Archiv des Stichworts „Eberhard Faber”

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„Die Entstehung des Bleistiftes”

Dienstag, 29. November 2016

Die Broschüre „Die Entstehung des Bleistiftes” von Eberhard Faber, Neumarkt bei Nürn­berg, stellt „Wissenswertes über die Herstellung von Blei-, Kopier- und Farbstiften” in Wort und Bild dar. Ich finde sie nicht nur wegen der Titelseite sehr ansprechend.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

(zum Vergrößern anklicken)

Der zwölfseitige Druck im Format DIN A4 enthält Details, die man als Endkunde auch heute nicht so einfach erfährt; dies und einige Formulierungen sprechen dafür, dass sich Eberhard Faber damit an Händler richtete. Im Mittelpunkt stehen Stifte und Radierer der Marke VAN DYKE, die erstmals 1931 eingetragen wurde1. Angesichts der Gestaltung vermute ich, dass die Broschüre aus den 1940er Jahren stammt.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Bereits die Einleitung ist reizvoll:

Wer sieht es wohl einem Bleistift an, daß zu seiner Herstellung Hunderte von Arbeitsgänge auf sinnreich konstruierten Maschinen und eine unendliche Erfah­rung notwendig sind? Welch große Bedeutung kommt doch diesem unschein­baren Schreibgerät auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu! Für viele Menschen ist der Bleistift unentbehrlicher Freund und ständiger Begleiter.

Auf die Bestandteile geht man gleich zu Beginn ein. So heißt es, dass der in der Bleistiftin­dustrie verwendete Ton aus Unterfranken kommt; ich gehe davon aus, dass man sich hier auf das Tonwerk der Stadt Klingenberg bezieht.

Beim Graphit wird zwischen dem günstigen, amorphem aus Österreich, Korea und Mexiko und dem höherwertigen, kristallinen aus Bayern („in der Nähe von Passau”), Ceylon und Madagaskar unterschieden. – Mit dem bayerischen Graphit ist zweifellos der von Kropfmühl in Hauzenberg gemeint.

Auch beim Holz ist man recht ausführlich. Neben der Florida- oder Rot-Zeder2 und der kali­formischen Zeder führt man Erle, Linde und Föhre auf. (Linde und Nadelhölzer – vor allem die Kolorado-Tanne und die Weymouth-Kiefer – nutzt man immer noch, die Erle wegen ih­rer Härte indes nicht mehr.)

Als „Politur”3 wird Zelluloselack genannt, doch von diesem ist man aufgrund gesundheit­licher Risiken bei der Verarbeitung und schwieriger Entsorgung schon vor einiger Zeit abge­kommen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Bemerkenswert sind die Materialien, mit denen die Stifte „gestempelt” wurden: Damals waren es Echtgold-, Goldbronze- und Aluminiumbronzefolien.

Bei der Bearbeitung des Graphits ist von „chemisch zerkleinert” und „chemisch verfeinert” die Rede; was es damit auf sich hat, verrät die Broschüre jedoch nicht.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Auch auf Bestandteile und die Herstellung von Kopier-, Farbkopier- und Farbminen wird eingegangen. Alle enthalten u. a. das pflanzliche Verdickungsmittel Traganth, das heute haupt­sächlich für Lebensmittel verwendet wird.

In der Auflistung der Spezialstifte fielen mir mattschreibende Kopierstifte auf, die bei künst­lichem Licht die Augen schonen sollen.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Gegen Ende finden sich Handreichungen zum Verkauf:

Es genügt nicht, dem Kunden kurzerhand einen Stift zu reichen. Zeigen Sie ihm vielmehr alle Muster der auf Lager befindlichen Sorten auf einer hübschen Samt­karte aufgemacht!

Und:

Auch der kleine unscheinbare Bleistift muß mit Lust und Liebe verkauft wer­den, denn jeder Kunde freut sich, wenn er auch bei einem kleinen Einkauf vom Ver­käufer aufmerksam bedient wird.

Natürlich darf der Radierer nicht unerwähnt bleiben, und so erfährt der Leser, dass man „den weltbekannten VAN-DYKE-Radiergummi von Grund auf in eigener Fabrik erzeugt” und dass „Eberhard Faber als erster Bleistifte kombiniert mit Radiergummi herstellte”4.

„Die Entstehung des Bleistiftes”

Eine Übersicht der Härtegrade und der „Werdegang des Bleistifts” schließen die Broschüre ab.

Für mich ein schönes Stück Bleistiftgeschichte!

