Innere Mechanik der Füllbleistifte
Dr. Hermann Wildt, Arthur Guthke, Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert: Handbuch für den Bürobedarfs- und Papierwarenhandel. Berlin: Max Schwabe Verlag 1939.
Dr. Hermann Wildt, Arthur Guthke, Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert: Handbuch für den Bürobedarfs- und Papierwarenhandel. Berlin: Max Schwabe Verlag 1939.
Iiih! Ein Kugelschreiber!
Keine Panik – das ist ein Fallminenstift mit einem ungewöhnlichen Design.
Das Fabrikat kenne ich nicht, aber vielleicht können meine Leser etwas zu der Kennzeichnung auf dem Clip sagen. – Vielen Dank an meinen Kollegen H. für dieses Stift!
Heute gibt’s schon wieder Scans, und zwar von einem beidseitig bedruckten Blatt im Format DIN A4, mit dem J.S. STAEDTLER vor allem seinen MARS-LUMOGRAPH 2886 anpries. Es fällt mir schwer, dieses Blatt zu datieren; ich vermute, dass es aus den späten 1930er Jahren stammt.
Die Vorderseite hebt vor allem die „hervorragende Lichtpausfähigkeit“ des MARS-LUMOGRAPH hervor.
Wie auch bei diesem Faltblatt ist der Zeichnungsausschnitt aufgeklebt.
Soweit ich weiß, wurde dieses Logo nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr benutzt (eine andere Variante findet sich hier).
Auf der Rückseite werden fünf weitere Produkte vor allem für Künstler und Techniker detailliert vorgestellt.
In der Beschreibung des Lumograph fällt der Hinweis auf die rechteckige Mine und den runden Schaft des Härtegrads ExExB (heute 8B) auf.
Zu den Besonderheiten gehören der Künstlerstift 1018, der Vorläufer des 1019, der flachovale Lichtpaus-Langstrichstift 2888 mit einer Mine rechteckigen Querschnitts sowie der auf den 2888 abgestimmten Verlängerer.
Der MARS-Chromabella-Zeichenfarbstift war vermutlich der Vorgänger des MARS-LUMOCHROM.
Aus der Zeit, in der Telefone noch Wählscheiben hatten und nicht mobil waren, stammt diese Postkarte. Sie wurde von der Österreichischen Verkehrswerbung Ges.m.b.H. im Auftrag der Österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung herausgegeben und all denen angedient, die ihre neue Rufnummer bekannt geben wollten.
Hier war ein wahrer Meister der Gebrauchsgrafik am Werk – man betrachte nur die Schatten und die Glanzlichter auf der Wählscheibe. Doch auch der mit einem Messer gespitzte Bleistiftstummel zeichnet sich durch bemerkenswerte Details aus: Wer einmal einen Bleistift eingekerbt hat, weiß, dass der Lack am Rand der Kerbe unregelmäßig abplatzen kann. Dies ist ebenso zu sehen wie die Trennlinie zwischen den Holzhälften und die Orientierung des Lacks an der Stelle, wo das Licht ihn glänzen lässt.
Die Rückseite der Karte ist unspektakulär und teilweise liniert, doch ein Ausschnitt sei gezeigt:
Für mich ist das keine einfache Reklame-, sondern eine Kunstpostkarte!
Dr. Hermann Wildt, Arthur Guthke, Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert: Handbuch für den Bürobedarfs- und Papierwarenhandel. Berlin: Max Schwabe Verlag 1939. (Nachfolger dieses Buches war das Handbuch für Papier und Bürobedarf von Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert aus dem Jahr 1949.) – Ich mag generische Abbildungen.
Das Handbuch für Papier und Bürobedarf aus dem Jahr 1949 wurde durch viele Anzeigen mitfinanziert. Zu den für mich interessanten gehört diese für die Argument-Füllhalterfabrik Georg Karasch in Berlin.
Das Männchen ist natürlich nicht nur Füllfederhalter-, sondern auch Sympathieträger.
Auch die Schrift gefällt mir sehr gut. Sie erinnert mich an die Neuzeit Grotesk von Wilhelm Pischner aus dem Jahr 1929, doch ich konnte sie noch nicht identifizieren.
