Archiv des Stichworts „Granate”

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„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Sonntag, 15. September 2013

Als ich von dem Buch „Potloden & Puntenslijpers” („Bleistifte & Spitzer”) von Paul Dirks und Toon Kessels erfahren habe, war mir klar: Das muss ich haben. Durch die Hilfe meines Le­sers Wowter aus den Niederlanden kam ich dann auch besonders schnell an diesen Titel.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Das etwa 27 × 11 cm große Buch, erschienen 2012 bei Pictures Publishers, zeigt auf 128 durchgehend farbigen und üppig bebilderten Seiten die reiche Welt des Bleistifts, wobei der Schwerpunkt auf älteren Stücken liegt.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Den einleitenden Worten zu Stylus, Rohr und Feder folgen die Geschichte des Bleistifts (natürlich mit dem Ur-Bleistift von Conrad Gesner aus der Mitte des 16. Jahrhunderts) und seiner Herstellung, vor allem der keramischen Mine, und der industriellen Fertigung.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Nach Farbstiften geht es kurz zu Fallminen- und Füllstiften und anschließend zu den Spit­zern. Freunde der „Granate” sowie und des Janus 4046/4048 sehen hier gleich mehrere Varianten ihres bevorzugten Zubehörs, aber auch Liebhaber verspielter Modelle kommen auf ihre Kosten.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Auch Verpackungen und Mäppchen ist ein Kapitel gewidmet, ebenso der Schiefertafel und dem Griffel sowie besonderen Bleistiften wie z. B. dem Ballstift. – Reklamematerial gibt es zwar an vielen Stellen zu bestaunen, bekam jedoch zusätzlich ein eigenes Kapitel.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Den Abschluss machen Kurzportraits der Firmen Staedtler, Schwan, Faber-Castell, Lyra, Caran d’Ache, Koh-I-Noor Hardtmuth und Bruynzeel.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Das fadengeheftete Buch, dessen Gestaltung ich sehr gelungen finde, hat einen festen Einband und kostet 14,95 Euro; es ist nur direkt beim Verlag erhältlich. Allen Bleistift-Lieb­habern sei der Kauf ans Herz gelegt, auch denen, die (so wie ich) des Niederländischen nicht mächtig sind, denn allein schon die Fotos lohnen die Anschaffung.

„Potloden & Puntenslijpers” (2)

Danke an Wowter für seine Hilfe bei der Beschaffung dieses sehr schönen Buches und an Corné de Keijzer von Pictures Publishers für die Genehmigung zur Reproduktion!

Top Two (2)

Dienstag, 21. Mai 2013

Manchmal werde ich nach einem guten Handspitzer gefragt. Die Antwort fällt mir leicht, gibt es doch inzwischen nur noch sehr wenige Modelle, die ich für empfehlenswert halte1.

Top Two (2)

Faber-Castell Janus 4048, Möbius+Ruppert 604 („Granate”)

Nein, die „Long Point”2-Modelle von KUM gehören nicht mehr dazu. Warum? Nach einiger Zeit habe ich festgestellt, dass sie (ebenso die mit ähnlichem Spitzenwinkel arbeitenden Spitzer) zuviel abtragen, und nicht nur bei teuren Bleistiften ist ein Span mit zuweilen über 0,4 Millimetern einfach zu dick. Hinzu kommt der Umstand, dass bei einer größeren Span­dicke die radial auf die Mine wirkende Kraft größer ist und so die Mine häufiger bricht3. Eine Bastelei am KUM 400 macht ihn zwar sparsamer, verschlechtert aber die Geometrie. Kurz: Zu diesen Spitzern kann ich nicht länger guten Gewissens raten4.

Aber welchen dann? Ganz einfach – meine Favoriten sind der Faber-Castell Janus 4048 und der Mö­bius+Ruppert 604, bekannt als „Granate”. Kleiner Wermutstropfen: Wie schon bei meinen Top Two der Bleistifte wird nur noch einer von beiden produziert, nämlich die „Granate”.

