Museum

Kurz notiert

  • Dem Bei­trag „New Releases from Mitsu­bi­shi Pen­cil (Uni, Lamy) in March 2026“ auf Red­dit zufolge soll es von Mitsubishi/​uni im Mai einige neue und sehr inter­es­sante Pro­dukte geben. Dazu gehö­ren ein LAMY-​Druckbleistift mit Kuru-​Toga-​Mechanismus, ein 3-​Farben-​Stift im Stil des one P und natür­lich limi­tierte Farb­va­ri­an­ten belieb­ter Schreib­ge­räte, dar­un­ter den Kuru Toga Metal in Orange und den Zento Signa­ture in Messing/​Sand, die mich beide ansprechen.
  • Tom­bow hat den Kata­log 2026/​2027 ver­öf­fent­licht. Über das Hamburger-​Menü kön­nen ein­zelne Sei­ten und der kom­plette Kata­log als PDF her­un­ter­ge­la­den werden.
  • Auch von Zebra gibt es den neuen Kata­log 2026-​2027; ein Down­load als PDF ist nur von Einzel- oder Dop­pel­sei­ten mög­lich. Die Neu­hei­ten sind im Novelty Cata­lo­gue (PDF) zusammengefasst.
  • Die Schreib- und Zei­chen­ge­rä­te­fa­brik Phil­ipp Mutsch­ler, 1928 in Hei­del­berg gegrün­det und bis 2015 aktiv, hat u. a. für STAEDTLER pro­du­ziert und ist heute weit­ge­hend ver­ges­sen. Ich habe sie im Knockology-​Forum ange­spro­chen, wor­auf es einige inter­es­sante Ant­wor­ten gab.
  • Der popu­läre Druck­blei­stift Pen­tel Kerry ist seit kur­zem in der limi­tier­ten und exklu­siv für Kitera her­ge­stell­ten Vari­ante „Retro Green“ erhält­lich. Die Farbe, der halb­trans­pa­rente Kunst­stoff und das alte Logo machen ihn in mei­nen Augen sehr attrak­tiv. – Quelle: Red­dit.
  • Mit dem Intaglio gibt es einen neuen Druck­blei­stift von Sakura. Er hat einen Schaft aus Alu­mi­nium und wird in vier Far­ben, aber nur für 0,5-mm-Minen ange­bo­ten und kos­tet 2700 Yen (knapp 15 Euro).
  • 2014 hat Pen­tel den Druck­blei­stift orenz her­aus­ge­bracht. Er nutzt 0,2-mm-Minen und ist der Nach­fol­ger des PG2, der 1981 auf den Markt kam und um 2007 aus dem Sor­ti­ment genom­men wurde. Dem ers­ten orenz folg­ten etli­che Vari­an­ten, auch in 0,3 und 0,5 mm, und 2017 stellte Pen­tel den orenz­nero mit auto­ma­ti­schem Minen­vor­schub vor. Von die­sem gibt es ab 23. Januar drei Sets mit farb­lich abge­stimm­tem Radie­rer und Minen­be­häl­ter in Schwarz sowie in den limi­tier­ten Far­ben „green black“ und „car­bon black“1. Diese Sets sind für die Minen­durch­mes­ser 0,3 und 0,5 mm erhält­lich und kos­ten 7200 Yen (gut 39 Euro). – Zum orenz­nero siehe auch die sehr lesens­wer­ten Bei­träge „Pen­tel orenz­nero Review“ und „Homage to the Pen­tel orenz­nero“.

Nach­trag vm 9.1.25:

  1. Wer meint, dass auf­grund des Namens­zu­sat­zes „nero“ die Aus­wahl zukünf­ti­ger limi­tier­ter Far­ben ein­ge­schränkt ist, irrt – da gäbe es z. B. „true black“, „real black“, „dark black“, „mid­night black“, „soft black“, „medium black“, „warm black“ und „clas­sic black“.

Pentel GRAPH

Im Jahr 1965, also vor 60 Jah­ren, hat das japa­ni­sche Unter­neh­men Pen­tel den Druck­blei­stift GRAPH vor­ge­stellt. Er war nicht der erste Stift mit dem Minen­durch­mes­ser 0,5 mm – das war der Pen­tel 380 drei Jahre zuvor1 –, doch seine Gestal­tung sollte Vor­bild für zahl­rei­che andere Druck­blei­stifte nicht nur von Pen­tel2 wer­den und bis heute weiterleben.

