Museum

Constant de Thierry des Estivaux, 1847

Bei einer Spu­ren­su­che habe ich den Fran­zo­sen Con­stant de Thierry des Estivaux und seine Erfin­dung eines rohr­för­mi­gen Blei­stift­spit­zers mit sich ver­jün­gen­der Spitze1 und einem Mes­ser aus dem Jahr 1847 erwähnt. Mein Leser Wow­ter hat nun die Patent­schrift2 gefun­den; hier die Abbil­dung daraus.

Constant de Thierry des Estivaux, 1847

Wenn ich rich­tig info­miert bin, ist das der Urahn aller moder­ner Hand­spit­zer3. – Danke an Wow­ter für die­sen Fund!

  1. Ich schließe ange­sichts des weni­gen Mate­ri­als eine Boh­rung aus und denke eher, dass zumin­dest das koni­sche Vor­der­teil von Estivaux‘ Kon­struk­tion aus Blech geformt war. Hinzu kommt, dass die kegel­för­mige Boh­rung Theo­dor Paul Möbius zuge­schrie­ben wird; er soll sie 1908 zum ers­ten Mal bei einem Spit­zer ange­wandt haben.
  2. Ein direk­ter Link auf diese Patent­schrift ist lei­der nicht mög­lich, doch so gelangt man zu ihr: http://bases-brevets19e.inpi.fr → Recher­che avan­cée → Déposant/​Mandataire Estivaux → Cote: 1BB5474, Voir le dos­sier.
  3. Inter­es­sant zu wis­sen wäre, ob er jemals gefer­tigt wurde.

Granate 1975

Ein wei­te­res Puz­zle­stück in der Geschichte des als „Gra­nate“ bekann­ten Hand­spit­zers 6041 von Möbius+Ruppert ist diese Abbil­dung aus dem Kata­log des Jah­res 1975.

Granate 1975

Hier fällt auf, dass das Mes­ser zwar schon mit einer Schlitz­schraube befes­tigt und auch nicht mehr durch zwei Stifte fixiert wurde, aber noch wie bei den älte­ren Model­len mit Rän­del­schraube über den Rand des Kor­pus her­aus­ragt2. Spä­ter hat man das Mes­ser schma­ler gemacht und in ein Mes­ser­bett gelegt; es schloss dadurch bün­dig ab und wurde zudem durch Form­schluss gehalten.

  1. Begon­nen hat die „Gra­nate“ bei Möbius+Ruppert mei­nes Wis­sens in den 1930er Jah­ren mit der Typen­be­zeich­nung 14, wobei die 14/​I aus Mes­sing und die 14/​II aus „Elektron-​Metall“, also einer Magnesium-​Legierung, war; ihr folgte die 640.
  2. Vor­aus­ge­setzt, die Illus­tra­tion ist kor­rekt.

Seltsames Muster

Man­che ältere Win­kel­mes­ser wie z. B. die­ses min­des­tens 23 Jahre alte1 Exem­plar2 von Möbius+Ruppert tra­gen außer den Grad­ska­len noch ein selt­sa­mes Mus­ter. Wel­chen Zweck hat dieses?

Seltsames Muster

Die­ser soge­nannte Trans­ver­sal­maß­stab (engl. dia­go­nal scale) dient der prä­zi­sen Län­gen­mes­sung. Wäh­rend die Tei­lung der meis­ten Lineale nur das sichere Able­sen von Mil­li­me­tern erlaubt und man bei Zehn­tel­mil­li­me­tern schät­zen muss (eine sol­che Tei­lung lässt sich kaum noch ver­nünf­tig anbrin­gen), so kön­nen mit die­sem Trans­ver­sal­maß­stab auch letz­tere noch gut abge­le­sen werden.

Seltsames Muster

Dazu legt man den Maß­stab so an, dass das rechte Ende der abzu­mes­sen­den Stre­cke auf einem Zeh­ner­wert und das linke inner­halb des schräg schraf­fier­ten Bereichs liegt. Anschlie­ßend ver­schiebt man den Maß­stab par­al­lel zur Stre­cke, bis sich das linke Ende unter einem Schnitt­punkt befin­det, und liest an der unte­ren Skala die Mil­li­me­ter ab. Die Zehn­tel­mil­li­me­ter erhält man, indem man vom Schnitt­punkt nach links zur senk­rech­ten Skala geht. Die Stre­cke im Bei­spiel ist also 40+7+0,6=47,6 mm lang.

Benutzt wurde der Trans­ver­sal­maß­stab im tech­ni­schen Zeich­nen und – daher auch die Angabe „1:1000“ – in der Kar­to­gra­fie (da oft zusam­men mit einem Stech­zir­kel). Laut dem Buch „Dra­wing Instru­ments 1580–1980“ von Maya Ham­bly (Sotheby’s Publi­ca­ti­ons 1988) reicht die Geschichte des Trans­ver­sal­maß­stabs bis in das frühe 18. Jahr­hun­dert zurück.

Danke an Herrn Fischer von Möbius+Ruppert für die­sen Halbkreis-Winkelmesser!