  1. So ganz klar sind mir die Einträge des DPMA nicht, denn es gibt sowohl „Van Dyke” (mit Anfüh­rungszeichen und in Gemischtschreibung, eingetragen am 9.3.26) als auch VAN DYKE (ohne Anführungszeichen und in Versalien, eingetragen 5.11.1940).
  2. Die Erwähnung der Rot-Zeder überrascht mich, denn ich dachte bisher, dass diese bereits vor etwa 100 Jahren durch die kalifornische Zeder (Weihrauch-Zeder) abgelöst wurde.
  3. Der Begriff „Politur” geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spitzenbleistifte einen Schellack­überzug mit Schwermetall-Farben erhielten und von Hand poliert wurden.
  4. Das in diesem Zusammenhang oft genannte Patent von Hyman Lipman aus dem Jahr 1858 beschrieb einen Bleistift, der auf etwa einem Drittel der Länge statt der Graphitmine einen Ra­dierkern enthielt. Dieses Patent wurde später jedoch für ungültig erklärt mit der Begründung, dass Bleistift und Radierer bereits vorher existiert hätten und durch die Kombination von bei­dem nichts Neues entstanden sei. Am 11.8.1891 erhielt Eberhard Faber das Patent auf die Befestigung eines Radierers an einen Bleistift mithilfe einer Zwinge.

Kurz notiert

Samstag, 15. Oktober 2016
  • Wer 620 Schweizer Franken loswerden und dafür einen Spitzer haben möchte, wird bei Hieronymus fündig. – Danke an Frau Fischer für den Hinweis auf dieses bemerkens­werte Produkt!
  • Zum Monatswechsel erschien bei Prestel das Buch „Schreibwaren”; es enthält auch einen Beitrag von mir. – Eine englische Ausgabe („Stationery Fever”) ist ebenfalls erhältlich.
    Schreibwaren (Prestel)
  • Aus der Reihe „Tools of the Trade” des NPR: „Trace The Remarkable History Of The Humble Pencil”. – Danke an Andreas Weinberger und Sean für den Hinweis!
  • Ein Rückblick auf die Bleistiftfertigung von Eberhard Faber in New York: „New York Today: Our Past in Pencils”. – Danke an Michael Leddy für den Hinweis!
  • Am vergangenen Samstag war ich einen halben Tag auf der Insights X in Nürnberg, der noch recht neuen1 PBS2-Messe in Nürnberg; man hatte mich zu einem Blogger-Treffen eingeladen. Besonders gefreut hat mich das Treffen mit Matthias, mit dem ich seit 2009 in Kontakt stehe, und seiner Familie. Die Zeit war knapp, und wie erwartet habe ich mich hauptsächlich am Stand von STAEDTLER aufgehalten.
    Insights X
    Ob es einen Blog-Beitrag zur Insights X geben wird, kann ich noch nicht sagen.
  1. Sie fand erstmals 2015 statt.
  2. Papier, Büro, Schreibwaren.

Granate 1892–1933

Freitag, 25. März 2016

Bemerkenswerte Details zur Geschichte des als „Granate” bekannten Handspitzers finden sich im Early Office Museum, wo er ihn in der Rubrik „Small Pencil Sharpeners” als „American Cartridge Pencil Sharpener” von Eberhard Faber aufgeführt wird. Es heißt dort, eine Anzei­ge von 1892 habe damit geworben, dass dieser Messingspitzer zuerst in Europa hergestellt worden wäre. Eberhard Faber habe ihn jedoch verbessert und ihn dann patentieren und in den USA fertigen lassen. Weitere Anzeigen für diesen Spitzer sollen 1905, 1911 und 1933 erschienen sein. Eine Abbildung zeigt den Spitzer mit der Prägung „E. Faber Pat. Appl'd.”1

Im selben Jahr, so das Early Office Museum, soll eine Besprechung des „Standard Pencil Sharpener”, hergestellt von der Connecticut Mfg. Co., Hartford, mit einer ähnlichen Dar­stellung veröffentlicht worden sein. Das Unternehmen habe angegeben, dass dieser Spit­zer, obwohl weitgehend identisch zu dem seit kurzer Zeit erhältlichen, besser gefertigt und in allen Belangen zufriedenstellender sei. Ein gleichartiges Modell soll 1894 als „Peerless Long Bevel Lead Pencil Sharpener” beworben worden sein.

