Monat: August 2009

Stille Beobachter (32)

Bodenhalterung eines Hoftors in Rüsselsheim

Einen stra­te­gisch äußerst güns­ti­gen und oben­drein fes­ten Platz hat die­ser stil­le Beob­ach­ter inne, sitzt er doch exakt an der Gren­ze eines Anwe­sens und in der Mit­te der Hof­ein­fahrt, so dass er stets über­bli­cken kann, wer wann das Gelän­de betritt oder ver­lässt. Aber nicht nur das: Als Hel­fer des hohen, zwei­ge­teil­ten Hof­tors ist er zudem mit­ver­ant­wort­lich für das siche­re Ver­rie­geln des Grund­stücks, und sein ent­schlos­se­ner Blick lässt ver­mu­ten, dass sein Wil­le, die­se Ver­ant­wor­tung zu tra­gen, min­des­tens eben­so eisern ist wie sei­ne Maske.

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Mars 1962

Stand in den bei­den Anzei­gen aus dem Jahr 1957 noch das Werk derer im Vor­der­grund, die mit den bewor­be­nen Pro­duk­ten arbei­ten, so beschränk­te sich die J.S. STAEDTLER Inc. in Hacken­sack, New Jer­sey (USA), fünf Jah­re spä­ter in zwei ande­ren auf die Dar­stel­lung eines ein­zi­gen Schreibgeräts.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1962)

Als des Fach­manns ers­te Wahl wur­den 1962 die Pro­duk­te der „Mars“-Reihe prä­sen­tiert, hier ver­tre­ten durch den knapp 30 Jah­re zuvor ein­ge­führ­ten Blei­stift „Lumo­graph“ in dem inzwi­schen klas­si­schen Design mit blau­em Lack, wei­ßem Ring und schwar­zer Tauch­kap­pe. Eine lin­ke Hand (die des viel­leicht rechts­hän­di­gen Künst­lers, der mit „Puc­ci“ signiert hat?) hält den Stift so, dass das Auge des Betrach­ters sofort auf die nicht seri­en­mä­ßi­ge, son­dern mit künst­le­ri­scher Frei­heit gestal­te­te und – wie damals üblich – zur Blei­stift­spit­ze lau­fen­de Beschrif­tung „Mars“ fällt. Die­se expres­sio­nis­tisch ange­hauch­te Illus­tra­ti­on in Kom­bi­na­ti­on mit den kla­ren und in Ver­sa­li­en gesetz­ten Wör­tern der 29 × 20 cm gro­ßen, ganz­sei­ti­gen An­zeige hat ihre beein­dru­cken­de Wir­kung sicher nicht verfehlt!

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1962)

Den letz­ten Rest eines mit dem Mes­ser gespitz­ten „Mars Lumo­graph“ (eben­falls aus Sicht des Künst­lers) nebst zwei Spä­nen in sechs­fa­cher Ver­grö­ße­rung und fast foto­rea­lis­ti­scher Dar­stel­lung zeigt eine wei­te­re Anzei­ge im glei­chen For­mat aus dem sel­ben Jahr. Das Bild unter­streicht damit die Aus­sa­ge des Tex­tes, dass man sich selbst vom kleins­ten Stum­mel des bevor­zug­ten Zei­chen­ge­räts nur schwer trennt. Auch hier: Exzel­len­te Gra­fik, knap­per Text, deut­li­che Aus­sa­ge und damit in mei­nen Augen sehr gelungen.

Ich wüss­te ger­ne, ob die­se bei­den Anzei­gen zu einer Kam­pa­gne gehör­ten und es noch wei­te­re die­ser Art gab; wenn ja, so bin ich sicher, dass die­se eben­so sehens­wert waren und es auch heu­te noch sind. Es mag viel­leicht hoff­nungs­los alt­mo­disch, ja sogar irra­tio­nal wir­ken, aber ich fin­de es sym­pa­tisch und wohl­tu­end, dass damals noch jemand mit der Hand und ein­fa­chen, womög­lich den bewor­be­nen Gerät­schaf­ten für die­se sehr reiz­vol­len Anzei­gen zu Wer­ke ging – heu­te wäre dies ein Luxus, den sich kaum noch ein Anbie­ter leis­ten könn­te und im ungüns­tigs­ten Fall nur weni­ge Leser zu schät­zen wüssten.

