Archiv der Kategorie „Konsum”

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Wundersame Welt der Waren (13)

Samstag, 12. Dezember 2009

Nachdem ich mich lange vergeblich gefragt habe, warum es so viele freudlose Figuren gibt, hat mich nun der Besuch eines Kaufhauses in Mainz überraschend aufgeklärt: Der moderne Mensch lacht nicht mehr selbst, sondern lässt lachen, wobei ihm der Einzelhandel hilfreich und obendrein sensorgestützt unter die Mundwinkel Arme greift.

Lachende Figuren

Das hier durch ein Schild repräsentierte Angebot* beschränkte sich zwar auf die in dieser Jahreszeit bevorzugten Gestalten, doch ich bin mir sicher, dass mit dem Frühjahrssortiment zahlreiche weitere in die Regale kommen, um die Kundschaft von der schweren Last dieser strapaziösen Gefühlsäußerung zu befreien. – Ob das Outsourcing dieser ganz besonderen Art mit der immer populärer werdenden Übellaunigkeit (die sich so manche nicht im Laden erhältliche Figur offenbar zur Kernkompetenz gemacht hat) ursächlich zusammenhängt, konnte ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen. Ebenso unklar ist mir, weshalb sich das orangebemützte Mädchen auf dem Bild Mund und Nase abdeckt. Hat es womöglich aus Versehen persönlich gelacht, anstatt die Hilfe der Figuren in Anspruch zu nehmen?

* Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich die feilgehaltenen Spaßmacher aus ästhetischen Gründen nicht detailliert zeige; zudem hoffe ich, dass der mir bis dato unbekannte „Weihnachtshund” nur lacht und auf das Singen verzichtet.

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Wundersame Welt der Waren (12)

Freitag, 4. September 2009

Brutto bei Netto

Warum wird mir bei Netto eigentlich der Brutto-Betrag abgeknöpft?

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Wundersame Welt der Waren (11)

Sonntag, 23. November 2008

Haustier-Treppe

Aufstiegsmöglichkeiten bis hinauf zu Herrchens Körbchen Sofa sind nicht länger nur ein Traum kleiner und betagter Hunde dank dieser Haustier-Treppe, die ein sehr bekannter Versender all jenen offeriert, deren felliger Freund nicht an der kurzen Leine gehalten wird. Das dreistufige Kunststoffgestell mit abnehmbarem, bei 30°C waschbarem Plüschbezug verschafft Vierbeinern mit einem Gesamtgewicht von bis zu 32 kg zudem komfortablen Zugang zu Frauchens fahrbarem Untersatz, so dass beide gemeinsam Gassi fahren können. Ist auch der Zweibeiner schon etwas älter und kann nicht mehr so gut heben, so profitiert er ebenfalls von der um satte 33 Prozent preisreduzierten Tierstiege, die seinem treuen Gefährten hoch hinaus hilft und darüber sicher freudig wedeln lässt.

Aber: Wer in dieser Anzeige ist „Ein Kleiner, der groß macht”? Bei „Ein Kleiner, der Groß macht” hätte ich auf den Hund getippt, von dem ich mir übrigens statt des „Darf ich wirklich?”-Blicks gerne etwas mehr Entschlossenheit gewünscht hätte, denn schließlich ist er ja jetzt in einer ganz anderen Position (oder vermisst er seine farblich abgestimmte Hundedecke auf dem Sofa?). Rätselhaft ist mir auch die Anleitung, auf die hier verwiesen wird. Ist sie für den Zwei- oder den Vierbeiner? Falls für letzteren: Was steht da drin? Etwa „Pfoten hoch!”? Aber ich bin weder Hund noch Halter eines solchen, und so wundert es mich nicht, dass mir das tiefere Verständnis dieser Thematik fehlt.

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Abwägender Blick

Montag, 10. November 2008

Die Obst- und Gemüseabteilungen vieler Supermärkte halten Waagen bereit, an denen der Kunde das ausgewählte Produkt abwiegen und anschließend etikettieren muss. Das allein ist noch nichts Besonderes, doch die Selbstbedienungswaagen des Herstellers Mettler Toledo in der örtlichen Filiale der Kette „real,-” sind zusätzlich mit einer kleinen Kamera ausgestattet, die das Wägegut von oben beäugt. Nach einer kurzen Erkennungsphase (selbstverständlich inklusive mehrfarbigem Fortschrittsmelder) schlägt die Waage dann vier Artikel vor und erspart so dem Kunden die längere Suche nach der richtigen Taste in dem verschachteltem Menü auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm.

