Archiv der Kategorie „Alltägliches”

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Zeitzeichen

Samstag, 8. Januar 2011

Automatik-Armbanduhren des unteren Preissegments von SEIKO sind zuverlässige Begleiter mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Weniger bekannt ist, dass einige Kompo­nenten wie z. B. Ziffernblatt und Zeiger dieser meist mit dem Kaliber 7S26 ausge­statteten Uhren untereinander ausgetauscht und obendrein durch Teile von Drittanbietern ersetzt werden können, was eine leben­dige „Modding”-Szene mit einer großen Vielfalt individuell gestalteter Exemplare hat entstehen lassen.

Zeitzeichen

Ein für Umbauten oft genutztes Modell ist gleichzeitig ein Klassiker, nämlich die Taucher­uhr SKX0071. 1996 als Nachfolger der 7002-Reihe auf den Markt gebracht, erfreut sie sich an­haltender Beliebtheit und zeigt auch mir als Nicht-Taucher die Zeit.

Zeitzeichen

Das Design der SKX007 halte ich für äußerst gelungen, so dass ich nur eine kleine Ände­rung habe vornehmen lassen: Der Wochentag wird jetzt durch römische Ziffern dargestellt, und zwar von „I” für Montag bis „VI” für Samstag2; am Sonntag ist ein rotes Quadrat zu sehen.

Zeitzeichen

Allein das rote Quadrat war meine Motivation für den Umbau, denn dieses Detail gefällt mir einfach zu gut. – Den fachmännischen Eingriff hat übrigens Monsterwatches durchgeführt und mich damit einmal mehr zu einem sehr zufriedenen Kunden gemacht.

  1. Das Armband im ersten Bild ist ein Shark Mesh vom eBay-Anbieter wjean28.
  2. Für den Donnerstag steht nicht „VI”, sondern „IIII”, wofür es verschiedene Erklärungen gibt. – Diese Anzeige des Wochentags, so sagte man mir, sei in Japan nichts Ungewöhnliches; viele Uhren für den einheimischen Markt und auch manche Kalender hätten sie. Die Japan-Variante der SKX007, deren Ziffernblatt sich geringfügig von dem im hier gezeigten, in Singapur gefer­tigten Modell unterschiedet, zeigt den Tag jedoch in Englisch und Arabisch an; eine Ausführung mit Kanji-Tagesscheibe gibt es nicht.

Mit dem Essen spielt man nicht

Freitag, 7. Januar 2011

Mit dem Essen spielt man nicht

Die heiße Lava des Spinat-Vulkans bewegt sich unaufhörlich auf das kleine Fischerdorf zu.

Borstiger Beistand

Samstag, 1. Januar 2011

Gutes neues Jahr, liebe Leser! Zum Auftakt eine kleine Umnutzung, die mir kürzlich in den Sinn kam.

Borstiger Beistand

Diese in Schweden handgefertigte Schmutzbürste hat lange Borsten und bekam daher von mir eine ganz andere Aufgabe: Statt am Schuh verrichtet sie auf meinem Schreibtisch ihren Dienst.

Borstiger Beistand

Von links: STABILO GREENgraph, STAEDTLER Mars Lumograph, STABILO Opéra 285,
Lexikaliker-Bleistift, STAEDTLER Noris, Schwan Othello 282, LYRA orlow-techno 6300

Gekauft habe ich das gute Stück im Bürstenhaus Stiftstraße in Frankfurt/Main, dessen Aus­wahl und Beratung erfreuen (ab Februar ist das Geschäft in der Töngesgasse zu finden).

Herbst Nr. 2

Montag, 11. Oktober 2010

Nach der strengen, aber berechtigten Kritik meiner aufmerksamen Leser (was will man mehr?) an meinem ersten Versuch hier nun der zweite, die herbstliche Farbpalette sortiert darzustellen.

Herbst Nr. 2

Wie fast immer: zum Vergrößern anklicken

Einen dritten Anlauf wird es wegen nachlassender Blattfarbvielfalt wohl nicht geben.

Herbst

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Herbst

Die Reißzwecke

Donnerstag, 29. Juli 2010

Jeder kennt sie, die Reißzwecke, auch bekannt als Heftzwecke, Reißnagel, Reißbrettstift, Pinne und Wanze, doch wer weiß schon von ihrer Geschichte und den vielen Varianten?

