Museum

Veranschaulichung

Mit zwei bemer­kens­wer­ten Ver­an­schau­li­chun­gen war­tete Franz Maria Feld­haus in sei­ner zwölf­sei­ti­gen Schrift „Der Blei­stift“ aus dem Jahr 1922 auf.

Veranschaulichung

(zum Ver­grö­ßern anklicken)

Acht Züge mit je fünf­und­zwan­zig Wag­gons, davon vier mit Holz und vier mit Kohle, zei­gen den dama­li­gen Jah­res­ver­brauch von J.S. STAEDTLER für die Blei­stift­pro­duk­tion. Noch beein­druckender indes ist fol­gende Abbildung:

Veranschaulichung

Würde man alle damals von STAEDTLER pro Jahr gefer­tig­ten Stifte – etwa 65.000.000 Stück – anein­an­der­rei­hen, so käme man auf 11.375.000 Meter (zum Ver­gleich: Die Erd­achse ist 12.712.000 Meter lang).

„Normal – Color – Steno“

Gut 40 Jahre alt ist die­ser Dreifach-​Behälterspitzer von Möbius+Ruppert1.

„Normal – Color – Steno”

„Normal – Color – Steno”

Er ist etwa 50 × 35 × 20 mm groß und aus Kunst­stoff gefer­tigt; sein Magnesium-​Einsatzspitzer wird durch Press­pas­sung gehal­ten. Die drei Stift­ein­lässe haben einen Durch­mes­ser von 8 mm. – Der trans­pa­rente Deckel sitzt nicht mehr fest, doch das führe ich auf das Alter des Spit­zers zurück, und so emp­finde ich die Verarbeitungs- und die Mate­ri­al­qua­li­tät als sehr gut.

„Normal – Color – Steno”

Die Kenn­zeich­nung ist knapp. Neben „NORMAL“, „COLOR“ und „STENO“ sowie den drei Pfei­len trägt der Spit­zer das 1972 ein­ge­tra­gene und bis 1992 genutzte Logo von Möbius+Ruppert. Es hatte zwi­schen M und R zwei Geo­drei­ecke und ein Spitz­loch, wobei letz­te­res zuwei­len für ein „O“ gehal­ten und das Logo dann als „MOR“ gele­sen wurde.

„Normal – Color – Steno”

Es ist eine Freude, die­sen Spit­zer zu benut­zen. Die Mes­ser schnei­den sehr gut und die Schnitt­flä­chen sind sau­ber; von ande­rem Spit­zern bekannte Auf­fäl­lig­kei­ten wie das Wackeln des Ein­satz­spit­zers oder ein Quiet­schen konnte ich nicht fest­stel­len. Die Spit­zen sind bei mei­nen zahl­rei­chen Tests mit Exem­pla­ren des STAEDTLER Noris 120 aus den 1990er Jah­ren (Zeder) nicht abge­bro­chen. Die Span­di­cke liegt bei durch­schnitt­lich 0,25 mm2, womit der Spit­zer noch als spar­sam durchgeht.

„Normal – Color – Steno”

Von links: Nor­mal, Color, Steno

Die Spitz­win­kel betra­gen 22° (Nor­mal), 33° (Color) und 21° (Steno). Letz­te­rer lässt sich nicht ein­deu­tig bestim­men, da sich an der Spitze ein klei­ner und sicher unge­woll­ter Zap­fen bil­det. – Zum Ver­gleich: Der M+R 604 („Gra­nate”) schnei­det einen Win­kel von 22° und der Kur­bel­spit­zer CARL Decade DE-​100 einen von 18° (auch die­ser gilt nur nähe­rungs­weise, da die Spitze leicht kon­kav ist).

„Normal – Color – Steno”

Von links: M+R 604, CARL Decade DE-​100, M+R 3-​fach Steno

Danke an Möbius+Ruppert für die Leihgabe!

  1. Die Typen­be­zeich­nung rei­che ich nach.↩
  2. Nor­mal: 0,20 mm; Color: 0,30 mm; Steno: 0,26 mm.↩

Kurz notiert

  • Wer an alten Schreib­wa­ren und Büro­u­ten­si­lien Gefal­len fin­det, wird auch an den Fotos von @nrpq Freude haben. – Danke an Sola für den Hinweis!
  • Eine bemer­kens­werte Kom­bi­na­tion aus Hand- und Kur­bel­spit­zer ist der CARL CPS-​80.
  • Den Druck­blei­stift Pen­tel orenz, inzwi­schen in 0,2 und 0,3 mm erhält­lich, wird ab dem 26. Januar auch mit Metall­griff angeboten.
  • Von Mitsubishi/​uni Japan gibt es ab dem 25. Januar anläss­lich des 130-​jährigen Fir­men­ju­bi­lä­ums drei limi­tierte Bleistift-​Jubiläumssets, und zwar eines mit dem uni und zwei mit dem Hi-​uni; alle ent­hal­ten ein Notizbuch.

J.S. STAEDTLER 1919 (11)

Eine halbe Seite des Kata­logs von J.S. STAEDTLER aus dem Jahr 1919 wid­mete sich ausführ­lich dem Bleistiftspitzer.

J.S. STAEDTLER 1919 (11)

(zum Ver­grö­ßern anklicken)

Für mich ist diese wer­bende Ver­brau­cher­infor­ma­tion aus meh­re­ren Grün­den inter­es­sant. Das erwähnte teure ame­ri­ka­ni­sche Zedern­holz war die Vir­gi­ni­sche Blei­stiftzeder (Juni­pe­rus vir­gi­niana). Nicht lange vor Erschei­nen des Kata­logs wurde es knapp, und man stieg auf die Kali­for­ni­sche Weihrauch-​Zeder (Calo­cedrus decur­rens, auch Bleistift-​Zeder) um.

J.S. STAEDTLER 1919 (11)

Bemer­kens­wert ist auch, wie detail­liert man auf den Blei­stift­spit­zer sowie des­sen Qualitäts­merkmale und Gebrauch ein­ging; die nicht­pro­por­tio­nale Dar­stel­lung des Spit­zers könnte man fast als visu­elle Ent­spre­chung der sprach­li­chen Beto­nung sehen.

J.S. STAEDTLER 1919 (11)

Die hier ver­wen­de­ten Schrif­ten sind die Beh­rens Anti­qua von Peter Beh­rens (Men­gen­satz) und die Fette Bernhard-​Antiqua von Lucian Bern­hard („Blei­stift­spit­zer”).

← „Vorwärts“-Zeichenstift | J.S. STAEDTLER 1919 | Blei­stift „Nor­mal“ →

Das Rätsel der Sphinx-Reißzwecke

Zu den all­täg­li­chen Din­gen, die mich schon lange inter­es­sie­ren, gehört die Reiß­zwe­cke, und so helfe ich auch gerne bei der Suche nach dem Ursprung des Modells SPHINX, das mei­nem Leser Michael Ponstingl auf einem Foto auf­ge­fal­len ist.

Das Rätsel der Sphinx-Reißzwecke

Das Foto wurde zwi­schen 1890 und 1903 in Wien auf­ge­nom­men. Der Gedanke, dass diese Reiß­zwe­cke von der 1888 in Wien gegrün­de­ten Firma Hein­rich Sachs (heute SAX, Teil von Bre­villier Urban & Sachs GmbH & Co. KG) stammt, liegt nahe, doch das Unter­neh­men hat mir mit­ge­teilt, dass man die SPHINX-​Reißzwecke nicht gefer­tigt hat.

Wer weiß mehr?

Nach oben scrollen