Farbenpracht
Sehr bunt: Eine alte Musterkarte mit „Programme Pencils“ von Dixon aus New Jersey, USA.
Ähnlich wie der Ballbleistift von J.S. STAEDTLER waren diese nur 80 mm kurzen und 5 mm dünnen Bleistifte für den Gebrauch mit den sogenannten Tanzkarten gedacht, auf denen man die Tanzpartner des Abends eintragen konnte.
Danke an Sean von Contrapuntalism für diese schönen Stifte!
Kurz notiert
- Vor kurzem wurde ein Patent von STAEDTLER veröffentlicht. Es beschreibt eine Beschichtung, die aus Zellulose, Bindemittel, Weichmacher und Haftvermittler besteht und eine Alternative zu herkömmlichen Nitrozellulose-Lacken darstellen soll, denn diese Lacke haben den Nachteil, auf WPC1-Schäften, also z. B. dem des STAEDTLER Noris eco (ehemals Wopex), nicht so gut zu haften und leicht abzuplatzen. – Danke an Wowter für den Hinweis!
- Das Holz der Rotbuche (Fagus sylvatica), das für einen der „Swiss Wood“-Bleistifte von Caran d’Ache (348 und im Set) zum Einsatz kommt, wird von Ets Röthlisberger SA in Glovelier (Schweiz), Teil der Corbat-Holding SA, behandelt. Unter „Thermobehandlung“2 zeigt das Unternehmen den Caran d’Ache 348, und durch eine Anfrage konnte ich erfahren, dass diese Behandlung des Holzes zur dunkelbraunen Färbung führt. Ein Holzfachmann hat mir zudem mitgeteilt, dass bei den Temperaturen dieser Behandlung (150 bis 200 °C) das Lignin freigesetzt wird; daher das Aroma dieses Bleistifts.– Auf die Ets Röthlisberger SA aufmerksam geworden bin ich durch das interessante Weblog Golyóstoll blog.
- Wood-plastic composite.↩
- Die englische und die französische Seite nennen den Bleistift auch („..and the new “Swiss Wood” pencils by Caran d’Ache!”).↩
Caran d’Ache Swiss Wood
Bereits im April hat Caran d’Ache ein neues „Swiss Wood“-Set auf den Markt gebracht.
Es enthält drei Bleistifte aus Arve1, Buche und Waldkiefer2 sowie einen Spitzer und einen Radierer. Der Karton ist in Französisch, Deutsch und Englisch beschriftet und die Stifte in Französisch, Deutsch und Italienisch. – Die sechseckigen Aussparungen im Deckel, die den Blick auf den Inhalt freigeben, finde ich pfiffig.
Exkurs: Swiss Wood
Der meines Wissens erste Bleistift mit der Bezeichnung „Swiss Wood“ war der Caran d’Ache 348 aus Buche, der vor fünf Jahren auf den Markt kam. Im August 2015 folgte das erste „Swiss Wood“-Set mit Bleistiften aus Arve und Buche, wobei sich letzterer vom 348 nur durch die Kennzeichnung unterschied, und auf der diesjährigen Paperworld zeigte man den „Swiss Wood“-Bleistift aus Waldkiefer3 mit dem Hinweis, er werde nur zusammen mit denen aus Arve und Buche erhältlich sein. Alle Stifte dieses Sets tragen das COBS-Zeichen (Certificat d’origine bois Suisse), das die Schweizerische Herkunft des Holzes bestätigt. Der deutsche Text auf der Verpackung nennt zusätzlich HSH (Herkunftszeichen Schweizer Holz) für in der Schweiz gewachsenes und auch dort verarbeitetes Holz. – Das zurzeit einzige „Swiss Wood“-Produkt auf der Website von Caran d’Ache ist das zweiteilige Set von 2015.
Die Arve (Pinus cembra) wird gerne als „Königin der Alpen“ bezeichnet, da sie dort in Höhen bis 2200 Meter und bei Temperaturen bis -40 °C wächst. Sie wird 200 bis 400 Jahre alt, in manchen Fällen sogar deutlich älter, und so weiß ich nicht, ob man aus diesem Baum ein so kurzlebiges Produkt wie den Bleistift fertigen muss4. Bei der hier genutzten Buche aus dem Jura handelt es sich wohl um die Rotbuche (Fagus sylvatica)5. Sie trägt beim 348 das FSC-Zeichen und sollte als Bleistiftholz unbedenklich sein, ebenso die schnell wachsende Waldkiefer (Pinus sylvestris).
