Archiv des Stichworts „STABILO”

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Fünf für Glück

Montag, 24. Januar 2011

Fünf für Glück

Weder Photoshop-Trick noch optische Täuschung: Dieser Bleistift ist tatsächlich fünfflächig. Und damit hat es eine besondere Bewandtnis.

Fünf für Glück

Zum Ausfüllen maschinenlesbarer Formulare, wie sie z. B. in Prüfungen verwendet werden, bieten manche japanische Hersteller sog. „Mark Sheet”-Bleistifte an, darunter Tombow und Pentel; einige haben außerdem passende Radierer im Sortiment1.

Fünf für Glück

Das japanische Wort für „Bestehen” (z. B. eine Prüfung) und auch „Erfolg” ist 合格 („gou­kaku”) und das für „Fünfeck” ist 五角 („gokaku”)2. Die sehr ähnliche Aussprache der beiden Wörter verleiht dem Fünfeck eine spezielle Bedeutung, die u. a. hinter dem Brauch steckt, fünfeckige und mit Wünschen beschriftete Täfelchen an Altäre anzubringen. Mit diesem „Mark Sheet”-Bleistift bringt Mitsubishi das positiv konnotierte Vieleck in die Welt des Gra­phits3 und in die Hände nicht nur von Prüfungskandidaten.

Fünf für Glück

Material und Verarbeitung sind gut, aber nicht – wie bei vielen anderen Produkten dieses Anbieters – sehr gut, denn einige Unregelmäßigkeiten im Lack und beim Aufdruck mancher Exemplare trüben leider den Gesamteindruck. Auch der fehlerhafte Buchstabenabstand lässt die sonst übliche Sorgfalt vermissen.

Fünf für Glück

Doch die 2 mm starke HB-Mine, geringfügig weicher als deutsche Stifte mit dem gleichen Härtegrad, ist bruchstabil, hat eine saubere Abgabe und bleibt lange spitz; trotz der guten Schwärzung ist sie wischfest und lässt sich fast rückstandsfrei radieren4.

Fünf für Glück

Die strenge, auf das Wesentliche reduzierte Gestaltung spricht mich an, vor allem die zwei kontrastierenden Farbenpaare (schwarz/weiß, blau/orange). Sind diese eine Anspielung an den für das maschinelle Lesen so wichtigen Kontrast? – Ungewöhnlich: Der 17,5 cm lange Stift trägt weder Strichcode noch Artikelnummer, und so sind seine Form und sein Name (合格鉛筆, „goukaku empitsu”, salopp übersetzt „Erfolgsbleistift”) die einzigen Kennzei­chen; sogar eine Blindprägung habe ich vergeblich gesucht.

Fünf für Glück

Lässt der Querschnitt eine unergonomische Handhabung befürchten, so kann ich beruhi­gen – auch nach langem Schreiben hat mich keine Kante gestört oder gar gedrückt. Und selbst wenn: Wer würde sich dadurch schon vom Gebrauch eines solch attraktiven Blei­stifts abhalten lassen? (Ich jedenfalls nicht.)

Fünf für Glück

Ein Fünferpack (!) der ungespitzten, 8 mm dicken5 und nur in HB erhältlichen Stifte kostet 525 Yen (zur­zeit knapp 4,70 Euro); gekauft habe ich ihn bei Bundoki. – Drei weitere Blei­stifte für denselben Zweck zeigt „Mark Sheet pencils from Japan” bei pencil talk.

  1. Der einzige hierzulande für diese Anwendung angebotene Bleistift ist der STABILO Micro 288 Exam Grade, den es in HB und 2B sowie mit passendem (und sehr gutem) Radierer gibt. – Ob diese Produkte die Erkennung beim OMR (Optical Mark Recognition) wirklich verbessern, konn­te ich leider nicht herausfinden.
  2. Die der japanischen Sprache Kundigen mögen bitte über eventuelle Ungenauigkeiten hinweg­sehen, mich auf grobe Fehler jedoch hinweisen.
  3. 2008 gab es Derartiges schon einmal; siehe „Goukaku pencil” bei pencil talk.
  4. Getestet mit einem Faber-Castell Dust-Free 187129.
  5. Damit passt der Stift in handelsübliche Verlängerer.

