2023
STAEDTLER 5700
Mit diesem reizvollen Faltblatt bewarb J.S. STAEDTLER vor etwa 60 Jahren seine Spitzmaschinen der Serie 5700.
Die drei Varianten boten für jeden Einsatzzweck die geeignete Spitze, wobei die 5700 D die Mine nur freilegte1, aber nicht spitzte. Unter „Scary Point“ auf pencils and other things merkte ein Kommentator an, dass diese Maschine den Minendurchmesser auf 1,5 mm verringert. Das ist pfiffig, denn damit wird sichergestellt, dass die Mine auch dann vollständig vom Holz befreit wird, wenn sie einen geringeren als den Nenndurchmesser hat oder leicht außermittig sitzt2.
Mir gefallen die Illustrationen und die klare Sprache, die den Nutzen und die Vorzüge des Geräts herausstellt und ohne lästige Worthülsen auskommt.
Auch wenn heutige Spitzmaschinen etwas anders ausgeführt sind – das 6-Backen-Spannfutter und den auswechselbaren Fräser3 habe ich noch bei keinem aktuellen Modell gesehen –, so ist doch das Grundprinzip geblieben. Interessant zu wissen wäre, von wem und wann die Urform des Kurbelspitzers stammt und ob die 5700 D die erste ihrer Art war.
- Hier nur abgebildet, aber im Beileger „The new 5700 D“ von J.S. STAEDTLER Inc. in Hackensack, New Jersey (USA), erwähnt ist die Möglichkeit, die Länge des freigelegten Minenabschnitts einzustellen.↩
- Handspitzer wie z. B. der Koh-I-Noor № 1000 machen das über ein verstellbares Messer, wobei aber die Gefahr besteht, dass die Mine spiralförmig eingekerbt wird und dadurch an Bruchfestigkeit verliert.↩
- So kann man z. B. bei den Kurbelspitzern von CARL nicht den einzelnen Fräser austauschen, sondern nur die komplette Einheit aus Stiftaufnahme, Fräser mit Halterung, Bajonett und Kurbel.↩
Standard
Nach den Dicken für den Chef und die Direktion heute der normalgewichtige „Standard“, den ich nur wegen seines Namens zeige.
Heute käme sicher kein Hersteller mehr auf die Idee, einen Bleistift „Standard“1 zu nennen, denn es würden wohl nur wenige Kunden zu einem Produkt greifen, das den Eindruck erweckt, lediglich Standard zu sein. Doch damals mag der Name anders gewirkt haben.
Die ehemals in Fürth ansässige VERA-Bleistiftfabrik wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und bestand bis etwa 1940; damit dürfte der „Standard“ mindestens 80 Jahre alt sein.
Kurz notiert
- Die kürzlich veröffentlichten Patente „Mechanical Pencil“ und „Mechanical Pencil“ (ja, die heißen beide so) zeigen Details zum Druckbleistift Kuru Toga Dive von Mitsubishi/uni Japan. – Danke an Wowter für den Hinweis!
- Für mich eine überaus erfreuliche Entdeckung ist das sehr lesenswerte Buch „Aktenkunde“ von Harald Rösler, erschienen 2015 bei Rediroma1. Neben zahlreichen Details zur Arbeit mit Akten enthält es umfangreiche Informationen zu Bürogeräten und -material zum Lochen, Heften, Binden und Organisieren, aber auch zu Schreibstoffen und zur Vervielfältigung; darüber hinaus bietet es viele Abbildungen historischer und aktueller Bürotechnik. – Von diesem Buch erfahren habe ich durch den Artikel „Akten sind bunt: Farbstifte und ihr Wert für die Archivarbeit“ im Weblog „Aktenkunde“. Danke an Kind7 für die Erwähnung des Artikels sowie an Jörg für seine Hinweise auf die Rezension dieses Buchs und die Leseprobe!
- Ganz nebenbei habe ich erfahren, dass Faber-Castell bereits 2017 die Produktion seines grünen Kopierstifts eingestellt hat (der gelbe wurde schon lange davor aus dem Sortiment genommen). Damit sind der rote, der blaue und der rot-blaue die letzten in Deutschland hergestellten Vertreter dieser Gattung2. – Von LYRA gibt es noch den Blei-Kopierstift 334 und den Ganzkopierstift 334 S, doch bei diesen handelt es sich um Zimmermannsbleistifte3.
- Hin und wieder schaue ich nach, ob es ältere Produkte noch gibt. So war ich überrascht, dass der Langkonus-Spitzer KUM 400-5L noch angeboten wird, aber die Mitte 2019 vorgestellten Messingspitzer 300-1 und 300-2 offenbar nicht mehr. Ich habe wegen letzterer auch bei KUM angefragt, aber leider keine Antwort bekommen.