Alois Nedoluha zufolge, dem Autor der „Kulturgeschichte des technischen Zeichnens”, gebührt W. Motz der Verdienst, die erste Reißzwecke in die Welt gebracht zu haben. Der Berliner, so Nedoluha, habe 1880 einen Stift ersonnen, der aus einem ausgestanzten und um 90° abgewinkelten Teil des runden Kopfes bestand, und damit die Urform des spitzen Helfers geschaffen. (Eine weitere Quelle für diese Information konnte ich bis jetzt leider nicht ausfindig machen, ebensowenig den Vornamen des Herrn Motz oder einen Hinweis auf eine kommerzielle Nutzung seiner Erfindung.)

Die Reißzwecke

Bild 1 Reißnägel in ursprünglicher Ausführung (Maped)

Auch nach 130 Jahren kann man die klassische Form noch bekommen; gekennzeichnet mit „FIXO” ist sie u. a. bei Maped im Programm. Der Nachteil des gestanzten Stifts besteht jedoch darin, dass er vergleichsweise dick und somit nur für weiche Untergründe geeignet ist.

1888 begann Heinrich Sachs in Österreich mit der manuellen Herstellung von Reißnägeln. Zwei Jahre später stellte er auf die maschinelle Fabrikation um und war wohl der erste, der Reißnägel komplett in einem Arbeitsgang produzieren konnte; dadurch wurden sie billiger und verbreiteten sich schnell. – Sachs' Unternehmen mit dem heutigen Namen SAX beansprucht die Erfindung des Reißnagels. Das Detail „aus nur einem Stück Bandstahl” in der Firmenchronik lässt darauf schließen, dass es sich um die alte Form handelte. Nedoluha schreibt, Heinrich Sachs habe 1925 gehärtete und polierte Reißnägel eingeführt.

Die Reißzwecke

Bild 2 Aktuelle genietete Einfachst-Reißzwecken (unbekanntes Fabrikat)

Die ersten genieteten und auch heute noch am häufigsten anzutreffenden Reißzwecken kamen laut Alois Nedoluha um 1890 in Deutschland auf; aktuelle Quellen indes schreiben diese Erfindung dem Uhrmachermeister Johann Kirsten aus Lychen in der Uckermark zu. Reich davon wurde allerdings ein anderer: Der Kaufmann Otto Lindstedt erwarb Kirstens Idee, ließ sich die Heftzwecke 1904 patentieren und wurde zum Millionär. – Am Ortsrand von Lychen erinnert eine Stele aus Stahl mit einer Riesen-Reißzwecke an den Erfinder.

Die Reißzwecke

Bild 3 Heftzwecken-Lieferprogramm der Gebr. Wichmann (Ausschnitt, 1940). – Man beachte die große Auswahl und die köstliche Formulierung „Heftzwecken für Zeichenzwecke”.

Es folgten weitere Veränderungen und Verbesserungen wie Überzüge des Kopfes aus Metall und Kunststoff sowie eine durchstoßfeste Ausführung, die eine Verletzung des drückenden Daumens ausschließt.

Die Reißzwecke

Bild 4 Aktuelle Reißnägel. Von links: unbekanntes Fabrikat mit Kunststoffüberzug, Soennecken (Deutschland), SHF (Schweden).

Seit etwa 1930 bekannt ist der sog. Zeichenmaschinenstift, der über zwei Löcher im Kopf verfügt. In diese greift ein Schlüssel, der das Entfernen des Stifts aus dem Zeichentisch erleichtert.

Die Reißzwecke

Bild 5 Spezial-Reißzwecke für Zeichenmaschinen von Kuhlmann (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Die Reißzwecke

Bild 6 Reißnägel mit zwei Löchern und Löser (ALCO)

Im Jahr 1949 wurde der Reißnagel mit drei Spitzen patentiert. Dieser bietet den Vorteil, dass bereits ein einzelner das Blatt gegen Verdrehen sichert.

Die Reißzwecke

Bild 7 Reißzwecken mit drei Spitzen. Links: Maped, rechts: Delta (mit Löser, Österreich).

Eine andere Variante ist der Architektennagel mit dickerem Kopf aus Metall oder Kunststoff und feiner, spitzer Nadel, die besonders gut in festem Material hält und nur geringe Spuren hinterlässt. Interessant beim roten Stift: Der Absatz schafft eine Nut zwischen Untergrund und Kopf.

Die Reißzwecke

Bild 8 Architektenstifte. Links: mit Kunststoffkopf (Brause), rechts: mit Messingkopfplatte und geschlif­fener Stahlspitze (Hch. Hummel).

Über die Verwendung der Nut des roten Architektenstifts kann ich nur mutmaßen, doch bei der Heftzwecke für Planungsarbeiten informierte der Anbieter sehr detailliert über die Nutzung des Wulstes.

