Captain Staedtler 2.0
Grandios: Captain Staedtler 2.0 – angucken und staunen!

Einfach klasse: Ein Werbe-Comic von STAEDTLER UK aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre (leider kenne ich die Quelle nicht). – Die zu dieser Niederlassung gehörende Produktionstätte in Portyclun, Wales, existierte von 1966 bis 2008.



Den „superb 3-D Captain Staedtler badge, complete with fixing pin“ würde ich natürlich sofort nehmen, auch für das Zehnfache des damaligen Preises.

Wer sorgt für „The Return of CAPTAIN STAEDTLER“? – Danke an deh für den Hinweis auf diesen Comic!
Das Foto dieser Anzeige, die Ende der 1950er Jahre in der Zeitschrift „Civil Engineering“ erschien, dürfte vielen Lesern bekannt sein, stand es doch schon bei einer Familienangelegenheit im Mittelpunkt.
Warum ich diese ähnliche Anzeige der J.S. STAEDTLER Inc. präsentiere? Natürlich wegen des spitzenmäßigen Werbespruchs! Aber auch den restlichen Text und die Typografie des Slogans finde ich sehr gelungen.
(mit Lupe angucken oder zum Vergrößern anklicken)
Mein Kompliment an den genialen Werbetexter!
← Zeitreise | Alte Anzeigen von STAEDTLER
Vor gut 50 Jahren warben diese Anzeigen der J.S. STAEDTLER Inc. für die Qualitäten des Mars Duralar, dem Vorgänger des Dynagraph, beim Zeichnen auf Mylar und heute sollen sie aufmerksam machen auf den hervorragenden Beitrag „Staedtler Mars Dynagraph pencils and leads“ bei pencil talk, in dem uns der sehr kundige Autor auf einen Ausflug in die Vergangenheit des technischen Zeichnens mitnimmt. Hingehen und staunen!
Die hier schon mehrfach genannte J.S. STAEDTLER Inc. präsentierte im Januar 1959 allen Lesern der Zeitschrift „Civil Engineering“ den Zuwachs ihrer MARS-Familie.
Der in Deutschland gefertigte MARS Lumograph Duralar 2830, erhältlich in den Härten K1 bis K5, war gedacht für das Zeichnen auf PET-Folie (bekannt unter den Marken „Mylar“ sowie „Hostaphan“) und verfügte als bis heute einziger holzgefasster Graphit-Stift dieses Herstellers über eine gebrannte Mine mit Polymerbindung.
Im Text der ganzseitigen Anzeige genannt und auf dem Familienfoto vertreten waren viele bekannte Produkte, darunter der Farbstift Lumochrom und der Fallminenstift Technico, für den es auch Duralar-Minen gab. – Nachfolger des Duralar 2830 war übrigens der Dynagraph 100.
Die isometrische Darstellung der Dinge finde ich sehr ansprechend, und mich würde nicht wundern, wenn man sie im Hinblick auf die Sehgewohnheiten der technisch orientierten Kunden gewählt hätte.
Ja, hin und wieder greift der Erbsenzähler zum Fadenzähler und dreht taucht ab …
Passend dazu: Eine attraktive ½-Gros-Packung Mars Duralar gibt es bei pencil talk zu bestaunen, und Leadholder hält weitere Details zu den Stiften und Minen des Duralar-Sortiments bereit. – Wie das Deutsche Patent- und Markenamt informiert, wurde die Marke „Duralar“ im Februar 1958 angemeldet und im Februar 2000 gelöscht.
In Japan, so sagte man mir, gelten angespitzte Stifte als gebraucht, weshalb die Hersteller dort auf das Spitzen verzichten. Bei manchen Bleistiften, die hier für den japanischen Markt gefertigt werden, lässt man daher ebenfalls den Spitzvorgang aus.