H und B

Samstag, 15. Mai 2010

Am Anfang war der Graphit. Man nahm ihn in Stücken, später umwickelt oder anderweitig geschützt zur Hand, und erst Ende des 17. Jahrhunderts schnitt man das schwarze Gold, so wie es aus der Grube kam, in Streifen und fasste es in Holz. Als der reine Graphit aus Borrowdale knapp wurde und Exportbeschränkungen die Situation verschärften, war man auf den kontinentaleuropäischen Graphit angewiesen. Dieser musste jedoch gemahlen und gereinigt werden, bevor man ihn verarbeiten konnte, und dabei begann man, ihn zu strecken: Mit Schwefel, Gummi, Schellack und Fischleim, aber auch mit Blei, Silber, Zink, Antimon, Wismut, Zinn und Quecksilber. Die Ergebnisse indes waren enttäuschend.

Erfolg hatte schließlich Nicolas-Jacques Conté im Jahre 17951. Er mischte den Graphit mit Ton und konnte damit gleichzeitig die Härte steuern. Nach dem Brennen der Mischung dient der Ton als Gerüst für den Graphit, wobei die Mine umso härter ist, je mehr Ton sie enthält (STAEDTLER nennt ein Verhältnis von 1:1 bei 3H). Dies war nicht nur die Geburt des modernen Bleistifts, wie wir ihn heute kennen und schätzen, sondern auch der Beginn einer anhaltenden Verwirrung um den Härtegrad.

Caran d'Ache Technograph 777 und California Republic Palomino

Zwei HB-Bleistifte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Caran d'Ache Technograph 777 HB (Schweiz, hart) und California Republic Palomino HB (Japan, weich)

Warum Verwirrung? Nun, trotz zahlreicher Bemühungen gibt es nach wie vor keinen her­stellerunabhängigen Standard, und wer einmal Bleistifte unterschiedlicher Herkunft, aber gleichen Härtegrads verglichen hat, kennt die verblüffend großen Abweichungen; oben­drein beeinflussen Fertigungsschritte wie das Paraffin-Tauchbad oder Beimengungen z. B. von Ruß das subjektive Empfinden der Härte. – Doch zurück zur Geschichte.

Conté war es auch, der mit einer Kennzeichnung begann. Sein härtester Bleistift trug die „1″, und je weicher die Mine, desto größer war die Zahl. Die heute übliche Benennung des Härtegrads geht vermutlich auf den englischen Bleistiftmacher Brookman zurück, der im frühen 19. Jahrhundert seine Stifte für Künstler mit „B” (black) und die der technischen Zeichner mit „H” (hard) versah; dies könnte zudem die Asymmetrie erklären. Der schon damals populärste Bleistift hatte eine Härte zwischen H und B, was ihm den Grad HB eintrug. Später folgte noch F (firm) für den Stift mit einer Mine zwischen H und HB.

Katalogseite von J.S. STAEDTLER (1909)

„Bleihärten” im Katalog von J.S. STAEDTLER (1909). – Es fällt auf, dass die Nummerierung der von Conté entgegengesetzt ist.

So wie J.S. STAEDTLER im Katalog von 1909 (zurzeit als Kopie in Nürnberg zu sehen) verfuhren auch andere – je weicher, desto mehr B, und je härter, desto mehr H. Lediglich Joseph Dixon in den USA entschied sich zunächst für „S” (soft) und „H” (hard), wobei der weichste Bleistift VVS (very, very soft) und der härteste VVVH (very, very, very hard) war. Als die Skala der Härtegrade wuchs, wichen die vielen Buchstaben anderen Benennungen wie z. B. „Extra Extra Black” (erst EX-EXB, dann EEB und EE, dem heutigen 8B). Die einfache Zahl blieb lange im Gebrauch, und daneben etablierte sich die jetzt vertraute Kombination aus Zahl und Buchstabe (xH,xB); zum Ursprung letzterer konnte ich in meinen Quellen allerdings keine Details finden. Manche Hersteller nutzen beides, etwa STAEDTLER beim Noris 120 und STABILO beim Opéra und Othello.

Bruynzeel 1605

Ungewöhnlich: Bruynzeel 1605 1B und 1H

Doch es gibt immer noch Abwechslung – Bruynzeel, seit 1991 Teil von Sakura, hat die Grade 1B und 1H im Sortiment, STABILO übersetzt HB mit und bei den Feinminen von Pentel und Tombow findet man HB in drei Varianten.

Danke an STAEDTLER für den Scan! – Die für den Beitrag am stärksten geplünderte Quelle ist „Der Bleistift” von Henry Petroski (Birkhäuser 1995).

Nachtrag vom 17.5.10: Details zum Gebrauch der kyrillischen Zeichen zur Kennzeichnung des Härtegrads in Russland gibt es hier. Danke an Stephen für diesen Hinweis! – Härtegrad mal anders: Die Firma Elcometer nutzt Bleistifte zur Ritzhärteprüfung von Oberflächen nach ISO 15184, so im Bleistifthärte-Prüfer 501 oder im Motorischen Bleistifthärte-Prüfer 3086.