Auf der Rückseite des Kartons heißt es:
Entdecken Sie mit dem neuen Geschenkset „Swiss Wood“ die Schönheit der Schweizer Wälder. Dieses Set aus drei Stiften aus den Arvenwäldern, Buchenwäldern und Waldkiefern enthält einen Radiergummi und einen Spitzer. Es steht für das Schönste, was die Natur bietet. Dieses Sortiment wird mit dem Know-how der Kunsthandwerker in den Genfer Werkstätten von Caran d’Ache gefertigt und ist somit bis auf das Innerste des Holzes Swiss Made. Es ist in limitierter Auflage erhältlich.
Gut, dass das nicht vor dem Kauf gelesen habe, denn sonst hätte ich vielleicht auf das Set verzichtet. „Es steht für das Schönste, was die Natur bietet“, „Kunsthandwerker in den Genfer Werkstätten“ – also bitte! Ein Bleistift steht sicher nicht für das Schönste, was die Natur bietet, und statt der Kunsthandwerker waren bei Caran d’Ache wohl eher Techniker am Werk6. Aber vielleicht gehöre ich ja auch einfach nicht zur Zielgruppe, die sich von solchen Sprüchen beeindrucken lässt7.
Die Bleistifte machen auf mich einen hervorragenden Eindruck. Sie sind mit 8,3 mm (Arve, Waldkiefer) bzw. 8,1 mm (Buche) dicker als der Standard, was sich gut anfühlt. Der matte Klarlack hat eine samtige Oberfläche; lediglich auf dem Exemplar aus Waldkiefer gibt es eine leicht rauhe Stelle.
Die rote Tauchkappe und das Schweizerkreuz sind sauber aufgebracht und durch glänzenden Klarlack geschützt, der einen Millimeter auf den Schaft reicht. Beim bis auf ein paar kleine Unsauberkeiten ordentlichen Prägedruck gefällt mir, dass für die beiden hellen Stifte Schwarz und für den dunklen Weiß gewählt wurde.
Neben den Kennzeichnungen auf zwei Flächen findet sich noch eine sechsstellige Blindprägung8, aber keinen Strichcode (wohl deshalb, weil die Stifte nicht einzeln verkauft werden).
Die Minen haben einen Durchmesser von 2,4 mm, sind aber trotz der Angabe „HB“ zu meiner Überraschung unterschiedlich hart: Verglichen mit dem STAEDTLER Mars Lumograph liegen die Härtegrade etwa bei F (Waldkiefer), HB (Arve) und B (Buche). Sie haben das für Caran d’Ache typische Gleiten, eine sehr saubere Abgabe, eine gute Schwärzung und eine sehr hohe Bruchfestigkeit; die Radierbarkeit9 und die Wischfestigkeit sind gut bis sehr gut.
Zu den drei Bleistiften gibt es einen Einfach-Magnesiumspitzer und einen schwarzen, weichen Radierer. Der Spitzer hat – ebenso wie der des Zweier-Sets – außer „Made in Germany“ keine Kennzeichnung, ist aber dem im Technograph-Set sehr ähnlich. Letzterer ist ein Eisen 040, und die Gestaltung des Spitzers in diesem Set, vor allem aber die Beschriftung des Messers, lassen vermuten, dass es sich auch hier um einen Eisen 040 handelt10. – Beim schwarzen Radierer tappe ich im Dunkeln.
Ich werde die Bleistifte zusammen mit dem Spitzer und dem Radierer demnächst benutzen und kann dann auch etwas zu den Gebrauchseigenschaften sagen. – Das Set hat die Artikelnummer 348.103 und den empfohlenen Verkaufspreis von 21 Euro11.