Pentel GRAPH

In der Ori­gi­nal­ver­pa­ckung mit trans­pa­ren­tem Deckel …

Der GRAPH war in schwarz, rot und grün sowie in drei Gene­ra­tio­nen3 erhält­lich. Mit 4-​mm-​Minenführungsröhrchen, abnehm­ba­rem Clip und Behäl­ter für zwölf Minen4 hatte er bereits die Merk­male, die auch viele aktu­elle Druck­blei­stifte kennzeichnen.

Pentel GRAPH

… und ohne

Die hier sepa­rat mit­ge­lie­ferte Rei­ni­gungs­na­del (das kleine Falt­blatt infor­miert über ihre Ver­wen­dung) wan­derte spä­ter unter den Drü­cker und wurde vor eini­gen Jah­ren von fast allen Her­stel­lern aus Sicher­heits­grün­den weg­ge­las­sen. – Mei­nes Wis­sens war der GRAPH der erste Druck­blei­stift von Pen­tel mit ver­schraub­tem Drücker.

Pentel GRAPH

Rück­seite mit Hin­wei­sen zum Gebrauch

Ein Jahr nach der Markt­ein­füh­rung in Japan gab es den GRAPH auch in Deutsch­land, wie diese Anzeige5 aus dem Jahr 1966 zeigt6.

Pentel GRAPH

Dem GRAPH folgte der 1971 der GRAPH II, der als wesent­li­che Neue­rung einen Här­te­grad­in­di­ka­tor7 hatte und schon 1972 vom PG5 abge­löst wurde. Letz­te­rer sah sei­nem Vor­gän­ger sehr ähn­lich, war aber deut­lich anders auf­ge­baut8.

Pentel GRAPH

Der leicht bau­chige Kunst­stoff­schaft des GRAPH ist in der Mitte sechs­flä­chig und läuft an bei­den Enden rund zu. Auf einer Flä­che trägt er den Reli­ef­druck „PENTEL GRAPH PENCIL MADE IN JAPAN 5“, wobei „5“ eine Prä­ge­marke ist. Die Ein­heit aus Mecha­nik und Minen­be­häl­ter hat unter­halb der Zwinge ein Gewinde, mit dem sie jeweils zur Hälfte in die Spitze und in den Schaft geschraubt wird9. Der Drü­cker steckt im Minen­be­häl­ter und wird durch das in den Schaft geschraubte koni­sche End­stück, eben­falls aus Kunst­stoff, gehal­ten. Im Gegen­satz zu den Stif­ten, bei dem nur die Kappe abge­zo­gen und viel­leicht noch der Radie­rer ent­nom­men wer­den muss, macht diese Kon­struk­tion das Nach­fül­len von Minen zwar umständ­li­cher, ver­hin­dert aber, dass etwas klap­pert oder ver­lo­ren geht. – Der Clip hält nur durch Kraft­schluss, so dass keine unschöne Aus­spa­rung zu sehen ist, wenn man ihn weglässt.

Der cha­rak­te­ris­ti­sche „GRAPH“-Schriftzug10 fin­det sich heute noch auf dem Schaft des PG5 und das Kür­zel „PG“ (für „Pen­tel Graph“) in den Arti­kel­num­mern sowie „Graph“ in den Namen etli­cher Druck­blei­stifte von Pentel.

Pentel GRAPH

Anläss­lich des 60-​jährigen Jubi­lä­ums des GRAPH hat Pen­tel bereits im Okto­ber schwarze limi­tierte Vari­an­ten der Druck­blei­stifte Graph­Gear 500, Graph­Gear 1000 und GRAPH 1000 FOR PRO her­aus­ge­bracht, die es sowohl ein­zeln als auch im Set mit einem Bei­le­ger gibt. Diese drei Modelle sind zwei­fel­los sehr beliebt, haben aber bis auf den Namens­zu­satz nichts mit dem GRAPH zu tun. Eine Neu­auf­lage des GRAPH wäre natür­lich schön, aber ver­mut­lich zu auf­wän­dig gewe­sen, aber warum hat man nicht den PG5 in einer beson­de­ren Ver­sion ange­bo­ten?11

Doch ob Neu­auf­lage, Jubi­lä­ums­box oder sonst etwas: Der ori­gi­nale Pen­tel GRAPH ist und bleibt einer der Klas­si­ker unter den Druckbleistiften.