Nachtrag vom 4.2.11: Auch B++ gibt es, wie hier beim Zoom Super Dark von DOMS:

DOMS Zoom Super Dark B++

Nachtrag vom 1.8.11: Dr. Eugen Ryschkewitsch schreibt in seinem Buch „Graphit – Charakteristik, Erzeugung, Verarbeitung und Verwendung” (S. Hirzel 1926):

Die härtesten Bleistifte enthalten nur etwa 20 Proz. Graphit, sehr weiche ent­halten bis etwa 90 Prozent Graphitsubstanz und mehr. Besonders weiche Stifte bestehen aus reinem Graphit, wie z. B. solche aus dem Batugol- (sogenannten „Alibert”-) Graphit. Hier ist der Graphit so homogen, weich und farbkräftig, daß seine weitere Behandlung sich erübrigt. Man braucht nur aus einem Block die Stifte herauszuschneiden.

Nachtrag vom 25.8.12: Der Конструктор (Konstrukteur) in den Härtegraden 2M (2B) bis 2T (2H):

Конструктор 2M–2T

  1. In der Literatur heißt es oft, der Österreicher Josef Hardtmuth habe bereits 1790 und damit vor Conté die keramische Mine erdacht. Petroski teilt diese Ansicht nicht, sondern vermutet, dass diese Zahl das Gründungsjahr von Hardtmuths Unternehmen benennt. Er schreibt: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode’ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.”

Graziler Graphit

Donnerstag, 29. April 2010

Gerade einmal drei Millimeter dünn sind diese winzigen Stücke, die Schwan in den 30er Jahren seinen Kunden als Notizbleistifte andiente. Der 1930 eingeführte Othello 581 hatte einen goldfarbenen Lackring sowie eine Tauchkappe und der ab 1931 angebotene Othello 578 sogar eine Zwinge mit Radierer (zum Vergleich der STABILO GREENgraph 6003).

STABILO GREENgraph 6003, Schwan Othello 587 und Schwan Othello 581

Kaum zu glauben: Der Radierer des 587 ist kleiner als der Kopf eines Streichholzes. – 1940 wurden diese Bleistifte wieder aus dem Programm genommen.

Schwan Othello 578

Vielen Dank an Herbert R. für diese Kostbarkeiten!

In Kürze

Dienstag, 23. Februar 2010

Außer den drei hier gezeigten Varianten des Bleistift-Klassikers Othello 282 von STABILO gab es noch mindestens eine weitere, und zwar diese 85 mm kurze.

Der STABILO Othello 282 als Kurzbleistift

Was das Alter und den angestrebten Verwendungszweck dieses Stifts angeht, so kann ich nur spekulieren: Ersteres schätze ich auf etwa 70 Jahre, und bei letzterem vermute ich den Gebrauch mit einem Taschenkalender oder Notizbuch.

Basteln mit dem Lexikaliker (9)

Samstag, 9. Januar 2010

Manchmal bieten das Notizbuch und das Klemmbrett keine Halterung für den Bleistift, und nicht immer ist eine Nachrüstung möglich oder wünschenswert. Diese Lücke möchte ich mit einer kleinen Bastelei schließen, die lediglich eine 19 mm breite Foldback-Klammer und eine geringe Menge guten Klebstoff erfordert.

Bleistift mit Klammer

Zweckmäßigerweise klebt man die Klammer möglichst weit an das Ende des Bleistifts (der hier gezeigte ist übrigens ein Opera 285 von Schwan-STABILO).

Bleistift mit Klammer

Der mitdenkende Teil meiner sehr geschätzten Leserschaft wird jetzt bestimmt anmerken wollen, dass eine stoffschlüssige und dadurch nur mit Schäden lösbare Verbindung von verschleißendem Bleistift und wiederverwendbarer Klammer nicht ganz der wahre Jakob ist. Da dieser berechtigte Einwand vorhersehbar war, habe ich eine zweite Konstruktion vorbereitet; diese arbeitet mit einem kleinen Rest des Schlauchs, der beim Anfertigen der Spitzenschützer übriggeblieben ist.

Bleistift mit Klammer

Auch wenn diese Variante eine leichte und zerstörungsfreie Trennung von schreibender und haltender Komponente erlaubt, so hat sie doch zwei Schwächen: Das Schlauchstück schränkt die Auswahl der Stifte auf solche mit passendem Durchmesser ein und verringert zudem die Öffnung der Klammer (natürlich könnte man eine größere nehmen, aber diese würde unser Helferlein erheblich sperriger machen).