Eine reizvolle Anzeige!
Nach wie vor unbekannt ist mir der Ursprung des unter dem Namen „Granate“ bekannten Handspitzers, und so greife ich zu allem, was Aufschluss geben könnte. Zwei Funde der jüngsten Zeit liefern interessante Details.
Im Bild die aktuelle „Granate“ von Möbius+Ruppert
Das „Handbuch für Papier und Bürobedarf“ von Dipl.-Hdl. Franz Karl Reckert, einem gut 600-seitigen Fachbuch für den Bürobedarfs- und Papierwarenhandel aus dem Max Schwabe Verlag, erschienen im Jahre 19491, nennt und zeigt die „Granate“ in der Rubrik „Bleistiftanspitzer“.
Das hier abgebildete Modell ähnelt sehr der „Granate 5“ von Möller & Breitscheid
Bemerkenswert ist der Hinweis darauf, dass dieser Spitzer vor etwa 60 Jahren, also um 1889 in den Handel gekommen sein soll.
Die „Kleine Anspitzer-Fibel“ von Leonhard Dingwerth nennt als Erfinder der „Granate“ den Franzosen de Thierry; das Patent soll er am 14. April 1847 erhalten haben. Die Fibel enthält zwei Anzeigen von 1900 und 1925, die mit dem Namen „Granate“ werben, doch dieser wurde erst 1939 als Warenzeichen für Möller & Breitscheid eingetragen. War er schon früher üblich, aber nicht als Marke registriert? Weiter heißt es dort, die „Granate“ wäre ab ca. 1847 von Möller & Breitscheid hergestellt worden, was jedoch im Widerspruch zum „Handbuch für Papier und Bürobedarf“ steht. Hinzu kommt, dass Möller & Breitscheid keine eigene Produktion hatte, sondern nur eine Vertriebsfirma war.
Mir neue Informationen lieferte der Artikel „Constant de Thierry des Estivaux, Marquis de Faletans – Inventor of the Pencil Sharpener“ von Rupert Willoughby, veröffentlicht im Juli 2011.

Constant de Thierry des Estivaux (Quelle: Rupert Willoughby)
Constant de Thierry des Estivaux2, geboren 1797 in Paris, erhielt 1839 sein erstes Patent. Nach einer weiteren Erfindung im Jahr 18463 folgte 1847 das dritte Patent, diesmal für einen rohrförmigen Bleistiftspitzer mit kegelförmiger Bohrung und einem Messer4. Wie dieser aussah, müssten die Patentunterlagen zeigen5, doch wer hat diesen Spitzer wann und wo erstmals gefertigt? Wie kam das Design6 dann zu Möbius+Ruppert und dem Hersteller, der Möller & Breitscheid beliefert hat? Hat vielleicht Möbius+Ruppert für Möller & Breitscheid produziert?
Es gibt noch einige Spuren zu verfolgen!
Nachtrag vom 23.3.15: Die „Granate“ stammt nicht von Constant de Thierry des Estivaux; Details zu seiner Erfindung gibt es hier.
Ein bemerkenswertes Detail findet sich auf Seite 300 des offiziellen Berichts zur Weltausstellung in Paris 18671:
Als Beweis, welcher Ausdehnung und Entwicklung dieser Industriezweig noch fähig ist, dient das Haus Berolzheimer & Illfelder in Fürth. […] Fabrikate ziemlich gut und billig, hervorzuheben als neu: doppelgradige Bleistifte, jedes Ende des Bleistifts mit einem anderen Härtegrad versehen, sowie Gummistifte, ein Ende Blei, das andere Gummi.
(Hervorhebung von mir.) Bleistifte mit zwei Härtegraden – eine hervorragende Idee! Interessant wäre z. B. ein Kombi-Lumograph in B zum Schreiben und in 4B zum Skizzieren. – Ich frage mich, ob es solche doppelgradigen Bleistifte später noch einmal gab.
Danke an Sean von Contrapuntalism für den Hinweis auf dieses Dokument!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen