Holzbleistifte

Mars Black Lead Pencil

Zum Wochen­ende ein Blick auf ein altes Etui der J.S. STAEDTLER Mars Pen­cil Co.

Mars Black Lead Pencil

Das Etui ist recht auf­wän­dig gefer­tigt. Deckel und Boden ste­hen über, und die Schrift auf dem Deckel ist leicht erhaben.

Mars Black Lead Pencil

Sechs der ehe­mals zwölf Blei­stifte der Marke Mars 1225 im Här­te­grad B sind noch vorhan­den und bis auf leichte Alte­rungs­spu­ren wie Lack­ab­plat­zun­gen an den Enden sehr gut er­halten. Eine Auf­tei­lung mit Stoff­band zum Anhe­ben erleich­tert ihre Entnahme.

Mars Black Lead Pencil

Die Beschrif­tung des Etuis gefällt mir außer­or­dent­lich gut. Sie unter­schei­det sich deut­lich von den ande­ren his­to­ri­schen Pro­duk­ten von J.S. STAEDTLER, die ich bis jetzt sehen konnte, und so ver­mute ich, dass das Etui aus der 1922 gegrün­de­ten STAEDTLER-​Niederlassung in New York stammt. Die Blei­stifte selbst kom­men laut Auf­druck aus „Bava­ria”, also aus dem Werk in Nürnberg.

Mars Black Lead Pencil

Der Mars 1225 kam 1908 auf den Markt und wurde 1930 durch den Lumo­graph 2886 ab­gelöst; die­sem folgte 1967 der Lumo­graph 100. Damit könnte das Etui etwa 80 bis 90 Jah­re alt sein.

Mars Black Lead Pencil

Vie­len Dank an Sean von Con­trap­un­ta­lism für die­ses wun­der­schöne Etui!

Blue Zebrano

Heute ein kur­zer Blick auf den „Blue Zebrano”-Bleistift im Set „Les Cray­ons de la Mai­son Caran d’A­che” № 21. Doch warum aus­ge­rech­net auf diesen?

Blue Zebrano

(Bild zum Ver­grö­ßern anklicken)

Eine Beson­der­heit die­ses Blei­stifts ist sein Auf­bau, denn wäh­rend man übli­cher­weise nur ei­ne Sorte Holz ver­wen­det, hat man für den „Blue Zebrano” ver­schie­dene, nicht ein­ge­färbte Holz­sor­ten ver­leimt und aus die­sen Span­plat­ten die Blei­stifte pro­du­ziert2. An der dem Be­trachter zuge­wand­ten Flä­che des Blei­stifts erkennt man, wie dünn die Schich­ten sind; das lässt den hohen Auf­wand erah­nen. Sehr schön finde ich auch, wie die Far­ben am schrä­gen An­schnitt der Spitze zur Gel­tung kom­men. Ein beein­dru­cken­der Bleistift!

  1. Das Set № 1 gibt es hier und das Set № 4 hier zu sehen.
  2. Quelle: E‑Mail von Caran d’A­che.

G wie Gilbert

G wie Gilbert

Gut 60 Jahre alt ist diese ganz­sei­tige und in mei­nen Augen sehr geschmack­voll gestal­tete Anzeige von Gil­bert Blanzy-​Poure, die in der fran­zö­si­schen Zeit­schrift „Réa­li­tés” erschien. Bemer­kens­wert finde ich, dass man damals bis 10H, aber nur bis 6B ging. – Gil­bert wurde um 1830 gegrün­det. 1838 nannte man sich Gil­bert & Co. und 1921 Ser­ma­jor; 1939 schloss man sich mit Blanzy-​Poure zusam­men und fir­mierte unter Gil­bert Blanzy-​Poure. Als Conté das Unter­neh­men 1960 kaufte, erfolgte die Umbe­nen­nung zu Blanzy-​Conté-​Gilbert; 1979 kam die Über­nahme durch BIC. An den Ursprung erin­nert der Blei­stift „Gil­bert”, und der in die­ser Anzeige bewor­bene und erst­mals 1939 ange­bo­tene Fall­mi­nen­stift „Cri­te­rium” ist eben­falls noch im Sor­ti­ment. – Eine wei­tere Anzeige von Gil­bert Blanzy-​Poure gibt es hier.