Nachtrag vom 9.2.21: In „Die Caran d’Ache Saga – Von Genf in die Welt“ von Ralph Brühwiler wird erwähnt, dass Caran d’Ache bereits während des 2. Weltkriegs Bleistifte aus Arve gefertigt hat, da der Import von Zedernholz aus Kalifornien nicht möglich war. Die Arve kam damals aus dem Wallis und Graubünden und musste imprägniert und gefärbt werden. – Weiterhin heißt es, dass die Hölzer für die Bleistifte dieses Sets aus dem bündnerischen Trin (Arve), dem jurassischem Glovelier (Buche) und verschiedenen Schweizer Wäldern (Kiefer) stammen.
Nachtrag vom 12.3.21: Laut diesem Kommentar bei pencil talk handelt es sich bei dem Radierer um den Milan nata negra 7024.
- Auch Arbe, Zirbe oder Zirbelkiefer.↩
- Auch Rotföhre, Weißkiefer oder Forche.↩
- Neben diesem gibt es seit April einen weiteren Bleistift aus Waldkiefer. Dieser hat einen kleineren Durchmesser (7,5 mm), eine normaldicke Mine (2 mm), keine Tauchkappe und einen anderen Prägedruck. Er gehört zur „Edelweiss“-Serie, hat die Art.-Nr. 341.282 und ist nach Angaben von Caran d’Ache offiziell nicht in Deutschland erhältlich (siehe Seite 62 des Katalogs „All the Colours of Caran d’Ache 2018“).↩
- Ja, ich weiß – hier war ich inkonsequent.↩
- Im Gegensatz zu den Bleistiften aus Arve und Waldkiefer habe ich bei dem aus Buche den Eindruck, als wäre das Holz gefärbt.↩
- Und wahrscheinlich auch der eine oder andere Chemiker, denn die Nutzbarmachung von untypischen Hölzern für die Bleistiftfertigung ist sicher kein ganz triviales Unterfangen.↩
- Immerhin gibt es hier keine Doppeldeutigkeiten wie „Aussergewöhnliche Holzarten für eine exklusive Kollektion“ und „Die Bleistifte von Caran d’Ache verdanken ihre Besonderheit einer passionierten Suche nach feinen Edelhölzern“, die bei den „Les Crayons de la Maison Caran d’Ache“-Sets für Verwirrung gesorgt haben (siehe „Nach Art des Hauses“).↩
- Arve: 60897, Waldkiefer und Buche: 63559.↩
- Getestet mit dem Radierer aus dem Set und dem KUM Ultra CLN.↩
- Einen aktuellen, schwarz lackierten Eisen 040 gibt es unter „Globalisierung zu sehen.↩
- Damit ist es günstiger als das zweiteilige erste „Swiss Wood“-Set“.↩
Holz und Holz
Genauer: Zweimal Kirschholz, und zwar als Einband des Notizbuchs Cherry Graph von Field Notes und als Schaft des modifizierten STAEDTLER 925 25 03.
Danke an Matthias für das Notizbuch!
Begegnung
Kisho und Maja kennen sich schon sehr lange, und so ließ die Aufforderung zum Tanz nicht lange warten.
STAEDTLER MARS-IMPULSOGRAPH 108 70
Der IBM Electrographic ist wohl der bekannteste Bleistift für das maschinenlesbare Markieren, aber es gab noch andere1. Einer davon ist der MARS-IMPULSOGRAPH 108 70 von STAEDTLER.
Er wurde im Juli 1959 unter Artikelnummer 2870 eingeführt und als Spezialstift zum Beschriften von Lochkarten im Zeichenlochverfahren angeboten. Parallel dazu gab es Minen dieser Art, und zwar im 6er- und im 12er-Set (Art.-Nr. 8390 und 8392). Mit der Einführung des neuen Nummernsystems im Jahr 1967 erhielt der MARS-IMPULSOGRAPH die Nummer 108 70. Er blieb noch bis Ende der 1970er Jahre in den Katalogen und verschwand dann aus dem Sortiment2.
Der MARS-IMPULSOGRAPH hat den klassischen marsblauen Lack und Standardabmessungen, aber eine 2,5 mm dicke Mine. Außer den üblichen Details trägt er die Kennzeichnung „FOR MARKSENSING – FÜR ZEICHENLOCHUNG“; eine Blindprägung kann ich nicht finden. Ein in meinen Augen sehr reizvolles Detail sind die beiden Punkte auf allen sechs Flächen (ich vermute, sie beziehen sich auf die Kartenlochung3).
