Archiv der Kategorie „Kultur”

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Handwerk in Nürnberg

Sonntag, 22. Dezember 2013

Unter dem Titel „Handwerk in Nürnberg – Vom Mittelalter bis zur Neuzeit” erschien vor we­nigen Wochen im Verlag Hans Müller ein reich bebilderter Band zur Geschichte des Nürn­berger Handwerks. Darin vertreten ist natürlich auch der Bleistiftmacher, und so musste ich dieses Buch unbedingt haben.

Handwerk in Nürnberg

Das 24,5 × 24,5 cm große Buch mit festem Einband und Schutzumschlag hat 192 Seiten mit zahlreichen Fotos und farbigen Abbildungen, darunter viele historische Illustrationen, und beschreibt das Nürnberger Handwerk seit dem 14. Jahrhundert. Nach der Geschichte geht es auf Handwerksverordnungen und Besonderheiten des Nürnberger Handwerks ein und stellt die Ausbildung, das Brauchtum, das kirchliche und politische Leben sowie gesell­schaftliche Aspekte ausführlich dar.

Eine herausragende Stellung im Nürnberger Handwerk des 14. bis 16. Jahrhunderts hatten die metall- und textilverarbeitenden Gewerbe, und im 16. Jahrhundert erlangten die Nürn­berger Goldschmiede und Zinngießer europäische Spitzenpositionen. Im 18. Jahrhundert war Nürnberg ein Zentrum der Drahtproduktion; auch der Musikinstrumentebau war ein europaweit bedeutender Handwerkszweig.

Handwerk in Nürnberg

Schon früh begann man, Erfindungen zu überwachen. Die sog. gesperrten Handwerke, zu denen auch die 1731 als geschworenes Handwerk anerkannten Bleistiftmacher gehörten, durften nur von Nürnberger Handwerkern ausgeübt werden; zudem bestanden Wander­verbot und andere Einschränkungen wie z. B. das Verbot, Werkzeuge nach draußen, also aus Nürnberg heraus, zu verkaufen. Die sicherte anfangs Nürnbergs Position, schloss die Handwerker jedoch später von Weiterentwicklungen aus.

Handwerk in Nürnberg

Im Kapitel „Handwerk und Industrie” wird die Entwicklung wichtiger Nürnberger Hand­werkszweige beschrieben. Neben den Buchdruckern, Bierbrauern, Lebküchnern und Metz­gern gehörten dazu auch die Bleistiftmacher. Letzteren sind 16 Seiten gewidmet, auf de­nen auf die Geschichte dieses Handwerks im Allgemeinen und die Firmen STAEDTLER und Faber-Castell im besonderen eingegangen wird. Wer bereits einiges über den Bleistift und diese Unternehmen gelesen hat, wird hier nur wenig neues erfahren, doch die Auswahl und die Präsentation der Informationen gefallen mir. Die Frage, warum sich ausgerechnet Nürnberg zum deutschen Zentrum der Bleistiftproduktion entwickelt hat – Ende des 19. Jahrhunderts gab es dort 23 Bleistiftfabriken –, beantwortet das Buch leider nicht.

Handwerk in Nürnberg

Als eine große Enttäuschung empfinde ich das Kapitel zum Druckunternehmer Willmy. Während die anderen Firmenportraits sachlich und neutral verfasst sind, besteht dieses aus hohlen Marketing-Phrasen; mein Eindruck, dass man vorhandene Werbetexte weitgehend unverändert übernommen hat, wurde durch einen kurzen Besuch der Firmenwebsite be­stätigt. Ich finde das Geschwafel unerträglich und halte es für fehl am Platz. – Das Kapitel „Auf den Spuren des Handwerks in Nürnberg” macht Lust auf einen Rundgang durch die Stadt.

Handwerk in Nürnberg

Michael Diefenbacher, Horst Dieter Beyerstedt, Bianca Bauer-Stadler, Petra Kluger: Hand­werk in Nürnberg – Vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Nürnberg: Verlag Hans Müller, 2013. ISBN 978-3-924773-02-1, Preis 24,80 Euro; Bestellung direkt beim Verlag möglich (+ 4,50 Euro Versandkosten).

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Freitag, 22. November 2013

The Noun Project hat sich vorgenommen, die Kommunikation durch Symbole zu verein­fachen. Die Idee ist nicht neu, doch das Vorhaben des Projekts ehrgeizig: Man möchte die visuelle Sprache der ganzen Welt in einer einzigen Datenbank zusammenstellen, organisie­ren und frei verfügbar machen. Sehr beeindruckend!

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Der Bleistift im Noun Project

Kleine Hand (2)

Sonntag, 10. November 2013

Zu meinen zahlreichen Obsessionen gehört die Zeigehand. Hat sie mich in meiner Jugend durch ihre Ästhetik angesprochen und u. a. als Stempel erfreut, so habe ich später bemer­kenswerte Details aus ihrer über 900-jährigen Geschichte erfahren. Dies und mein Inter­esse an Typografie lässt mich seitdem zu allem greifen, was sich mit ihr befasst.

Kleine Hand (2)

„Shady Characters: The Secret Life of Punctuation, Symbols, & Other Typographical Marks” von Keith Houston, erschienen im September 2013 bei Particular Books (UK) und W.W. Norton (USA), ist nicht nur wegen des Kapitels „The Manicule”1 sehr lesenswert. Jedem, der sich für die Geschichte der Satz- und Sonderzeichen interessiert, sei dieses her­vorragend aufgemachte Buch wärmstens empfohlen; auch der Besuch des Weblogs Shady Characters, das diesem Buch vorausging, lohnt sehr.

