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Giachino, Joseph W.; Beukema, Henry J.: Engineering Technical Drafting and Graphics. Chicago: American Technical Society, 3. Auflage 1972.
Giachino, Joseph W.; Beukema, Henry J.: Engineering Technical Drafting and Graphics. Chicago: American Technical Society, 3. Auflage 1972.
Auf der Rückseite einer 14 × 22,5 cm großen Rechnung vom Oktober des Jahres 1927: Eine farbenprächtige Reklame für Stifte von A.W. Faber.
Als man im amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) mehr Gefangene machte als man unterbringen konnte, trieb man sie auf freiem Feld zusammen und zog eine in die Erde geritzte Linie um sie. Die Bewacher postierte man so, dass sie die Linie im Blick hatten, und wer sie überschritt, wurde erschossen. Diese „deadline”, also Todeslinie, ist als Begriff seit 1864 in den Kongress-Akten verbürgt1. Später hat sie es nicht nur vom Raum in die Zeit und als Synonym für den allerletzten Termin auch in die deutsche Sprache geschafft, sondern sogar auf einen Bleistift von J.S. STAEDTLER, Inc., USA.
Der runde, im Dutzend mit einer Karton-Banderole verpackte „Deadline” ist gelborange lackiert; sein Alter schätze ich auf etwa 70 Jahre2. Alle Stifte sind noch gerade und bis auf kleine, vermutlich durch die Lagerung und den Transport bedingte Schäden sehr gut erhalten.
Die schwarze Bedruckung spricht mich sehr an, beschränkt sie sich doch auf das Wesentliche und ist typografisch gelungen. Es fällt auf, dass der „Deadline” entgegen dem heute Üblichen eine sogenannte Linkshänderbeschriftung3 hat, seine Schrift also zur Spitze läuft. Die Angabe des Härtegrads fehlt, und auch eine Blindprägung gibt es nicht.
Der Viertelmond ist natürlich mit von der Partie.
Der in den USA hergestellte „Deadline” ist nicht werkseitig gespitzt. Die Schnittflächen wurden von dem in der Fertigung übergetretenen Lack gesäubert und geben den Blick auf die bei allen Exemplaren zentrisch sitzende Mine frei.
Die Mine des 7,8 mm dicken Stifts ist beeindruckende 3,8 mm stark und damit fast doppelt so dick wie die der meisten heutigen Bleistifte. Dies lässt vermuten, dass man eine besondere Zielgruppe ansprechen wollte; interessant zu wissen wäre, welcher Einsatzzweck beworben wurde und warum man den Namen „Deadline” gewählt hat.
Beim Spitzen (hier mit dem Kurbelspitzer Carl Decade DE-100) zeigt sich, dass der Lack mindestens dreimal aufgetragen wurde. Zudem ist eine Rotfärbung an der Verleimung zu sehen, die jedoch keinen Einfluss auf den Halt der Mine hat. Farbe und Maserung des Holzes sprechen für Zeder. – Die bruchstabile Mine, die ich als so weich empfinde wie die des STAEDTLER Mars Lumograph 2B, schreibt recht leicht, vergleichsweise sparsam und mit sehr sauberer Abgabe, aber ein bisschen wachsig. Ihr Abstrich schwärzt gut, ist mäßig wischfest, glänzt geringfügig weniger als der des Lumograph 2B und lässt sich selbst bei festem Andruck noch gut radieren4. Da der „Deadline” beim Schreiben ein klein wenig am Papier haftet, halte ich es für möglich, dass seine Minenmischung Ruß enthält5.
Die Rückseite der Banderole hat leider einen Preisabriss.
Auch im Gebrauch bemerkt man die hohe Material- und Verarbeitungsqualität des „Deadline”, und so freue ich mich über diesen besonderen Fund6.
Von Tajima aus Japan kommt ein besonderer Bleistift.