  1. Pen­tel bot die 1960 ein­ge­führte Fein­mine zunächst in 0,9 mm und dazu die Druck­blei­stif­tel Pen­tel 100 sowie spä­ter Pen­tel 101 an. 1962 folg­ten 0,5 mm mit dem Pen­tel 380 und 0,7 mm mit dem Pen­tel 271; 1968 stellte Pen­tel die 0,3-mm-Mine mit dem Pen­tel Mecha­nica vor und 1976 die 0,4-mm-Mine mit dem Pen­tel PG4. – Die 0,2-mm-Mine und der erste Druck­blei­stift für die­sen Durch­mes­ser, der Super 2, kamen 1972 von New­man.
  2. Siehe z. B. „Pen­tel Graph Pen­cil and deri­va­tive designs“.
  3. Der hier gezeigte stammt aus der zwei­ten Gene­ra­tion. – Die Unter­schiede sind mini­mal und beschrän­ken sich auf die Form des Clips, den Pro­duk­ti­ons­code und die Ver­pa­ckung; eine Über­sicht gibt es unter „Pen­tel Graph Coll­ec­tion“.
  4. Die ganz frü­hen Druck­blei­stifte konn­ten nur eine Mine auf­neh­men.
  5. Der Begriff „Kon­takt­knopf“ gefällt mir.
  6. Die Ver­pa­ckung und der Bei­le­ger die­ser Export­ver­sion sind unter „Pen­tel Graph Pen­cil – 2nd Gene­ra­tion /​ Ger­man Ver­sion“ zu sehen.
  7. Der erste Druck­blei­stift von Pen­tel mit Här­te­grad­in­di­ka­tor war der Mecha­nica von 1968.
  8. Siehe „Graph II vs PG5“ im her­vor­ra­gen­den Pen­tel Pen­cils Iden­ti­fi­ca­tion Book.
  9. Durch die bei­den Gewinde war das Ent­for­men des Schafts auf­wän­dig. Beim PG5 gibt es das vor­dere Gewinde nicht mehr; statt­des­sen wird díe Ein­heit von hin­ten ein­ge­steckt und sitzt ver­dreh­si­cher im Schaft.
  10. Die Schrift­art ähnelt sehr der Futura Black von Paul Ren­ner aus dem Jahr 1928.
  11. Von einem Anbie­ter in Korea gibt es einen beson­de­ren PG5, der sich auch als Jubi­lä­ums­mo­dell sehr gut gemacht hätte. Aber wer weiß – viel­leicht sehen wir ja etwas Der­ar­ti­ges zum 60-​jährigen Jubi­läum des PG5 im Jahr 2032 (bei Gele­gen­heit gibt es mehr zu die­sem PG5).

Rüssel und Radierer (6)

Wer hätte gedacht, dass sich nach 17 Auf­trit­ten erneut Ange­hö­rige die­ser beson­de­ren Gat­tung ein­fin­den? Los geht’s!

Rüssel und Radierer (6)

Unser ers­ter und zudem sehr sport­li­cher Gast – unten links, ganz in blau – hat schon vor vie­len Jah­ren in Osaka, Japan, die Artis­ten­gruppe „Ani­mal Balance“ gegrün­det und tritt mit die­ser in der gan­zen Welt auf. Eine Vor­stel­lung in der Fest­halle in Frank­furt am Main (die ein­zige in Deutsch­land!) bot ihm die Gele­gen­heit, mit sei­nen Kol­le­gen vorbeizuschauen.

Rüssel und Radierer (6)

Lei­der hat der zweite in unse­rer schwer­ge­wich­ti­gen Runde abge­sagt. Er musste auf eine Geschäfts­reise nach Frank­reich und lässt mit die­ser his­to­ri­schen Panorama-​Karte grüßen.

Rüssel und Radierer (6)

Das Gespräch mit dem drit­ten und bemer­kens­wert far­ben­fro­hen Ver­tre­ter der ein­zig­ar­ti­gen Spe­zies gestal­tete sich schwie­rig, da ich sei­nen ziem­lich wir­ren Wor­ten nicht fol­gen konnte; nur den Satz „Das war keine Mikro­dosis“ habe ich ver­stan­den. Wir wün­schen ihm rasche – wie soll man sagen? – Wiederherstellung.

Ob noch wei­tere kommen?

