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Das Hand­buch für Papier und Büro­be­darf aus dem Jahr 1949 wurde durch viele Anzei­gen mit­fi­nan­ziert. Zu den für mich inter­es­san­ten gehört diese für die Argument-​Füllhalterfabrik Georg Karasch in Berlin.

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Das Männ­chen ist natür­lich nicht nur Füllfederhalter-, son­dern auch Sympathieträger.

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Auch die Schrift gefällt mir sehr gut. Sie erin­nert mich an die Neu­zeit Gro­tesk von Wil­helm Pisch­ner aus dem Jahr 1929, doch ich konnte sie noch nicht identifizieren.

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Eine reiz­volle Anzeige!

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Spurensuche

Nach wie vor unbe­kannt ist mir der Ursprung des unter dem Namen „Gra­nate“ bekann­ten Hand­spit­zers, und so greife ich zu allem, was Auf­schluss geben könnte. Zwei Funde der jüngs­ten Zeit lie­fern inter­es­sante Details.

Spurensuche

Im Bild die aktu­elle „Gra­nate“ von Möbius+Ruppert

Das „Hand­buch für Papier und Büro­be­darf“ von Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert, einem gut 600-​seitigen Fach­buch für den Bürobedarfs- und Papier­wa­ren­han­del aus dem Max Schwabe Ver­lag, erschie­nen im Jahre 19491, nennt und zeigt die „Gra­nate“ in der Rubrik „Blei­stift­an­spit­zer“.

Spurensuche

Das hier abge­bil­dete Modell ähnelt sehr der „Gra­nate 5“ von Möl­ler & Breitscheid

Bemer­kens­wert ist der Hin­weis dar­auf, dass die­ser Spit­zer vor etwa 60 Jah­ren, also um 1889 in den Han­del gekom­men sein soll.

Die „Kleine Anspitzer-​Fibel“ von Leon­hard Ding­werth nennt als Erfin­der der „Gra­nate“ den Fran­zo­sen de Thierry; das Patent soll er am 14. April 1847 erhal­ten haben. Die Fibel ent­hält zwei Anzei­gen von 1900 und 1925, die mit dem Namen „Gra­nate“ wer­ben, doch die­ser wurde erst 1939 als Waren­zei­chen für Möl­ler & Breit­scheid ein­ge­tra­gen. War er schon frü­her üblich, aber nicht als Marke regis­triert? Wei­ter heißt es dort, die „Gra­nate“ wäre ab ca. 1847 von Möl­ler & Breit­scheid her­ge­stellt wor­den, was jedoch im Wider­spruch zum „Hand­buch für Papier und Büro­be­darf“ steht. Hinzu kommt, dass Möl­ler & Breit­scheid keine eigene Pro­duk­tion hatte, son­dern nur eine Ver­triebs­firma war.

Mir neue Infor­ma­tio­nen lie­ferte der Arti­kel „Con­stant de Thierry des Estivaux, Mar­quis de Fale­tans – Inven­tor of the Pen­cil Shar­pe­ner“ von Rupert Will­oughby, ver­öf­fent­licht im Juli 2011.

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Con­stant de Thierry des Estivaux (Quelle: Rupert Will­oughby)

Con­stant de Thierry des Estivaux2, gebo­ren 1797 in Paris, erhielt 1839 sein ers­tes Patent. Nach einer wei­te­ren Erfin­dung im Jahr 18463 folgte 1847 das dritte Patent, dies­mal für einen rohr­för­mi­gen Blei­stift­spit­zer mit kegel­för­mi­ger Boh­rung und einem Mes­ser4. Wie die­ser aus­sah, müss­ten die Patent­un­ter­la­gen zei­gen5, doch wer hat die­sen Spit­zer wann und wo erst­mals gefer­tigt? Wie kam das Design6 dann zu Möbius+Ruppert und dem Her­stel­ler, der Möl­ler & Breit­scheid belie­fert hat? Hat viel­leicht Möbius+Ruppert für Möl­ler & Breit­scheid produziert?

Es gibt noch einige Spu­ren zu verfolgen!

Nach­trag vom 23.3.15: Die „Gra­nate“ stammt nicht von Con­stant de Thierry des Estivaux; Details zu sei­ner Erfin­dung gibt es hier.