Die weißen Käppchen haben feine Risse, und ebenso wie die Schäfte mancher Exemplare zeigen sie leichte und vermutlich durch unsachgemäße Lagerung bedingte Verfärbungen. Bei drei Stiften ist der Lack entlang der Trennlinie dunkel gefärbt; möglicherweise ist der Leim4 ausgetreten und hat mit dem Lack reagiert.
Exkurs: Zeichenlochung
Die erste Maschine, die Bleistift-Markierungen anhand ihrer Leitfähigkeit erkannte, war die IBM 805 Test Scoring Machine aus dem Jahr 1937. Für dieses unter dem Markennamen „Mark Sense“ eingetragene Verfahren wurden später Elektrografik-Bleistifte und Elektrografik-Tinte für Füllfederhalter angeboten.
Markieren und Lesen (Quelle: Automatic Punches General Information Manual; IBM 1959)
Bei der Zeichenlochung wurden die auf der Lochkarte vorgenommenen Markierungen abgetastet und die dabei entstehenden Ströme verstärkt, um den Lochvorgang auszulösen. Auch dieses Verfahren wurde von IBM erdacht und erstmals in den 1940er Jahren mit dem IBM 513 Reproducing Punch (Kartendoppler) umgesetzt.
IBM 513 (Quelle: IBM Electric Punched Card Accounting Machines – Principles Of Operation; IBM 1952)
Die Vorteile der Zeichenlochung bestanden darin, dass die Lochkarte mit den Markierungen zum Originalbeleg wurde und alle weiteren Arbeitsgänge automatisch durchgeführt werden konnten; so ließen sich auch Fehler minimieren. Zudem konnten die Lochkarten dezentral erstellt werden. – Zurück zum MARS-IMPULSOGRAPH.
Der Härtegrad der Mine entspricht etwa 3B des STAEDTLER Mars Lumograph5. Sie gleitet jedoch nicht ganz so leicht, was auf einen geringeren Wachsanteil schließen lassen könnte (was nicht verwundern würde, vermindert das Wachs doch die benötigte Leitfähigkeit des Abstrichs). Die Gebrauchseigenschaften des MARS-IMPULSOGRAPH erfreuen: Abgabe, Schwärzung, Radierbarkeit, Wischfestigkeit und Bruchfestigkeit sind gut bis sehr gut, und im Pollux, der gerne die Schwächen eines Bleistifts offenlegt, machen Mine und Zedernholz eine gute Figur.
Mit dem M+R Pollux
Die Lochkarte ist verschwunden und damit auch die Aufgabe des STAEDTLER MARS-IMPULSOGRAPH, doch die Qualitäten dieses Bleistifts beeindrucken noch heute!
- Andere waren der Dixon Sense-A-Mark, der Faber-Castell 9000 E Special und der FILA Electrographic 203 (vermutlich gab es noch mehr). – Die neueren Bleistifte für das maschinelle Lesen wie z. B. der General’s Test Scoring 580, der Musgrave Test Scoring 100, der Stabilo Exam Grade sowie die „Mark Sheet“-Bleistifte von Mitsubishi und Tombow arbeiten anders, denn ihr Abstrich wird nicht über die Leitfähigkeit, sondern anhand des Reflexionsgrades oder der Lichtdurchlässigkeit erkannt (Optical Mark Recognition, OMR).↩
- Danke an STAEDTLER für diese Details.↩
- Die Löcher in den Lochkarten waren jedoch meist rechteckig.↩
- Bei der hier genutzten Sicherheitsverleimung (gekennzeichnet durch das von zwei Trapezen eingeschlossene „S“) kamen zwei unterschiedliche Leime (Holz/Holz und Holz/Mine) zum Einsatz, was die Bruchfestigkeit der Mine im Holz erheblich verbesserte.↩
- Der MARS-IMPULSOGRAPH ist geringfügig weicher als der IBM Electrographic.↩
Auf einen Blick
Dem Mangel an Tortendiagrammen in diesem Blog muss ich abhelfen.

Mit dieser aussagekräftigen Infografik sollte der Bedarf sowohl an Tortendiagrammen als auch an Albernheiten zumindest für heute gedeckt sein.





















