Archiv des Stichworts „Caran d'Ache”

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The Editor

Sonntag, 28. Mai 2017

Während es den Rot-Blau-Stift in diversen Varianten, von vielen Herstellern und schon sehr lange gibt1, sind Stifte mit Graphit- und roter Mine noch recht neu und nur selten anzu­treffen. Wenn ich richtig informiert bin, gab es den ersten dieser Art 1975 in Japan (von welchem Hersteller, weiß ich leider nicht). Im Februar 2004 brachte Tombow den LV-KEV auf den Markt, doch bedauerlicherweise wurde die Produktion 2013 eingestellt. Die beiden einzigen noch erhältlichen Stifte dieser Gattung sind meines Wissens der Perfetto von Lui­se Fili Ltd., hergestellt in Taiwan, und „The Editor”, der von Caran d'Ache in der Schweiz für CW Pencil Enter­prise gefertigt wird2. Um letzteren soll es heute gehen.

The Editor

Der 17,5 cm lange und 7,5 dicke Editor hat eine 3 mm starke Mine. Der Graphit-Teil ist ver­gleichsweise hart; die subjektive Härte entspricht in etwa der des STAEDTLER Mars Lumo­graph H. Die Mine hat das für Caran d'Ache typische Gleiten, eine saubere Abgabe sowie eine dem Härtegrad entsprechende Schwärzung und Bruchfestigkeit. Sie ist wischfest und bei nicht allzu festem Schreibdruck gut radierbar. Die rote Mine ist nicht so weich wie die des typischen Buntstifts und schreibt ebenfalls sauber; ihr Farbton geht in Richtung Zinno­ber.

The Editor

Der Editor ist ordentlich verarbeitet – die Verleimung ist gut, der Lack3 ist sauber und der Prägedruck4 ohne Makel. Holz (höchstwahrscheinlich Weihrauchzeder) und Mine lassen sich sehr gut spitzen und kommen daher auch gut mit dem Pollux klar.

The Editor

Der Editor ist ein schöner Stift, doch ich hätte noch mehr Freude an ihm, wenn die Gra­phitmine ein wenig weicher und die rote Mine etwas härter wäre (wie z. B. der STAEDT­LER Mars Lumochrom oder der Mitsubishi 7700) . Er ist nur bei CW Pencil Enterprise zu bekommen und kostet 3 US-Dollar (knapp 2,70 Euro) pro Stück.

Nachtrag vom 27.7.17: Weitere noch erhältliche Rot/Graphit-Stifte sind der Dual Pencil von Pensan aus der Türkei, der Lápiz dúo von Dixon aus Mexiko und der Zimmermannsstift Duo von Koh-I-Noor aus Tschechien (letzteren gibt es zusammen mit einem Blau/Graphit-Stift). Danke an Stephen von pencil talk für die Hinweise!

  1. Ein in meinen Augen besonders schönes Exemplar ist der J.S. Staedtler Mars Lumochrom 2642.
  2. Wie kam der Editor zu CW Pencil Enterprise? In einem „Erasable”-Podcast erzählt Caroline Weaver, dass Caran d'Ache mit dem fertig gestalteten Stift an sie herangetreten ist und sie ihn unverändert in ihr Sortiment übernommen hat.
  3. Wer genau auf das schwarze Ende schaut, sieht, dass der Stift erst komplett rot und dann zur Hälfte schwarz lackiert wurde. – Bei einem Exemplar war der Lack auf zwei Zentimetern auf­gerissen. Dies war sicher ein Ausrutscher, und CWPE hat mir den Kaufpreis sofort erstattet.
  4. Der Schriftzug „CARAN d'ACHE” wurde zum 100-jährigen Jubiläum des Unternehmens im Jahr 2015 zu „CARAN D'ACHE” geändert.

Paperworld 2016 (1)

Freitag, 5. Februar 2016

Vor wenigen Tagen gingen die Paperworld und die zeitgleich stattfindende Creativeworld in Frankfurt/Main zu Ende; hier der erste Teil meiner kurzen und nicht repräsentativen Noti­zen. – Diesmal nicht vertreten waren u. a. Atoma, Brunnen, Dahle, Haff, Herlitz, Koh- I-Noor, LAMY, Pilot, Plus, Schneider und Schwan-Stabilo.