Die Lärche

Bei dem Blei­stift, den ich heute vor­stel­len möchte, denke ich immer an etwas völ­lig anderes.

Die Lärche

Die Lärche

Die Lärche

Die Lärche

Nach­dem uns Mon­thy Python’s Fly­ing Cir­cus gezeigt hat, wie man ver­schie­dene Arten von Bäu­men (hier: die Lär­che) aus ziem­lich gro­ßer Ent­fer­nung erkennt1, wol­len wir nun aus nächs­ter Nähe auf den Bei­stift schauen.

Die Lärche

Zur Erhal­tung der tra­di­tio­nel­len Kul­tur im Schwei­zer Lötschen­tal, etwa 200 km süd­süd­öst­lich von Bern, wurde 1997 die gemein­nüt­zige Stif­tung Blat­ten Lötschen­tal gegrün­det. Im Mit­tel­punkt der Pro­jekte stand die Reno­vie­rung alter Häu­ser, Scheu­nen und Ställe, die aus dem Lärchen- und Tan­nen­holz des Tals gebaut wur­den. Aus Res­ten des dabei anfal­len­den alten Lär­chen­hol­zes hat Caran d’A­che vor gut zehn Jah­ren2 Blei­stifte und Schreib­sets gefertigt.

Die Lärche

Der klar­la­ckierte Stift hat Stan­dard­maße und mit knapp 4,5 g das Gewicht eines typi­schen aktu­el­len Blei­stifts; ein gold­far­be­ner Prä­ge­ring und eine schwarze Tauch­kappe zie­ren sein Ende. Der Prä­ge­druck auf der einen der sechs Flä­chen nennt den Her­stel­ler und das Her­kunfts­land, doch zum Hin­ter­grund der Sala­man­der (wenn es denn wel­che sind) kann ich lei­der nichts sagen.

Die Lärche

Der gegen­über­lie­gende Prä­ge­druck macht Anga­ben zum ver­wen­de­ten Holz; eine Blind­prä­gung konnte ich nicht fin­den. – Die Ver­ar­bei­tung ist gut, auch wenn die Ober­flä­che etwas glat­ter sein könnte. Die klei­nen Schä­den führe ich auf die Vor­ge­schichte des Stif­tes zurück, denn er war nicht mehr ganz neu, als ich ihn bekom­men habe.

Die Lärche

Die kräf­tige Mase­rung und die Gestal­tung des Blei­stifts gefal­len mir sehr gut, aber seine Mine, die ich als gering­fü­gig här­ter emp­finde als die des STAEDTLER Mars Lumo­graph 100 H, wäre mir für den All­tag zu hart. – Obi­ges Foto zeigt die werk­sei­tige Spitze. Den Stift anzu­spit­zen konnte ich noch nicht übers Herz brin­gen, ist die­ses doch mein ein­zi­ges Exem­plar (und der Blei­stift schon lange nicht mehr erhältlich).

Die Lärche

In den ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­ten hat Caran d’A­che mehr als 20 Höl­zer auf ihre Eig­nung als Blei­stift­holz geprüft3. Beein­dru­ckende Erfolge die­ser Bemü­hun­gen waren u. a. die bei­den Sets „Les Cray­ons de la Mai­son Caran d’A­che”, der 348 aus Jura-​Buche und der gezeigte Stift.

Vie­len Dank an Herrn Fischer für die­sen beson­de­ren Bleistift!

  1. Monty Python’s Fly­ing Cir­cus, Staf­fel 1, Epi­sode 1: How to Reco­g­nise Dif­fe­rent Types of Trees From Quite a Long Way Away; auf­ge­zeich­net am 14.9.69, gesen­det am 19.10.69.
  2. Diese Zahl habe ich von einem Mit­ar­bei­ter am Stand des Her­stel­lers auf der dies­jäh­ri­gen Paper­world.
  3. Quelle: „Hêtre ou ne pas être, le défi de Caran d’A­che”, Bilan, 12.3.13.

