Zwölf Jahre

Zwölf Jahre

Zur Deko­ra­tion: Die Ver­pa­ckung des Landkartenstifts-​Set LYRA-​ORLOW № 2736

Die­ses bunte Durch­ein­an­der ist heute zwölf Jahre alt. Danke an meine Leser für ihr anhal­ten­des Inter­esse, die vie­len Anre­gun­gen und ihre rege Teil­nahme per Kom­mentar und E-Mail!

Postal

Nach einem kur­zen Blick auf die Ver­wen­dung von Rot-​Blau-​Stiften fiel mir der „Pos­tal“ der Venus Pen & Pen­cil Corp. ein, der schon län­ger in einer mei­ner Schub­la­den ruht.

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Diese Rot-​Blau-​Stifte stam­men aus der Zeit von 1956 bis 1967, denn davor hieß der Her­stel­ler Ame­ri­can Lead Pen­cil und danach Venus-​Esterbrook1.

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Es spricht also eini­ges dafür, dass Rot-​Blau-​Stifte auch bei der US-​amerikanischen Post ihren spe­zi­el­len Ein­satz­zweck hat­ten. – Ich habe erfah­ren, dass die Deut­sche Post das Nach­ent­gelt für den Emp­fän­ger mit einem dicken blauen Farb­stift2 auf dem Umschlag ver­merkt (heute wird das jedoch kaum noch gemacht, da durch die maschi­nelle Ver­ar­bei­tung eine Unter­fran­kie­rung frü­her erkannt und die Sen­dung an den Absen­der zurück­ge­schickt wird). Ob es bei der Deut­schen Post auch für Rot­stifte eine beson­dere Ver­wen­dung gab oder noch gibt, konnte ich jedoch nicht herausfinden.

  1. Henry Petro­ski: Der Blei­stift. Die Geschichte eines Gebrauchs­ge­gen­stands. Basel, Bos­ton, Ber­lin: Birk­häu­ser, 1995.↩
  2. Ähn­lich die­sem Exem­plar. – Man nimmt übri­gens einen holz­ge­fass­ten Farb­stift und kei­nen Filz­stift, da letz­te­rer durch­schla­gen und Spu­ren auf dem Inhalt hin­ter­las­sen könnte.↩

Rot und Blau (1)

Rot und Blau (1)

Rot-​Blau-​Stifte, also Farb­stifte, die eine rote und eine blaue Mine ver­ei­nen1, erfreuen sich schon lange gro­ßer Beliebt­heit. Doch wozu wur­den und wer­den sie benutzt? Über die Jahre konnte ich von fol­gen­den Ver­wen­dungs­zwe­cken erfahren.

  • In deut­schen Kran­ken­häu­sern hat man in der am Bett hän­gen­den Pati­en­ten­akte mit Rot den Blut­druck und mit Blau die Kör­per­tem­pe­ra­tur ver­merkt (Quelle: per­sön­li­che Mitteilung).
  • In den Schu­len Ita­li­ens wurde mit Rot ein nor­ma­ler und mit Blau ein schwe­rer Feh­ler gekenn­zeich­net (Quelle: Pen­cils, Marco Fer­reri, 1996).
  • Im 2. Welt­krieg haben deut­sche Sol­da­ten auf Land­kar­ten die feind­li­chen Trup­pen in Rot und die eige­nen in Blau ein­ge­tra­gen (siehe dazu auch die Beträge zu Land­kar­ten­stif­ten).
  • In deut­schen Grund­schu­len schrei­ben Rechen­an­fän­ger mit Rot die Zeh­ner und mit Blau die Einer (Quelle: per­sön­li­che Mit­tei­lung, 2018).
  • Bei einer ande­ren Ver­wen­dung im Kran­ken­haus wer­den mit Rot die Akten schwie­ri­ger und mit Blau die Akten weni­ger schwie­ri­ger Fälle gekenn­zeich­net (die nor­ma­len Fälle erhal­ten keine Kenn­zeich­nung; Quelle: per­sön­li­che Mit­tei­lung aus der Zahn­me­di­zin der Uni­ver­si­täts­kli­nik Frankfurt/​Main, 2017).
  • Buch­hal­ter nutz­ten Rot für die Aus­ga­ben und Blau für die Einnahmen.
  • Schreib­an­fän­ger in deut­schen Schu­len schrei­ben die Sil­ben abwech­selnd Rot und Blau (siehe Faber-​Castell Jumbo Grip Bico­lor).
  • Leh­rer in deut­schen Schu­len nut­zen Rot für Kor­rek­tu­ren und Blau für Anmer­kun­gen (Quelle: per­sön­li­che Mitteilung).
  • Was­ser­in­stal­la­teure und Hei­zungs­bauer zeich­nen mit Rot die Warmwasser- und mit Blau die Kaltwasser-​Installation an (Quelle: Pica zum Pica Clas­sic DOUBLE 559).