Der Druckstifteinsatz (4)

Nach der Erfin­dung des Druck­stift­ein­sat­zes durch Tho­mas Doser im Jahr 1975 und dem erfolg­lo­sen Ver­such von Dr.-Ing. Wer­ner Bei­sel und Dipl.-Ing. Peter Gütig von 1983, ihn erneut paten­tie­ren zu las­sen, brachte STAEDTLER 1984 mit dem MARS CIRCOFIX den ers­ten Druck­stift­ein­satz auf den Markt.

Der Druckstifteinsatz (4)

Zwei Jahre nach der Ein­füh­rung des MARS CIRCOFIX mel­dete STAEDTLER ein Gebrauchs­mus­ter (G 8605596.8) und am sel­ben Tag ein Patent (DE 3606717 A1) an, und zwar in bei­den Fäl­len für einen „Minen­ein­satz für Zir­kel und Schaft­ver­län­ge­rung hierzu“, erfun­den von Gerald Grötsch aus Fürth. Die in der Gebrauchsmuster- und der Offen­le­gungs­schrift ent­hal­te­nen Zeich­nun­gen sind iden­tisch und zei­gen u. a. einen dem bereits paten­tier­ten und dem CIRCOFIX sehr ähn­li­chen Druckstifteinsatz.

Der Druckstifteinsatz (4)

Hat man etwa ver­sucht, ihn erneut paten­tie­ren zu las­sen? Ich ver­mute nicht, son­dern denke eher, dass es STAEDTLER um die Kom­bi­na­tion aus die­sem Ein­satz und einer Ver­län­ge­rung ging. Punkt 1 der Patent­an­sprü­che beschreibt sie (Her­vor­he­bung im Original):

Minen­ein­satz für Zir­kel, der min­des­tens eine in einem Gehäuse ange­ord­nete Spann­vor­rich­tung für Minen, ein Betä­ti­gungs­teil für den Minen­vor­schub und ein Befes­ti­gungs­mit­tel zum lös­ba­ren Befes­ti­gen an einem Zir­kel auf­weist, gekenn­zeich­net durch eine leicht lös­bar mit dem Gehäu­se­schaft (11), mit einem Befes­ti­gungs­mit­tel (13, 13′; 14, 14′) oder mit einem Befes­ti­gungs­ab­schnitt (23) des Betä­ti­gungs­teils (22) ver­bun­dene Schaft­ver­län­ge­rung (3, 3′, 3“), die mit Durch­bre­chun­gen (31), Stö­ßel (32) oder Schie­bern (35) ver­se­hen ist, um die Ein­wir­kung auf das Betä­ti­gungs­teil (22) der Spann­vor­rich­tung für die Mine (41, 42) zu ermög­li­chen, sofern sie nicht direkt mit dem Betä­ti­gungs­teil (22) in Wirk­ver­bin­dung steht.

In der Beschrei­bung wird auf die Patente von Bei­sel und Gütig sowie Doser ein­ge­gan­gen und betont, dass diese Minen­ein­sätze, obwohl meist hoch­wer­tig, nur für den vor­be­stimm­ten Zweck geeig­net, aber auf­grund ihrer gerin­gen Länge nicht hand­ge­recht sind und daher nicht als nor­male Schreib- und Zei­chen­stifte genutzt wer­den kön­nen. Diese Erfin­dung besei­tigt diese Nach­teile durch die Schaf­fung eines Minen­ein­sat­zes mit zuge­hö­ri­ger Schaftverlängerung.

Doch wie kann man den Schaft des Druck­stift­ein­sat­zes ver­län­gern und wei­ter­hin den Minen­vor­schub betä­ti­gen? Der Erfin­der Gerald Grötsch war krea­tiv, und es macht Freude, die Vari­an­ten genauer zu betrachten.

Der Druckstifteinsatz (4)

Bei der ers­ten Vari­ante sitzt ein Rohr auf dem Drü­cker und bei der zwei­ten ein län­ge­res auf dem Stift, wobei eine Aus­spa­rung die Betä­ti­gung des Drü­ckers ermöglicht.

Der Druckstifteinsatz (4)

Die dritte und die vierte Vari­ante nut­zen eben­falls ein lan­ges Rohr, wobei die Betä­ti­gung des Drü­ckers über einen im Rohr sit­zen­den und ggf. feder­be­auf­schlag­ten Schie­ber bzw. Stö­ßel erfolgt. Wei­tere Vari­an­ten ent­ste­hen dadurch, dass das Rohr ent­we­der reib­schlüs­sig befes­tigt oder auf­ge­schraubt wird.

