Der erste Schnee
Der erste Schnee in diesem Winter – noch sehr wenig, aber für Kisho genug, um noch länger draußen zu bleiben als ohnehin schon.
Der erste Schnee in diesem Winter – noch sehr wenig, aber für Kisho genug, um noch länger draußen zu bleiben als ohnehin schon.
Im Jahr 1965, also vor 60 Jahren, hat das japanische Unternehmen Pentel den Druckbleistift GRAPH vorgestellt. Er war nicht der erste Stift mit dem Minendurchmesser 0,5 mm – das war der Pentel 380 drei Jahre zuvor1 –, doch seine Gestaltung sollte Vorbild für zahlreiche andere Druckbleistifte nicht nur von Pentel2 werden und bis heute weiterleben.
In der Originalverpackung mit transparentem Deckel …
Der GRAPH war in schwarz, rot und grün sowie in drei Generationen3 erhältlich. Mit 4-mm-Minenführungsröhrchen, abnehmbarem Clip und Behälter für zwölf Minen4 hatte er bereits die Merkmale, die auch viele aktuelle Druckbleistifte kennzeichnen.
… und ohne
Die hier separat mitgelieferte Reinigungsnadel (das kleine Faltblatt informiert über ihre Verwendung) wanderte später unter den Drücker und wurde vor einigen Jahren von fast allen Herstellern aus Sicherheitsgründen weggelassen. – Meines Wissens war der GRAPH der erste Druckbleistift von Pentel mit verschraubtem Drücker.
Rückseite mit Hinweisen zum Gebrauch
Ein Jahr nach der Markteinführung in Japan gab es den GRAPH auch in Deutschland, wie diese Anzeige5 aus dem Jahr 1966 zeigt6.
Dem GRAPH folgte der 1971 der GRAPH II, der als wesentliche Neuerung einen Härtegradindikator7 hatte und schon 1972 vom PG5 abgelöst wurde. Letzterer sah seinem Vorgänger sehr ähnlich, war aber deutlich anders aufgebaut8.
Der leicht bauchige Kunststoffschaft des GRAPH ist in der Mitte sechsflächig und läuft an beiden Enden rund zu. Auf einer Fläche trägt er den Reliefdruck „PENTEL GRAPH PENCIL MADE IN JAPAN 5“, wobei „5“ eine Prägemarke ist. Die Einheit aus Mechanik und Minenbehälter hat unterhalb der Zwinge ein Gewinde, mit dem sie jeweils zur Hälfte in die Spitze und in den Schaft geschraubt wird9. Der Drücker steckt im Minenbehälter und wird durch das in den Schaft geschraubte konische Endstück, ebenfalls aus Kunststoff, gehalten. Im Gegensatz zu den Stiften, bei dem nur die Kappe abgezogen und vielleicht noch der Radierer entnommen werden muss, macht diese Konstruktion das Nachfüllen von Minen zwar umständlicher, verhindert aber, dass etwas klappert oder verloren geht. – Der Clip hält nur durch Kraftschluss, so dass keine unschöne Aussparung zu sehen ist, wenn man ihn weglässt.
Der charakteristische „GRAPH“-Schriftzug10 findet sich heute noch auf dem Schaft des PG5 und das Kürzel „PG“ (für „Pentel Graph“) in den Artikelnummern sowie „Graph“ in den Namen etlicher Druckbleistifte von Pentel.
Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des GRAPH hat Pentel bereits im Oktober schwarze limitierte Varianten der Druckbleistifte GraphGear 500, GraphGear 1000 und GRAPH 1000 FOR PRO herausgebracht, die es sowohl einzeln als auch im Set mit einem Beileger gibt. Diese drei Modelle sind zweifellos sehr beliebt, haben aber bis auf den Namenszusatz nichts mit dem GRAPH zu tun. Eine Neuauflage des GRAPH wäre natürlich schön, aber vermutlich zu aufwändig gewesen, aber warum hat man nicht den PG5 in einer besonderen Version angeboten?11
Doch ob Neuauflage, Jubiläumsbox oder sonst etwas: Der originale Pentel GRAPH ist und bleibt einer der Klassiker unter den Druckbleistiften.
Hin und wieder fotografiere ich Schreibwaren für andere Zwecke als mein Weblog. Meist verschwinden diese Fotos danach im Archiv, doch heute sei mal eines gezeigt, auch weil es zu einem aktuellen Kommentar passt. Auslöser für dieses war die Frage nach empfehlenswerten Bleistiftverlängerern.
Ich habe viele Verlängerer getestet, darunter auch solche, die den Bleistift anders halten als mit Schraubklemme, doch diese Bauform halte ich für die optimale, da sie den Bleistift wirklich zuverlässig hält, mit unterschiedlichen Stiftdurchmessern am besten zurechtkommt und eine angenehme Griffzone bietet. – Eine Sonderstellung nimmt der Verlängerer von Mitsubishi/uni ein, denn er ist am Ende offen und kann so Bleistifte aufnehmen, die länger sind als der Verlängerer1.
Den Kauf der gezeigten Modelle kann ich uneingeschränkt empfehlen, denn bei diesen stimmen die Material- und Verarbeitungsqualität sowie der Gebrauchswert. Von links:
Den Clip der Mimic-Verlängerer kann man abnehmen, und da er nur durch Kraftschluss gehalten wird, braucht er keine unschöne Vertiefung. – Alle Verlängerer können Bleistiftstummel mit einer Länge von nur 1 cm (exklusive Spitze) zuverlässig halten, und da sie fast vollständig hohl sind, kann der Bleistift je nach Modell 9 bis 11 cm lang sein.