Weltspartag 1968

Der Welt­spar­tag 1968 ist seit 45 Jah­ren vor­bei, doch min­des­tens einen der Blei­stifte, mit denen die Frank­fur­ter Spar­kasse von 1822 damals gewor­ben hat, gibt es noch.

Weltspartag 1968

Weltspartag 1968

Weltspartag 1968

Reste der Prä­gung wei­sen den drei­flä­chi­gen Stift als ein Pro­dukt von Faber-​Castell aus; zu erken­nen ist auch das „SV”, mit dem das Secu­ral­ver­fah­ren bewor­ben wurde. – Was man so alles beim Wüh­len findet …

Caran d’Ache 348

Neu von Caran d’A­che1: Der Blei­stift 348 mit einem Schaft aus Schwei­zer Buchenholz.

Caran d'Ache 348

Der Caran d’A­che 348 beein­druckt schon beim Anfas­sen, denn mit sei­nem Durch­mes­ser von etwa 8,2 mm (Schlüs­sel­weite 7,5 mm) ist er spür­bar dicker als ein Stan­dard­blei­stift und mit 6,4 Gramm fast dop­pelt so schwer wie die­ser. Die Gestal­tung halte ich für sehr gelun­gen, denn der weiße Prä­ge­druck macht sich auf dem dunk­len, klar­la­ckier­ten Schaft sehr gut, ebenso die rote Tauchkappe. 

Caran d'Ache 348

Weni­ger schön sind der Strich­code und die GTIN, doch um das Anbrin­gen die­ser Daten kommt heute wohl kein inter­na­tio­nal täti­ger Her­stel­ler mehr herum. (Kleine Anmer­kung am Rande: Einige frü­here Blei­stifte von Caran d’A­che tru­gen diese Kenn­zeich­nung nicht auf dem Schaft, son­dern auf einem kur­zen Stück Schrumpf­fo­lie. Dachte ich bis­her, dass man diese Vari­ante aus ästhe­ti­schen Grün­den gewählt hatte, so wurde ich kürz­lich eines Bes­se­ren belehrt – die Folie war nur eine Not­lö­sung, da es damals nicht gelang, den Code in zuver­läs­sig les­ba­rer Form auf­zu­brin­gen.) Neben dem Strich­code fin­det sich eine fünf­stel­lige Blindprägung.

Caran d'Ache 348

Abge­se­hen von der Druck­qua­li­tät des Strich­codes ist die Ver­ar­bei­tung her­vor­ra­gend. Die Ober­flä­che ist glatt und makel­los und die Tauch­kappe auch an den Kan­ten gut deckend (ver­mut­lich hat man zwei­mal getaucht, um das Aus­dün­nen der Farbe an den Kan­ten aus­zu­glei­chen). Das Kreuz ist mit­tig, gleich­mä­ßig gefüllt und mit sau­be­ren Kon­tu­ren, und wenn man genau hin­schaut, sieht man eine wei­tere Schicht Klar­lack, die Kappe und Kreuz über­zieht und einen hal­ben Mil­li­me­ter auf den Schaft reicht.

Caran d'Ache 348

Das sehr schön gema­serte Holz gibt mir Rät­sel auf. Die Fär­bung lässt mich eine Imprä­gnie­rung ver­mu­ten, die mög­li­cher­weise auch der Schnit­tig­keit zugu­te­kommt, und das inten­sive Aroma des Blei­stifts über­rascht – es erin­nert an Maggi-​Würze. (Ja, ich rie­che tat­säch­lich an Blei­stif­ten und finde inter­es­sant, was es dabei zu ent­de­cken gibt.)

Caran d'Ache 348

Die 2,3 mm (!) starke Mine, deren Här­te­grad ich als etwas wei­cher emp­finde als den des STAEDTLER Mars Lumo­graph HB, sitzt mit­tig2 und gut ver­leimt im Holz. Sie ist sehr bruch­sta­bil, glei­tet ange­nehm leicht über das Papier und hat eine spar­same und außer­or­dent­lich sau­bere Abgabe. Schwär­zung und Wisch­fes­tig­keit las­sen keine Wün­sche offen, und auch die Radier­bar­keit ist per­fekt – ein guter Radie­rer3 ent­fernt den Abstrich nahezu rückstandsfrei.