Kleine Hand (2)

„The Typophiles”, ein loser Zusammenschluss von an Typografie, Druck und Büchern Inter­essierten, trafen sich zum ersten Mal in den 1930er Jahren in New York. 1935 begann man mit der Veröffentlichung sog. „chap books”, die zunächst nicht nummeriert waren, da man noch nicht an eine Serie dachte. 1940 führte man die Nummerierung ein, und 1942 er­schien Band 7, „Roman Numerals, Typographic Leaves and Pointing Hands. Some Notes on their Origin, History and Contemporary Use” von Paul McPharlin2.

Kleine Hand (2)

McPharlin war möglicherweise der erste, der sich eingehend mit der Zeigehand befasst hat, und so ist dieses Büchlein für mich ein ganz besonderes, auch wegen der geringen Auflage von nur 495 Exemplaren3.

Kleine Hand (2)

Es gibt so viel zu entdecken!

  1. Einen Auszug gibt es unter „The Mysterious Manicule”.
  2. Paul McPharlin war übrigens hauptberuflicher Puppenspieler und Mitbegründer der Puppeteers of America.
  3. Die ersten 395 Exemplare waren durchnummeriert und gingen an Mitwirkende und Abonnen­ten; 100 kamen in den Verkauf.

Musen 2014

Freitag, 11. Oktober 2013

Waren es in der griechischen Mythologie nur neun Schutzgöttinnen der Künste, so lässt der Künstler Dominik Hüfner aus Seeheim-Jugenheim bei Darmstadt gleich zwölf auftreten: Sein Wandkalender „Musen 2014″ zeigt jeden Monat eine davon beim ungewöhnlichen Umgang mit Zeichen- und Malzubehör.

Musen 2014

Der Kalender wird präsentiert bei Format (Halle 4.0, Stand H 71), einem Fachgeschäft in Darmstadt, das den neuen Füllfederhalter SUPER5 mit Schönschreibfeder und die pfiffige Lernuhr „Zeitzünder” vorstellt. Zu sehen gibt es dort auch die hochwertigen Papierproduk­te vom Papierlabor und einiges aus dem Sortiment von Kaweco.

Musen 2014

Dominik Hüfner bei der Arbeit am Messestand

Eine Übersicht aller Blätter hängt am Messestand aus und wird in Kürze auf der Website des Künstlers veröffentlicht.

Musen 2014

Der Tanz am Bleistift …

Musen 2014

… und der Ritt auf dem Radierer

„Musen 2014″ kann auf der Buchmesse, die am kommenden Wochenende (12./13.10.) für alle Besucher geöffnet ist, am Stand von Format (Halle 4.0, Stand H 71) zum günstigen Messepreis von 22 Euro erworben werden; danach gibt es ihn bei Dominik Hüfner direkt und bei Format in Darmstadt.

Musen 2014

Meine Empfehlung: Kaufen, aufhängen und auf 2014 freuen!

Sommer!

Samstag, 27. Juli 2013

Sommer!

Nicht nur bei diesen Temperaturen die perfekte Kombination: Ein von meinem sehr kreati­ven Kollegen deh gestaltetes T-Shirt und eine hessische Erfrischung.

Kulturgut

Mittwoch, 3. April 2013

Kulturgut

Schild an einer Maschine im Museum für Druckkunst, Leipzig

Tonware

Sonntag, 17. Februar 2013

Neu in der Rubrik „Brauch' ich zwar nicht, muss ich aber haben”: Ein alter Aschenbecher von STAEDTLER.

Tonware

Das 150 mm breite, 38 mm hohe und gut 400 g schwere Stück ist vermutlich aus glasier­tem Steingut und trägt keine Kennzeichnungen. Ich denke, dass es 80 bis 90 Jahre alt ist, werde aber versuchen, mehr herauszufinden.

Tonware

Natürlich wird es bei mir nie mit Asche in Berührung kommen1, sondern mich anderweitig erfreuen. So könnte es z. B. als dekorative Ablage für Bleistiftstummeln dienen.

Tonware

Außer der in meinen Augen sehr schönen Gestaltung gefällt mir, dass der Aschenbecher und der Bleistift den Ton gemeinsam haben.

  1. Stammleser wissen von meiner Gewohnheit des Nichtrauchens.

Wer ist das?

Freitag, 11. Januar 2013

Diese Frage (hier in Sütterlin) stellte Johann Faber 1930 in einer Anzeige, die den „Apol­lo”-Bleistift bewarb.

Wer ist das?

Der Text in Sütterlin lautet „Bedingungen in den Fachgeschäften”.

Die offizielle Antwort kenne ich nicht, doch ich denke, das man Maler Klecksel von Wilhelm Busch gemeint hat:

Wer ist das?

Nachdem Klecksel seinen Lehrmeister Quast vorzeitig und in einem bedauernswerten Zu­stand verlassen hat, schreitet der durch die Gulden seines Vaters gestärkte Künstler selbst­bewusst und mit großer Mappe dahin.

Jetzt hat der Kuno Geld in Masse.
Stolz geht er in die Zeichenklasse.
Von allen Schülern, die da sitzen,
Kann keiner so den Bleistift spitzen.
Auch sind nur wenige dazwischen,
Die so wie er mit Gummi wischen.
Und im Schraffieren, was das Schwerste,
Da wird er unbedingt der Erste.
Jedoch zunacht, wenn er sich setzte,
Beim Schimmelwirt, blieb er der Letzte.
Mit Leichtigkeit genießt er hier
So seine ein, zwei, drei Glas Bier.

Das vollständige Werk ist u. a. bei zeno.org zu finden; die Zeichnung und das Zitat stam­men aus dem vierten Kapitel.


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