Top Two (2)

Spitzen: Faber-Castell Janus 4048, Möbius+Ruppert 604

Die „Granate”, deren Geschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht, ist ein Klassiker und sicher den meisten Bleistiftnutzern vertraut. Hervorragend in Gestaltung, Ver­arbeitung und Handhabung lässt dieser Spitzer keine Wünsche offen. Sein Messer mit der Rockwell-Härte 655 ist austauschbar6, hält aber sehr lange und bringt nach meinen Erfah­rungen auch Farbstifte zuverlässig in Form. Die aus Messing gefertigte „Granate” kostet um die 2 Euro und ist jeden Cent wert.

Top Two (2)

Den Janus 4048 von Faber-Castell habe ich erst spät entdeckt. Er geht zurück auf den Ja­nus 4046, den A.W. Faber 1935 auf den Markt gebracht hat, und war bis in die frühen 70er Jahre erhältlich (manche Händler hatten ihn sogar Anfang der 90er Jahre noch im Sortiment). Die Besonderheit des Janus ist sein gebogenes Messer, durch das die Spitze mit einem Spitzenwinkel von etwa 24° beginnt und bei einem 8 mm dicken Bleistift nach 25 mm in einer ungefähr 0,6 mm dicken Mine endet; ist die Mine 2 mm stark, so wird diese auf gut 8 mm freigelegt. Doch diese beeindruckende Spitzenform hat auch Nachteile: Ist das Messer nicht mehr scharf genug, setzt es dem Bleistift arg zu, was soweit gehen kann, dass die Spitze bei weichen oder nicht gut verleimten Minen oft abbricht. Das Schärfen des Messers ist problematisch, da es dadurch schmaler und die Geometrie ungünstig verändert wird; bei einem Abtrag von mehr zwei Zehnteln in der Breite wird der Spitzer sogar un­brauchbar7. Obendrein macht die im Messer u. U. verbleibende Krümmung das Schärfen knif­flig8. Trotzdem lohnt es sich, nach einem gut erhaltenen Janus zu schauen, auch wenn für die Messing-Variante nicht selten inakzeptable Preise verlangt werden (das Magnesium-Modell ist meist günstiger). – Eine Neuauflage des Janus wäre natürlich toll, aber das dürfte ein Traum bleiben.

Nachtrag vom 22.2.14: Der KUM 400-5L wurde überarbeitet – zumindest mein neues Exemplar spitzt verlässlich und mit einem dünneren Span.

  1. Nicht berücksichtigt sind hier die Behälterspitzer sowie solche, die gut mit dem WOPEX zusam­menarbeiten, denn diese müssen einen etwas dickeren Span abnehmen. – Übrigens kann man beim Testen so einiges erleben: Kürzlich hatte ich ein Modell, das beim Spitzen Quietschgeräu­sche von sich gab.
  2. „Long Point” deswegen, weil der Winkel des resultierenden Konus mit 18° kleiner und die Spitze länger ist als beim Standardwinkel von 22°. – In manchen Kreisen spricht man jedoch bereits bei 22° von „Langkonus” und bei Spitzern für Farb- und Kosmetikstifte von „Kurzkonus”.
  3. Meine Anfrage bei KUM nach einer eventuellen Überarbeitung des 400 ist bis heute leider unbeantwortet.
  4. Nie angetan war ich vom KUM Long Point Automatic, da es mir nur selten gelungen ist, mit diesem ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.
  5. Zum Vergleich: Die Klinge eines Schweizer Taschenmessers hat 55 HRC, und hochwertige japanische Küchenmesser bringen es auf 65–67 HRC.
  6. Für die „Granate” gibt es eigene Messer, denn die für Standardspitzer sind zu breit und passen nicht.
  7. Sollte das Gewinde beschädigt sein, kann man das Messer mit einer M2-Schraube befestigen.
  8. Ersatzmesser gibt es nicht mehr, und ein kompatibles konnte ich bis jetzt nicht finden.

Presseschau

Samstag, 6. April 2013

Presseschau

Heute in der Süddeutschen Zeitung: „Fein gespitzt”, ein Artikel über Möbius+Ruppert und das Buch „Die Kunst, einen Bleistift zu spitzen” von David Rees. Hier gleich zweimal im Bild ist die „Granate”. – Danke an Herrn Fischer für den Hinweis!

Brinco „Sharpe-Point”

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Bemerkenswert: Der hierzulande als „Granate” bekannte Spitzer wurde auch in England ge­fertigt. Klar, dass ich mir den Kauf nicht verkneifen konnte, als ich von dem Angebot er­fuhr.