Der Auftritt von STAEDTLER stand ganz im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums von FIMO. Es gab auch einen Aufsteller mit Bleistiften, darunter der Mars Lumograph, doch zu meiner großen Überraschung wurde nicht dessen erweitertes Sortiment präsentiert. – Bei Faber-Castell und Eberhard Faber sind mir keine Neuheiten aufgefallen, ebenso wenig bei KUM.

Paperworld 2016 (1)

Neu vom Schweizer Hersteller Caran d'Ache ist der Bleistift GENIUS 353 mit Touch­screen-Tip, den es mit schwarzem und weißem Lack, aber nur in HB gibt. – Der Tip ist nicht abnehmbar.

Paperworld 2016 (1)

Zu sehen war auch das im vergangenen August eingeführte Geschenkset SWISS WOOD mit einem Bleistift aus Jura-Buche und einem aus Arve nebst Radierer und Magnesium-Spitzer. Letzterer trug außer „Made in Germany” auf dem Messer keine Kennzeichnung; ich vermute, dass er im Gegensatz zu den Spitzern anderer Sets von Caran d'Ache nicht von Eisen stammt.

Paperworld 2016 (1)

Paperworld 2016 (1)

Bei zwei der vier Bleistifte eines Sets der GRAFIK-Serie fielen mir außermittig sitzende Minen auf.

Paperworld 2016 (1)

Vorgestellt wurden zudem zwei Sonderausführungen des im Jahr 1930 erstmals erhältli­chen Fixpencil, mit dem der Schweizer Architekt Mario Botta gewürdigt wird. Die Sets mit Fixpencil, Graphitmine in B und vier wasservermalbaren Farbminen sind ab April erhältlich.

Paperworld 2016 (1)

Die wohl ungewöhnlichsten Bleistifte der diesjährigen Paperworld kommen vom Start-Up Manaomea.

Paperworld 2016 (1)

Das Münchener Unternehmen fertigt sie nach eigenem patentierten Verfahren aus Jute, Flachs und anderen Naturfasern sowie Biopolymeren. Die Materialien für die beiden Bleistif­te und das Mäppchen stammen meist aus Entwicklungsländern und immer aus Bio-Anbau, und beim gesamten Herstellungsprozess wird auf Fairness und Umweltverträglichkeit ge­achtet. Die verwendete Technik bietet große Gestaltungsfreiheiten, und so lassen sich Stifte in unterschiedlichen Profilen, Farben und Oberflächen fertigen.

Paperworld 2016 (1)

Bei Pentel konnte ich erfahren, dass die Verfügbarkeit der Metallvariante des 0,2-mm-Druckbleistifts Pentel orenz in Deutschland davon abhängt, wie gut die anderen Ausfüh­rungen ankommen.

Paperworld 2016 (1)

Die großartigen Ecoline-Wasserfarben des niederländischen Anbieters Royal Talens gibt es ab sofort auch als Pinselstift. – Interessantes Detail: Die Farbe in den Pinselstiften ist etwas konzentrierter als die im Glas, damit die Farben zueinander passen. Würde man den Pin­selstift nachfüllen (was möglich ist), wäre der Abstrich zu hell.

Paperworld 2016 (1)

Im zweiten Teil geht es um DOMS, Viarco und CARL.

Aus den Alpen

Freitag, 21. August 2015

Von Caran d'Ache gibt es ein neues Set mit zwei Bleistiften sowie einem Magnesium-Spitzer und einem Radierer. Der eine Bleistift dieses Sets ist aus Jura-Buche (dem 348 sehr ähnlich) und der andere – im Gegensatz zum ersten leider nicht einzeln erhältlich – aus Arve. Die Arve (Pinus cembra), auch Arbe, Zirbe oder Zirbelkiefer genannt, wird gerne als „Königin der Alpen” bezeichnet, da sie dort in Höhen bis 2200 Meter und bei Tempera­turen bis −40 °C wächst. Das „Geschenkset SWISS WOOD” ist sicher sehr reizvoll, doch ich halte den Preis von 22 Euro für viel zu hoch. Danke an Arthur und Matthias für den Hinweis auf dieses Set! – Übrigens werden in Österreich aus den Zapfen der Arve sehr schmack­hafte Spirituosen hergestellt, die kennenzulernen und zu genießen ich kürzlich das große Ver­gnügen hatte.