Ich könnte mir vor­stel­len, dass man die Fer­ti­gung der bei­den letz­ten Vari­an­ten auf­grund des Auf­wands erst gar nicht erwo­gen und sich schon früh für die in mei­nen Augen sehr pfif­fige zweite ent­schie­den hat. Aber was ist mit der ers­ten? Bevor ich auf diese ein­gehe, ein klei­ner Exkurs.

Exkurs: Schriftartencodes

Patente und Gebrauchs­mus­ter sind durch Schrift­ar­ten­codes gekenn­zeich­net. Diese bestehen aus einem Buch­sta­ben und einer Zif­fer, wobei der Buch­stabe für das Publi­ka­ti­ons­ni­veau steht und die Zif­fer für die Ver­öf­fent­li­chung. Bis ein­schließ­lich 2003 – dar­un­ter fal­len die hier genann­ten Patente – bezeich­nete A1 die Offen­le­gungs­schrift, B1 und B2 die Aus­le­ge­schrift in der Erst- und Zweit­ver­öf­fent­li­chung, meist nach einem Prü­fungs­ver­fah­ren, und C1 bis C4 die z. B. nach Ein­spruch, Beschrän­kung oder Nach­prü­fung geän­derte Patent­schrift in der Erst- bis Viert­ver­öf­fent­li­chung. Bei Gebrauchs­mus­tern gab es bis Ende 2003 nur U11.

Zurück zur Ver­län­ge­rung. So erschien auch das Patent DE 3606717 von STAEDTLER zunächst als Offen­le­gungs­schrift A1 und dann als Patent­schrift C2; mit letz­te­rem wurde im Juli 1989 die Patent­ertei­lung veröffentlicht.

War der Druck­stift­ein­satz in A1 noch wesent­li­cher Teil der Patent­an­spruchs, so wird er in C2 nur neben­bei erwähnt:

Die Erfin­dung betrifft eine Ver­län­ge­rung für Zirkel-​Einsätze, ins­be­son­dere für Minen­ein­sätze für Zirkel.

Was ist passiert?

Im Patent­we­sen gibt es soge­nannte Ent­ge­gen­hal­tun­gen. Das sind Ver­öf­fent­li­chun­gen, die allein oder zusam­men mit ande­ren die Neu­heit einer Erfin­dung in Frage stel­len, d. h. gegen die Patent­fä­hig­keit einer Erfin­dung spre­chen kön­nen und von einem Patent­prü­fer oder einem, der Ein­spruch erhebt, ent­ge­gen­ge­hal­ten wird. Unter den Ent­ge­gen­hal­tun­gen in DE 3606717 C2 fin­den sich das Gebrauchs­mus­ter von Doser sowie das Patent von Bei­sel und Gütig, was dar­auf schlie­ßen lässt, dass man die Ähn­lich­keit des im Patent gezeig­ten Minen­ein­sat­zes zum paten­tier­ten Druck­stift­ein­satz erkannt hat und die Patent­schrift geän­dert wer­den musste. So ent­fiel der Minen­ein­satz aus dem Patent­an­spruch und diente nur noch zur Ver­an­schau­li­chung der Funk­tion der Schaftverlängerung.

Doch in C2 fehlt zudem die erste Vari­ante mit dem auf dem Drü­cker auf­ge­setz­ten Rohr. Warum? Eine wei­tere Ent­ge­gen­hal­tung ist das Patent „Hül­sen­för­mi­ger Blei­stift­hal­ter“ (DE 831655) von Anton Schind­ler, erteilt 1951.

Der Druckstifteinsatz (4)

In der Patent­schrift von Schind­ler wird bemän­gelt, dass der Blei­stift­rest in den übli­chen Blei­stift­hal­tern kei­nen siche­ren Halt fin­det und der Über­gang vom Hal­ter zum Blei­stift nicht glatt, son­dern ver­dickt ist und dies beim Schrei­ben stört. Abhilfe soll ein hül­sen­för­mi­ger Blei­stift­hal­ter aus Metall oder Kunst­stoff schaf­fen, des­sen Enden nach innen konisch ver­en­gende Gewin­de­gänge auf­wei­sen, in die der am Ende konisch zuge­rich­tete Blei­stift­rest geschraubt wird. So soll der Blei­stift sicher gehal­ten wer­den, und da der Durch­mes­ser des Hal­ters an den des Blei­stifts ange­passt ist, gibt es auch kei­nen stö­ren­den Über­gang2.