Diese in Nürnberg für Japan hergestellten Exemplare des Mars Lumograph von STAEDTLER haben eine weite Reise hinter sich, denn sie waren schon in ihrem Bestimmungsland. Ich konnte es mir nicht verkneifen, ein Dutzend zu bestellen, und wer jetzt einen vernünftigen Grund für diesen Reimport sucht, wird keinen finden.
Am Anfang war der Graphit. Man nahm ihn in Stücken, später umwickelt oder anderweitig geschützt zur Hand, und erst Ende des 17. Jahrhunderts schnitt man das schwarze Gold, so wie es aus der Grube kam, in Streifen und fasste es in Holz. Als der reine Graphit aus Borrowdale knapp wurde und Exportbeschränkungen die Situation verschärften, war man auf den kontinentaleuropäischen Graphit angewiesen. Dieser musste jedoch gemahlen und gereinigt werden, bevor man ihn verarbeiten konnte, und dabei begann man, ihn zu strecken: Mit Schwefel, Gummi, Schellack und Fischleim, aber auch mit Blei, Silber, Zink, Antimon, Wismut, Zinn und Quecksilber. Die Ergebnisse indes waren enttäuschend.
Erfolg hatte schließlich Nicolas-Jacques Conté im Jahre 17951. Er mischte den Graphit mit Ton und konnte damit gleichzeitig die Härte steuern. Nach dem Brennen der Mischung dient der Ton als Gerüst für den Graphit, wobei die Mine umso härter ist, je mehr Ton sie enthält (bei gleichen Teilen Graphit und Ton erhält man etwa den Härtegrad 3H). Dies war nicht nur die Geburt des modernen Bleistifts, wie wir ihn heute kennen und schätzen, sondern auch der Beginn einer anhaltenden Verwirrung um den Härtegrad.
Zwei HB-Bleistifte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Caran d’Ache Technograph 777 HB (Schweiz, hart) und California Republic Palomino HB (Japan, weich)
Warum Verwirrung? Nun, trotz zahlreicher Bemühungen gibt es nach wie vor keinen herstellerunabhängigen Standard, und wer einmal Bleistifte unterschiedlicher Herkunft, aber gleichen Härtegrads verglichen hat, kennt die verblüffend großen Abweichungen; obendrein beeinflussen Fertigungsschritte wie das Paraffin-Tauchbad oder Beimengungen z. B. von Ruß das subjektive Empfinden der Härte. – Doch zurück zur Geschichte.
Conté war es auch, der mit einer Kennzeichnung begann. Sein härtester Bleistift trug die „1“, und je weicher die Mine, desto größer war die Zahl. Die heute übliche Benennung des Härtegrads geht vermutlich auf den englischen Bleistiftmacher Brookman zurück, der im frühen 19. Jahrhundert seine Stifte für Künstler mit „B“ (black) und die der technischen Zeichner mit „H“ (hard) versah; dies könnte zudem die Asymmetrie erklären. Der schon damals populärste Bleistift hatte eine Härte zwischen H und B, was ihm den Grad HB eintrug. Später folgte noch F (firm) für den Stift mit einer Mine zwischen H und HB.
„Bleihärten“ im Katalog von J.S. STAEDTLER (1909). – Es fällt auf, dass die Nummerierung der von Conté entgegengesetzt ist.
So wie J.S. STAEDTLER im Katalog von 1909 (zurzeit als Kopie in Nürnberg zu sehen) verfuhren auch andere – je weicher, desto mehr B, und je härter, desto mehr H. Lediglich Joseph Dixon in den USA entschied sich zunächst für „S“ (soft) und „H“ (hard), wobei der weichste Bleistift VVS (very, very soft) und der härteste VVVH (very, very, very hard) war. Als die Skala der Härtegrade wuchs, wichen die vielen Buchstaben anderen Benennungen wie z. B. „Extra Extra Black“ (erst EX-EXB, dann EEB und EE, dem heutigen 8B). Die einfache Zahl blieb lange im Gebrauch, und daneben etablierte sich die jetzt vertraute Kombination aus Zahl und Buchstabe (xH,xB); zum Ursprung letzterer konnte ich in meinen Quellen allerdings keine Details finden. Manche Hersteller nutzen beides, etwa STAEDTLER beim Noris 120 und STABILO beim Opéra und Othello.