Kurz notiert

Mittwoch, 8. April 2015
  • Ein sehr ungewöhnlicher Spitzer ist der Tsunago von Nakajima Jukyudo1, denn er dient auch der Verlängerung von Bleistiftstummeln. – Danke an Andreas Weinberger und Viola Voß für den Hinweis!
  • In meinen Augen pfiffig und geschmackvoll ist der Pencil Shaving Desk Tidy, ein Kick­starter-Projekt von Clive Roddy. – Danke an boomerang für den Hinweis!
  • Nicht mehr neu, aber immer noch schön anzuschauen ist das historische Reklame- und Verpackungsmaterial unter „Pencil Points”.
  • Brevillier Urban & Sachs in Österreich wirbt damit, dass der Öko-Schulstift von JOLLY aus heimischer Weymouth-Kiefer gefertigt wird, und ein Fachhändler in meiner Nähe konnte von einem Vertriebsmitarbeiter erfahren, dass das Holz aus dem Odenwald kommt. Ich habe dabei gleich an das Sägewerk Monnheimer in Grasellenbach gedacht und Brevillier Urban & Sachs darauf angesprochen, aber leider keine Antwort bekom­men. Es wäre zwar schön gewesen, mal einen Bleistift mit lokalem Bezug zu nutzen, doch angesichts der leider schlechten Mine des Öko-Schulstifts verzichte ich gerne darauf.
  • Apropos Qualität: Auch auf die Gefahr, ein Querulant zu sein, habe ich Caran d'Ache auf die Qualitätsmängel der GRAFIK-Bleistifte angesprochen. Leider blieb diese Anfrage ebenfalls ohne Reaktion.
  1. Wer sich auf der Website von Nakajima Jukyudo umschaut und die bestimmt nicht ohne Grund unscharfen Fotos in der Rubrik „OEM” betrachtet, findet u. a. einen Spitzer, der dem Kutsuwa T’GAAL bemerkenswert ähnlich sieht.

Caran d'Ache GRAFIK

Freitag, 27. Februar 2015

Gestern sind einige Bleistifte von Caran d'Ache eingetroffen, darunter auch ein paar aus der GRAFIK-Serie, deren Gestaltung mich sehr anspricht.

Caran d'Ache GRAFIK

Doch die Freude währte nur kurz – eine Abplatzung bei einem, Einschlüsse im Lack und au­ßermittig sitzende Minen bei manchen sowie unsaubere Enden bei allen Bleistiften passen gar nicht zu der Qualität, wie ich sie von Caran d'Ache kenne. Die Minen indes sind zum Glück immer noch sehr gut, wie ich in einem schnellen Test feststellen konnte; ihre Härte entspricht etwa der des STAEDTLER Mars Lumograph F.

Caran d'Ache GRAFIK

Hier der rote GRAFIK:

Caran d'Ache GRAFIK

(Nicht zentrisch sitzende Minen sind deshalb ärgerlich, weil beim Spitzen das Holz ungleich­mäßig abgetragen wird und so an einer Stelle sehr weit an die Minenspitze heranreicht; dies kann beim Schreiben stören.)

Ebenfalls bestellt hatte ich den Technograph 777 in unterschiedlichen Härtegraden und in der Hoffnung, nicht die Verarbeitungsqualität zu erhalten, die mich auf der Paperworld ver­wundert hat. Aber nein: Hat mein letzter alter Technograph einen gleichmäßigen, glatten Lack, so ist der des aktuellen ungleichmäßig und stumpf; zudem ist der Prägedruck nicht mehr so sauber. – Den Sitz der Mine konnte ich nicht prüfen, da der Technograph 777 ein Käpp­chen hat, doch einige der werkseitigen Spitzen haben mich skeptisch gestimmt.

Bis auf die außermittigen Minen mögen das Äußerlichkeiten sein, doch bei einem Preis von 1,20 Euro (GRAFIK) bzw. 1,95 Euro (Technograph 777) pro Stift und der ehemals hohen Qualität finde ich diese Bleistifte enttäuschend.

Nachtrag: Auch ein Exemplar des vierten Bleistifts dieser Reihe hat Fertigungsmängel:

Caran d'Ache GRAFIK

Die Mine und das Holz (Zeder!) sind sehr gut und das Design ist pfiffig. Warum ruiniert man alles durch eine derart schlechte Verarbeitung?

Paperworld 2015

Montag, 9. Februar 2015

Vor einer Woche ging die Paperworld 2015 in Frankfurt/Main zu Ende; hier ein paar No­tizen.

Paperworld 2015

Schon gewusst? Der Frankfurter Messeturm wird im Volksmund „Bleistift” genannt.

Ich kann nicht verhehlen, dass sich bei mir über die Jahre eine gewisse Sättigung einge­stellt hat. Hinzu kommt eine Verlagerung von der Breite in die Tiefe, d. h. während ich mir früher gerne möglichst viel angesehen habe, schaue ich heute lieber bei ausgewählten Themen genauer hin. So habe ich diesmal eine enge Auswahl getroffen.

Nicht dabei waren u. a. Brunnen, LAMY und Schwan-STABILO, doch letztere werden auf der erstmals im Oktober stattfindenden PBS1-Messe Insights X2 in Nürnberg vertreten sein.

CARL, leider immer noch ohne deutschen Vertrieb, zeigte einen neuen Kurbelspitzer im Design eines kleinen Bahnhofs. Er soll eine konkave Spitze produzieren, doch das kann ich nicht bestätigen. – Tombow bietet in Deutschland nach wie vor nur eine kleine Auswahl des im Heimatland Japan erhältlichen Sortiments an, und im Gespräch hatte ich nicht den Eindruck, als würde sich das in absehbarer Zeit ändern.

Bei Faber-Castell, KUM und LYRA konnte ich keine Neuigkeiten entdecken. Faber-Castell hatte das Buch „Since 1761″ ausliegen, was mich überrascht hat, wurde es doch bisher nicht beworben (auch auf der Website wird es nicht erwähnt). – Am Stand von Schnei­der hat mich der sehr fein, leicht und sauber schreibende Slider Basic F beeindruckt3.

Atoma hat immer noch keinen Vertrieb für Deutschland, aber einzelne Händler bestellen direkt in Belgien und können so eine Auswahl der Produkte anbieten. Die Mitarbeiterin, von der ich das erfahren konnte, hat mir in kürzester Zeit so viel wie möglich mitzuteilen versucht und mich dann mit „Gute Besserung” verabschiedet. Das fand ich bemerkens­wert.

Die meiste Zeit habe ich bei Viarco, Möbius+Ruppert, STAEDTLER und Caran d'Ache verbracht.

Viarco

Der portugiesische Hersteller mit über 100-jähriger Geschichte imponiert mir immer wieder, vor allem durch die Gestaltung seiner Produkte und ihrer Verpackungen.

Paperworld 2015

Am kleinen, aber feinen Stand gab es Ungewöhnliches zu sehen wie z. B. das „Tablet”, eine Lochplatte mit variablen Gummiband, auf dem Schreib- und Werkzeug gehalten wer­den können.

Paperworld 2015

Interessant finde ich die „Artgraf Twins” mit zwei 22 cm langen Bleistiften mit 4 mm dicker Mine, von denen der eine den Härtegrad B hat und der andere wasservermalbar ist. – Mit im Bild der ArtGraf XL.

Paperworld 2015

Für erwähnenswert halte ich auch die Farbstifte mit den Symbolen des ColorAdd-Systems, das Menschen mit Farbsehschwächen die korrekte Identifikation von Farben vorwiegend im öffentlichen Raum ermöglicht. – In der Welt des Bleistifts könnte es gerne noch mehr klei­ne Unternehmen wie Viarco geben, die unkonventionelle Ideen haben und umsetzen!

Möbius+Ruppert

Dem traditionsreichen Unternehmen mit Sitz in Erlangen bin ich schon lange zugeneigt, da mich dessen Produkte immer überzeugt haben.

Paperworld 2015

Zu den Neuigkeiten gehören ein Behälter-Doppelspitzer im ausgefallenen Design und ein Aufsteckspitzer.

Paperworld 2015

Der unscheinbar wirkende Aufsteckspitzer hat es mir angetan. Die beiden sauber verarbei­teten Komponenten des Spitzers sitzen sicher ineinander und lassen sich gut verdrehen; im geschlossenen Zustand rastet das innere Teil ein. Für den Halt auf dem Stift sorgt ein O-Ring, der jedoch drehbar gelagert ist, so dass sich der Stift beim Spitzen leicht drehen lässt. Bei einem schnellen Test hat das eingegossene Messer einen etwa 0,25 mm dicken Span abgenommen.

STAEDTLER

Auch die Produkte von STAEDTLER haben mich nie enttäuscht, und so galt dem Stand dieses Unternehmens ein eingehender Besuch.

Paperworld 2015

Der Radierer Mars plastic feiert in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Passend dazu gibt es bereits seit Januar die Spitzer 510 10 und 510 20 in einer goldfarbenen Ausführung.

Paperworld 2015

Die vor zwei Jahren eingeführte Initium-Kollektion wurde um die Metallum-Schreibgeräte – Füllhalter, Tintenroller, Kugelschreiber und Drehbleistift – mit einem Schaft aus eloxiertem Aluminium erweitert.

Paperworld 2015

Den pigment liner 308 gibt es nun auch in den Strichstärken 1,0 und 1,2 mm sowie mit Keilspitze, wobei ich letztere am interessantesten finde.

Paperworld 2015

Zu dem 2013 vorgestellten dreiflächigen Bleistift mit Stylus-Funktion für Schreibanfänger kam mit dem Noris stylus pencil eine hexagonale Variante mit Standarddurchmesser. Er ist in blau, gelb und schwarz erhältlich.

Paperworld 2015

Seit Januar ist der 2013 gezeigte Noris color verfügbar. Der durch Coextrusion aus WOPEX-Material gefertigte Farbstift, der jetzt „Noris colour”4 heißt, wird in 24 Farben angeboten. – Im Gegensatz zum Noris eco, bei dem drei von sechs Flächen schwarz sind, hat der Noris colour das echte Noris-Design mit zwei gegenüberlie­genden schwarzen Flächen und zwei gegenüberliegenden schwarzen Kantenstrei­fen.

Paperworld 2015

Den Noris colour konnte ich noch vor Ort testen; seine Eigenschaften haben mich sehr beeindruckt.

Caran d'Ache

Der Auftritt von Caran d'Ache stand im Zeichen des 100-jährigen Firmenjubiläums.

Paperworld 2015

Selbstverständlich habe ich gleich meine Gedanken zum Holz der „Les Crayon de la Maison Caran d'Ache”-Sets ausgesprochen. Der Mitarbeiter, mit dem ich sprach, machte den Ein­druck, als wisse er genau, wovon ich spreche, und reagierte sehr diplomatisch. Seiner Ant­wort konnte ich nicht nur entnehmen, dass meine Vermutungen zum Material richtig sind, sondern auch, dass er die Unklarheit etwas bedauert. – Neben dem großen Sortiment, das durch die Farbstifte beherrscht wurde, gab es einige Jubiläums-Sets zu sehen, darunter eines mit dem Bleistift Technograph 777 und ein anderes mit einem Fixpencil.

Paperworld 2015

Das Technograph-Set5 enthält vier Bleistifte in den Härtegraden HB, B, 2B und 3B und ei­nen Einfachst-Magnesiumspitzer von Eisen. Verglichen mit dem alten Technograph hatten die Bleistifte im Set einen vergleichsweise rauhen und ungleichmäßigen Lack; darauf ange­sprochen sagte mir ein Mitarbeiter, dass man auf Wasserlack umgestellt habe. Ebenso wie die Lackierung der Bleistifte finde ich den Magnesiumspitzer des Jubiläums nicht würdig, und da es sich bei dem Inhalt des Sets um reguläre Artikel handelt, halte ich den Preis von 22 Euro für zu hoch6.

Paperworld 2015

Von ganz anderem Kaliber ist der mit 45 Euro zwar nicht billige, aber einzigartige Fixpencil, denn diese Variante mit einem Schaft aus gebürstetem Aluminium mit cm- und Inch-Skala ist nur in diesem Jubiläums-Set erhältlich. – Zur Geburtstagskollektion gehören außerdem der Prismalo-Aquarellstift, der Kugelschreiber 849 und der Kugelschreiber Ecridor.

Paperworld 2015

Ansprechend fand ich zudem die Bleistifte der GRAFIK-Serie, die es außer mit den Spielkar­ten-Symbolen auch noch in vier kontrastreichen Farbkombinationen mit unterschiedlich ge­formten Griffnoppen gibt.

Paperworld 2015

Auch Caran d'Ache bietet Luxus-Schreibgeräte an. Die auf 888 Stück limitierte Serie „Year of the Goat” hat einen Schaft mit Chinalack und Silber; der Kugelschreiber kostet 2300 Euro und der Füllhalter 2600 Euro.