Die erste Vari­ante von STAEDTLER war die­ser Erfin­dung wohl zu ähn­lich, so dass sie her­aus­fiel. – Ich bezweifle übri­gens, dass diese Lösung all­tags­taug­lich gewe­sen wäre, da auf­grund der Länge des Rohrs bei der Betä­ti­gung des Minen­vor­schubs die Gefahr des Abkni­ckens und damit der Beschä­di­gung zumin­dest des Drü­ckers bestand.

So über­rascht es nicht, dass die Wahl auf das Rohr mit der Aus­spa­rung fiel.

Der Druckstifteinsatz (4)

Der – so die Pro­dukt­be­zeich­nung – Ver­län­ge­rungs­schaft wurde erst­mals im Kata­log 1987/​88 auf­ge­führt und hatte die Arti­kel­num­mer 556 91.

Der Druckstifteinsatz (4)

Es gab ihn ein­zeln, aber auch zusam­men mit dem MARS TECHNICO 555 und in drei Strich­stär­ken (0,3/0,5/0,7) im Set 556 91.

Der Druckstifteinsatz (4)

Die letzte Erwäh­nung des Ver­län­ge­rungs­schafts fin­det sich im Kata­log des Jah­res 1996.

Der Druckstifteinsatz (4)

Damit ver­schwand die­ses nütz­li­che und ele­gante Zube­hör nach neun Jahren.

Danke an Alan Wil­liams für den Hin­weis auf das Gebrauchs­mus­ter und an STAEDTLER für die Scans!

  1. 2004 ent­fie­len man­che Schrift­ar­ten­codes, und neue kamen hinzu; eine Über­sicht geben die Doku­mente „Infor­ma­tio­nen über Patent­do­ku­mente des In- und Aus­lands (IPIA)“ und „Schrif­ten­ar­ten­codes bei Patent­do­ku­men­ten“ des Deut­schen Patent- und Mar­ken­am­tes.
  2. Es wäre inter­es­sant zu wis­sen, ob die­ser Ver­län­ge­rer jemals auf den Markt kam.

Pentel Sign Pen

Anfangs wollte nie­mand den neuen Stift haben, mit dem man wie mit einem Pin­sel schrei­ben konnte und der sich so leicht hand­ha­ben ließ wie ein Kugel­schrei­ber. Doch als das japa­ni­sche Unter­neh­men Pen­tel den von Masao Miura und Yokio Horie im Jahr 1963 erfun­de­nen Sign Pen auf einer Messe in Chi­cago vor­ge­stellt hatte, gewann er erst in den USA und dann über Umwege schließ­lich auch in sei­nem Hei­mat­land an Beliebt­heit1. Spä­ter kam er auch nach Deutsch­land, wie diese Anzeige aus dem Jahr 1965 zeigt2.

Pentel Sign Pen

Die Geschichte des Nass­schreib­ge­räts mit tex­ti­ler Spitze reicht bis ins Jahr 1910 zurück, als Lee New­man einen Stift mit Tin­ten­be­häl­ter und einer Spitze aus Filz erfand und so den ers­ten Filz­stift in die Welt brachte. 1953 folgte der „Magic Mar­ker“, erdacht von Sid­ney Rosen­thal, mit brei­ter Filz­spitze und was­ser­fes­ter Tinte. Neu an der Erfin­dung von Miura und Horie waren die Tin­ten­kar­tu­sche aus Baum­wolle3 und die Spitze aus Fasern4 mit lan­gen, fei­nen Hohl­räu­men5, durch die auf­grund des Kapil­lar­ef­fekts die Tinte auf das Papier trans­por­tiert wird6.

Pentel Sign Pen

Heute gibt es den Sign Pen in 12 Far­ben7 und seit eini­gen Jah­ren auch als „Brush“-Vari­ante8 in 36 Far­ben und mit einer wei­che­ren Spitze, die der ursprüng­li­chen Idee, ein dem Pin­sel ähn­li­ches Schreib­ge­rät zu schaf­fen, noch näher ist. – Eine inter­es­sante Ergän­zung war das „ITO-​YA Pen Jacket 110“ aus Metall, der den Sign Pen, aber auch den Ball 100 und den Pula­man JM20 umhüllte und damit zu einem dicke­ren, schwe­re­ren Stift machte.

