Auf die Spitze getrieben
Filigrane Kunstwerke aus Graphit: „14 Creative Pencil Tip Sculptures by Dalton Ghetti“.
Danke an Stefan für den Hinweis!
Filigrane Kunstwerke aus Graphit: „14 Creative Pencil Tip Sculptures by Dalton Ghetti“.
Danke an Stefan für den Hinweis!
Die ungewöhnliche, nach links geneigte Schriftart „Römisch Linkskursiv“ war bis vor einigen Jahren ein charakteristisches Merkmal topografischer Karten, doch mittlerweile ist sie durch die vereinfachte Kartengestaltung nur noch selten anzutreffen.

Ausschnitt der topografischen Karte für Groß-Gerau
(© Hessisches Landesvermessungsamt 1997)
Genutzt wurde sie für den Satz der Gewässernamen, wobei sich ihre Höhe von 1,5 bis 6 mm an der Größe des Gewässers orientierte; bei 6 mm kam eine hohle, d. h. eine Outline-Variante zum Einsatz. – Weitere Details nennt das Musterblatt für die Topographische Karte 1:25000 auf Seite 58.
Ausschnitt der Legende zur topografischen Karte für Neustadt/Hessen
(© Hessisches Landesvermessungsamt 1989)
Die oben gezeigte Legende für Gewässer und Gelände ist übrigens eine Besonderheit, denn sie wirkt wie eine eigene Landkarte. Wie ich vom Hessischen Landesvermessungsamt (heute Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation) vor einiger Zeit erfahren konnte, empfanden viele diese Darstellung als missverständlich, so dass sie Mitte der 1990er Jahre durch die tabellarische Form abgelöst wurde. Leider hat diese Behörde keine Details zu dieser Schrift.

Roemisch Rueckwaerts Liegend (Linotype, Größenangaben in Punkt)
Ich habe die stets in blau gehaltene „Römisch Linkskursiv“, deren besondere Ästhetik mich anspricht, nie außerhalb topografischer Karten angetroffen und kenne auch ihre Herkunft nicht. Linotype führt eine auf den ersten Blick ähnlich wirkende, bei genauer Betrachtung jedoch deutlich abweichende Schriftart unter „Roemisch Rueckwaerts Liegend“, kann aber nichts zum Ursprung dieser sagen.

Ausschnitt der Legende zur topografischen Karte für Bad Karlshafen
(© Niedersächsisches Landesvermessungsamt 1987)
Wer weiß etwas zur Geschichte dieser Schrift?
Nachtrag vom 12.5.12: Weiter geht’s unter „Römisch Linkskursiv (2)“.
Jeder kennt sie, die Reißzwecke, auch bekannt als Heftzwecke, Reißnagel, Reißbrettstift, Pinne und Wanze, doch wer weiß schon von ihrer Geschichte und den vielen Varianten?
Alois Nedoluha zufolge, dem Autor der „Kulturgeschichte des technischen Zeichnens“, gebührt W. Motz der Verdienst, die erste Reißzwecke in die Welt gebracht zu haben. Der Berliner, so Nedoluha, habe 1880 einen Stift ersonnen, der aus einem ausgestanzten und um 90° abgewinkelten Teil des runden Kopfes bestand, und damit die Urform des spitzen Helfers geschaffen. (Eine weitere Quelle für diese Information konnte ich bis jetzt leider nicht ausfindig machen, ebensowenig den Vornamen des Herrn Motz oder einen Hinweis auf eine kommerzielle Nutzung seiner Erfindung.)
Bild 1 Reißnägel in ursprünglicher Ausführung (Maped)
Auch nach 130 Jahren kann man die klassische Form noch bekommen; gekennzeichnet mit „FIXO“ ist sie u. a. bei Maped im Programm. Der Nachteil des gestanzten Stifts besteht jedoch darin, dass er vergleichsweise dick und somit nur für weiche Untergründe geeignet ist.
1888 begann Heinrich Sachs in Österreich mit der manuellen Herstellung von Reißnägeln. Zwei Jahre später stellte er auf die maschinelle Fabrikation um und war wohl der erste, der Reißnägel komplett in einem Arbeitsgang produzieren konnte; dadurch wurden sie billiger und verbreiteten sich schnell. – Sachs‘ Unternehmen mit dem heutigen Namen SAX beansprucht die Erfindung des Reißnagels. Das Detail „aus nur einem Stück Bandstahl“ in der Firmenchronik lässt darauf schließen, dass es sich um die alte Form handelte. Nedoluha schreibt, Heinrich Sachs habe 1925 gehärtete und polierte Reißnägel eingeführt.