Eine kurze Suche bei Google Books förderte diesen Eintrag aus dem Katalog von Mont­gomery Ward & Co. (1895) zutage:

Granate 1892–1933

Für mich sieht der „Peerless” wie eine Langkonus-Variante der Granate aus. – Dem „Hand­buch für Papier und Bürobedarf” von 1949 zufolge kam dieser Spitzer vor etwa 60 Jahren, also um 1889 in den Handel; die Angaben im Early Office Museum könnten dazu passen.

Nachtrag vom 9.5.17: Mehr zum „Peerless”, der vermutlich ein im Inland gefertigtes Kon­kurrenzprodukt zur importierten „Granate” war, unter „Granate 1893″.

  1. Ein direkter Link ist leider nicht möglich. – Ich habe das Early Office Museum nach weiteren Details zur Anzeige von 1892 gefragt, aber leider keine Antwort erhalten.

Paperworld 2016 (1)

Freitag, 5. Februar 2016

Vor wenigen Tagen gingen die Paperworld und die zeitgleich stattfindende Creativeworld in Frankfurt/Main zu Ende; hier der erste Teil meiner kurzen und nicht repräsentativen Noti­zen. – Diesmal nicht vertreten waren u. a. Atoma, Brunnen, Dahle, Haff, Herlitz, Koh- I-Noor, LAMY, Pilot, Plus, Schneider und Schwan-Stabilo.

Der Auftritt von STAEDTLER stand ganz im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums von FIMO. Es gab auch einen Aufsteller mit Bleistiften, darunter der Mars Lumograph, doch zu meiner großen Überraschung wurde nicht dessen erweitertes Sortiment präsentiert. – Bei Faber-Castell und Eberhard Faber sind mir keine Neuheiten aufgefallen, ebenso wenig bei KUM.

Paperworld 2016 (1)

Neu vom Schweizer Hersteller Caran d'Ache ist der Bleistift GENIUS 353 mit Touch­screen-Tip, den es mit schwarzem und weißem Lack, aber nur in HB gibt. – Der Tip ist nicht abnehmbar.

Paperworld 2016 (1)

Zu sehen war auch das im vergangenen August eingeführte Geschenkset SWISS WOOD mit einem Bleistift aus Jura-Buche und einem aus Arve nebst Radierer und Magnesium-Spitzer. Letzterer trug außer „Made in Germany” auf dem Messer keine Kennzeichnung; ich vermute, dass er im Gegensatz zu den Spitzern anderer Sets von Caran d'Ache nicht von Eisen stammt.

Paperworld 2016 (1)

Paperworld 2016 (1)

Bei zwei der vier Bleistifte eines Sets der GRAFIK-Serie fielen mir außermittig sitzende Minen auf.

Paperworld 2016 (1)

Vorgestellt wurden zudem zwei Sonderausführungen des im Jahr 1930 erstmals erhältli­chen Fixpencil, mit dem der Schweizer Architekt Mario Botta gewürdigt wird. Die Sets mit Fixpencil, Graphitmine in B und vier wasservermalbaren Farbminen sind ab April erhältlich.

Paperworld 2016 (1)

Die wohl ungewöhnlichsten Bleistifte der diesjährigen Paperworld kommen vom Start-Up Manaomea.

Paperworld 2016 (1)

Das Münchener Unternehmen fertigt sie nach eigenem patentierten Verfahren aus Jute, Flachs und anderen Naturfasern sowie Biopolymeren. Die Materialien für die beiden Bleistif­te und das Mäppchen stammen meist aus Entwicklungsländern und immer aus Bio-Anbau, und beim gesamten Herstellungsprozess wird auf Fairness und Umweltverträglichkeit ge­achtet. Die verwendete Technik bietet große Gestaltungsfreiheiten, und so lassen sich Stifte in unterschiedlichen Profilen, Farben und Oberflächen fertigen.

Paperworld 2016 (1)

Bei Pentel konnte ich erfahren, dass die Verfügbarkeit der Metallvariante des 0,2-mm-Druckbleistifts Pentel orenz in Deutschland davon abhängt, wie gut die anderen Ausfüh­rungen ankommen.

Paperworld 2016 (1)

Die großartigen Ecoline-Wasserfarben des niederländischen Anbieters Royal Talens gibt es ab sofort auch als Pinselstift. – Interessantes Detail: Die Farbe in den Pinselstiften ist etwas konzentrierter als die im Glas, damit die Farben zueinander passen. Würde man den Pin­selstift nachfüllen (was möglich ist), wäre der Abstrich zu hell.

Paperworld 2016 (1)

Im zweiten Teil geht es um DOMS, Viarco und CARL.