Pentel Sign Pen

Ich finde es beein­dru­ckend, wie wenig sich die Gestal­tung9 des Sign Pen in über 60 Jah­ren10 geän­dert hat, und benutze ihn auch des­we­gen sehr gerne.

  1. Laut die­sem Car­toon von Pen­tel spielte wohl auch Lyn­don B. John­son, der dama­lige Prä­si­dent der USA, eine Rolle.
  2. Inter­es­sant zu wis­sen wäre, wer den Stift damals ver­trie­ben hat, denn die deut­sche Nie­der­las­sung von Pen­tel gibt es erst seit 1969. – Warum hat man auf den Namens­zu­satz „Sign“ ver­zich­tet und den Stift „Pentel-​Pen“ genannt? Es gab bereits einen „Pen­tel Pen“, doch das war der N50 mit Öltinte aus dem Jahr 1960. – Die Bezeich­nung „Faden­schrei­ber“ kannte ich bis­her noch nicht.
  3. Diese ist dem Ziga­ret­ten­fil­ter sehr ähn­lich. – Vor­her wurde die Tinte in Behäl­tern aus Glas oder Metall gehal­ten.
  4. Man hat zunächst Bam­bus, dann aber syn­the­ti­sche Fasern ver­wen­det.
  5. Ich konnte nicht her­aus­fin­den, ob die Fasern Hohl­räume haben oder ob die Fasern zusam­men­ge­presst wer­den und sich dadurch Hohl­räume zwi­schen ihnen bil­den.
  6. Lei­der konnte ich die Patent­schrift von Miura und Horie noch nicht fin­den.
  7. Pen­tel Deutsch­land bie­tet 12, aber Pen­tel Japan kurio­ser­weise nur 8 Far­ben an.
  8. Japan: „Touch“.
  9. Das Loch unter­halb der Spitze dient übri­gens dem Druck­aus­gleich, denn gäbe es die­ses nicht, würde eine warme Umge­bung die Luft im Innern des Sign Pen erwär­men, wodurch der Druck anstei­gen und die Tinte her­aus­ge­drückt würde.
  10. Zum 55-​jährigen Jubi­läum des Sign Pen ließ Pen­tel 55 Nut­zer zu Wort kom­men.

Der Druckstifteinsatz (3)

Der Druck­stift­ein­satz ist ein kur­zer Druck­blei­stift mit einem Außen­ge­winde, mit dem er in die Tusche­fül­ler­auf­nahme von Zei­chen­ge­rä­ten wie z. B. Zir­keln geschraubt wird, und damit eine prak­ti­sche Alter­na­tive zum geklemm­ten Stück einer 2-​mm-​Mine. Im drit­ten Teil die­ser Serie geht es nach einem kur­zen Rück­blick auf die Patente um den ers­ten erhält­li­chen Druckstifteinsatz.

Die älteste mir bekannte Patent­an­mel­dung, die den Druck­stift­ein­satz in der bekann­ten Form zeigt, ist die von Dr.-Ing. Wer­ner Bei­sel und Dipl.-Ing. Peter Gütig aus dem Jahr 1983.

Der Druckstifteinsatz (3)

Sie wurde jedoch zurück­ge­zo­gen, ver­mut­lich weil sie dem zu ähn­lich war, was Tho­mas Doser 1975 in sei­nem Gebrauchs­mus­ter für seine „Vor­rich­tung für Zei­chen­ge­räte, ins­be­son­dere für Zir­kel“ beschrie­ben hat. Er hatte eine Schraub­hülse mit koni­scher Boh­rung für die Auf­nahme u. a. von Fein­schrei­bern erdacht, aber in den Schutz­an­sprü­chen auch erwähnt, einem Fein­schrei­ber das Gewinde in der Nähe der Schreib­spitze anzu­for­men, um ihn ohne die Schraub­hülse nut­zen zu können.

Der Druckstifteinsatz (3)

Damit kam der Druck­stift­ein­satz in die Welt, und Tho­mas Doser kann als sein Erfin­der gel­ten. Doch wer hat ihn zuerst angeboten?