Bild 2 Aktuelle genietete Einfachst-Reißzwecken (unbekanntes Fabrikat)
Die ersten genieteten und auch heute noch am häufigsten anzutreffenden Reißzwecken kamen laut Alois Nedoluha um 1890 in Deutschland auf; aktuelle Quellen indes schreiben diese Erfindung dem Uhrmachermeister Johann Kirsten aus Lychen in der Uckermark zu. Reich davon wurde allerdings ein anderer: Der Kaufmann Otto Lindstedt erwarb Kirstens Idee, ließ sich die Heftzwecke 1904 patentieren und wurde zum Millionär. – Am Ortsrand von Lychen erinnert eine Stele aus Stahl mit einer Riesen-Reißzwecke an den Erfinder.
Bild 3 Heftzwecken-Lieferprogramm der Gebr. Wichmann (Ausschnitt, 1940). – Man beachte die große Auswahl und die köstliche Formulierung „Heftzwecken für Zeichenzwecke“.
Es folgten weitere Veränderungen und Verbesserungen wie Überzüge des Kopfes aus Metall und Kunststoff sowie eine durchstoßfeste Ausführung, die eine Verletzung des drückenden Daumens ausschließt.
Bild 4 Aktuelle Reißnägel. Von links: unbekanntes Fabrikat mit Kunststoffüberzug, Soennecken (Deutschland), SHF (Schweden).
Seit etwa 1930 bekannt ist der sogenannte Zeichenmaschinenstift, der über zwei Löcher im Kopf verfügt. In diese greift ein Schlüssel, der das Entfernen des Stifts aus dem Zeichentisch erleichtert.
Bild 5 Spezial-Reißzwecke für Zeichenmaschinen von Kuhlmann (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)
Bild 6 Reißnägel mit zwei Löchern und Löser (ALCO)
Im Jahr 1949 wurde der Reißnagel mit drei Spitzen patentiert. Dieser bietet den Vorteil, dass bereits ein einzelner das Blatt gegen Verdrehen sichert.
Bild 7 Reißzwecken mit drei Spitzen. Links: Maped, rechts: Delta (mit Löser, Österreich).
Eine andere Variante ist der Architektennagel mit dickerem Kopf aus Metall oder Kunststoff und feiner, spitzer Nadel, die besonders gut in festem Material hält und nur geringe Spuren hinterlässt. Interessant beim roten Stift: Der Absatz schafft eine Nut zwischen Untergrund und Kopf.
Bild 8 Architektenstifte. Links: mit Kunststoffkopf (Brause), rechts: mit Messingkopfplatte und geschliffener Stahlspitze (Hch. Hummel).
Über die Verwendung der Nut des roten Architektenstifts kann ich nur mutmaßen, doch bei der Heftzwecke für Planungsarbeiten informierte der Anbieter sehr detailliert über die Nutzung des Wulstes.
Bild 9 Heftzwecke für Planarbeiten (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)
Bild 10 Heftzweckenheber und Eindrücker (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)
Die den Zwecken beigefügten Schlüssel waren nicht die einzigen Hilfsmittel zum Schutz von Fingernagel und Messerspitze. Neben separat erhältlichen Einfachst-Hebern gab es von WEDO den „Reißnagel-Fix“, eine griffige Kombination aus Drücker und Löser, dessen hohler Korpus Reißzwecken aufnahm und sogar noch Platz für eine Anleitung bot.
Bild 11 Heftzwecken-Helfer. Links: Löser (unbekanntes Fabrikat), oben: „Reißnagel-Fix“ (WEDO).
Zum Schluss sei noch ein recht ungewöhnliches Zwecken-Zubehör genannt, und zwar die Dornenscheibe, die, zwischen Papier und Zwecke gesetzt, ein Zerreißen des Papiers an der Einstichstelle verhindern sollte.
Bild 12 Dornenscheibe (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)
Etymologische Zugabe: Woher kommt das „Reiß“ an der Zwecke? „Reißen“ geht zurück auf das althochdeutsche „rizan“ und das angelsächsische „writan“ (von letzterem stammt „write“). Auch wenn man nicht ganz sicher ist, so geht man doch von der Schreibtechnik der Runen und damit von der Bedeutung „schreiben“ und „zeichnen“ aus; dieses „Reißen“ lebt weiter u. a. im Grundriss, dem Reißbrett, dem Anreißen und eben der Reißzwecke, die das Beschreibmaterial auf dem Reißbrett hält. (Quelle: Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.) – Zur Etymologie von „Zwecke“ siehe „Zweck und Zentrum“.
Der praktische und stilvolle Transport von Schreibgeräten nebst Zubehör ist schon eine Herausforderung. Mit zahlreichen Varianten vom Druckbleistift in der Hemdtasche bis zum großen Sortiment in zweistöckiger Blechschachtel habe ich mich dieser bisher vergeblich zu stellen versucht, doch seit ein paar Wochen ist das Rollmäppchen „Enveloop“ mein Favorit und ständiger Begleiter.