Und wann grei­fen meine Leser zum Rot-Blau-Stift?

Nach­trag vom 5.5.23:

Rot und Blau | nächste →

  1. Meist bestehen die Stifte jeweils zur Hälfte aus Rot und Blau, doch es gibt auch Exem­plare mit 70% Rot und 30% Blau. – Neben den holz­ge­fass­ten waren (und sind) mecha­ni­sche Rot-​Blau-​Stifte erhält­lich, z. B. von Auto­point.↩

Kurz notiert

Kurz notiert

Doppeldruck

Vor eini­ger Zeit habe ich den Pilot Hol­der gezeigt und mich spä­ter gefragt, woher die Idee zur Dop­pel­druck­me­cha­nik die­ses Druck­blei­stifts stammt. Es sieht so aus1, als ginge diese Mecha­nik, die auch in ande­ren Stif­ten2 zum Ein­satz kam, auf eine Erfin­dung von Yukio Horie zurück, dem Grün­der von Dai Nihon Bungu Kabu­shiki Kai­sha, spä­ter Pentel.

Doppeldruck

Das älteste Doku­ment, das ich fin­den konnte, stammt aus dem Jahr 1969 und wurde 1970 offen­ge­legt. Es hat den Titel „Schreib­ge­rät“ (DE1926208) und ver­weist auf die japa­ni­schen Patente JP19680036098 vom 29.5.1968 sowie JP19680048681 vom 11.7.1968. Darin heißt es u. a.:

Mecha­ni­scher Druck­stift, nach Anspruch 1 dadurch gekenn­zeich­net, daß die zweite Feder (16) eine gerin­gere Feder­span­nung als die erste Feder (8) auf­weist, so daß das innere Gehäuse (5) zunächst aus­ser­halb der vor­de­ren End­öff­nung der Buchse (3) bewegt wird und dann eine Mine durch das Füh­rungs­rohr (2) gedrückt wird.

Doppeldruck

Zwei wei­tere Patente, näm­lich „Mecha­ni­cal Pen­cil“ (GB1272835) aus dem Jahr 1972 und „Push-​Type Mecha­ni­cal Pen­cil“ (US3713745) von 1973 bezie­hen sich eben­falls auf die bei­den genann­ten Patente aus Japan. Das ame­ri­ka­ni­sche beschreibt:

A pushing force applied to an end cap of a push-​type mecha­ni­cal pen­cil com­pres­ses initi­ally a first spring to expose a guide tube at the tip of an inner casing to the out­side of a bar­rel. Then, the stron­ger pushing force applied suc­ces­si­vely to the end cap com­pres­ses a second spring to eject a lead through the guide tube by means of a lead ejec­ting means.

(Da hier von „guide tube“ die Rede ist, dachte ich zunächst, es ginge um ein glei­ten­des Führungsröhrchen.)

Am Tag des ers­ten japa­ni­schen Patents, näm­lich am 29. Mai 1968, wurde ein wei­te­res von Yukio Horie ange­mel­det, das im Jahr dar­auf zum Pen­tel Mecha­nica führte, doch zu die­sem bei ande­rer Gele­gen­heit mehr.

Nach­trag vom 26.10.19: Eine Bespre­chung des letz­te­ren gibt es unter „Pen­tel Mecha­nica“.

  1. Ja, ich bin hier sehr vor­sich­tig, denn ich habe keine Bestä­ti­gung durch einen Her­stel­ler.↩
  2. Dar­un­ter Mitsu­bi­shi W-​Knock, Pen­tel PSD5, Schwan Sta­bilo micro­tom 3365 und STAEDTLER retro.↩
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