Abwägender Blick

So etwas macht mich natürlich sehr neugierig. Als welches Obst oder Gemüse würde wohl meine schwarze Lederjacke identifiziert? Ich packe eine Banane auf die Waagschale, um den Erkennungsprozess zu starten, strecke meinen Ärmel unter das elektronische Auge und erfahre:

Rotkohl Trauben (blau) Zwetschgen Kirschen

Ziemlich daneben, denn mein Wams ist aus Rindsleder – aber gut, wir sind ja hier nicht beim Fleisch. Mal sehen, auf welche Gedanken das Gerät beim Blick auf meinen rechten Handrücken kommt:

Paprika (gelb) Sellerie Austernpilze Zwiebeln

Auch dieses Ergebnis will mich nicht so recht überzeugen. Getreu dem Motto „Spaß mit Technik” halte ich nun meine Murmel meinen Kopf unter den Sensor und lese erfreut:

Möhren Orangen Clementinen Äpfel

Das klingt schon erheblich besser, da die Möhre ja auch als Mohrrübe bezeichnet wird (die Orangenhaut möchte ich mir jedoch verbitten). Der Apfel – genauer: die Oberfläche desselben – passt ebenfalls gut, bevorzuge ich zur Pflege meines Hauptes doch den Schädelschaber aus dem Hause Headblade.

Nicht unpfiffig, diese Maschine, und eine nette Abwechslung beim Einkauf!

Radierer al dente

Freitag, 31. Oktober 2008

Bestens aufgehoben beim Doktor BEST sind all diejenigen, die nicht nur auf dem Papier radieren möchten, sondern zur Abwechslung auch mal auf den Zähnen, und wer gerne auf dem Bleistift kaut und sich dabei beherzt bis zur Mine vorbeißt, wird nun endlich die wenig attraktiven Graphitreste auf den Kauwerkzeugen los.

Die neue Dr. BEST „White & Shine” mit Radierkern

Die neue Dr. BEST „White & Shine” mit Radierkern

Die rettende Lösung kommt aus des Doktors wissenschaftlichem Labor: Jede einzelne Borste der neuen Zahnbürste Dr. BEST „White & Shine” enthält einen elastischen Radier­kern, der (so der Verpackungstext) „sanft die Beläge von der Zahnoberfläche” entfernt. Natürlich hat das pflegende Instrument mit Kugelgelenk und Spezial-Federung noch einiges mehr zu bieten, doch der Radierkern ist zweifellos das beeindruckenste Leistungsmerk­mal. Und wie machen sich die kernigen Radierer des knapp 2,50 Euro teuren Hygiene­helfers in der Praxis?

Da ich mir gerade die Zähne geputzt habe (noch ohne Radierkern-Unterstützung), muss eine unbenutzte Prothese herhalten, um den Radierkernen auf den Zahn zu fühlen. Mit Stiften bis an die Zähne bewaffnet, habe ich mich für den (mit 24 cm übrigens über­langen) Universalschreiber LYRA Orlow CELLUGRAPH 1174 entschieden, um dem Zahn­ersatz ein paar kräftige Graphitspuren zu verpassen. Dieser außergewöhnliche Stift ist laut Hersteller „geeignet für Markierungen auf allen glatten Oberflächen” und damit das für die­sen Zweck ideale Utensil. – Mein Vorhaben, den Test fotografisch zu dokumentieren, habe ich aus ästhetischen Gründen verworfen.

Dr. BEST „White & Shine” mit Radierkern, LYRA Orlow CELLUGRAPH 1174

Dr. BEST „White & Shine” mit Radierkern, LYRA Orlow CELLUGRAPH 1174

Um das Ergebnis des Experiments nicht zu verfälschen, verzichte ich auf die Zugabe von Zahncreme. Der gummierte, noppenverstärkte Griff gibt mir den nötigen Halt, um die ku­gelgelenkten, spezialgefederten Borsten mit Radierkern kraftvoll an- und dem Graphit zu­zusetzen.

Das Resultat kann sich sehen lassen – eine gründliche Bestleistung, und da beim täglichen Zahngebürste außerdem die Creme hilft, sollte das allmorgendliche und -abendliche Radier­ergebnis noch besser ausfallen. Meine Empfehlung: Zubeißen Zugreifen!

Wundersame Welt der Waren (10)

Samstag, 25. Oktober 2008

Hin und wieder bin ich meinem Lieblingsdiscounter untreu und streune dann auch mal durch die schmucklosen Gänge des nord-süd-geteilten Mitbewerbers, um interessante Dinge zu entdecken oder – wie gestern – attraktive Angebote wahrzunehmen.

Kunststoffpflegetücher

Bei der Vorbereitung auf den drohenden bevorstehenden Termin zur alle zwei Jahre fälligen technischen Überprüfung meines ausdauernden Fahrzeugs kamen mir die für 1,99 Euro offerierten Kunststoffpflegetücher für Armaturen und Zierleisten sehr genehm, möchte ich doch vor den Prüfenden (und nicht nur dort) einen glänzenden Auftritt hinlegen. (Das Cockpit-Spray mit Neuwagenduft hingegen werde ich diesmal nur sehr zurückhaltend einsetzen, um nicht durch allzu dickes Auftragen unbegründeten Verdacht zu erregen).