Paperworld 2015

Solche Dinge mag und brauche ich nicht. Ich bleibe beim einfachen Bleistift und habe mich daher sehr über die zwei pfiffig gestalteten Jubiläums-Bleistifte gefreut, die wie die Schach­tel in den Schweizer Farben gehalten sind, wobei der weiße ein rotes und der rote ein weißes Käppchen hat. Ein in meinen Augen sehr geschmackvolles Werbegeschenk!7

Paperworld 2015

Das war's für dieses Mal – die nächste Paperworld öffnet am 30. Januar 2016 ihre Tore.

  1. Papier, Büro, Schreibwaren.
  2. Ich würde zu gerne wissen, wie man auf diesen beknackten Namen gekommen ist.
  3. So weit ist es gekommen – ich schaue mir einen Kugelschreiber an und finde den auch noch gut.
  4. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass die aus dem WOPEX-Material gefertigten Blei- und Farbstifte nicht mehr „WOPEX” heißen, sondern unter den Namen „Noris” laufen. Der Begriff „WOPEX” verschwindet von den Bleistiften und tritt nur noch als „WOPEX MATERIAL” mit eigenem Logo in Erscheinung.
  5. In der Beschreibung dieses Sets war bis gestern unter „Eigenschaften der Stifte” die Angabe „zehnschichtig” enthalten (in der englischen Variante hieß es „10 ply”), was mich an Sperrholz (plywood) hat denken lassen. Auf meine Anfrage hat mir Caran d'Ache mitgeteilt, dass „10 ply” die Schichtdicke angibt und „zehnschichtig” eine schlechte Übersetzung wäre (und dass der Technograph aus kalifornischer Zeder gefertigt würde). Heute fehlt dieses Detail, doch in der deutschen Beschreibung des dickeren Grafwood findet sich noch „8 plys” (englisch: „8 ply”).
  6. Der Technograph 777 kostet einzeln knapp 2 Euro.
  7. Wenn ich sehe, was Caran d'Ache zum 100-jährigen Jubiläum aufgefahren hat, wundere ich mich erneut darüber, dass es zum 250-jährigen von Faber-Castell nichts gab.

Nach Art des Hauses

Samstag, 15. November 2014

Vor wenigen Tagen habe ich das vierte Set aus der Reihe „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache” vorgestellt. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen:

  • Das Sternchen in „Aussergewöhnliche Holzarten* für eine exklusive Kollektion” im Faltblatt verweist auf Pressholz.
  • Die Bleistifte haben kein für mich wahrnehmbares Aroma.
  • Das Gewicht der Bleistifte schwankt nicht in dem Maß, wie es die Dichten der aufgeführten Hölzer erwarten lassen.
  • Selbst mit der Lupe kann ich bei keinem der Bleistifte die für einen aus Brettchen herge­stellten Bleistift typischen Trennlinien erkennen.
  • Die Beziehung zwischen den im Faltblatt genannten Edelhölzern und den Bleistiften
    ist mir unklar.

Während ich geduldig und zuversichtlich auf eine Nachricht von Caran d'Ache warte – ich hatte um einen Kommentar zu meinen Beobachtungen gebeten –, habe ich mich weiter mit den Stiften befasst. Heute früh war ich in meinem Labor, in dem ich zuweilen auch kleine Mahlzeiten zubereite, um das Exemplar „Silberpappel” aus dem zweiten Set einer eingehenden hydrothermischen Be­handlung zu unterziehen1.

Nach Art des Hauses

Nach gut zehn Minuten auf großer Flamme habe ich den Bleistift herausgenommen und im noch warmen bis heißen Zustand leicht gekrümmt. Dabei entstand an der Spitze ein Spalt, von dem aus ich den Stift in zwei Hälften zerlegen konnte. Ich fand es bemerkenswert, wie stark sich diese Hälften biegen ließen, ohne dass sie brachen.

Nach Art des Hauses

Ich konnte feststellen, dass das Schaftmaterial schichtförmig aufgebaut ist. Beim Trennen der Schichten, deren Flächen silbrig glänzten, fielen mir zudem Fäden ähnlich denen eines Klebstoffs auf.

Nach Art des Hauses

Beim Zerkleinern der einen Hälfte kochte die andere weiter vor sich hin. Als ich letztere aus dem Wasser nahm, war sie al dente und sehr biegsam, und die etwa 0,6 bis 0,9 mm dicken Schichten ließen sich nun noch leichter voneinander trennen. Nach dem Erkalten war das Material wieder steifer. – Doch was soll diese Albernheit?