Passend zur heutigen Himmelsfärbung: Kram in Grau.
Vierter von rechts ist übrigens der Zenith 7 von Astra Polska, eine Variante des Epoca Ballograf P.
Ich mag die Herbstfarben. – Zu dem wenigen Rot im Foto hätte der dunkelrote Druckbleistift Pilot S20 gepasst, aber darauf kam ich erst, nachdem ich das Foto schon gemacht hatte.
Kugelschreiber mochte ich lange nicht, und ich habe sie nur benutzt, wenn es sich nicht vermeiden ließ; erst mit dem Jetstream von Mitsubishi/uni änderte sich das1. So hat mein hartnäckiges Desinteresse an diesem Schreibgerät dazu geführt, dass ich vieles nicht mitbekommen habe und mir auch der Epoca P des schwedischen Herstellers Ballograf2 bisher nicht aufgefallen ist, obwohl er bereits 1961 auf den Markt kam und seitdem fast unverändert und in enormen Stückzahlen produziert wird3.
Der von Wolfgang Schweizer gestaltete Stift hat ein ungewöhnliches Design4. Der Griff ist rund und der obere, sich zum Drücker hin leicht verjüngende Teil des Schafts achtflächig; zudem fällt die besondere Form des Clips auf. Das Design wurde mehrmals kopiert, u. a. vom polnischen Hersteller Zenith in den 1970er Jahren (dort hieß er Zenith 7, weil es das siebte Produkt war). Inzwischen gibt es von Monami (Korea) und Astra Polska (Polen) lizenzierte Varianten, die ebenfalls unter dem Namen Zenith angeboten werden5. Aber das wäre ein Thema für einen eigenen Beitrag. – Der Epoca P ist in etlichen Farben und für 6 bis 9 Euro erhältlich; ich habe mich für Gelb entschieden.
Der Schaft des in Schweden gefertigten Schreibgeräts ist aus Cellidor6, einem Kunststoff, der etwa zur Hälfte aus Cellulose besteht, und die Verarbeitungsqualität ist sehr hoch. Es finden sich weder Pressgrate7 noch unschöne Übergänge der Teile, und die Mechanik (auf die es eine lebenslange Garantie gibt) arbeitet perfekt und mit angenehmer Haptik. Als einzigen Wermutstropfen empfinde ich jedoch das leichte radiale Spiel der Mine in der Spitze. – Ein weiteres attraktives Detail ist der konische Ring mit der Kennzeichnung „○ BALLOGRAF epoca ○ SWEDEN“.
Die Mine mit dokumentenechter Tinte8 soll 8000 Meter schreiben, also etwa neunmal so lang wie die eines herkömmlichen Kugelschreibers, doch ihre Schreibeigenschaften gefallen mir nicht so gut. Ihr Format ist dem weit verbreiteten Parker G2 allerdings sehr ähnlich, und so habe ich nach einem Weg gesucht, die uniball Jetstream SXR-600 in den Epoca P zu bekommen. Auf Reddit wurde ich fündig – der Nutzer Chthulhu hat den Stift zerlegt und ein Teil bearbeitet, damit eine G2-Mine passt; mit großer Begeisterung habe ich es ihm sofort nachgetan.
So wird’s gemacht: Den Griff abschrauben, den oberen Teil des Schafts mit der Öffnung auf ein Tuch setzen, damit die Teile später nicht wegrollen können und den Knopf gegen den Widerstand hineindrücken; dadurch lösen sich die Teile. Dann den Schaft zur Seite neigen, um die Teile herausrutschen zu lassen, dabei aber unbedingt auf ihre Reihenfolge achten, um sie nachher wieder richtig zusammensetzen zu können. Nun den Zapfen (Pfeil) bündig vom zweiten Kunststoffteil entfernen und alles wieder zusammensetzen; dabei das lange Teil hineindrücken, bis es einrastet.
Aber: Setzt man nun die Mine im G2-Format ein, schaut sie selbst im eingezogenen Zustand etwas heraus9, was mir aufgefallen wäre, wenn ich vor dem Eingriff die Minen sorgfältiger verglichen hätte. Mit der Bearbeitung des Kunststoffteils ist es also nicht getan – es muss zusätzlich die Mine (genauer: der Stopfen) um etwa 2 mm gekürzt werden10. Damit passt die SXR-600, und um das Spiel in der Spitze zu verringern, habe ich noch eine Lage Klebeband auf der Mine oberhalb der Spitze angebracht. – Die Ballograf-Mine lässt sich nach der Modifikation übrigens weiter benutzen11.
Für etwa 12 Euro (Epoca P und SXR-600) und mit 15 Minuten Bastelei habe ich jetzt den – natürlich! – besten Kugelschreiber, den ich jemals hatte.
Nachtrag vom 29.11.25: Eine weitere Kopie des Ballograf Epoca war der BALL-PEN, hergestellt in den 1970er Jahren von Pevdi in Ungarn. Statt des „i“ beim Original trug der Clip des BALL-PEN die Kennzeichnung „P“; die für das österreichische Partnerunternehmen Hemos gefertigte Variante war mit „H“ gekennzeichnet. Die Rillen auf den Flächen des oberen Schaftteils des BALL-PEN erinnern an den Epoca Chrome.
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