„Wer schreibt, …
… küsst besser” meint die Initiative Schreiben e.V. („Handschrift bist Du!”) und hat damit natürlich recht. – 3,6 Millionen dieser Flachbeutel1 kamen vergangenes Jahr in den Einzelhandel.
- Wieder ein neues Wort gelernt.↩
Stiftebecher des Monats (3)
Als Fan der Reihe „Pencil Pot Of The Month“ bei Bleistift kann ich es mir nicht verkneifen, ab und zu etwas Ähnliches anzubieten, auch wenn ich weder mit der Qualität noch mit der Regelmäßigkeit mithalten kann.
Dieser Kandidat ist aus Kunststoff und beherbergt als Besonderheit eine Uhr mit Wecker und ein Thermometer; das Display wird auf Knopfdruck beleuchtet. Während sich diese Beleuchtung nach vier Sekunden selbsttätig abschaltet, tut einem das Wecksignal diesen Gefallen leider nicht. Die sieben wählbaren Melodien sind so grausig, dass man sofort die Batterien (3 × AAA) entnimmt, um sich dieser Qual kein zweites Mal aussetzen zu müssen. Dabei findet man auf der Innenseite des Batteriefachdeckels die Angabe „PATENT NUMBER 201530007141.1“, zu der ich jedoch nichts in Erfahrung bringen konnte.
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Farbenspiel
Einen farbenfrohen Auftritt hatte die Schwan-Bleistift-Fabrik A.G. Nürnberg im Jahr 1944 mit dieser Anzeige.
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Die als Beileger ausgeführte Anzeige ist beidseitig bedruckt und misst 24 × 16,3 cm; das Papier ist mit gefühlten 70 g/m² vergleichsweise dünn.
Der Name „Stabilo“ geht zurück auf die hohe Stabilität des 1925 von Schwan vorgestellten Dünnkernfarbstifts und wurde 1939 eingetragen. – Im gleichen Jahr kam der Schwan auf die Tauchkappe; dieses sogenannte Schwan-Auge ziert die Stifte noch heute.
Unnötig zu sagen, dass ich die Gestaltung sehr reizvoll finde.
Nachtrag vom 6.2.17: Diese Anzeige lag im Dezember 1944 der Sonderausgabe „Der Europäische Mensch“ der Wochenzeitung „Illustrirte Zeitung Leipzig“ bei, die im J.J. Weber Verlag Leipzig erschien. Von dieser Zeitung gab es von 1843 bis in den September 1944 hinein wöchentlich eine Ausgabe. Kriegbedingt wurde der Druck mit der letzten regulären Ausgabe im September 1944 eingestellt; danach erschien nur noch die erwähnte Sonderausgabe. Nach dem Krieg wurde die Arbeit an dieser Zeitung nicht wieder aufgenommen.
Ein besonderer Pollux
Beim bewundernden Blick auf die von Joshua Thacker gravierte „Granate“ dachte ich: Wie wäre es mit der Gravur eines Pollux? Es stellte sich heraus, dass Joshua von dieser Idee ebenso angetan war wie ich, und so dauerte es nicht lange, bis er mir den ersten Entwurf des Designs zeigte. Als das Stück schließlich eintraf, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Bei der Gestaltung hat sich Joshua an Art Deco orientiert, und so ziert die Enden des Spitzers ein für diesen Stil typisches Muster, das an Sonnenstrahlen erinnert.
Die Bleistiftspitzen finde ich besonders pfiffig: Durch die Bauform des Pollux bekommen sie die konkave Form, die der Spitzer schneidet. Zudem wechseln sich runde und hexagonale Bleistifte ab.
Der Spitzer ist ein Unikat; Joshua sagte mir, dass es keinen zweiten mit diesem Design geben würde.
Bezahlt habe ich den – wie ich finde – sehr moderaten Preis von 53 Euro inklusive Versand und ohne Spitzer.
Vielen Dank an Joshua Thacker für dieses Kunstwerk!
Aufregung um Bleistifte
Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Sänger postet Wahlzettel-Foto – und halb Italien diskutiert über Bleistifte“. Das Referendum in Italien hat zur Aufregung um Bleistifte geführt, nachdem der italienische Sänger Piero Pelù auf Facebook Fotos von seinen Wahlunterlagen und den Stiften gezeigt hat. Bei seinem Test hatte er nämlich festgestellt, dass sich das Kreuz ausradieren ließ, und so eine Diskussion über die Stifte und das Papier in den Wahllokalen ausgelöst. Schließlich meldete sich auch das Innenministerium zu Wort und teilte mit, dass seit mindestens fünf Jahren bei Wahlen Kopierstifte von Faber-Castell zum Einsatz kämen. Warum Pelù und andere das Kreuz zumindest teilweise ausradieren konnten, bleibt indes unklar.
„Die Entstehung des Bleistiftes“
Die Broschüre „Die Entstehung des Bleistiftes“ von Eberhard Faber, Neumarkt bei Nürnberg, stellt „Wissenswertes über die Herstellung von Blei-, Kopier- und Farbstiften“ in Wort und Bild dar. Ich finde sie nicht nur wegen der Titelseite sehr ansprechend.
