Archiv des Stichworts „Spitzer”

 Ältere Beiträge

„Dieser kleine niedliche Apparat”

Samstag, 18. Februar 2017

Schon einmal habe ich vermutet, dass die Erfindung des kegelförmig gebohrten Bleistift­spitzers dem Londoner Ableger der französischen Firma A. Marion & Co. gebührt, konnte aber keine verlässlichen Informationen finden – bis heute, als ich im Polytechnischen Jour­nal gestöbert und einen Beitrag aus dem Schweizerischen Gewerbeblatt des Jahres 1852 gefunden habe: „Vorrichtung zum Spitzen von Bleistiften, von Marion in London.”

Dieser kleine niedliche Apparat, für England registrirt, ist, wie mehrmonatlicher Gebrauch beweist, sehr gut geeignet, um eine immer gleichmäßige Zuschärfung des Holzes und Graphitstiftes, eine feine runde Spitze des letztern zu erhalten, und sehr angenehm im Gebrauch, weil die Finger von anhängendem Graphit­staub nicht beschmutzt werden.

„Dieser kleine niedliche Apparat”

a ist ein kurzer Elfenbeingriff mit Messingzwinge und an der Spitze mit Schraube zum Einsetzen und Abnehmen von b;

b ein massives Stück Messing, am vordern Theil höher und breiter als hinten. Darin ist c eine conisch zulaufende Höhlung angebracht. Diese hat einen Schlitz gegen die Seite d ihrer ganzen Länge nach;

d, d ein Stahlplättchen mit einer Schneide, die in dem hohlen Conus c liegt und wie ein Hobeleisen dienen muß. Dieses linealartige Stahlstück wird auf dem Messingstück b und zwar auf der rechten schrägen Seite f desselben mit der Schraube e, welche durch einen Schlitz in d geht, festgehalten, so daß aber der Schlitz verschiedene Stellungen von d, ein tieferes oder weniger tiefes Eingreifen in den Conus c möglich macht.

g, g sind zwei kleine Schräubchen, durch zwei Ansätze von b hindurchgehend, und dazu bestimmt, das Lineal d mehr am weitern oder am engern Theil des Kegels c einzuschieben, um es mehr auf den Stift oder das Holz wirken zu lassen.

h eine gegenüberliegende Schraube, welche das in b an einem durchbohrten Ansatz eingeschobene Stäbchen i festzuhalten bestimmt ist. An i sind die Flügel k, k, die verschiedene Stellungen zulassen, und dazu dienen, die Achse des Bleistiftes centrisch gegen den Conus zu stellen. Beim Gebrauch wird, wie es sich von selbst versteht, der Bleistift durch k in c eingeschoben, in der Richtung des Pfeiles mit der einen Hand gedreht, während die andere das Stäbchen a faßt.1

Damit dürfte belegt sein, dass die Urform des heutigen Handspitzers vor 165 Jahren in die Welt kam.

Und wie steht es dann um die oft anzutreffende Behauptung, Theo­dor Paul Möbius habe 1908 den kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzer erfunden? Was zunächst wie ein Wider­spruch zu Obigem klingt, muss keiner sein, denn in der Beschreibung der Erfindung von A. Marion & Co. ist zwar von einem Konus, nicht aber von Bohren die Rede. Es kann außerdem möglich sein, dass sich Möbius' Erfindung auf die industrielle Fertigung der Spitzer bezog (Marions Apparat wurde wohl nicht in Serie hergestellt). Doch das sind nur Vermutungen, und so sind weitere Recherchen sicher spannend!

  1. Textquelle: Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (CC-BY-NC-SA 3.0), Bildquelle: SLUB Dresden (CC-BY-NC-ND 3.0).