Nach Art des Hauses

Caran d'Ache spricht in den Faltblättern der „Les Crayons de la Maison”-Sets von „ausserge­wöhnliche[n] Holzarten” und nennt jeweils vier. Daraus haben ein paar Bekannte und ich geschlossen, die Bleistifte wären aus den genannten Hölzern gefertigt worden, und auch so mancher Händler scheint sich dessen sicher zu sein:

  • „Die Bleistifte sind aus folgenden Hölzern hergestellt worden: Azobe aus Afrika […]” (Bürowelt Schiff)
  • „Bleistifte aus 4 aussergewöhnlichen Holzarten: Graupappel […]” (Zumstein)
  • „Nur ausgewählte Holzarten mit FSC- und OLB-Zertifikat kommen hier zum Einsatz: Graupappel […]” (Bethge Hamburg)
  • „Set aus 4 Bleistiften aus verschiedenen feinen Edel-Hölzern: Afrikanisches Ayous […]” (Trixie Gronau)
  • „Gefertigt werden die vier Bleistifte aus Amerikanischer Walnuss, […]” (Bethge Hamburg)
  • „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache is an exotic pencil set featuring four individual pencils crafted out of four rare species of wood […] The woods used in this set are Macassar Ebony […]” (pencils.com)
  • „This fourth edition contains pencils made from the following rare and precious woods: Indian Poplar […]” (pencils.com)
  • „This, the third set in the range, is a set of 4 pencils and includes one each of the following woods: Grey Poplar […]” (CultPens)

Inzwischen zweifle ich jedoch daran, vor allem aufgrund des Hinweises auf Pressholz in den Faltblättern des zweiten und vierten Sets. Doch welches Material ist es dann? Im Faltblatt des ersten Sets – und nur dort – steht:

Die Bleistifte von Caran d'Ache verdanken ihre Besonderheit einer passionierten Suche nach feinen Edelhölzern und sind das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Genfer Manufaktur und dem italienischen Spezialisten für Holz­bearbeitung.

(Darüber, dass dieser Satz später nicht mehr auftaucht, will ich nicht spekulieren.) Ich bin schon damals in den Artikelbeschreibungen einiger Anbieter auf den Namen ALPI gesto­ßen2, habe dieses Detail aber erst jetzt verfolgt. Ist ALPI dieser Spezialist? Zum ALPI-Pro­dukt ALPIlignum heißt es (Hervorhebung von mir):

ALPIlignum is ALPI's reconstituted wood […] A family of products made from composite wood. ALPIlignum can reproduce naturally-occurring species and maintain their patterning through changes in colour and the creation of imaginative designs. ALPIlignum may be applied to any surface and can be manufactured to different thicknesses depending upon intended use.

Die Design-Vielfalt ist beeindruckend: Wer auf die „Wood Collection” und dort über „Did not find your wood?” zur „Design Collection” geht, findet bemerkenswerte Muster. Auch die Beschreibung von ALPIkord klingt interessant:

ALPIkord is a line of new generation pre-finished woods, created to enhance and bring out the natural character of wood by offering natural textures and aesthetic impact to a previously unprecedented degree.

Die ALPIkord-Broschüre führt übrigens drei der vier Holzbezeichnungen des ersten Sets auf. – Ebenfalls aufschlussreich sind die Details zum Produktionsprozess bei ALPI.

Die Angaben von ALPI und die Schichten des gekochten Stifts könnten dem Satz „Ausser­gewöhnliche Holzarten* für eine exklusive Kollektion” und erst recht dem englischen „An exclusive collection made with essences* of noble woods” eine ganz andere Bedeutung geben. Hätte ich mich auch hier an die Regel gehalten, dass man auch auf das achten soll, was nicht gesagt wird, wären mir die Ungereimtheiten schon früher aufgefallen.

Wenn Caran d'Ache tatsächlich ALPIlignum verwendet hat, so haben die Stifte der „Les Crayons de la Maison”-Sets einen Schaft aus gefärbten und verleimten Schichten von Pap­pel oder Ayous3, und das würde meiner Ansicht nach weder zur Aufmachung noch zum Preis des Produkts passen.