Die Reißzwecke

Bild 9 Heftzwecke für Planarbeiten (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Die Reißzwecke

Bild 10 Heftzweckenheber und Eindrücker (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Die den Zwecken beigefügten Schlüssel waren nicht die einzigen Hilfsmittel zum Schutz von Fingernagel und Messerspitze. Neben separat erhältlichen Einfachst-Hebern gab es von WEDO den „Reißnagel-Fix”, eine griffige Kombination aus Drücker und Löser, dessen hohler Korpus Reißzwecken aufnahm und sogar noch Platz für eine Anleitung bot.

Die Reißzwecke

Bild 11 Heftzwecken-Helfer. Links: Löser (unbekanntes Fabrikat), oben: „Reißnagel-Fix” (WEDO).

Zum Schluss sei noch ein recht ungewöhnliches Zwecken-Zubehör genannt, und zwar die Dornenscheibe, die, zwischen Papier und Zwecke gesetzt, ein Zerreißen des Papiers an der Einstichstelle verhindern sollte.

Die Reißzwecke

Bild 12 Dornenscheibe (Katalog Gebr. Wichmann, 1940)

Etymologische Zugabe: Woher kommt das „Reiß” an der Zwecke? „Reißen” geht zurück auf das althochdeutsche „rizan” und das angelsächsische „writan” (von letzterem stammt „write”). Auch wenn man nicht ganz sicher ist, so geht man doch von der Schreibtechnik der Runen und damit von der Bedeutung „schreiben” und „zeichnen” aus; dieses „Reißen” lebt weiter u. a. im Grundriss, dem Reißbrett, dem Anreißen und eben der Reißzwecke, die das Beschreibmaterial auf dem Reißbrett hält. (Quelle: Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.) – Zur Etymologie von „Zwecke” siehe „Zweck und Zentrum”.

Nachruf auf einen Pfeil

Freitag, 16. April 2010

Ich mag Pfeile: kleine und große, dicke und dünne, gerade und gebogene, Pfeile auf und aus Papier, Holz und Metall.

Alter Herzpfeil

Ausgerechnet ein mir besonders vertrauter Pfeil ist inzwischen fast vollständig aus dem öffentlichen Raum verschwunden, und zwar der Herzpfeil. Auf zahlreichen Straßenschildern richtungsweisend und bereichsmarkierend vertreten war er für lange Zeit ein wichtiger und auffälliger Teil des Straßenbilds, das sich jetzt wandelt, denn schon einige Jahre vor der am 1. September 2009 eingeführten neuen Straßenverkehrsordnung erfuhren etliche Schilder eine Überarbeitung. Bei dieser Straffung – einer weiteren unseres Alltags – musste der alte Herzpfeil mit seiner freundlichen und etwas füllig wirkenden Gestalt der mageren, kantig-strengen ISO-Variante weichen.

Neuer ISO-Pfeil

Es klingt bestimmt völlig irrational und hoffnungslos nostalgisch, aber mir wird der Herzpfeil fehlen.

Augen auf!

Samstag, 3. Oktober 2009

Ein offenes Auge und obendrein einen sehr guten Blick beweist Michael Leddy in seinem lesenswerten Blog-Beitrag The Blob and I”, in dem sich über die Kultur der Dinge in der (wie er sie bezeichnet) altbackenen Welt im Film „Angriff aus dem Weltall” (“The Blob”, 1958) Gedanken macht.

Sein analytischer Blick streift über einen Schreibtisch im Film, dessen Ausstattung er mit der seines in Verbindung bringt; die gut gefüllte Schublade ist für ihn ein Indiz dafür, dass diese und viele andere Szenen nicht im Studio, sondern vor Ort gedreht wurden. Kleine Details der Wanddekoration und den Zustand der Einrichtung nimmt er ebenso sorgfältig wahr.

Alte Karteikarten-Register

Im fast vier Jahre alten Beitrag „The dowdy world on film” beschreibt er seine Freude, sich Filme zuweilen allein wegen dieser vergangenen Alltagskultur „in ihrer ganzen Schwarzweiß-Pracht” anzuschauen. Mich spricht das sehr an, denn auch ich finde immer mehr Gefallen an alten Alltagsdingen und schaue gerne ganz genau hin (bei einer dieser Gelegenheiten fielen mir Bleistifte auf, die spitzer gespitzt waren als die hierzulande). Zudem denke ich, dass man eigentlich gar nicht aufmerksam genug sein kann – auch außerhalb von Filmen und auch dann, wenn es nicht um Bleistifte geht.


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