Caran d'Ache 348

Hin­ten ein hand­ge­fer­tig­tes Etui für den Janus 4048.

Im Kur­bel­spit­zer Carl Decade DE-​100 macht der 348 eine gute Figur, ja sogar im Faber-​Castell Janus 40484. Es fällt jedoch auf, dass Frä­ser und Mes­ser etwas mehr zu tun haben. Beim genauen Blick kann man glatte, glän­zende Stel­len im Holz erken­nen; ich nehme an, dass das Holz dort dich­ter ist (Jah­res­ringe?) und sich daher schwe­rer spit­zen lässt.

Caran d'Ache 348

Die Schä­den am Klar­lack stam­men vom Janus 4048, des­sen Ein­lass nicht für Stifte mit die­sem Durch­mes­ser aus­ge­legt ist. – Denkt bei die­sen Far­ben noch jemand außer mir an Schokolade?

Bis jetzt weiß ich nicht, ob es wei­tere Vari­an­ten die­ses Blei­stifts gibt oder er viel­leicht sogar zu einem Set gehört; auch kenne ich den Preis noch nicht. Gut mög­lich, dass er den glei­chen Ursprung hat wie die Cray­ons de la Mai­son Caran d’A­che (von denen es inzwi­schen übri­gens das zweite Set gibt).

Fazit: Der Caran d’A­che 348 ist ein außer­ge­wöhn­li­cher Blei­stift und sehr empfehlenswert.

Vie­len Dank an Heiko für das Muster!

Nach­trag vom 30.9.13: Von Caran d’A­che konnte ich heute erfah­ren, dass das Aroma vom ver­wen­de­ten Buchen­holz stammt, das in Glove­lier (Schwei­zer Jura) seine Wur­zeln hat.

Nach­trag vom 17.2.21: Laut „Die Caran d’A­che Saga – Von Genf in die Welt” von Ralph Brüh­wi­ler hat Caran d’A­che damals bei der Höhe­ren Fach­schule für Holz in Biel eine Stu­die beauf­tragt und basie­rend auf die­ser nach geeig­ne­tem Buchen­holz gesucht. Fün­dig wurde man schließ­lich in einem FSC-​zertifizierten Wald, der zum klei­nen Ort Glove­lier im Jura gehört. Aus den dort geschla­ge­nen Rot­bu­chen (Fagus syl­va­tica) wur­den in einem Par­kett­un­ter­neh­men in Breu­leux die 5 mm dicken Brett­chen für den 348 geschnit­ten und diese in einem Säge­werk in Glove­lier unter Vakuum gesetzt und mit Dampf erhitzt. – Wie ich spä­ter erfah­ren habe, han­delt es sich bei dem Säge­werk, bei dem die Ther­m­obe­hand­lung ver­ge­nom­men wurde, um die Ets Röth­lis­ber­ger SA5, und auf meine Anfrage teilte mir das Unter­neh­men damals mit, dass diese Behand­lung des Hol­zes zu der dun­kel­brau­nen Fär­bung führt. Zudem sagte mir ein Holz­fach­mann, dass bei den Tem­pe­ra­tu­ren die­ser Behand­lung (150 bis 200 °C) das Lignin frei­ge­setzt würde; daher das Aroma die­ses Bleistifts.

  1. Die offi­zi­elle Schreib­weise ist „CARAN d’A­CHE”, doch zur bes­se­ren Les­bar­keit halte ich mich an „Caran d’A­che”.
  2. Ich erwähne das, weil ich mit zwei Blei­stif­ten von Caran d’A­che andere Erfah­run­gen machen musste.
  3. Ich benutze zur­zeit einen Tree’s Air-​in Soft von Plus.
  4. Die Geo­me­trie des Janus 4048 legt Schwä­chen in Holz und Mine meist schnell offen, und so eig­net sich die­ser Spit­zer auch als Test­ge­rät.
  5. Auf die Ets Röth­lis­ber­ger SA auf­merk­sam gewor­den bin ich durch das inter­es­sante Web­log Golyó­stoll blog.
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