Archiv der Kategorie „Kultur”

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„The Properly Pointed, Perfectly Portable Pencil”

Samstag, 24. November 2012

Lesen und schreiben – zwei Kulturtechniken, mit deren vielfältigen Aspekten ich mich ger­ne beschäftige. Über die zufällige Entdeckung des Buches „Page Fright. Foibles and Fe­tishes of Famous Writers” von Harry Bruce (2009) habe ich mich daher sehr gefreut, und als mir dann das Kapitel mit der herrlich alliterierenden Überschrift „The Properly Pointed, Perfectly Portable Pencil” auffiel, war meine Freude noch größer, denn dieses befasst sich mit dem Bleistift in der Hand berühmter Schriftsteller. Fünf davon seien hier kurz erwähnt.

The Properly Pointed, Perfectly Portable Pencil

Nach einem sehr kurzen Abriss der Geschichte des Bleistifts mit Borrowdale, Conté und Thoreau geht es zunächst zu John Steinbeck. Der amerikanische Autor schrieb täglich bis zu sechs Stunden mit Bleistift, vorzugsweise mit runden, da diese seine Hand weniger strapazierten. Je nach Stimmung und Wetter – die Luftfeuchtigkeit beeinflusst Schreib­gerät und Beschreibmaterial – wählte er aus aus verschiedenen Härtegraden, und um keine Zeit zu verlieren, benutzte er eine elektrische Spitzmaschine.

The Properly Pointed, Perfectly Portable Pencil

Für Vladimir Nabokov war die Radierbarkeit sehr wichtig, überarbeitete er doch alles, was er schrieb. – Ernest Hemingway betrachtete das mit sieben HB-Bleistiften Geschriebene als ein gutes Tagespensum und das Verfassen des ersten Entwurfs mit Bleistift als Möglichkeit, die Qualität zu verbessern. Er schätzte den Bleistift auch, weil er leicht zu transportieren war, und erlebte oft, dass ihn bereits das Spitzen in Schreibstimmung brachte.

The Properly Pointed, Perfectly Portable Pencil

Seine schriftstellerischen Aktivitäten verbergen musste F. Scott Fitzgerald während seiner Zeit in der Army; Notizbuch und Bleistift versteckte er dazu in dem Buch „Small Problems for Infantry”. – Den Umstand, dass der Bleistift auf vielen Materialien schreibt, machte sich Marvis Gallant zunutze und hielt Teile ihrer Arbeit manchmal sogar auf Streichholzbriefchen fest.

Auf die Lektüre der anderen Kapitel bin ich gespannt!

Graphit-Geräte

Freitag, 23. November 2012

Bemerkenswerte Skulpturen aus Bleistiften fertigt die US-amerikanische Künstkerin Jessica Drenk. Die „Implements” genannten Werke aus jeweils 1200 bis 4000 Stiften erinnern an verwittertes Holz und eröffnen einen ganz anderen Blick auf das vertraute Schreibgerät.

Danke an Max für den Hinweis!

Kurz notiert

Donnerstag, 1. November 2012

Über 70 Exponate aus der Zeit von 200 bis 1985 in einem virtuellen Museum: „Take Note – An Exploration of Note-Taking in Harvard University Collections”. Großartig! Einer meiner Favoriten: „The ultimate piece of office furniture”. – Auch die Bleistifte von Henry David Thoreau sind dort zu sehen.

(via Orange Crate Art)

Römisch Linkskursiv (3)

Freitag, 21. September 2012

Meine Suche nach den Ursprüngen der früher in topografischen Karten genutzten Schrift „Römisch Linkskursiv” dauert an. Nach zwei Beiträgen mit allem, was ich bis jetzt zusam­mentragen konnte, hatte ich nun das Glück, von meinem Leser Herbert R. Scans von vier Seiten der „Musterblätter für topographische Arbeiten des Königlich Preu­ßischen General­stabs” in der 11. Auflage aus dem Jahr 1904 zu bekommen. Diese sind hauptsächlich des­halb interessant, weil sie frühe Muster der linkskursiven Schrift sowie Beispiele für ihren Gebrauch zeigen, die in der ersten Ausgabe von 1818 (Nachdruck 1989) noch nicht ent­halten waren. Dies lässt vermuten, dass die „Römisch Linkskursiv” im 19. Jahrhundert Ver­breitung fand.

Römisch Linkskursiv

Seite VI der Musterblätter enthält Schriftmuster. Die „Römisch Linkskursiv” gibt es dort als „Rückwärts liegende Kapitalschrift” (Majuskeln, Großbuchstaben) und „Rückwärts liegende römische Schrift” (Minuskeln, Kleinbuchstaben). Da es je nach Bundesland und zuständigem Amt eine eigene Form der „Römisch Linkskursiv” gab, finden sich Abweichungen zu ande­ren linkskursiven Schriften. – Zu sehen ist hier auch eine mir bisher unbekannte schraffierte Variante.

Römisch Linkskursiv

(zum Vergrößern anklicken)

Wie die anderen erfreut Seite VII durch ihren Visualisierungsstil.