  1. Das Logo wurde 1992 geän­dert.
  2. Die­ser Win­kel­mes­ser hatte im Kata­log von 1975 die Arti­kel­num­mer 2109.

„Stenograph“

Steno-​Bleistifte sind eine aus­ster­bende Gat­tung, und nach dem Anfang 2012 ein­ge­stell­ten STAEDTLER steno­fix dürfte der Faber-​Castell 9008 der letzte die­ser Spe­zies sein. So freue ich mich immer, wenn ich einem alten Exem­plar begegne, z. B. die­sem Schwan-​STABILO 8001.

„Stenograph”

Der 8001 hat mei­nes Wis­sens die glei­che her­vor­ra­gende Mine wie der micro 8000, der ab 1991 in Český Krum­lov (Tsche­chien) gefer­tigt1 und einige Jahre spä­ter aus dem Sor­ti­ment genom­men wurde.

„Stenograph”

Die Gestal­tung des sehr gut ver­ar­bei­te­ten 8001, des­sen Alter ich auf 50 Jahre schätze, gefällt mir sehr. Pfif­fig: Das unauf­fäl­lige „ch“ in „SchWAN“, das den Namen mehr­spra­chig macht. Am bes­ten finde ich jedoch den Zusatz „Ste­no­graph“.

„Stenograph”

Vie­len Dank an Bernd R. für die­sen schö­nen Bleistift!

Wei­tere Steno-​Bleistifte in die­sem Blog:

  1. Diese Ver­la­ge­rung war der Qua­li­tät des micro 8000 nicht zuträg­lich, wie der direkte Ver­gleich von alt und neu zeigt.

Noch in Gebrauch

Ich freue mich immer, wenn ich altes, nicht mehr erhält­li­ches Schreib­ge­rät sehe, das noch benutzt wird. Heute fiel mir in einem Main­zer Fach­ge­schäft der Behäl­ter­spit­zer 920 von Möbius+Ruppert auf.

Noch in Gebrauch

Die­ses Modell trägt das alte, 1972 ein­ge­tra­gene Logo, das zwi­schen M und R zwei Geo­drei­ecke und ein Spitz­loch hatte, wobei letz­te­res an ein „O” erin­nerte und das Logo daher wie „MOR” aus­sah. Es wurde bis 1992 ver­wen­det, und so ist der (übri­gens bemer­kens­wert gut erhal­tene) Spit;zer min­des­tens 23 Jahre alt. Klasse!

Nach­trag vom 30.3.15: In der ers­ten Vari­ante des 920 war der Magne­si­um­spit­zer in den Deckel ein­ge­schraubt (siehe Patent DE1805118 von 1968). Da dies fer­ti­gungs­tech­nisch sehr auf­wän­dig war – der Deckel musste dop­pelt ent­spin­delt wer­den – hat man den Spit­zer spä­ter ein­ge­gos­sen. Diese ver­ein­fachte Vari­ante ist auch im Foto zu sehen.

STAEDTLER MARS LUMOCHROM

Ange­regt durch Sola von pen­cils and other things und ihren Bei­trag „Scary Point“: Ein kur­zer Blick auf zwei Sets des Farb­stifts STAEDTLER MARS LUMOCHROM.

STAEDTLER MARS LUMOCHROM

STAEDTLER MARS LUMOCHROM

Das erste zeigt den Mars­kopf, wie er von 1963 bis 1973 benutzt wurde, und da 1967 die drei­stel­li­gen Arti­kel­num­mern ein­ge­führt wur­den, denke ich, dass die­ses Set zwi­schen 1967 und 1973 auf den Markt kam. Die Stifte die­ses Sets tra­gen die Blind­prä­gung „77“, doch die kann ich nicht inter­pre­tie­ren (Juli 1967?). – Ich meine mal gehört zu haben, die Rich­tung der Beschrif­tung wäre 1963 geän­dert wor­den, bin mir aber nicht mehr sicher; mög­li­cher­weise ist die Umstel­lung über einen län­ge­ren Zeit­raum erfolgt.

STAEDTLER MARS LUMOCHROM

STAEDTLER MARS LUMOCHROM

Das zweite Set trägt den Mars­kopf der Jahre 1973 bis 2001, so dass es aus die­ser Zeit stam­men dürfte. Hier kann ich keine Blind­prä­gung erken­nen, doch das von zwei Tra­pe­zen ein­ge­schlos­sene „S“ fällt auf; mei­nes Wis­sens steht es für „Sicher­heits­ver­lei­mung“, bei der zwei unter­schied­li­che Leime (Holz/​Holz und Holz/​Mine) ver­wen­det wer­den. – Ob diese die letzte Vari­ante des in 24 Far­ben erhält­li­chen LUMOCHROM war und wie lange es ihn gab, weiß ich nicht; 2004 wurde die Wort­marke gelöscht.

»Feinminenzeichner«

Auch heute gibt’s nur einen schnel­len Scan, und zwar von einer Anzeige, die 1977 den Druck­blei­stift STAEDTLER MARS-​MICROGRAPH HS bewarb1.

Feinminenzeichner

Soweit ich weiß, stand „HS“ für „half sli­ding“. – Die an einen Inte­gral­helm erin­nernde Vari­ante des Mar­s­kop­fes und die unkon­ven­tio­nelle DT-​Ligatur wur­den von 1973 bis 2001 benutzt.

  1. Wenn ich mit einem Fein­mi­nen­stift zeichne, bin dann nicht ich der Fein­mi­nen­zeich­ner?
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