Die Gestaltung des einzeln und im Sechserpack, aber nur in HB und 4H erhältlichen Stifts beeindruckt mich. Der dicke, schwarze Lack ist sehr glatt und gibt einen perfekten Untergrund für den goldfarbenen Ring und den ebensolchen Prägedruck ab. Passend dazu verschließt eine lange, mattgoldene Tauchkappe mit schwarzem Aufdruck das Stiftende; wenn ich richtig sehe, sitzt unter dem Lack eine abgerundete Kunststoffkappe. Mit einem Durchmesser von 8 mm (Schlüsselweite 7,2 mm) ist er geringfügig dicker als die meisten aktuellen Bleistifte, was den hochwertigen Eindruck noch verstärkt.
Die Bedruckung nennt u. a. den angestrebten Verwendungszweck: „Marking for Construction and Fine Drawing”, heißt es dort, und 建築用すみつ鉛筆 (etwa „Markier-Bleistift für die [Zimmermanns-]Konstruktion”). Neben dem Härtegrad HB steht タイプ (taipu, etwa „Sorte”) und gegenüber ふつう (futsuu, etwa „normal”)1; nahe dem zu spitzenden Ende findet sich eine mit sieben Stellen ungewöhnlich lange alphanumerische Blindprägung. – Auf einen Strichcode hat man erfreulicherweise verzichtet.
Das Spitzen mit dem zuweilen kritischen Janus 4048 von Faber-Castell fällt leicht und zeigt die sehr gute Verleimung von Zedernholz und Mine. Die 2 mm dicke, glatt schreibende Mine ist ungefähr so hart wie die des STAEDTLER Noris 120 B, aber etwas bruchstabiler und hat eine saubere, gut schwärzende Abgabe. Ihre hervorragende Radierbarkeit geht jedoch auf Kosten der Wischfestigkeit.
Gespitzt mit dem Faber-Castell Janus 4048.
Während die Mess- und Werkzeuge von Tajima aus eigener Fertigung stammen, wird dieser Bleistift (ebenso wie der rote Farbstift und der Fallminenstift) zugekauft; mit dem Zulieferer hat Tajima eine sehr gute Wahl getroffen. – Der deutsche Vertrieb führt diese Schreibgeräte leider nicht.
Die dunklen Stellen im Tajima-Schriftzug sind keine Mängel, sondern Reflexionen.
Vielen Dank an isu von the uncomfortable chair für den ungewöhnlichen Tajima HB!
Man sagt, ein Alligator könne bis zu 70 Jahre alt werden, doch der heute vorzustellende ist sogar mit 118 noch fit und nicht nur deshalb ein besonderer.

In die Welt kam er 1894 mit der Eintragung der Marke »THE “ALLIGATOR” Made in Nürnberg (Germany)«1 durch die Bleistiftfabrik Johann Faber in Nürnberg2. Einen sehr frühen Auftritt des Alligators dokumentiert der Katalog des Jahres 1898 von Richard Best, New York: Der dreiflächige Bleistift No. 125 “Alligator” war mit einem Radierer bestückt und in drei Härtegraden erhältlich.

Einige Jahrzehnte neuer sind der runde Alligator № 2 und diese sechsflächige Variante in BBBB mit Radierer.
Das Auffälligste an diesem Stift ist – abgesehen von dem kleinen Tier – der Härtegrad, dessen Schreibweise hierzulande wohl um 1900 üblich war und später durch 4B abgelöst wurde. Beim Schreiben überrascht jedoch, dass die Mine deutlich härter ist und eher B oder 2B entspricht.
Die Material- und Verarbeitungsqualität schwankt bei meinen Exemplaren stark. Im besten Fall ist die Lackierung weitgehend glatt und gleichmäßig, der Prägedruck sauber und die Mine homogen; auch wurde die Zwinge sorgfältig angebracht. Manche Stifte haben allerdings deutliche Mängel im Lack und in der Prägung, die Zwinge am falschen Ende und eine Mine, die manchmal leicht kratzt.