Ein besonderer Pollux

Montag, 30. Januar 2017

Beim bewundernden Blick auf die von Joshua Thacker gravierte „Granate” dachte ich: Wie wäre es mit der Gravur eines Pollux? Es stellte sich heraus, dass Joshua von dieser Idee ebenso angetan war wie ich, und so dauerte es nicht lange, bis er mir den ersten Entwurf des Designs zeigte. Als das Stück schließlich eintraf, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Ein besonderer Pollux

Bei der Gestaltung hat sich Joshua an Art Deco orientiert, und so ziert die Enden des Spit­zers ein für diesen Stil typisches Muster, das an Sonnenstrahlen erinnert.

Ein besonderer Pollux

Die Bleistiftspitzen finde ich besonders pfiffig: Durch die Bauform des Pollux bekommen sie die konkave Form, die der Spitzer schneidet. Zudem wechseln sich runde und hexagonale Bleistifte ab.

Ein besonderer Pollux

Der Spitzer ist ein Unikat; Joshua sagte mir, dass es keinen zweiten mit diesem Design ge­ben würde.

Ein besonderer Pollux

Bezahlt habe ich den – wie ich finde – sehr moderaten Preis von 53 Euro inklusive Versand und ohne Spitzer.

Vielen Dank an Joshua Thacker für dieses Kunstwerk!

Durchsage

Donnerstag, 24. November 2016

Ab sofort sind der Pollux von Möbius+Ruppert und Ersatzmesser beim Papierlabor erhältlich. Der Spitzer kostet 23,50 Euro und das 3er-Set Messer 8,50 Euro; hinzu kommen die Ver­sandkosten.

Der Pollux im Papierlabor

Der Klick aufs Bild führt zum Angebot. – Nein, ich bekomme keine Provision.

M+R Minofix

Samstag, 5. November 2016

Schon eine Weile im Programm des Erlanger Herstellers Möbius+Ruppert ist der Minen­spitzer Minofix.

M+R Minofix

Der aus Messing1 gefertigte und bemerkenswert ausführlich gekennzeichnete Spitzer hat die klassische Blockform und zwei gegenüberliegende Messer, mit denen er 2 und 3,2 mm dicke Minen in Form bringt.

M+R Minofix

Die Messer haben das Standardformat, so dass Ersatz leicht zu bekommen ist.

M+R Minofix

Mit dem Koh-I-Noor 5616 (links) und dem neuen STAEDTLER Mars technico 780C

Das Spitzen fällt leicht und das Spitzergebnis sehr gut aus – die Minenführung mit nur minimalem Spiel ist sehr gut, die Oberfläche sauber und die Spitze nadelfein.

M+R Minofix

Für die Detailverliebten: Der Spitzenwinkel beträgt 23° bei 2 mm und 31° bei 3,2 mm. – Der Minofix hat die Artikelnummer 0614; den Ladenpreis reiche ich nach.

Danke an Möbius+Ruppert für das Muster!

  1. Der Minofix ist meines Wissens der einzige Messing-Minenspitzer aus aktueller Produktion.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Samstag, 22. Oktober 2016

Es begann mit Schlüsseln. Joshua Thacker, Künstler und Juwelier aus Kentucky, USA, ver­zierte erst seine Schlüssel, dann die einiger Freunde mit Gravuren; später folgten viele Auftragsarbeiten. Manche dieser Schlüssel öffneten kein Schloss, hatten aber einen sym­bolischen Wert und erfreuten auch diejenigen, die sich ansonsten nichts aus Schmuck machen. Der Autodidakt liebt es zudem, Alltagsgegenstände in außergewöhnliche Stücke zu verwandeln, und widmete sich kürzlich dem als „Granate” bekannten Spitzerklassiker von Möbius+Ruppert.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Er findet, dass Bleistiftspitzer zu den Gegenständen gehören, die aufgrund ihrer Funktion und dessen, was sie für Künstler und Kunsthandwerker bedeuten, nicht nur Werkzeug, sondern auch Leinwand sein können. Dieser kleine, nüchterne Gegenstand, so Joshua Thacker weiter, ging vielen schönen Meisterwerke und großen Leistungen der Menschheit voraus, so dass er eine besondere Bearbeitung in jeder Form verdient.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Der Künstler, der sich von den unterschiedlichsten Dingen in seinem Umfeld inspirieren lässt, arbeitet in verschiedenen Stilen, bevorzugt aber Steampunk, Art Deco und Industrial. Seine Werke bietet er auf Etsy an; Sonderwünschen gegenüber ist er aufgeschlossen.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Die gravierte „Granate” wird auf Kundenwunsch angefertigt (die hier gezeigte gehört dem Künstler) und kann mit zwei oder drei Buchstaben personalisiert werden. Das Werk kostet umgerechnet etwa 54 Euro inklusive Spitzer plus Versand; günstigere Varianten mit weni­ger Gravur sind in Planung.