Brinco „Sharpe-Point”

Links: „Sharpe-Point” von Brinco, rechts: „Granate” (M+R 604) von Möbius+Ruppert

Ich weiß nicht, wie alt der „Sharpe-Point” ist, und habe bis jetzt auch nichts über den Her­steller Brinco herausfinden können. (Den Namen „Sharpe-Point” finde ich übrigens großar­tig.)

Brinco „Sharpe-Point”

Mit einer Länge von fast 27 mm und einem Durchmesser von 16 mm ist der „Sharpe-Point” wesentlich kräftiger als die „Granate” von Möbius+Ruppert und sogar noch größer als die „Granate 5″ von Möller & Breitscheid.

Brinco „Sharpe-Point”

Zwei Schlitzschrauben, ebenso wie der Korpus aus Messing, halten das rechteckige, etwa 0,4 mm dicke Messer. Die Verarbeitung zeigt keine Mängel, lediglich die Konstruktion, denn das Messer steht am verjüngten Ende des Spitzers über und verschafft ihm so eine un­schöne Ecke (aber möglicherweise ist dieses Messer nicht mehr das originale).

Brinco „Sharpe-Point”

Die untere Seite mit dem 8 mm großen Stifteinlass trägt die Prägung »BRINCO “SHARPE-POINT”« und die obere »BRITISH MADE«.

Brinco „Sharpe-Point”

Beim Messer fallen die Langlöcher und – wie schon bei den Schrauben – ihr Versatz auf.

Brinco „Sharpe-Point”

Der „Sharpe-Point” arbeitet gut, mit einer Spandicke von durchschnittlich 0,37 mm je­doch gefräßig. Der im Vergleich zu den bei anderen älteren Modellen genutzten Rändelschrau­ben flachere Kopf der Schlitzschrauben hat den Vorteil, dass die Späne besser abfließen können. – Der Spitzwinkel ist geringfügig kleiner als der der „Granate” von M+R.

Brinco „Sharpe-Point”

Test mit einem STAEDTLER Noris 120 (Zeder, alt)

Mich würde nicht wundern, wenn es noch weitere Varianten der Granate gäbe. – Interes­sant zu wissen wäre natürlich auch, ob diese Bauform jemals geschützt war und, falls ja, auf wen dieser Schutz eingetragen war.

Zur „Granate” siehe außerdem:

Granate 5

Sonntag, 22. April 2012

Die „Granate 5″ war die meines Wissens letzte Version vor der aktuellen und sowohl bei Möller & Breitscheid als auch bei Möbius+Ruppert1 im Programm.

Granate 5

Links: „Granate 5″ von Möller & Breitscheid, rechts: „Granate” (M+R 604) von Möbius+Ruppert

Angesichts der Kennzeichnungen „W.Z. № 507558″ an der Stiftöffnung, „MB” auf dem Messer und „Granate 5″ an der Spitze gehe ich davon aus, dass dieses Exemplar von Möller & Breitscheid2 aus Köln stammt.

Granate 5

Bei der Befestigung des Messers zeigen sich die größten konstruktiven Unterschiede. Sorg­ten früher zwei kurze Stifte für den Formschluss, so erledigt dies heute eine Vertiefung. Obendrein wurde die Rändel- durch eine Kreuzschlitzschraube ersetzt, wobei letztere eine größere Steigung hat. Es fällt zudem auf, dass die Stiftöffnung in der aktuellen „Granate” exzentrisch sitzt, vermutlich bedingt durch den Wunsch, das (0,5 mm längere) Messer kom­plett zu versenken und weder aufsitzen noch überstehen zu lassen. Die Länge des Spitzers wurde von 26,5 mm auf 24,8 mm verringert; der Durchmesser blieb bei 15 mm. Es war eine gute Entscheidung, die Rändelungen feiner und die Rillen zwischen ihnen schma­ler und flacher zu machen, denn dadurch wurde der Spitzer gefälliger. – Einen Unterschied im Spitzenwinkel konnte ich nicht feststellen.