Die dritte und deutlich einfachere Lösung, die mir nach weiterem Wühlen in der mentalen Bastelkiste einfiel, nutzt die Kraft eines Gummibands, das sich obendrein an die Dicke des Schreibgeräts anpasst und ohne Klebung auskommt.

Bleistift mit Klammer

Trotz des Umstands, dass diese Ausführung den Stiftwechsel etwas aufwändiger macht, ist sie aufgrund ihrer praktischen Vorzüge mein klarer Favorit und daher bereits im täglichen Einsatz.

Bleistift mit Klammer

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Markiges Marketing (13)

Sonntag, 29. November 2009

Schulbleistift „Pegasus” von Schwan

Den durchdringenden Erfolg der Schwan-Bleistifte, insbesondere des 5-Pfennig-Schulstifts „Pegasus”, illustrierte diese Reklamemarke auf besonders eindrucksvolle Weise. Die zwei gut verpackten Personen, eine davon bestückt mit der US-amerikanischen Flagge, müssen nicht schlecht gestaunt haben, als sie am Nordpol und obendrein im prächtigen Farbenspiel der Sonne feststellen mussten, dass sich die Erde entgegen der damals vorherrschenden Meinung um einen Bleistift dreht. Ob sie diese sensationelle Beobachtung dokumentiert haben (und wenn ja, ob mit Graphit), verrät die Marke jedoch nicht.

Doch genug der Albernheiten. Mir gefallen das Wortspiel, die Grafik und auch der Reiz des Handgemachten dieser wohl um die 100 Jahre alten Reklamemarke. Für interessant halte ich zudem den Umstand, dass es den beworbenen Schulstift gleich in mehreren Farben gab, ähnlich dem alten STAEDTLER 6089 ELEPHANT und dem aktuellen Tombow MONO KM-KMSC – ein Detail, das mich sehr anspricht.

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Mine und Mischung

Sonntag, 15. November 2009

Der zufällige Fund einer mehr als 60 Jahre alten Patentschrift über die Verringerung der Lichtdurchlässigkeit von Bleistiftminen zur Verbesserung ihrer Lichtpausfähigkeit hat mich neugierig gemacht und zu einer weiteren Suche motiviert.

Bereits während der Lektüre dieses Dokuments kam mir der Werbetext zum Bleistift LYRA ORLOW 6300, zitiert in der Jubiläumsschrift „Meilensteine. 150 Jahre Lyra-Orlow”, und der darin enthaltene Verweis auf das DRP (Deutsches Reichspatent) 746988 in den Sinn; zudem habe ich mich an einige Exemplare des orlow-techno 6300 HB mit dem Aufdruck „ELIOGRAPH”, die noch in meinem Fundus schlummern, erinnert.

Mine und Mischung

Das Deutsche Patent- und Markenamt in München bietet zahlreiche Möglichkeiten der kostenfreien Online-Recherche, so auch nach alten Patenten. Eine Abfrage des DEPATIS-Systems nach dem von LYRA genannten Patent liefert Details zu einem „Verfahren zur Herstellung von gebrannten Schreibkörpern, z. B. Bleistiftminen, Griffeln oder Kreiden, und bezweckt, die Farbkraft und Lichtabsorption dieser Schreibminen zu verbessern”, erdacht von einem Erfinder aus Nürnberg.

Dieser Text bezieht sich auf vorhandene Kenntnisse über die Imprägnierung der Minen mit Farbkörpern sowie mit Stoffen, die ultraviolettes Licht absorbieren, damit jedoch nur die Ergebnisse bestimmter Kopierverfahren verbessern helfen. Man ging davon aus, dass die optisch wirksamen Zusatzstoffe hauptsächlich auf den Oberflächen der inneren Poren und Kapillaren der Mine verteilt sein müssen, um den Glanz des Abstrichs zu verringern und dessen Lichtabsorption zu erhören, und strebte ein Verfahren an, bei dem sich die mittels einer Imprägnierung zugeführten Substanzen durch eine Wärmebehandlung in chemisch andere Stoffe umwandeln. Diese Umsetzungsprodukte sollten sich in äußerst feiner Form in den Hohlräumen gleichmäßig ablagern und so eine optimale optische Wirkung erzielen; zum Einsatz kamen dabei organische Stoffe wie z. B. Kohlenhydrate, die beim Erhitzen unter Sauerstoffabschluss im Mineninneren amorphen Graphit bildeten. Die bloße Beigabe von letzterem zur Minenmasse (etwa in Form von Ruß) macht schon bei wenigen Prozenten die Mine rauher und mindert ihre Gleitfähigkeit, doch das genannte Verfahren bot den Vorteil, die Glätte des kristallinen Graphits und mit dieser die Schreibqualität des Bleistifts zu erhalten, den Abstrich schwärzer sowie matter zu machen und damit Schärfe und Kontrast von Lichtpausen zu steigern.

