Blau und Gold
Prägung auf dem Titel der Schrift „275 Jahre Staedtler-Stifte“ (J.S. STAEDTLER, Nürnberg 1937), Jubiläums-Lumograph
Prägung auf dem Titel der Schrift „275 Jahre Staedtler-Stifte“ (J.S. STAEDTLER, Nürnberg 1937), Jubiläums-Lumograph
Ein ganz besonderer Bleistift wurde 1979 auf der Frankfurter Frühjahrsmesse als Teil der STABILOtone-Reihe vorgestellt.
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Der STABILOtone war ein runder, 110 mm langer und 15,5 mm dicker Farbstift mit einer 10 mm starken, wasservermalbaren Mine. Auf seinem Ende saß eine farblich abgestimmte Kunststoff-Endkappe, und seine Spitze wurde durch eine transparente Kappe geschützt. Es gab ihn in 51 Farben, drei Metallic-Tönen und einer besonders weichen Graphit-Variante, die die Nummer 47 und den Härtegrad XXB trug. – Wie dieses Faltblatt aus dem Jahr der Markteinführung zeigt, war der zum „Art & Grafik“-Sortiment gehörende STABILOtone einzeln und in verschiedenen Zusammenstellungen erhältlich.
Bei den ersten Stiften war das „tone“ in der Eurostile Bold Extended #21 ausgeführt. 1989 stellte STABILO auf die Frutiger als Firmenschrift um, was 1992 auch den Tone betraf. Ab diesem Zeitpunkt trugen die Stifte das „tone“ in der Frutiger 75, andere Farbcodes und der Graphitstift den Härtegrad 20B; zudem wurden die Stifte nun ohne Schutzkappe ausgeliefert. Eine weitere Umgestaltung folgte 1998 mit der Umbenennung zu „Tone“ mit trennendem Leerzeichen und der Umstellung auf die Frutiger 65. 2003 nahm man den Tone aus dem Programm und fertigte nur noch den woody 3 in 1.
Vorne: STABILOtone 635 (1992–1998), hinten: STABILO Tone 20B (1998–2003)
Der hier gezeigte STABILO Tone 47/20B stammt also aus der Zeit zwischen 1998 und 2003. Sein mattschwarzer Lack ist glatt und nahezu frei von Unebenheiten (ich dachte erst, es wäre eine Folie). Im Gegensatz zu den meisten Blei- und Farbstiften kam hier kein Folienprägedruck zum Einsatz, doch die verwendete Drucktechnik (Tampondruck?) kann ich nicht zuverlässig identifizieren. Die in drei Gruppen aufgeteilte Beschriftung ist aufgeräumt und sauber. – Am Rande: Trug die vorletzte Variante des Tone noch den Namen „Schwan“, so fehlt dieser bei der letzten.
Keine Erklärung habe ich für die Sterne links neben dem CE-Zeichen; ihre Anzahl beträgt bei meinen Farb-Tone 0 bis 5. Auch die Bedeutung der Zahl in der Klammer ist mir fremd, aber da manche Stifte die gleiche Zahl tragen, könnte es ein Produktionscode2 sein und bei Altersbestimmung helfen (die STABILOtone aus den Jahren 1992 bis 1998, d. h. die vor der zweiten Umgestaltung, haben diese Zahl übrigens nicht). – Eine Blindprägung gibt es bei keinem meiner Exemplare.
Die 30 mm lange Kappe, die das Stiftende verschließt, ist mit einem Schwan geschmückt. Sie sitzt fest und ziemlich bündig, was vermuten lässt, dass man vom Holz etwas abgetragen hat. Da man den Stift nur bis zu dieser Kappe spitzen kann, gehe ich davon aus, dass er eine Kurznut hat, d. h. die Mine kürzer als der Stift ist. Beim Holz, das sich gut spitzen lässt3, tippe ich auf Zeder, was meinen Eindruck einer hohen Material- und Verarbeitungsqualität bestärkt.
Im direkten Vergleich mit einem normalen Bleistift (hier ein Tombow Mono J) wirkt die Mine des Tone 20B noch beeindruckender.
Sie ist gebrannt, aber nicht präpariert (d. h. nicht in Paraffin getaucht) und besteht zu über 80% aus Graphit und zum Rest aus Ton und Ölen.