Der mei­nes Wis­sens erste Druck­stift­ein­satz auf dem Markt war der MARS CIRCOFIX von STAEDTLER, der im Kata­log von 1984 in drei Strich­stär­ken (0,3/0,5/2 mm) auf­ge­führt wurde.

Der Druckstifteinsatz (3)

Die 2-​mm-​Variante des CIRCOFIX war auch zusam­men mit dem Fall­nul­len­zir­kel 556 58 erhältlich.

Der Druckstifteinsatz (3)

Der Druckstifteinsatz

Den CIRCOFIX in 0,5 mm gab es zudem in Sets mit dem MARS TECHNICO 555, dem Spit­zen­mo­dell des Zir­kel­sor­ti­ments (wie hier im Kata­log von 1984 gezeigt).

Der Druckstifteinsatz (3)

1985, also im Jahr dar­auf, bot STAEDTLER den CIRCOFIX zusätz­lich in 0,7 mm an sowie im Set (0,3/0,5/0,7) mit einem Zir­kel­an­satz­stück mit 4-​mm-​Zapfen für die Ver­wen­dung in Zir­keln ohne Tusche­fül­ler­auf­nahme. Alle drei fei­nen Strich­stär­ken waren spä­ter auch Teil des Sets MARS TECHNICO 555 30 (ca. 1989).

Der Druckstifteinsatz (3)

In den fol­gen­den Jah­ren erfuhr der CIRCOFIX einige Ände­run­gen. Zunächst waren alle Drü­cker zylin­drisch und hat­ten die Farbe des Schafts, doch dann gab man ihnen – aus­ge­nom­men der 2-​mm-​Variante – die zu den Strich­stär­ken pas­sen­den ISO-​Farben (um 1989) und führte sie schließ­lich konisch aus (ca. erste Hälfte der 1990er Jahre).

Der Druckstifteinsatz (3)

Die Spitze ist übri­gens die glei­che wie beim STAEDTLER MICROGRAPH F 770 1x und hat daher auch die Ringe, die die Strich­stärke kenn­zeich­nen1.

Der Druckstifteinsatz (3)

Wei­tere Ände­run­gen gab es bei der Kenn­zeich­nung. So kam „GERMANY“ auf dem Schaft hinzu, und auf dem Drü­cker steht mal „Ger­many“ und mal „W. Ger­many“ (letz­te­res bei mei­nen Exem­pla­ren kurio­ser­weise erst bei der drit­ten Gene­ra­tion des CIRCOFIX). Lei­der kann ich diese Ände­run­gen zeit­lich nicht zuver­läs­sig ein­ord­nen, und ich halte es auch für mög­lich, dass man je nach Ver­füg­bar­keit Schäfte, Drü­cker und sogar fer­tige Ein­sätze unter­schied­li­cher Gene­ra­tio­nen in Sets kom­bi­niert hat, was die Datie­rung erschwert.

Der Druckstifteinsatz (3)

Die letzte Erwäh­nung des CIRCOFIX2 fin­det sich im Kata­log von 2001, der nur noch die 0,5-mm-Variante aufführt.

1986, also zwei Jahre nach der Ein­füh­rung des CIRCOFIX, mel­dete STAEDTLER ein Gebrauchs­mus­ter und am sel­ben Tag ein Patent an, und zwar in bei­den Fäl­len für einen „Minen­ein­satz für Zir­kel und Schaft­ver­län­ge­rung hierzu“, erfun­den von Gerald Grötsch aus Fürth. Die in der Gebrauchsmuster- und der Offen­le­gungs­schrift ent­hal­te­nen Zeich­nun­gen sind iden­tisch und zei­gen u. a. einen dem bereits paten­tier­ten und dem CIRCOFIX sehr ähn­li­chen Druck­stift­ein­satz. Hat man etwa ver­sucht, ihn erneut paten­tie­ren zu las­sen? Die über­ra­schende Ant­wort auf diese Frage und einige span­nende Details gibt es im nächs­ten Teil die­ser Serie.

Danke an STAEDTLER für die Scans!

  1. Auch die Mecha­nik und der – hier natür­lich kür­zere – Minen­be­häl­ter sind iden­tisch zu den im STAEDTLER MICROGRAPH F 770 1x ver­wen­de­ten Kom­po­nen­ten.
  2. Kurio­ser­weise führt das DPMA­re­gis­ter die­sen Namen nicht auf, auch nicht als gelöscht. Wurde er etwa nicht ein­ge­tra­gen?
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