„The House That Faber Built”

Dienstag, 7. Juli 2015

Sean von Contrapuntalism berichtet von seinem Besuch bei Eberhard Faber. Großartig!

Eberhard Faber Cartograph 540

Montag, 1. Dezember 2014

Den Landkartenstift Cartograph von Eberhard Faber gab es auch in kurzer Ausführung.

Eberhard Faber Cartograph 540

Die nur 91 × 50 mm kleine und 10 mm flache Blechdose ist mit jeweils zwei gelben, grü­nen und schwarzen Stiften ungewöhnlich befüllt1. Sie sind rund, 86 mm lang, 7,4 mm dick und haben eine 4,4 mm dicke Mine.

Eberhard Faber Cartograph 540

Die topografische Karte im Hintergrund ist das Messtischblatt 3173, Kleinsassen, her­ausgegeben vom Reichsamt für Landesaufnahme 1936.

Das war's auch schon für heute.

  1. Es kann sein, dass dies nicht die Originalzusammenstellung ist.

Eberhard Faber, New York, 1924

Dienstag, 12. November 2013

Prächtig: „Ghosts of a Brooklyn Pencil Factory” (via Woodclinched).

„Faber-Castell since 1761″ (2)

Montag, 7. Oktober 2013

Mit „Faber-Castell since 1761″ gibt es seit kurzem eine umfangreiche Unternehmens- und Familiengeschichte der Bleistiftdynastie. Hier ein paar subjektive Anmerkungen.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Der üppig gestaltete, etwa 24,5 × 29 cm große und 520-seitige Band aus der Collection Rolf Heyne ist fadengeheftet, gebunden und durchgehend vierfarbig. Die Verarbeitungs­qualität des in Italien gedruckten Werkes ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr gut.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Die Gliederung des chronologisch aufgebauten Buchs orientiert sich im wesentlichen an den acht Generationen und bietet über die mit „Wie die Welt aussah” betitelten Rubriken den zeitgeschichtlichen Kontext, was mir gut gefällt. Den Bauwerken ist ein eigenes Kapi­tel gewidmet, und der Anhang enthält u. a. einen Ausschnitt aus den Stammtafeln der Familien Faber und Castell sowie den Familienstammbaum.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Das Buch erfreut mit sehr ästhetischen Darstellungen; hier der Erwerb einer Graphitmine in Südsibirien durch Lothar von Faber im Jahre 1856 und Werbematerial für die Marken ACME und Apollo von Johann Faber.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Sämtliche Produktbereiche von gestern und heute werden präsentiert, darunter – neben Blei- und Farbstiften – Schiefertafeln und -griffel, Tinten und Tuschen, Rechenstäbe, Füll­halter, Zeichengeräte sowie Kosmetik.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Manches hätte ich gerne jedoch etwas ausführlicher gesehen, so z. B. das Sortiment von Eberhard Faber in den USA und die Bleistiftspitzer; vielleicht wäre auch das eine oder an­dere ungewöhnliche und heute fast vergessene Produkt (wie etwa der Flach­minen-Dreh­bleistift TK 9600) eine Erwähnung wert gewesen.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Angesichts des ganzen Know-how hinter den vielfältigen Produkten verwundert mich, wie wenig Technik gezeigt wird – Patentzeichnungen, Werkzeuge, Maschinen, Prototypen, halbfertige Produkte und andere Details zu Entwicklung und Fertigung fehlen fast völlig, was ich sehr schade finde.

„Faber-Castell since 1761” (2)

Markengeschichte und Imagepflege indes sind ausführlich dokumentiert, und so wirken nicht wenige Seiten wie aus einer Werbebroschüre (und auf mich in einem solchen Buch unangenehm).

„Faber-Castell since 1761” (2)

Dass mich die ausführliche Darstellung der Bauwerke wenig und die zahlreichen privaten Einblicke kaum ansprechen, liegt vermutlich daran, dass ich nicht zur Zielgruppe dieses Buchs gehöre.

„Faber-Castell since 1761” (2)

„Faber-Castell since 1761″ ist sicher reizvoll, würde mir aber erheblich besser gefallen, wenn es weniger Familienfotos und Eigenwerbung und dafür mehr technikgeschichtliche Details enthalten würde; so kann ich das 58 Euro teure Buch leider nur eingeschränkt empfehlen.

Nachtrag vom 20.10.13: Unter „Faber-Castell Since 1761 (3)” bietet Sean von Contra­puntalism einen Blick auf die englische Ausgabe dieses Buches, zu der mir der Verlag Ende September sagte, es gäbe sie nicht.

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