Römisch Linkskursiv

Das Diagramm zum Schraffierungsverhältnis der Böschungen hat es mir besonders angetan.

Römisch Linkskursiv

Auch wenn mich diese Blätter mit ihrer Ästhetik sehr ansprechen, so will ich mich nicht in zahlreichen Ausschnitten ergehen, sondern es hauptsächlich bei denen mit der „Römisch Linkskursiv” belassen (weitere Details könnten Inhalt eines anderen Beitrags werden). – Seite III mit den Gewässern ist sicher die aufwändigste …

Römisch Linkskursiv

… und natürlich die mit den Anwendungsbeispielen für die „Römisch Linkskursiv”.

Römisch Linkskursiv

Hier fallen einige Unterschiede zur den Schriftmustern auf: So hat z. B. das f eine Unterlän­ge, die meisten Buchstaben einen geschwungenen Auslauf und das e einen gekrümmten Überlauf.

Römisch Linkskursiv

Römisch Linkskursiv

Neben dem zweistöckigen a gibt es (wegen der Buchstabenhöhe?) das einstöckige, und das K hat gleich eine ganz andere Form. – Hier der einzige Auftritt der schraffierten Aus­führung:

Römisch Linkskursiv

Nicht minder bemerkenswert ist Seite VII mit den Wohnstätten und deren Umgebung.

Römisch Linkskursiv

Ich wünschte, mit den Augen eines Kulturhistorikers oder mit denen eines mit der Ge­schichte seiner Profession vertrauten Kartografen schauen und noch viel mehr entdecken zu können.

Römisch Linkskursiv

Danke an Herbert R. für die Scans!

Haarige Angelegenheit

Mittwoch, 5. September 2012

Sehr schön: „Time to Sharpen Up Dudes” von Jacques Maes aus Belgien.

Haarige Angelegenheit

Diese Illustration gibt es auch als Druck in fünf Größen. – Danke an Jacques für die Geneh­migung zur Reproduktion!

Geschichtsschreiber

Mittwoch, 22. August 2012

40 Meter mit mehr als 16000 Fotos aus 50 Jahren und darin eine Abbildung des Eberhard Faber Mongol 482 № 2: Das Kunstwerk „Leaves of Grass” von Geoffrey Farmer, zu se­hen auf der documenta (13), zollt auch dem amerikanischen Bleistift-Klassiker Tribut.

Geschichtsschreiber

Danke an Michael Reichenbach für seine Beobachtung und das Foto!

Kunst und Kumulation

Mittwoch, 15. August 2012

Bob Van Breda aus San Francisco sammelt nicht nur Bleistifte und deren Drumherum, son­dern macht auch Kunstwerke aus ihnen (via Jeremyriad).

„Schön gespitzte Bleistifte”

Samstag, 11. August 2012

Ziel eines weiteren der vielen Ausflüge während unseres Urlaubs in Brandenburg war das im Schloss Rheinsberg beheimatete Kurt-Tucholsky-Museum.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Schloss Rheinsberg, von Süden gesehen

Ein Besuch des Schlosses Rheinsberg sei übrigens jedem angeraten, der sich in dieser Ge­gend aufhält (mir gefällt es besser als Schloss Sanssouci in Potsdam).

„Schön gespitzte Bleistifte”

Schloss Rheinsberg und Theater, von Süden gesehen

Das Kurt-Tucholsky-Museum, dessen Besuch ich sehr empfehle, erreicht man über den In­nenhof.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Zu den zahlreichen und interessanten Exponaten gehört auch Schreibzeug aus dem Nach­lass des Schriftstellers1.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Aufgefallen ist mir eine Liste aus der Neujahrsausgabe 1928 der Vossischen Zeitung …

„Schön gespitzte Bleistifte”

… und in dieser der mir sehr sympathische Eintrag „[Kurt Tucholsky liebt:] schön gespitzte Bleistifte”2.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Lustiger Zufall: In Garten des Schlosses stehen einige Exemplare des virginischen Wachol­ders (Juniperus virginiana), auch bekannt als Bleistiftzeder.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Diese Bäume sind sogar in der topographischen Sonderkarte des Rheinsberger Gartenreichs vermerkt.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Topographische Sonderkarte des Rheinsberger Gartenreichs (Ausschnitt)
(© Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg 2007)

Der Baum in den Fotos ist der in der Karte links unten eingetragene.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Klar, dass ich von diesen Funden hier unbedingt berichten musste.

„Schön gespitzte Bleistifte”

Straßenschild in Rheinsberg

  1. Ob der bunte Bleistift ganz rechts wirklich dazugehört, wage ich jedoch zu bezweifeln.
  2. Im kleinen, aber feinen Laden des Museums gibt es Bleistifte mit dem Aufdruck „Ein schön ge­spitzter Bleistift”. Diese sind jedoch rund, schwarz lackiert und durchgefärbt sowie mit einem dunkelroten Swarovski-Stein geschmückt – eine Gestaltung, die in meinen Augen nicht so recht passt.
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