Spitze (ab Werk, Kurbelspitzer Carl Decade DE-100, Handspitzer M+R „Granate”)
Das Zedernholz lässt sich im Hand- und im Kurbelspitzer gut spitzen und die Mine recht gut radieren, doch durch die Streuung der Qualität und den über die Jahre hart gewordenen Radierer eignet sich dieser Bleistift nur noch bedingt für den täglichen Gebrauch. – Interessant ist ein Kommentar meines kundigen Lesers Herbert R. zum Alligator:
Erstaunlicherweise finde ich den Alligator in keinem J. Faber Katalog zwischen 1910 und 1929. Nur auf einem Radiergummi von 1910. Dafür taucht der Stift bei A.W. Faber in Auslandskatalogen ab 1951 auf. Als Bleistift HB oder 2 poliert in „dark, red, black or natural”, als Bleistift BBBB mit Gummikapsel, als Kopierstift mit gelber Politur in 2 Härten und als Farb-Kopierstift mit gelber Politur und violetter Mine. Immer mit dem aufgeprägten Alligator.
Kurz nach dem Fund eines alten Alligator erhielt ich den Hinweis auf einen weiteren und konnte mir den Kauf nicht verkneifen.
Auch diese aktuelle Ausführung hat einen sehr dunklen, rotbraunen Lack, einen hellen Radierer in champagnerfarbener Zwinge und die Härtegrad-Kennzeichnung BBBB; ein Teil des Prägedrucks ist in Arabisch.
Von Faber-Castell konnte ich erfahren, dass die Marke „Alligator” 19433 auf A.W. Faber-Castell umgeschrieben und in den 1950er Jahren auf Löschpapierkarten und farbenfrohen Blechetuis beworben wurde. Dieser Bleistift mit den arabischen Schriftzeichen, so Faber-Castell weiter, ist die aktuelle Version des Alligator-Stifts und seit gut zehn Jahren im Markt. Er wird in Stein produziert und seit über 50 Jahren ausschließlich in Saudi-Arabien vermarktet; zurzeit werden jährlich etwa 20 Millionen Alligator-Bleistifte gefertigt. – Der arabische Text kam vor ungefähr zehn Jahren aufgrund der zahlreichen Plagiate hinzu und besagt in etwa „Alligatorstift hergestellt in Deutschland” (entsprechende Hinweise finden sich zudem auf der Verpackung).
Spitze (ab Werk, Kurbelspitzer Carl Decade DE-100, Handspitzer M+R „Granate”)
Der Lack ist im Vergleich zum älteren Alligator rauher und dünner, und statt des Zedernholzes wird Jelutong4 verwendet. Die Mine schwärzt zwar etwas weniger stark, schreibt sich aber wesentlich glatter und lässt sich besser radieren. Der festsitzende Radierer erfüllt seine Aufgabe sehr gut.
Die Mine des neueren Alligator ist ebenfalls spürbar härter als 4B. Faber-Castell klärt auf: Er hatte früher eine 4B-Mine, doch dann wurde die Spezifikation geändert; heute befindet sich eine B‑Mine im Stift. Die Bedruckung hat man jedoch beibehalten, um den Verbraucher nicht zu irritieren.
Löschpapierkarte aus den 1950er Jahren
Bemerkenswert finde ich übrigens, wie sich die Darstellung des Alligators über die Zeit gewandelt hat. Wirkte das Tier anfänglich ziemlich aggressiv, so war es später entspannt und macht heute einen fast milden Eindruck.
Danke an Faber-Castell für die Scans und die Informationen!
Nachtrag vom 27.6.25: Zu der aktuellen Variante des Alligator schreibt der Nutzer Pencilking im Knockology-Forum:
The Arabic text translates exactly to “Father of Aligator, Made in Germany.” The reason “father of” is used is related to the culture in Gulf countries, where the name of their eldest son is used to address people (“father of” and “mother of”). If they have no sons, they find a way to give a name to the person and still refer to them as “father of” or “mother of” whoever (male or female). This personalization of the translation into Arabic is rare and highly uncommon. It proves, as you stated, that this pencil was explicitly marketed in Saudi Arabia.
40 Meter mit mehr als 16000 Fotos aus 50 Jahren und darin eine Abbildung des Eberhard Faber Mongol 482 № 2: Das Kunstwerk „Leaves of Grass” von Geoffrey Farmer, zu sehen auf der documenta (13), zollt auch dem amerikanischen Bleistift-Klassiker Tribut.
Danke an Michael Reichenbach für seine Beobachtung und das Foto!
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