Im Zeichen des Schwans
Das sogenannte Schwan-Auge auf dem Kopierstift Schwan Othello 982. – Zu den Ringen siehe „Bunt beringt“.
Das sogenannte Schwan-Auge auf dem Kopierstift Schwan Othello 982. – Zu den Ringen siehe „Bunt beringt“.
Als ich von dem Angebot unter www.bleistiftverlaengerung.de erfuhr, wusste ich, dass es nicht bei einer Erwähnung bleibt, und so dauerte es nicht lange, bis ich mich in ein Exemplar verguckt hatte.
Vorgestern traf das gute Stück wohlbehalten ein und erfreute mich bereits verpackt, denn es war in einen informierenden Beileger gehüllt und mit einem Kreisel aus Kirschholz geschmückt.
Mein Verlängerer ist aus dem Laubholz Arariba Amarello (regional „Putumuju“), das in Mittel- und Südamerika wächst und mir aufgrund seiner Färbung sehr gefällt.
Das Utensil ist 125 mm lang, hat einen Durchmesser von 11 mm an der Griffzone bis knapp 13 mm am Ende und wiegt mit Klemmring gut 10 g. Die Öffnung für den Stift misst etwa 7,5 mm und ist 102 mm tief; gerade letzteres ist sehr praktisch, kann man doch so auch Stifte verlängern, die für die herkömmlichen Verlängerer noch nicht kurz genug sind. – Der 4,5 mm breite Klemmring hat einen Außendurchmesser von 12,5 mm.
Die Technik ist einfach und zuverlässig und hat eine eigene Ästhetik. Durch den leicht konischen und gut sitzenden Ring werden sogar Stifte mit nur 10 mm Länge (exklusive Spitze) sicher gehalten, was am mitgelieferten Stummel gezeigt wird.
Auch die strenge, fast zylindrische Form und die Eindrehung am abgerundeten Ende halte ich für gelungen.
Die Verarbeitung des Verlängerers ist sehr gut, und es macht Freude, ihn zu benutzen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich jedoch, dass sein Innendurchmesser die Auswahl der verlängerbaren Stifte etwas einschränkt, doch die hierzulande erhältlichen Bleistifte von STAEDTLER, Schwan-STABILO und Faber-Castell passen perfekt1. Nutzer von Bleistiften mit abweichenden Durchmessern haben aber die Möglichkeit, sich einen Verlängerer nach Wunsch anfertigen zu lassen. – Der Ring stört mich beim Greifen nicht.
Der Verlängerer hat 9,95 Euro gekostet und für den Versand fielen 2,95 Euro an – ein fairer Preis, wie ich finde. Manche Stücke sind etwas teurer, doch der Blick auf das Sortiment lohnt, nicht zuletzt deshalb, weil dieses Angebot in Deutschland meines Wissens einmalig ist.
Neu in der Rubrik „Brauch‘ ich zwar nicht, muss ich aber haben“: Ein alter Aschenbecher von STAEDTLER.
Das 150 mm breite, 38 mm hohe und gut 400 g schwere Stück ist vermutlich aus glasiertem Steingut und trägt keine Kennzeichnungen. Der Marskopf, wie er hier zu sehen ist, wurde 1925 bis 1952 benutzt, und so ist der Aschenbecher 61 bis 88 Jahre alt.
Natürlich wird er bei mir nie mit Asche in Berührung kommen1, sondern mich anderweitig erfreuen. So könnte er z. B. als dekorative Ablage für Bleistiftstummeln dienen.
Außer der in meinen Augen sehr schönen Gestaltung gefällt mir, dass der Aschenbecher und der Bleistift den Ton gemeinsam haben.
Wie der Bleistift der Zukunft aussehen wird, weiß natürlich niemand, doch einen Eindruck dessen, was kommen könnte, geben Patente und Gebrauchsmuster. Die für mich spannendste Quelle ist das Espacenet des Europäischen Patentamts, denn dieses bietet freien Zugriff auf über 80 Millionen Patentdokumente aus aller Welt1.
Startseite des Espacenet beim EPA
Doch wie in einer solchen Fülle suchen und finden? Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, von denen hier eine beschrieben sei2. Um sich einen Überblick über die veröffentlichten Patentdokumente eines bestimmten Gebiets zu verschaffen, ist die Kenntnis der IPC (International Patent Classification3 oder der CPC (Cooperative Patent Classification) hilfreich. So sind z. B. „Geräte zum Schreiben oder Zeichnen“ unter der IPC B43K und „Artikel zum Beschreiben oder zum darauf Zeichnen; Zubehör zum Schreiben oder Zeichnen“ unter der IPC B43L zu finden. Geht man mit der B43K in die Klassifikationssuche, erhält man eine Übersicht der B43K und weitere Auswahlmöglichkeiten.
Klassifikationssuche
Übersicht der B43K
Über die B43K 19/00 (Schreibstifte ohne Schreibminenvorschub, Griffel, Farbstifte und Schreibkreiden) geht es zur B43K 19/02 (Bleistifte und Farbstifte).