Granate 5

Bei Gebrauch der „Granate 5″ überraschen zwei Dinge: Zum einem stauen sich die Späne3 hinter der Rändelschraube und zum andern ist die Geometrie nicht optimal – eine 0,6 mm dünne Minenspitze verlässt den Spitzer mit einem sprialförmigen Muster. Da diese Spitze selbst bei einem härteren Bleistift sofort abbricht, gehe ich davon aus, dass dies nicht be­absichtigt war.

Granate 5

Test mit einem STAEDTLER Noris 120 (Zeder, alt)

Trotz dieser Eigenheiten ist die „Granate 5″ im Gegensatz zu manch anderem historischen Spitzer auch heute noch zu gebrauchen.

Zur „Granate” siehe auch:

  1. Siehe das Modell 14/I von 1938 und die Präsentation auf der Paperworld 2012, die eine weit­gehend ähnliche Form (wenn auch mit anderer Schraube) zeigt.
  2. Wann dieses Unternehmen existiert hat und wie alt dieses Exemplar sein könnte, weiß ich nicht; bis jetzt konnte ich nur herausfinden, dass der Hersteller bis 1975 eingetragen war.
  3. Ein kurzer Test an einem STAEDTLER Noris 120 (Jelutong) hat gezeigt, dass der Span mit durchschnittlich 0,19 mm außergewöhnlich dünn, die „Granate 5″ also sehr sparsam ist.

W.Z. № 507558

Montag, 2. April 2012

Noch einmal die „Granate”, diesmal in einer alten, großen Ausführung für dickere Stifte und aus Magnesium.

W.Z. № 507558

Rechts die aktuelle „Granate” M+R 604

Dieses Modell ist 27 mm lang und 18 mm dick; es nimmt Stifte mit einem Durchmesser von bis zu 11 mm auf.

W.Z. № 507558

Zur Kennzeichnung „W.Z. № 507558″ konnte ich nur wenig herausfinden. „W.Z.” steht für „Warenzeichen” und geht zurück auf das 1936 eingeführte Warenzeichengesetz. Letzteres wurde 1995 durch das Markengesetz und so der Begriff des Warenzeichens durch den der Marke abgelöst; dabei ist auch die Nr. 507558 erloschen.

W.Z. № 507558

Diese WZ-Nummer findet sich jedoch auch in der „Kleinen Anspitzer-Fibel” von Leonhardt Dingwerth und dort in einer Anzeige aus dem Jahr 1940, mit der Möller & Breitscheid in Köln für den „Präzisions-Bleistiftspitzer Granate” warben. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der hier gezeigte Spitzer von diesem Anbieter stammt.

W.Z. № 507558

Im Gegensatz zur heute üblichen Befestigung mit einer Kreuzschlitzschraube sitzt hier das Messer auf zwei Stiften und wird von einer Rändelschraube gehalten. – Bei genauem Hin­schauen fällt übrigens auf, dass das Messer einen ganz leichten Hohlschliff hat (in den Fo­tos ist das leider nicht zu erkennen).

W.Z. № 507558

Ein kurzer Test an einem LYRA Super FERBY DUO zeigt, dass das Messer zwar recht stumpf ist, aber immer noch einigermaßen gut schneidet.

W.Z. № 507558

Ein interessanter Spitzer, zu dem es sicher noch mehr herauszufinden gibt!

Zur „Granate” siehe auch:

Modell 14/I

Freitag, 30. März 2012

Heute gibt's nur die Abbildung eines Spitzers, und zwar die der „Granate” (Messing, Modell 14/I), aus dem Katalog des Jahres 19381 von Möbius+Ruppert.

Modell 14/I

Als bekennender und ob des bevorstehenden Wochenendes gut gelaunter Typoholiker le­ge ich noch einen Schriftzug in der Futura mit flotter tz-Ligatur2 drauf.

Modell 14/I

Mehr mit und zur aktuellen „Granate”:

  1. Dieser Katalog zeigte auch eine Variante aus „Elektron-Metall”, also einer Legierung aus Magnesium und Aluminium (Modell 14/II).
  2. War hier schon einmal zu sehen, aber das macht nichts.

Schneidwerk

Donnerstag, 8. März 2012

Schneidwerk

Es ist schon bemerkenswert, was die „Granate” von Möbius+Ruppert aus dem schwarzen STAEDTLER WOPEX macht.


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