Das in Japan aus Baumwolle und Wildleder gefertigte und in drei Farben erhältliche Utensil bietet mit zwei kurzen und vier langen Stifttaschen sowie zwei unterschiedlich großen Fächern ausreichend Platz. Eine der langen und die beiden kurzen Taschen sind etwas breiter, so dass sie auch einen Füllfederhalter oder einen dicken Bleistiftverlängerer aufnehmen können. Abdeckungen für alle Fächer schützen den Inhalt vor dem Herausfallen.
Eine nützliche Besonderheit des „Enveloop“ ist die außen angebrachte Tasche, die das bevorzugte Schreibgerät aufnimmt und den Zugriff auf dieses erleichtert. Eine gute Idee, finde ich.
Verschlossen wird das zusammengerollte Mäppchen durch Umwickeln mit dem Lederband.
Das durchdachte, sehr gut verarbeitete „Enveloop“ wird für Bundoki hergestellt und kostet 5040 Yen (etwa 45 Euro).
Die Ästhetik der technischen Zeichnung begeistert mich mindestens ebenso wie die früher dafür benutzten Utensilien, und so greife ich mir jedes Buch zur Geschichte dieser Kunst, das ich bekommen kann. Nach „The Art of the Engineer“ fielen mir kürzlich zwei weitere in die Hände, und zwar „Zirkel und Lineal. Kulturgeschichte des konstruktiven Zeichnens“ von Jörg Sellenriek (1987) sowie „Kulturgeschichte des technischen Zeichnens“ von Alois Nedoluha (1960).
Beide Bücher sind sehr interessant aufgemacht und versprechen eine spannende Lektüre zu werden. Bereits ihre äußere Gestaltung erfreut mich: Die Konstruktion einer Sonnenuhr von Albrecht Dürer aus „Underweysung der Messung, mit dem Zirckel und Richtscheyt“ (1525) schmückt den Leineneinband des ersten Titels und die stilisierte Darstellung eines Zeichenkopfes nebst dessen Führung den des zweiten.
Solche Details finde ich einfach klasse.
Nachtrag vom 17.10.10: Ein Ausschnitt des Leineneinbands von „The Art of Mechanical Drawing – A Practical Course for Drafting and Design“ (William F. Willard, Popular Mechanics 1912, Neuauflage Hearst Books 2009).
Heute dreht es sich nicht nur um den Bleistift, sondern dieser auch um sich selbst.
Mit einer Unterlegscheibe zum Kreisel gemacht und auf dem Papier gedreht hinterlässt ein Bleistiftstummel immer wieder neue Figuren und zeigt so auf ganz besondere Weise, was noch in ihm steckt.
An English version of this post can be found at „Turning Point“ in the „Post a Stub“ series at Palimpsest. My thanks to Lito for her translation!
Der 72-jährige Designer Yuji Baba aus Japan hat sich des Problems, beim Radieren z. B. in einer Zeile manchmal auch anderes versehentlich zu entfernen, erfolgreich angenommen. Entstanden ist dabei der ungewöhnliche und nützliche Radierer „Mirikeshi“, der seit einem Vierteljahr beim japanischen Hersteller Kokuyo im Programm ist.
Hilfreich für das präzise Radieren sind schmale Kanten, von denen der „Mirikeshi“ gleich fünf bietet. Sie sind etwa ein sowie drei bis sechs Millimeter breit, womit der Radierer wohl den meisten Aufgaben gewachsen sein dürfte.
Der 50 mm lange „Mirikeshi“ hat einen Durchmesser von ca. 23 mm und einen Schuber aus transparentem Kunststoff, der ihn schützt und seine Handhabung erleichtert. Ebenso wie der Radierer und die Hülle ist auch die Verpackung – wie so oft bei Produkten aus Japan – aufwändig gestaltet, wobei mich die Ästhetik sehr anspricht.
Man sagte mir, dass „miri“ (ミリ) für „Millimeter“ und „keshi“ (ケシ) für „radieren“ stehe.
Der „Mirikeshi“ radiert gründlich, sauber und sparsam. Wer mag, trennt (wie bei Kokuyo gezeigt) eine dünne Scheibe ab und erhält dadurch wieder neue Kanten. – Mit gut 1,60 Euro bietet der Radierer ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Vorne der Pentel GraphGear 500.
Der „Mirikeshi“ ist ein ansprechendes Produkt und zudem ein weiteres Beispiel für die hohe Kreativität und die Liebe zum Detail, die ich in vielen japanischen Schreibwaren sehe und sehr schätze.
Vor gut 50 Jahren warben diese Anzeigen der J.S. STAEDTLER Inc. für die Qualitäten des Mars Duralar, dem Vorgänger des Dynagraph, beim Zeichnen auf Mylar und heute sollen sie aufmerksam machen auf den hervorragenden Beitrag „Staedtler Mars Dynagraph pencils and leads“ bei pencil talk, in dem uns der sehr kundige Autor auf einen Ausflug in die Vergangenheit des technischen Zeichnens mitnimmt. Hingehen und staunen!
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