  1. Vor­läu­fer waren das Hand­buch für den Bürobedarfs- und Papier­wa­ren­han­del von Dr. Her­mann Wildt, Arthur Gut­hke und Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert, erschie­nen 1939 im Max Schwabe Ver­lag (Ber­lin), sowie das Hand­buch des Papier- und Schreib­wa­ren­han­dels, her­aus­ge­ge­ben vom Reichs­bund Deut­scher Papier- und Schreib­wa­ren­händ­ler e.V. und erschie­nen 1928 im Ver­lag Der Papier­händ­ler GmbH (Würz­burg). – Diese drei Bücher unter­schei­den sich deut­lich. Das erste hat im Gegen­satz zum zwei­ten und drit­ten keine Abbil­dun­gen, und nur das dritte zeigt die „Gra­nate“; zudem wurde es über Anzei­gen mit­fi­nan­ziert (z. B. mit die­ser für die Argument-​Füllhalterfabrik).↩
  2. Der Name Thierry des Estivaux wird auch im Buch „Pot­lo­den & Pun­ten­sli­j­pers“ von Paul Dirks und Toon Kes­sels erwähnt. – Als Erfin­der des ers­ten Blei­stift­spit­zers, der unse­rem heu­ti­gen jedoch gar nicht ähn­lich sieht, wird oft der Fran­zose Ber­nard Las­si­monne (auch Las­si­mone) genannt; sein Patent mit der Num­mer 2444 soll aus dem Jahr 1828 stam­men (siehe dazu diese Quelle).↩
  3. Seine ers­ten bei­den Erfin­dun­gen hat­ten nichts mit Blei­stif­ten und Spit­zern zu tun.↩
  4. Laut dem Stadt­le­xi­kon des Stadt­ar­chivs Erlan­gen hat Theo­dor Paul Möbius (1868–1953) im Jahr 1908 den kegel­för­mig gebohr­ten Blei­stift­spit­zer erfun­den und noch im sel­ben Jahr mit der indus­tri­el­len Fer­ti­gung begon­nen. Ging es bei sei­ner Erfin­dung viel­leicht eher um die Pro­duk­ti­ons­tech­nik? Auch hier lohnt sicher ein genauer Blick. – Das Unter­neh­men Möbius+Ruppert wurde 1922 von Alfred Möbius, einem Bru­der von Theo­dor Paul Möbius, und Hein­rich Rup­pert gegrün­det; Theo­dor Paul Möbius‘ Betrieb ging nach finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten 1983 in die Auf­fang­ge­sell­schaft DUX GmbH über.↩
  5. Diese auf­zu­trei­ben dürfte eine inter­es­sante Her­aus­for­de­rung sein.↩
  6. Man beachte die Unter­schiede der alten Modelle – die gerän­delte Schraube der älte­ren Vari­ante wurde spä­ter durch eine geschlitzte ersetzt, und auch das Mes­ser bekam eine andere Form.↩

Doppelgrad

Ein bemer­kens­wer­tes Detail fin­det sich auf Seite 300 des offi­zi­el­len Berichts zur Welt­ausstellung in Paris 18671:

Als Beweis, wel­cher Aus­deh­nung und Ent­wick­lung die­ser Indus­trie­zweig noch fähig ist, dient das Haus Berolz­hei­mer & Ill­fel­der in Fürth. […] Fabri­kate ziem­lich gut und bil­lig, her­vor­zu­he­ben als neu: dop­pel­gra­dige Blei­stifte, jedes Ende des Blei­stifts mit einem ande­ren Här­te­grad ver­se­hen, sowie Gum­mi­stifte, ein Ende Blei, das andere Gummi.

(Her­vor­he­bung von mir.) Blei­stifte mit zwei Här­te­gra­den – eine her­vor­ra­gende Idee! Inter­essant wäre z. B. ein Kombi-​Lumograph in B zum Schrei­ben und in 4B zum Skiz­zie­ren. – Ich frage mich, ob es sol­che dop­pel­gra­di­gen Blei­stifte spä­ter noch ein­mal gab.

Danke an Sean von Con­trap­un­ta­lism für den Hin­weis auf die­ses Dokument!

  1. Voll­stän­di­ger Titel: „Offi­ci­el­ler Ausstellungs-​Bericht. Her­aus­ge­ge­ben durch das K. K. Öster­rei­chi­sche Central-​Comité. 4. Lie­fe­rung. Garne, Gewebe, alle Arten Bekleidungs-​Gegenstände und Papier auf der Welt-​Ausstellung zu Paris im Jahre 1867“.↩

„Wenn’s drauf ankommt“

Aus heu­ti­ger Sicht zurück­hal­tend, ja fast beschei­den wirkt diese Anzeige von STAEDTLER aus dem Jahr 1959.

„Wenn's drauf ankommt”

Wie ein­fach waren doch die Spra­che und die Bei­spiele: Brü­cke, Motor und Haus – dar­un­ter konnte sich jeder etwas vor­stel­len. Heute würde es bestimmt anders klin­gen: Statt „Aus­füh­rung“ hieße es ver­mut­lich „Rea­li­sie­rung“, und die „fort­schritt­li­chen Fer­ti­gungs­me­tho­den“ kämen wohl infla­tio­när als „inno­va­tive Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gien“ daher.

„Wenn's drauf ankommt”

Unnö­tig zu sagen, dass mich die Gestal­tung die­ser Anzeige sehr anspricht.

„Wenn's drauf ankommt”

Zur Jah­res­zahl 1662 und dem damit ver­bun­de­nen Rechts­streit gibt es hier ein paar Details.

„Wenn's drauf ankommt”

Der hier bewor­bene Tech­nico 1001 mit Druck­me­cha­nik kam in den frü­hen 1950er Jah­ren auf den Markt; sein Vor­gän­ger war der Lumo­graph 1019 mit Schraubklemmung.