  1. Le Bouillon de la Maison Lexikaliker.
  2. Siehe z. B. Skripta Paris, Kadmium und Embelezzia.
  3. Auch als Abachi bekannt.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Montag, 10. November 2014

Vor kurzem kam das vierte Set der Reihe „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache”1 auf den Markt und sofort in meinen Warenkorb2.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Mein erster Eindruck war ein sehr guter. Der Klappkarton der ersten drei Sets wurde von einer stabileren und mich ansprechenden Schiebeschachtel abgelöst. Ihre Verarbeitungs­qualität und die der vier Bleistifte ist sehr gut; Fertigungsmängel wie beim ersten Set konn­te ich nicht feststellen.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Nach härteren Minen im zweiten und dritten Set sind die im aktuellen wieder weicher und denen im ersten Set sehr ähnlich; sie entsprechen etwa HB–B beim Staedtler Mars Lumo­graph3. Unklar ist für mich jedoch, warum sie sich überhaupt unterscheiden. – Gleiteigen­schaften und Radierbarkeit sprechen für eine keramische Mine.

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Auch dieses Set enthält ein dreisprachiges Faltblatt. Unter „Aussergewöhnliche Holzarten* für eine exklusive Kollektion” werden Afrikanisches Ayous, Silberpappel, Red & Olive Zebra­no und Indische Pappel genannt; das Sternchen verweist dabei auf „Pressholz” am unteren Rand. In der französischen und englischen Beschreibung heißt es „Des essences* de bois d'exception pour une collection exclusive” (*Bois reconstitué) und „An exclusive collection made with essences* of noble woods” (*Reconstituted wood). Bei einem weiteren Blick auf die Faltblätter zu den anderen drei Sets entdecke ich den Hinweis auf Pressholz auch in dem zum zweiten. Doch warum Pressholz? Und was bedeutet „essences”, zu finden in al­len Faltblättern?

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Ich finde das rätselhaft. Würde da nicht eher „Hergestellt aus …” stehen, wenn diese Blei­stifte tatsächlich aus den genannten Hölzern gefertigt worden wären?4 Während Caran d'Ache beim 348 aus Buche und dem Bleistift aus Lärche das jeweilige Holz verarbeitet hat, kam bei den Bleistiften der „Les Crayons de la Maison Caran d'Ache”-Sets offenbar eine an­dere Technik zum Einsatz. Mein Leser Tom kommentierte bereits am 31.7.14:

Am I right in thinking the pencils are NOT made from the woods they are named after? They are I think made from reformed and coloured wood powder (FSC) that is inspired by certain natural woods in its patterning and colouring …

Ich habe diesen Gedanken zunächst abgetan, kann ihn aber jetzt nachvollziehen, denn die Bleistifte haben kein für mich wahrnehmbares Aroma und ihr Gewicht schwankt bei weitem nicht in dem Maß, wie es die Dichten der aufgeführten Hölzer erwarten lassen. Es wäre zweifellos eine große Leistung, mit gefärbten Holzmehlen die Maserung edler Hölzer nach­zuempfinden, doch sollte man das bei diesen Sets wirklich gemacht haben, hätte ich eine entsprechende Information ehrlicher gefunden als den für mich hier nichtssagenden Begriff „essence” (aber immerhin wurde auf Pressholz verwiesen).

Les Crayons de la Maison Caran d'Ache Ed. № 4

Die Stifte aller Sets finde ich sehr schön, doch die meiner Ansicht nach unklare Material­beschreibung trübt meine Freude.

Nachtrag vom 11.11.14: Kurioserweise habe ich noch etwas übersehen. Selbst mit der Lupe kann ich bei keinem der 16 Bleistifte in den Sets die für einen aus Brettchen herge­stellten Bleistift typischen Trennlinien erkennen. Gerade bei den stärker gemaserten Exem­plaren müssten die Hälften durch eine Störung des Musters deutlich erkennbar sein, doch das ist nicht der Fall.

Nachtrag vom 12.11.14: Weitere Beobachtungen und Gedanken habe ich in diesem Kommentar untergebracht.

Nachtrag vom 15.11.14: Weiter geht es hier.

  1. Das erste gibt es hier zu sehen.
  2. Zeichen-Center Ebeling, knapp 21 Euro. – Aus der Serie „Les Crayons de la Maison” gibt es jetzt auch eine Stiftablage № 1.
  3. Die Minen im zweiten kommen F–HB und die im dritten H–F sehr nahe.
  4. Rätselhaft finde ich übrigens auch, dass mir dieser Gedanke nicht schon beim ersten, spä­testens jedoch beim zweiten Set gekommen ist.
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