Es ist eine Freude, den STABILO Tone 20B zu benutzen. Seine Mine gleitet leicht über das Papier und hat eine sehr saubere Abgabe. Die Schwärzung ist hervorragend, geht aber nie auf Kosten des Graphitglanzes4; sogar die Radierbarkeit ist noch ordentlich5. Sehr positiv fällt zudem der sparsame Verbrauch auf – selbst durch die zahlreichen Tests wurde nur wenig von der Mine abgetragen.
Über den Härtegrad 20B kann man natürlich streiten, und ich will nicht ausschließen, dass sich hier das Marketing durchgesetzt hat. Ein kurzer Vergleich mit dem Mitsubishi 10B zeigt, dass dieser ebenso gut schwärzt und vielleicht sogar noch etwas besser gleitet6. Doch wie auch immer: Ich finde den wohl einzigartigen STABILO Tone 20B klasse und bedaure, dass es ihn nicht mehr gibt (und meines Wissens nichts Vergleichbares7 angeboten wird).
Danke an Herbert R., von dem die Scans und viele Details zum STABILO Tone stammen.
Nachtrag vom 28.2.13: Die Sterne stehen für die Lichtbeständigkeit der verwendeten Pigmente, wobei ein Stern dem Wert 2–3 auf der von 1 bis 8 laufenden Wollskala entspricht (0 Sterne: 1–2, 1 Stern: 3, 2 Sterne: 4, 3 Sterne: 5–6, 4 Sterne: 7, 5 Sterne: 8). – Die dreistellige Zahl in Klammern beim Tone ab 1998 ist tatsächlich der Produktionscode, doch die zweistellige Zahl beim tone von 1992–1998 (auch in Klammern) war die Farbnummer (siehe zweiten Scan). – Für die Endkappe wurde das Holz abgefräst, aber erst der woody 3 in 1 hatte eine Kurznut; die Mine des Tone war trotzdem kürzer als der Stift. – Ein Fachhändler hat mir gesagt, dass der Tone damals für knapp 5 DM (etwa 2,60 Euro) pro Stift verkauft wurde.
Nicht nur Schwan hatte Techniker-Etuis im Sortiment, sondern auch J.S. STAEDTLER, wie dieser Ausschnitt aus dem Katalog von 1919 zeigt.
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Die Pappschachtel, deren Gestaltung mich an das Krokier-Etui Nr. 3144 von Johann Faber erinnert, enthielt zehn kurze, runde Farbstifte, die wahlweise unbehandelt oder poliert waren. (Mit „poliert“ bezeichnete damals lackierte Stifte, denn diese wurden oft noch von Hand mit einem Tuch poliert.)
Wie man auf die Länge von 11 cm kam, ist mir unklar (auch die Herkunft der Standardlänge von 17,5 mm kenne ich bis heute nicht).
Die Gestaltung sowohl des Etuis als auch des Katalogs finde ich ansprechend. Für den Mengensatz kam die Behrens Antiqua von Peter Behrens und für die Überschriften die Fette Bernhard-Antiqua von Prof. Lucian Bernhard zum Einsatz; beide Fonts gefallen mir. – Ich halte es für möglich, dass der Rahmenschmuck des Etiketts ebenfalls von Peter Behrens stammt
Die Lücken in der Nummerierung dürften darauf zurückzuführen sein, dass die Stifte dieses Etuis ein Teil des kompletten Sortiments waren.
Wie bei den Landkartenstiften zeigten Abbildungen die Verwendung des Inhalts – für mich ein weiteres reizvolles Detail.
Der kleine Mond, diesmal recht ernst, durfte natürlich nicht fehlen.
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Das sogenannte Schwan-Auge auf dem Kopierstift Schwan Othello 982. – Zu den Ringen siehe „Bunt beringt“.
Neu in der Rubrik „Brauch‘ ich zwar nicht, muss ich aber haben“: Ein alter Aschenbecher von STAEDTLER.
Das 150 mm breite, 38 mm hohe und gut 400 g schwere Stück ist vermutlich aus glasiertem Steingut und trägt keine Kennzeichnungen. Der Marskopf, wie er hier zu sehen ist, wurde 1925 bis 1952 benutzt, und so ist der Aschenbecher 61 bis 88 Jahre alt.
Natürlich wird er bei mir nie mit Asche in Berührung kommen1, sondern mich anderweitig erfreuen. So könnte er z. B. als dekorative Ablage für Bleistiftstummeln dienen.
Außer der in meinen Augen sehr schönen Gestaltung gefällt mir, dass der Aschenbecher und der Bleistift den Ton gemeinsam haben.