„Wenn's drauf ankommt”

Diese Vari­ante des Mars­kopfes wurde übri­gens 1957 ein­ge­führt und bis 1963 genutzt.

„Wenn's drauf ankommt”

Würde es heute noch jemand wagen, mit „immer gleich gut“ zu wer­ben? Sicher nicht, denn heute muss Per­fek­tion ange­prie­sen und das Stre­ben nach stän­di­ger Ver­bes­se­rung ver­spro­chen werden.

„Wenn's drauf ankommt”

Mir gefällt, dass man hier eine echte Hand­schrift und nicht etwa einen an eine sol­che erin­nern­den Font ver­wen­det hat. Was es jedoch mit dem Strich über dem w auf sich hat, ist mir ein Rätsel.

„Ein Rotkopierstift kleckst nie!“

Aus dem Schulstift-​Prospekt P. 699 von J.S. STAEDTLER: Der Rotkopier-​Korrigier-​Stift Mars 2950.

„Ein Rotkopierstift kleckst nie!”

Würde ich sofort kau­fen, allein schon wegen der Wort­wahl in der Beschreibung.

„Ein Rotkopierstift kleckst nie!”

Und aus die­sem Grund.

Am Rande: Warum „poliert“? Frü­her wurde der Lack man­cher Blei­stifte tat­säch­lich poliert, und die­ser Begriff hat sich eine Weile gehal­ten. In noch frü­he­ren Zei­ten, etwa bis zum En­de des 19. Jahr­hun­derts, über­zog man die Stifte zuwei­len mit Schel­lack, dem Schwer­metall-​Farben zuge­setzt waren; eine Poli­tur (von Hand!) ver­lieh ihnen einen tie­fen Glanz.

Nr. 8483

Im Schulstift-​Prospekt P. 699 von J.S. STAEDTLER aus den 1930er Jah­ren wird unter der Arti­kel­num­mer 8483 ein Blei­stift­spit­zer in „Gra­na­ten­form“ auf­ge­führt. Die­ser Spit­zer – oder zumin­dest ein sehr ähn­li­cher – wurde frü­her auch von Möl­ler und Breit­scheid (Köln) sowie Möbius+Ruppert (Erlan­gen) ange­bo­ten, und letz­te­rer hat ihn heute noch in leicht ver­än­der­ter Form im Sor­ti­ment.

Nr. 8483

Bei „Elek­tron­me­tall“ han­delt es sich um eine Magnesiumlegierung.

Doch von wem bezog J.S. STAEDTLER die­sen Spit­zer? Mei­nes Wis­sens hatte man keine eigene Spit­zer­pro­duk­tion, und dass er von Möbius+Ruppert gefer­tigt wurde, glaube ich nicht; gut mög­lich, dass er statt­des­sen von dem mir unbe­kann­ten und auch für die Ver­triebs­firma Möl­ler & Breit­scheid täti­gen Her­stel­ler kam.

Nr. 8483

Das Waren­zei­chen „Gra­nate” (Nr. 507558) wurde erst im Jahr 1939 für Möl­ler und Breit­scheid regis­triert. War die Bezeich­nung „gra­na­ten­för­mig“ zu die­ser Zeit bereits üblich?

Nr. 8483

Und die­sen Schrift­zug zeige ich nur, weil mir die ff-​Ligatur so gut gefällt.

Der Geist des Graphits

Aus der Rubrik „Die Geis­ter, die ich nicht rief“: Eine Erschei­nung auf dem Titel des Schulstift-​Prospekts P. 699 der J.S. STAEDTLER Mars-​Bleistiftfabrik in Nürn­berg, ver­mut­lich aus den frü­hen 1930er Jah­ren1.

Der Geist des Graphits

Ein biss­chen gru­se­lig wirkt er ja schon, der schmale Herr in weiß, mit stram­mem Frack, stei­fem Hut, gro­ßem Stift und mah­nen­dem Zei­ge­fin­ger. Und sehe ich da auch noch ein­ge­fal­lene Wangen?

Der Geist des Graphits

Er tritt wie durch einen Tun­nel in die Szene und dient der über­rasch­ten, aber bemer­kens­wert gefass­ten Schü­le­rin (oder ist’s ein Schü­ler?) den Blei­stift „Noris“ an.

Der Geist des Graphits

Wer möchte da nicht sofort beken­nen, etwas auf schöne Schrift und zu die­sem Zweck den Staedtler-​Stift in der Hand zu halten?

Der Geist des Graphits

Ange­sichts die­ser beein­dru­cken­den Über­zeu­gungs­ar­beit kann der Vier­tel­mond natür­lich nur schmunzeln.

Der Geist des Graphits

Bei mir aber hätte der Herr offene Türen ein­ge­rannt, lege ich doch schon lange Wert sowohl auf schöne Schrift als auch auf den Staedtler-Stift.

Der Geist des Graphits

  1. Grund für diese Annahme ist der Umstand, dass der Bro­schüre eine auf den Juni 1934 datierte Preis­liste bei­lag.↩
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