- Ich hatte zunächst das Taschenbuch, fand das aber wegen des arg schmalen Bundstegs nicht so gut lesbar und habe dann zur gebundenen Ausgabe gegriffen.↩
- Kopierstifte gelten wegen der zugesetzten Farbstoffe als giftig. Faber-Castell hat jedoch bereits 1992 die Rezepturen seiner Kopierstifte geändert und verwendet seitdem nur noch Farbstoffe, die auch in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie eingesetzt werden, so dass die Stifte unbedenklich sind. Diese neuen Kopierstifte lassen sich leicht identifizieren, denn 1993 hat sich Faber-Castell von der Waage als Bildmarke getrennt; Kopierstifte ohne diese haben also eine Mine nach neuer Rezeptur. – Interessant zu wissen wäre, ob (und wenn ja, wie) sich dadurch die Gebrauchseigenschaften verändert haben.↩
- Ich weiß auch nicht, ob diese noch hier gefertigt werden, denn seit der Übernahme von LYRA durch FILA im Jahr 2008 kommen viele LYRA-Stifte aus China.↩
Direktion
A.W. Faber hatte den Kopierstift „Chef“ und LYRA1 einen sehr ähnlichen mit dem Namen „DIREKTION“2.
Auch er ist rund, 10 mm dick und schreibt violett. Ich vermute, dass man ihn derselben Zielgruppe angedient hat.
Die Kennzeichnung „Documental“ war mir neu. Eine schnelle Suche beim DPMA hat ergeben, dass 1959 die Wort-/Bildmarke „Dokumental 303 documental 303“ für – so der Eintrag – „Farbstoffe und Farben zur Herstellung von licht-, wasch- und alterungsechten sowie wischfesten Schreib-, Zeichen-, Druck-, Stempel-, Frankierstempler-, Farbband- und Registrierinstrumentenfarben“ eingetragen wurde3. Der „DIREKTION“ könnte aus dieser Zeit stammen; vielleicht gibt es eine Verbindung.
Nachtrag vom 15.3.23: Von LYRA konnte ich heute erfahren, dass der Direktion mindestens bis in die 1950er Jahre hinein hergestellt wurde. In einem Katalog wird er wie folgt beschrieben:
Alle Kopierstifte und sämtliche Farbkopierstifte der ORLOW-Serie sind dokumentenecht und tragen diese Bezeichnung. Als „dokumentenecht“ bezeichnet man eine Schrift, die weder durch chemische Mittel (Chlorwasser, alkalisches Chlorwasser) noch durch lösliche Mittel (Benzol, Chloroform, Methanol, Aethanol und ähnliches) oder durch Reduktionsmittel (Burmol, Tintentod) entfernt werden kann.
Jeder Radierversuch würde eine deutlich sichtbare Spur hinterlassen. Eine dokumentenechte Schrift läßt sich weder durch Sonnen- noch durch ultraviolettes Licht ausbleichen.
Für die Hand des Chefs ist die stärkere Ausführung „DIREKTION“ gedacht, deren Kern ebenfalls die oben aufgeführten Vorteile besitzt.
Mir gefällt diese detaillierte Beschreibung der Dokumentenechtheit. – Danke an LYRA für diese Details!
- Damals noch „Lyra“.↩
- Die Schrift finde ich ungewöhnlich, vor allem die Kerbe (?) im „O“.↩
- 1963 folgte die Eintragung der gleichnamigen Wortmarke.↩
Im Wandel
Markenzeichen werden gerne überarbeitet, um dem Zeitgeschmack zu entsprechen, eine Sortimentsänderung zu begleiten oder dem Unternehmen einen neuen, frischen Auftritt zu verschaffen. So gab es auch den bekannten Marskopf von STAEDTLER in einigen Varianten.
Der Marskopf in dieser ganzseitigen Anzeige stammt von 1963 und war die erste stark vereinfachte Form nach über 50 Jahren.
Der Unterschied zu den davor genutzten war recht groß, und so hielt man es vielleicht für nötig, ihn mit einer Werbekampagne bekannt zu machen.
Interessant finde ich, dass der aktuelle Marskopf nach der sehr minimalistischen Ausführung von 1973 wieder näher an der hier beworbenen liegt. Wie wohl der nächste aussehen wird?
Chef
Ich bin hier der Chef und greife bei besonderen Gelegenheiten gerne zu den Kopierstiften 9134 und 9136 „Chef“ von A.W. Faber.
Sie waren von 1956 bis in die 1970er Jahre hinein erhältlich und unterstreichen mit ihrem beeindruckenden Durchmesser von 10 Millimetern meine Autorität.
Genug geplaudert – es warten wichtige Chef-Angelegenheiten.
Danke an 2nd_astronaut für diese Stifte!
Kurz notiert
- Der Druckbleistift Kuru Toga Dive von Mitsubishi/uni Japan, der nur in einer limitierten Auflage erhältlich und schnell vergriffen war, kommt am 3. März als reguläres Produkt zurück. Er wird in drei Farben und für 0,5-mm-Minen verfügbar sein und 5000 Yen (gut 35 Euro) kosten.
- Ebenfalls von Mitsubishi/uni Japan gibt es jetzt Minenbehälter aus Metall, die wahlweise mit HB-Minen der Stärke 0,3 oder 0,5 mm bestückt und zur Mehrfachnutzung gedacht sind. Zum Nachfüllen dieser und der Standard-Kunststoffbehälter werden Minen in diesen beiden Durchmessern sowie den Härtegraden HB und B in einer Kartonverpackung angeboten.
- Tombow Japan hat die Marke „Zoom“ wiederbelebt. Zum Sortiment gehören Kugel- und Gelschreiber sowie Druckbleistifte.