Ein außergewöhnlicher Spitzer

Die Arbeit und die Gedanken des Künstlers gefallen mir sehr gut, und so habe ich bereits die Gravur eines Pollux in Auftrag gegeben.

Vielen Dank an Joshua Thacker für die Fotos!

Kurz notiert

Samstag, 15. Oktober 2016
  • Wer 620 Schweizer Franken loswerden und dafür einen Spitzer haben möchte, wird bei Hieronymus fündig. – Danke an Frau Fischer für den Hinweis auf dieses bemerkens­werte Produkt!
  • Zum Monatswechsel erschien bei Prestel das Buch „Schreibwaren”; es enthält auch einen Beitrag von mir. – Eine englische Ausgabe („Stationery Fever”) ist ebenfalls erhältlich.
    Schreibwaren (Prestel)
  • Aus der Reihe „Tools of the Trade” des NPR: „Trace The Remarkable History Of The Humble Pencil”. – Danke an Andreas Weinberger und Sean für den Hinweis!
  • Ein Rückblick auf die Bleistiftfertigung von Eberhard Faber in New York: „New York Today: Our Past in Pencils”. – Danke an Michael Leddy für den Hinweis!
  • Am vergangenen Samstag war ich einen halben Tag auf der Insights X in Nürnberg, der noch recht neuen1 PBS2-Messe in Nürnberg; man hatte mich zu einem Blogger-Treffen eingeladen. Besonders gefreut hat mich das Treffen mit Matthias, mit dem ich seit 2009 in Kontakt stehe, und seiner Familie. Die Zeit war knapp, und wie erwartet habe ich mich hauptsächlich am Stand von STAEDTLER aufgehalten.
    Insights X
    Ob es zur Insights X einem Blog-Beitrag geben wird, kann ich noch nicht sagen.
  1. Sie fand erstmals 2015 statt.
  2. Papier, Büro, Schreibwaren.

Kurz notiert

Dienstag, 19. Juli 2016
  • Bereits vor einigen Monaten ist STAEDTLER bei den ergosoft-Stiften (Mars, Noris und einige Farbstifte) von imprägnierter Linde aus Ostasien (unten) auf unbehandelte Linde aus Europa (oben) umgestiegen.
    Staedtler Noris ergosoft
    Manche Händler haben noch beide Varianten. – Danke an STAEDTLER für die Details zum Holz!
  • Bei Espacenet fiel mir die Patentschrift für ein „Pencil Sharpening Footwear Device” auf.
    Pencil Sharpening Footwear Device
    Die Idee von Maritza H. Broche aus Tampa, Florida (USA) soll die Verfügbarkeit eines Bleistiftspitzers erleichtern, in dem dieser in der Schuhsohle untergebracht wird. Dabei nimmt die Öffnung in der Sohle nicht nur den Spitzer auf, sondern auch einen Radierer; letzterer muss entnommen werden, um den Spitzabfall zu entfernen. Eine ungewöhn­liche Idee!

Die perfekte Kombination

Montag, 18. Juli 2016

Die perfekte Kombination

STAEDTLER Mars Lumograph 100 B und Möbius+Ruppert Pollux

 1 2 3 4 5 ...16 17 18 Nächste

Diese Website nutzt Cookies. Wenn Sie weiter auf dieser Seite bleiben, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie zu, diese Cookies zu verwenden. Mehr Informationen erhalten Sie im Datenschutzhinweis.
OK