der mit den neuen Anilinfarben geschaffenen Möglichkeit, kopiertaugliche Schreibminen zu fertigen, entstanden dann die ersten Kopierstifte.

Zu den Herstellern, die heute noch solche Stifte anbieten, gehören LYRA (Deutschland), Faber-Castell (Deutschland), Cretacolor (Österreich), Viarco (Portugal) und Veritas/Lee Valley Tools (USA). – Interessante Details, Farbmuster und weiterführende Informationen zu Kopierstiften gibt es unter „The hidden life of copying pencils” bei pencil talk.

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A. W. Faber 1915

Mittwoch, 9. Juli 2008

Kopierstiften habe ich bisher recht wenig Beachtung geschenkt, doch dann weckten ein paar zum Teil mehrere Jahrzehnte alte Zufallsfunde und einige sehr informative Beiträge auf pencil talk mein Interesse (zuletzt „The hidden life of copying pencils”). So fiel mir auch kürzlich eine Anzeige des Herstellers A. W. Faber aus dem Jahr 1915 auf, in der neben der Minenfarbe der Stifte auch die manchmal abweichende Kopierfarbe aufgeführt ist.

Anzeige von A. W. Faber aus dem Jahr 1915

Aus: Illustrirte Zeitung Nr. 3780 (Weihnachtsnummer, Kriegsnummer 71),
145. Band, 9. Dezember 1915. – Zum Vergrößern anklicken.

Interessant ist hier unter anderem, dass der rote, heute noch erhältliche Kopierstift von Faber-Castell die gleiche Nummer wie damals trägt (nämlich 9609), und die Bezeichnung des schwarzen lediglich um den Zusatz „½” ergänzt wurde.

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