Kunststoffpflegetücher

Als Bedienungsanleitungs-Gernleser habe ich zunächst den Verpackungstext studiert und mich dabei über einen Hinweis sehr gewundert: Nicht für die persönliche Hygiene verwenden. Auch als überzeugter Umnutzer wäre ich nicht auf die Idee bekommen, die Tücher für diesen Zweck einzusetzen, aber das heißt vielleicht nur, dass ich nicht zur Zielgruppe dieses Hinweises gehöre oder nicht dem entspreche, was der Hersteller dieses Produkts als seinen typischen Kunden sieht – dies jedoch würde mir ein gutes Gefühl geben.

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Wundersame Welt der Waren (9)

Sonntag, 24. August 2008

Eigentlich wollte ich ja wieder mal etwas über meinen Fetisch Interessensschwerpunkt schreiben. Themen gäbe es genug: Einen Langkonus-Gehäusespitzer von Tombow, um spitzer weiterzuspitzen, einen Bleistiftverlängerer von STAEDTLER Japan, das Maß aller Verlängerer-Dinge, einige über 50 Jahre alte Schraub-Klemmstifte, ein paar neue Details zu den Landkartenstiften von Eberhard Faber, drei historische, mit Rasierklingen arbeitende Spitzer, die zwar nicht mehr funktionieren, dafür aber bemerkenswert aussehen, diverse japanische Druckbleistifte mit hier gänzlich unüblichen 0,4-mm-Minen und einiges mehr.

Doch was mache ich? Ich suche mir einen Platz, an dem ich mich unbeobachtet fühle, blättere in dem Prospektstapel, mit dem mir gestern den Briefkasten verstopft wurde, und komme aus dem Staunen über die zwei ungewöhnlichen Haustiere, denen eine große Supermarktkette Auslauf verschafft, fast nicht mehr heraus.

Fernbedienbares Insekt

Während mir fernbedienbare Fahr- und Flugzeuge nicht unbekannt sind, hatte ich bisher noch keinen näheren Kontakt mit einem ebenso zu steuernden Insekt und wollte daran eigentlich auch nichts ändern – bis jetzt: Bei der vielversprechenden Aussicht auf eine fernbedienbare Kakerlake werde ich schwach und kann mir nun sehr gut vorstellen, dieses Elektro-Ungeziefer einem gründlichen Praxistest zu unterziehen (erst recht angesichts der Tatsache, dass eine Küchenschabe eigentlich gar nicht fliegen kann).

Der singende Hund

Als Hundeliebhaber blicke ich gerne auf zahlreiche ungewöhnliche Erfahrungen mit den meist lustigen Vierbeinern zurück (auch wenn der lange zurückliegende Biss in die Wade eher unlustig war), und gegen Gesang habe ich im Allgemeinen nichts einzuwenden. Der Gedanke an eine Kombination hingegen – und erst recht der Blick auf die hier abgebildete – macht mich schon ein bisschen unsicher: Singt dieses Ungetüm etwa so falsch wie es schlimm aussieht? (Wenn ja, so wäre die Preisreduktion um gut 27 Prozent mehr als gerechtfertigt.) Warum heißt das übellaunig wirkende Ungeheuer nicht „Singender Hund”, sondern „Der singende Hund”? Sollte es gar mehrere Varianten geben und wir hier das Original, das noch dazu in verschiedenen Modellen angedroht wird erhältlich ist, vor uns haben? Und um welche Art Hundefell handelt es sich bei „Funktionsplüsch”? Im täglichen Einsatz stelle ich mir diesen von Anfang an stubenreinen Moppel jedoch recht praktisch vor – das Gassi-Gehen entfällt, statt Leckerlis gibt’s Batterien und beim Kommando „Gib Laut!” schmettert er los (über sein Repertoire möchte ich hier indes nicht spekulieren).

Wann kommen der fernbedienbare Funktionsplüsch und die singende Kakerlake?

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Wundersame Welt der Waren (8)

Donnerstag, 21. August 2008

Top-Peise

Nein, das ist keine kreative Montage, sondern ein unveränderter Ausschnitt der vierten Umschlagseite des aktuellen Katalogs, mit dem ein sehr bekannter Versender auf knapp 160 Hochglanz-Seiten für seine „Mode. Wohnen. Leben.”-„Highlights” wirbt. Direkt über der drastisch reduzierten „Wohnlandschaft 5-tlg. in U-Form”, deren „Elemente individuell kombinierbar” sind, prangt dieses Konstrukt, das sich höchst erfolgreich durch sämtliche Korrekturläufe und andere qualitätssichernde Kontrollen geschlichen und so den Weg in unzählige Briefkästen gefunden hat. Eine reife Leistung der gerade einmal zwölf Millimeter hohen und äußerst individuell kombinierten Lettern!

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