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Frischer Freitag

„Casu­al Fri­day“ mal anders: Bereits 42 Haft­no­ti­zen, ein Filz­stift und etwas Platz an der Wand oder einer Tür rei­chen, um die Kol­le­gen vom Ein­kauf auf unkon­ven­tio­nel­le, aber wirk­sa­me Wei­se über den erschöpf­ten Vor­rat der klei­nen kleb­ri­gen Hel­fer zu infor­mie­ren und dem Wunsch nach rascher Auf­sto­ckung des Bestands humor­voll Aus­druck zu verleihen.

Frischer Freitag

So etwas kommt an, hebt die Stim­mung und sorgt für eine lus­ti­ge Abwechs­lung im tris­ten Büroalltag.

Stift und Stil (1)

In sehr star­kem Kon­trast zum lei­der dürf­ti­gen und oben­drein schnar­chi­gen Ange­bot an Blei­stift­ver­län­ge­rern hier­zu­lan­de steht die bun­te Viel­falt aus dem Land der auf­ge­hen­den Son­ne, in dem sich sogar Kunst­hand­wer­ker die­sem Zube­hör­teil wid­men und dabei sehr schö­ne Stü­cke schaf­fen. Ein in mei­nem Augen beson­ders geschmack­vol­les Exem­plar die­ser Pro­dukt­gat­tung stammt aus den Hän­den des Künst­lers „Craft A“, der sei­ne Wer­ke Bun­do­ki für den welt­wei­ten Ver­trieb ange­dient hat und so auch Men­schen auf der ande­ren Sei­te des Glo­bus mit sei­nem Kön­nen erfreut.

Stift und Stil

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Der 108 mm lan­ge und 13 mm dicke Ver­län­ge­rer aus Acryl ver­fügt über eine vier­ge­teil­te Klem­mung, die den Blei­stift sicher und mit nur gerin­gen Spu­ren hält; der 26 mm lan­ge Griff mit einem Durch­mes­ser von gut 11 mm bie­tet den Fin­gern dank der leicht vor­ste­hen­den Rin­ge sehr guten Halt.

Stift und Stil

Durch die indi­vi­du­el­le Mar­mo­rie­rung ist jeder Ver­län­ge­rer, den es noch in sechs wei­te­ren Farb­kom­bi­na­tio­nen gibt, ein Uni­kat. Die Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät und der Gebrauchs­wert sind her­vor­ra­gend, und so ist die­ses Stück eine wah­re Freu­de für Hand und Auge.

Stift und Stil

Das klei­ne, aber fei­ne Kunst­werk für den All­tag kos­tet 4550 Yen (etwa 34 Euro). – Ein wei­te­res inter­es­san­tes Pro­dukt von „Craft A“ ist die in sie­ben, nicht min­der far­ben­fro­hen Vari­an­ten ange­bo­te­ne Blei­stift­kap­pe mit Clip, eben­falls aus Acryl, für 1050 Yen (knapp 8 Euro).

Stille Beobachter (31)

Verkabelung an Bürocontainern

So 'n locke­ren Pos­ten wie die­ser lus­ti­ge Ver­tre­ter hätt' ich auch gern – als Außen­dienst­ler eine lei­ten­de Funk­ti­on in der Ener­gie­ver­sor­gung beklei­den, aber den lie­ben lan­gen Tag läs­sig abhän­gen. Kein Wun­der, dass der sich so freut!

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Zurück in die Zukunft

Aus dem Jahr 1957 und damit gut ein hal­bes Jahr­hun­dert alt sind die­se bei­den im Ori­gi­nal 12 × 26 cm gro­ßen Anzei­gen, mit denen die J.S. STAEDTLER Inc. mit Sitz in Hacken­sack (New Jer­sey, USA) in der Publi­ka­ti­on „Engi­nee­ring and Sci­ence“ ihre Pro­duk­te zum pro­fessionellen Zeich­nen und Kon­stru­ie­ren prä­sen­tiert hat.