Unter den fünf entgegengehaltenen (so der Fachbegriff) Patentdokumenten findet sich auch eines von J.S. Staedtler aus dem Jahr 1936, das die Beigabe von lichtdichten Sudan-Farbstoffen beschreibt. Demnach sollen bereits 0,5 bis 1,5% Sudangelb oder Sudanviolett ermöglichen, „die Lichtdichte der Mine so zu steigern, daß sie Minenabstriche von hoher Schwarzwirkung liefert”. Wenige Jahre zuvor ging die Kalle & Co. AG aus Biebrich am Rhein den Übelstand* der lichtdurchlässigen Linien von Tusche- und Stiftzeichnungen durch den Zusatz von im Ultraviolett stark absorbierender Substanzen an.

Konzeptionell ganz anders ist das Patent 1504209 aus den USA, in dem der Erfinder den Ton mit Holzstaub und anderen kohlenstoffhaltigen Materialien mischte. Diese Stoffe soll­ten beim Brennen der Mine zu Kohle werden und so die Schwärzung des Abstrichs erhö­hen; die dabei entstehenden und die Mine brüchig machenden Hohlräume wollte er mit Stearinsäure füllen.

Ob die für den ORLOW 6300 beworbenen Eigenschaften auch für den LYRA orlow-techno 6300 gelten, kann ich nicht sagen; ein schneller Vergleichstest mit aktuellen Bleistiften von STAEDTLER, Tombow, Pentel und STABILO zeigte zwar die hohe Qualität und die gute Schwärzung dieses Bleistifts, nicht aber eine erkennbar geringere Reflexion im für das bloße Auge sichtbaren Spektrum (mit Abstand am mattesten war der Abstrich des STABILO Micro 288). – Die Wortmarke „ELIOGRAPH” auf dem LYRA orlow-techno 6300 wurde 1963 eingetragen und 2003 gelöscht. Ihren Ursprung kenne ich nicht; vielleicht war es eine an „Heliografie” oder die italienische Übersetzung für „Lichtpause”, „eliografica”, angelehnte Wortschöpfung.

* Dieses schöne, mir bisher unbekannte Wort musste ich unbedingt aus der Patentschrift übernehmen.

STABILO pencil 88

Samstag, 15. August 2009

Zu den zahlreichen und zum Teil ungewöhnlichen Bleistiften, mit denen mich kürzlich ein Leser meines Weblogs sehr überrascht und erfreut hat, gehört auch ein „pencil 88″ von STABILO.

STABILO pencil 88

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Sechsflächig, gelborange, mit schwarzer Tauchkappe und den weißen, für STABILO seit 80 Jahren typischen Kantenstreifen: Der pencil 88 ist – besser: war, denn es gibt ihn nicht mehr – ein attraktiver Bleistift und zudem der perfekte Begleiter zum äußerst populären Tintenfeinschreiber point 88 aus dem gleichen Haus.

STABILO pencil 88 und point 88

Die Beschriftung dieses Bleistifts ist äußerst knapp, denn sie umfasst noch nicht einmal den Härtegrad; neben dem Namen des Herstellers und der Produktbezeichnung findet sich nur noch die sehr kleine Blindprägung „038″ (wohl eine Produktionskennzeichnung) auf dem matt lackierten Stift. Das Holz mit den auffälligen Poren kann ich nicht identifizieren, doch es erinnert an Jelutong, das z. B. für den GREENgraph zum Einsatz kommt. Wann dieser Bleistift auf dem Markt war, weiß ich leider nicht.

STABILO point 88 und pencil 88

Das aufgeräumte und klassische Design des pencil 88 spricht mich sehr an, und so bedaure ich, dass er nicht mehr erhältlich ist.

Vielen Dank an A.P. (nicht nur) für den STABILO pencil 88!

Nachtrag vom 18.9.09: Der pencil 88 war von etwa 1997 bis 1999 auf dem Markt. Mit ihm und einigen anderen Artikeln im Streifen-Design, darunter auch Füller, Mäppchen und Geldbörsen, knüpfte man damals an den großen Erfolg des point 88 an.


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