(zum Vergrößern anklicken)
Der zwölfseitige Druck im Format DIN A4 enthält Details, die man als Endkunde auch heute nicht so einfach erfährt; dies und einige Formulierungen sprechen dafür, dass sich Eberhard Faber damit an Händler richtete. Im Mittelpunkt stehen Stifte und Radierer der Marke VAN DYKE, die erstmals 1931 eingetragen wurde1. Angesichts der Gestaltung vermute ich, dass die Broschüre aus den 1940er Jahren stammt.
Bereits die Einleitung ist reizvoll:
Wer sieht es wohl einem Bleistift an, daß zu seiner Herstellung Hunderte von Arbeitsgänge auf sinnreich konstruierten Maschinen und eine unendliche Erfahrung notwendig sind? Welch große Bedeutung kommt doch diesem unscheinbaren Schreibgerät auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu! Für viele Menschen ist der Bleistift unentbehrlicher Freund und ständiger Begleiter.
Auf die Bestandteile geht man gleich zu Beginn ein. So heißt es, dass der in der Bleistiftindustrie verwendete Ton aus Unterfranken kommt; ich gehe davon aus, dass man sich hier auf das Tonwerk der Stadt Klingenberg bezieht.
Beim Graphit wird zwischen dem günstigen, amorphem aus Österreich, Korea und Mexiko und dem höherwertigen, kristallinen aus Bayern („in der Nähe von Passau”), Ceylon und Madagaskar unterschieden. – Mit dem bayerischen Graphit ist zweifellos der von Kropfmühl in Hauzenberg gemeint.
Auch beim Holz ist man recht ausführlich. Neben der Florida- oder Rot-Zeder2 und der kaliformischen Zeder führt man Erle, Linde und Föhre auf. (Linde und Nadelhölzer – vor allem die Kolorado-Tanne und die Weymouth-Kiefer – nutzt man immer noch, die Erle wegen ihrer Härte indes nicht mehr.)
Als „Politur“3 wird Zelluloselack genannt, doch von diesem ist man aufgrund gesundheitlicher Risiken bei der Verarbeitung und schwieriger Entsorgung schon vor einiger Zeit abgekommen.
Bemerkenswert sind die Materialien, mit denen die Stifte „gestempelt“ wurden: Damals waren es Echtgold-, Goldbronze- und Aluminiumbronzefolien.
Bei der Bearbeitung des Graphits ist von „chemisch zerkleinert“ und „chemisch verfeinert“ die Rede; was es damit auf sich hat, verrät die Broschüre jedoch nicht.
Auch auf Bestandteile und die Herstellung von Kopier-, Farbkopier- und Farbminen wird eingegangen. Alle enthalten u. a. das pflanzliche Verdickungsmittel Traganth, das heute hauptsächlich für Lebensmittel verwendet wird.
In der Auflistung der Spezialstifte fielen mir mattschreibende Kopierstifte auf, die bei künstlichem Licht die Augen schonen sollen.
Gegen Ende finden sich Handreichungen zum Verkauf:
Es genügt nicht, dem Kunden kurzerhand einen Stift zu reichen. Zeigen Sie ihm vielmehr alle Muster der auf Lager befindlichen Sorten auf einer hübschen Samtkarte aufgemacht!
Und:
Auch der kleine unscheinbare Bleistift muß mit Lust und Liebe verkauft werden, denn jeder Kunde freut sich, wenn er auch bei einem kleinen Einkauf vom Verkäufer aufmerksam bedient wird.
Natürlich darf der Radierer nicht unerwähnt bleiben, und so erfährt der Leser, dass man „den weltbekannten VAN-DYKE-Radiergummi von Grund auf in eigener Fabrik erzeugt“ und dass „Eberhard Faber als erster Bleistifte kombiniert mit Radiergummi herstellte“4.
Eine Übersicht der Härtegrade und der „Werdegang des Bleistifts“ schließen die Broschüre ab.
Für mich ein schönes Stück Bleistiftgeschichte!
- So ganz klar sind mir die Einträge des DPMA nicht, denn es gibt sowohl „Van Dyke“ (mit Anführungszeichen und in Gemischtschreibung, eingetragen am 9.3.26) als auch VAN DYKE (ohne Anführungszeichen und in Versalien, eingetragen 5.11.1940).↩
- Die Erwähnung der Rot-Zeder überrascht mich, denn ich dachte bisher, dass diese bereits vor etwa 100 Jahren durch die kalifornische Zeder (Weihrauch-Zeder) abgelöst wurde.↩
- Der Begriff „Politur“ geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spitzenbleistifte einen Schellacküberzug mit Schwermetall-Farben erhielten und von Hand poliert wurden.↩
- Das in diesem Zusammenhang oft genannte Patent von Hyman Lipman aus dem Jahr 1858 beschrieb einen Bleistift, der auf etwa einem Drittel der Länge statt der Graphitmine einen Radierkern enthielt. Dieses Patent wurde später jedoch für ungültig erklärt mit der Begründung, dass Bleistift und Radierer bereits vorher existiert hätten und durch die Kombination von beidem nichts Neues entstanden sei. Am 11.8.1891 erhielt Eberhard Faber das Patent auf die Befestigung eines Radierers an einen Bleistift mithilfe einer Zwinge.↩


