Aus einem Faltblatt für den Tintenstift STABILO Cellomin: Die attraktiven Kennringe einiger Tinten- und Kopierstifte der Schwan-Bleistift-Fabrik.
Die patentierte Mine des Ende der 1930er Jahre eingeführten Cellomin enthielt Farbzellen, die durch ein Gerüst chemischer Stoffe umgeben und so vor Feuchtigkeit geschützt waren; lediglich die äußeren und die an der Spitze abgeschriebenen Farbzellen lagen frei. So wurde das Aufweichen der Mine und das Verbiegen des Stifts bei feuchter Luft vermieden.
Das aus dem Jahr 1940 stammende Faltblatt mit zahlreichen Anwendungsbeispielen beantwortet auch eine häufig gestellte Frage:
Wie unterscheiden sich Kopier- von Tintenstiften?
Kopierstifte schreiben schwarz, kopieren aber violettfarbig.
Bei Tintenstiften ist Schrift und Kopie gleichfarbig.
Tintenstifte sind auch als Farbkopierstifte allgemein bekannt.
(Allerdings passt der zweite Satz nicht zu allen aufgeführten Tintenstiften.)
Übrigens: Der STABILO Cellomin war 1939 der erste Stift, der das im April 1938 eingetragene Schwan-Auge trug. – Eine weitere Reklame für den Cellomin gibt es unter „STABILO im Büro“.
Nein, nicht meiner, sondern der der Firma J.S. STAEDTLER.
Mit „Wiener Methode“ bezeichnete man das Mischen des Graphits mit Ton, denn manchen Quellen zufolge hat der Österreicher Josef Hardtmuth bereits 1790 und damit vor Nicolas-Jacques Conté die keramische Mine erdacht. Henry Petroski schreibt dazu in seinem Buch „Der Bleistift“: „Hardtmuth selbst behauptete, das Verfahren – die sogenannte ‚Wiener Methode‘ – erst im Jahr 1798 erfunden zu haben, also drei Jahre nach Contés Patent. Andere Quellen berichten aber, dass das neue Verfahren in Wien erst viel später zur Anwendung kam, als es nämlich von Contés Schwiegersohn Arnould Humblot dort eingeführt wurde.“
Den Stammbaum habe ich dem Buch „Das Wirtschaftsleben der Stadt Nürnberg von 1050 bis 1950“ von Karl Seiler entnommen.
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es mehrere zum Teil konkurrierende Stifthersteller mit dem Namen Faber, und an andere konnten sich die Kunden zumindest noch erinnern. So war es für diese Unternehmen besonders wichtig, sich abzusetzen und nicht nur auf ihren Namen (oder wie im Falle von A.W. Faber sogar auf Namensbestandteile), sondern auch auf ihr Markenzeichen hinzuweisen, wie es Johann Faber mit dieser etwa 100 Jahre alten und 5 × 5 cm großen Reklamemarke getan hat. Statt eines Produktbilds stehen hier Schlägel und Eisen im Mittelpunkt, die bis ins 17. Jahrhundert hinein die typischen Werkzeuge des Bergmanns waren und auch heute noch als Symbol in Gebrauch sind (es kennzeichnet u. a. den Werktag in Fahrplänen und ist im Unicode-Standard enthalten). Ich vermute, dass Johann Faber dieses (übrigens seitenverkehrte) Zeichen wegen des Graphitbergbaus gewählt hat, und würde mich nicht wundern, wenn man mit dem Bogen auf dieser in meinen Augen sehr ansprechenden Reklamemarke einen Stollen hat andeuten wollen. – Apropos Marke: Das 1875 in Kraft getretene Markenschutzgesetz geht auf die Petition eines anderen Faber zurück, nämlich auf die des Lothar von (und Bruder des Johann).
Nachtrag vom 28.2.13: In der Festschrift „Die Bleistift-Fabrik von Johann Faber in Nürnberg“ von Carl Faber, herausgegeben anlässlich des 70. Geburtstags von Johann Faber und des zehnjährigen Bestehens der Fabrik (Bieling-Dietz 1889), heißt es:
„Alle Bleistift von Johann Faber sind mit dem vollen Namen der Firma: Johann Faber und der Schutzmarke ⚒ (zwei sich kreuzenden Hämmern) gestempelt.“
Den Kopf der Seite 1 ziert diese Grafik:
Somit handelt es sich bei diesem Logo nicht um Schlägel und Eisen, wie ich bisher dachte, sondern um zwei Hämmer.
Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf diese Festschrift!
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