Vier Jah­re vor dem ers­ten bemann­ten Flug ins Welt­all und zwölf Jah­re vor der ers­ten Mond­lan­dung waren heu­ti­ge Science-Fiction-Klassiker wie „Die Dämo­ni­schen“, „Alarm im Welt­all“ und „Die unglaub­li­che Geschich­te des Mr. C“ auf der Lein­wand für die Prä­gung der Zukunfts­fan­ta­sien zustän­dig, und auch die – aller­dings eher an prak­ti­schen Anfor­de­run­gen ori­en­tier­ten – Kon­struk­tio­nen in die­sen für mich sehr gelun­ge­nen Anzei­gen fügen sich gut in das damals popu­lä­re Bild zukünf­ti­ger Wel­ten ein.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

Die hier bewor­be­nen Zei­chen­ge­rä­te der „Mars“-Produktreihe sind in mehr­fa­cher Hin­sicht inter­es­sant. Das 1900 regis­trier­te Wort­zei­chen fand sich erst­mals auf dem Kopier­stift „Mars Copier“ (1901) und anschlie­ßend auf dem Blei­stift „Mars 1225“ (1908), dem Vor­läu­fer des in den 30er Jah­ren ein­ge­führ­ten „Mars Lumo­graph 2886“; mit letz­te­rem wur­de auch die tief­blaue Lackie­rung ein­ge­führt. Der 2886 war damals in 19 Här­te­gra­den von EXEXB bis 9H ver­füg­bar, wäh­rend sein Nach­fol­ger, der Lumo­graph 100, heu­te nur noch bis 6H gefer­tigt wird. Auf den Stif­ten auch zu sehen ist die Dar­stel­lung des astro­no­mi­schen Zei­chens für den Pla­ne­ten Mars in der Vari­an­te mit den Mon­den Pho­bos und Dei­mos (ein wei­te­res Foto davon gibt es hier).

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

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Beson­ders unge­wöhn­lich für heu­ti­ge Bleischrei­ber, aber damals offen­bar üblich, ist die Form der Spit­zen. Über das dafür ver­wen­de­te und im Text als „Draftsman's Pen­cil Shar­pe­ner“ genann­te Gerät kann ich nur spe­ku­lie­ren; ich ver­mu­te, dass zum Frei­le­gen der Mine etwas ähn­li­ches wie der Dreifach-Spitzer M+R 207 zum Ein­satz kam. – In dem Aus­schnitt erkennt man deut­lich, dass die Pro­dukt­ab­bil­dun­gen gezeich­net sind; dies spricht mich eben­so an wie die Ästhe­tik und die Typo­gra­fie die­ser Anzeigen.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

Mit im Bild der zu die­ser Zeit wohl noch recht neue Fall­mi­nen­stift Mars Lumo­graph Tech­ni­co 1001, für den Minen in 18 Här­te­gra­den von EXB bis 9H ange­bo­ten wur­den (die im Jahr 1951 ein­ge­tra­ge­ne Mar­ke hat sich bis heu­te gehal­ten und fin­det sich bei den aktu­el­len Fall­mi­nen­stif­ten Mars tech­ni­co 780 C und tech­ni­co 788 C). Durch den Erfolg der vom japa­ni­schen Her­stel­ler Pen­tel ent­wi­ckel­ten und zuerst 1960 in einer Stär­ke von 0,9 mm ver­mark­te­ten Polymer-Mine ließ die Ver­brei­tung der Fall­mi­nen­stif­te jedoch nach, und so ist die Mine Mars car­bon jetzt nur noch in sie­ben Här­ten von 4B bis 4H erhält­lich. – Der als „Pocket-Technico“ bezeich­ne­te Fall­mi­nen­stift war ver­mut­lich der Vor­läu­fer des in den 70er und 80er Jah­ren ange­bo­te­nen „Taschen­mo­dells“ Mars tech­ni­co 782 C.

Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. (1957)

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Für mich ist es immer wie­der beein­dru­ckend, mit wel­chen aus heu­ti­ger Sicht pri­mi­ti­ven Zei­chen­werk­zeu­gen – die ers­ten kom­mer­zi­el­len CAD-Anwendungen kamen erst Mit­te der 60er Jah­re in die Unter­neh­men – Kon­struk­teu­re, Inge­nieu­re und Archi­tek­ten damals solch groß­ar­ti­ge Leis­tun­gen voll­bracht haben.

Dan­ke an STAEDTLER für die Geneh­mi­gung zur Repro­duk­ti­on und Ste­phen von pen­cil talk für den Hin­weis auf die­se Anzeigen!

Alte Anzei­gen von STAEDTLER | Mars 1962 →

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