Klassifikationssuche für die B43K 19/00
B43K 19/02 ausgewählt und die in Suche übernommen
Ein Klick in das Kästchen links vom Eintrag übernimmt die IPC in die Auswahl unter „Ausgewählte Klassifikationen“ in der linken Seitenleiste, und ein Klick auf „Patente finden“ darunter liefert schließlich die Trefferliste mit dem zuletzt veröffentlichten Dokument an erster Stelle. – Sehr nützlich ist die Möglichkeit, den RSS-Feed dieser Suche zu abonnieren; dazu klickt man auf das orangefarbene Symbol rechts neben der Überschrift „TREFFERLISTE“.
Trefferliste für die B43K 19/02
Die Anwahl eines Eintrags führt zu dessen Einzelansicht. Hier z. B. das Patent für ein konisches Schreibgerät von Herlitz:
Einzelansicht des Patents DE102011004072
Von den in dieser Ansicht verfügbaren Funktionen sei nur eine genannt, und zwar die Anzeige des Originaldokuments, auswählbar in der linken Seitenleiste:
Anzeige des Originaldokuments DE102011004072
(Das patentierte Schreibgerät von Herlitz erinnert mich ein wenig an die konischen Bleistifte von Eagle vom Ende des 19. Jahrhunderts, aber es setzt mit den asymmetrischen Griffnuten noch eins drauf.)
Zum Abschluss und als Anregung zum Stöbern ein paar Patente zu Stiften und Spitzern, die mir aufgefallen sind und die ich sehr interessant finde:
Als Laie auf dem weiten Gebiet der Patente kann ich nur an der Oberfläche kratzen, doch allein das hat schon für mich spannende Ergebnisse geliefert. Allen an der aktuellen Entwicklung Interessierten sei daher die Recherche bei Espacenet empfohlen!
Aus einem Faltblatt für den Tintenstift STABILO Cellomin: Die attraktiven Kennringe einiger Tinten- und Kopierstifte der Schwan-Bleistift-Fabrik.
Die patentierte Mine des Ende der 1930er Jahre eingeführten Cellomin enthielt Farbzellen, die durch ein Gerüst chemischer Stoffe umgeben und so vor Feuchtigkeit geschützt waren; lediglich die äußeren und die an der Spitze abgeschriebenen Farbzellen lagen frei. So wurde das Aufweichen der Mine und das Verbiegen des Stifts bei feuchter Luft vermieden.
Das aus dem Jahr 1940 stammende Faltblatt mit zahlreichen Anwendungsbeispielen beantwortet auch eine häufig gestellte Frage:
Wie unterscheiden sich Kopier- von Tintenstiften?
Kopierstifte schreiben schwarz, kopieren aber violettfarbig.
Bei Tintenstiften ist Schrift und Kopie gleichfarbig.
Tintenstifte sind auch als Farbkopierstifte allgemein bekannt.
(Allerdings passt der zweite Satz nicht zu allen aufgeführten Tintenstiften.)
Übrigens: Der STABILO Cellomin war 1939 der erste Stift, der das im April 1938 eingetragene Schwan-Auge trug. – Eine weitere Reklame für den Cellomin gibt es unter „STABILO im Büro“.
Handgefertigte Bleistiftverlängerer aus einheimischen und exotischen Hölzern bietet Gerolf Hering aus Meißen unter www.bleistiftverlaengerung.de an. Neben Varianten aus gefärbtem Holz und mehreren Holzarten gibt es Ausführungen mit Einlagen und Verzierungen; darüber hinaus wird auch nach Wunsch gefertigt. Die Unikate nehmen 10 cm des Bleistifts auf, halten noch Stummel mit einer Schaftlänge von 1 cm und kosten 9,95 bis 13,95 Euro zzgl. Versandkosten.
Danke an Kai für den Hinweis!
Nein, nicht meiner, sondern der der Firma J.S. STAEDTLER.
Mit „Wiener Methode“ bezeichnete man das Mischen des Graphits mit Ton, denn manchen Quellen zufolge hat der Österreicher Josef Hardtmuth bereits 1790 und damit vor Nicolas-Jacques Conté die keramische Mine erdacht. Henry Petroski schreibt dazu in seinem Buch „Der Bleistift“: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode‘ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.“
Den Stammbaum habe ich dem Buch „Das Wirtschaftsleben der Stadt Nürnberg von 1050 bis 1950“ von Karl Seiler entnommen.
Ein bemerkenswerter Bleistift ist der überdimensionale Jumbo-uni von Mitsubishi, der einzeln auf einer Karte abgeben wurde.
Mit einer Länge von 24,9 cm und einem Durchmesser von 11,2 mm (Schlüsselweite 10 mm) übertrifft er sein normalgroßes Pendant deutlich.
Bis auf den Zusatz „Jumbo“ sind die Aufdrucke nahezu gleich; Strichcode und Blindprägung gibt es auf dem Jumbo-uni nicht.
Er trägt allerdings zwei zusätzliche Kennzeichnungen, doch …
… ich habe keine Ahnung, auf was sich »85th ”Thanksgiving” anniversary« bezieht; so kenne ich auch nicht das Alter dieses Bleistifts.
Die Zeichen „非売品“ bedeuten „Nicht zum Verkauf“.
Die Mine des Jumbo-uni ist 3 mm dick.
Ein schönes Stück!
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