Ungewöhnlich: Bruynzeel 1605 1B und 1H
Doch es gibt immer noch Abwechslung – Bruynzeel, seit 1991 Teil von Sakura, hat die Grade 1B und 1H im Sortiment, STABILO übersetzt HB mit 2½ und bei den Feinminen von Pentel und Tombow findet man HB in drei Varianten.
Danke an STAEDTLER für den Scan! – Die für den Beitrag am stärksten geplünderte Quelle ist „Der Bleistift“ von Henry Petroski (Birkhäuser 1995).
Nachtrag vom 17.5.10: Details zum Gebrauch der kyrillischen Zeichen zur Kennzeichnung des Härtegrads in Russland gibt es hier. Danke an Stephen für diesen Hinweis! – Härtegrad mal anders: Die Firma Elcometer nutzt Bleistifte zur Ritzhärteprüfung von Oberflächen nach ISO 15184, so im Bleistifthärte-Prüfer 501 oder im Motorischen Bleistifthärte-Prüfer 3086.
Nachtrag vom 4.2.11: Auch B++ gibt es, wie hier beim Zoom Super Dark von DOMS:
Nachtrag vom 1.8.11: Dr. Eugen Ryschkewitsch schreibt in seinem Buch „Graphit – Charakteristik, Erzeugung, Verarbeitung und Verwendung“ (S. Hirzel 1926):
Die härtesten Bleistifte enthalten nur etwa 20 Proz. Graphit, sehr weiche enthalten bis etwa 90 Prozent Graphitsubstanz und mehr. Besonders weiche Stifte bestehen aus reinem Graphit, wie z. B. solche aus dem Batugol- (sogenannten „Alibert“-) Graphit. Hier ist der Graphit so homogen, weich und farbkräftig, daß seine weitere Behandlung sich erübrigt. Man braucht nur aus einem Block die Stifte herauszuschneiden.
Nachtrag vom 14.3.12: Es gab auch eine Schreibhärte M.
Nachtrag vom 25.8.12: Der Конструктор (Konstrukteur) in den Härtegraden 2M (2B) bis 2T (2H):
Eine große Attraktion bietet das Unternehmen STAEDTLER im Rahmen seines 175-jährigen Firmenjubiläums mit der Ausstellung „Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER“ im Museum Industriekultur in Nürnberg. Im Mittelpunkt stehen unterschiedlichste historische und aktuelle Schreibgeräte sowie ihre Geschichte und Technik; zahlreiche Fotos, Filme und Grafiken lassen die Entwicklung von 1835 bis jetzt lebendig werden. Ich konnte sie mir schon heute ansehen, und so bekommen meine Leser bereits zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung am 6. Mai einen Einblick in diese – wie ich finde – sehr sehenswerte Ausstellung.
Im Hintergrund u. a. der Film zur Bleistiftherstellung bei STAEDTLER im Jahr 1950
Eine Zeitreise mit den wichtigsten Stationen der Firmengeschichte …
… wie z. B. dem Beginn der Feinminen- und Druckbleistiftfertigung (1967 und 1969)
Nicht nur für Sammler interessant: frühere und z. T. ungewöhnliche Produkte
Ein überdimensionaler MARS-Bleistift von 1925 (vorne eine als Brieföffner nutzbare Metallkappe)
Technische Details: Düsen zum Pressen von Minensträngen
Die Werkstatt eines „Bleystefftmachers“, wie sie damals ausgesehen haben könnte
Fotos des alten STAEDTLER-Werks aus einem Buch für Ludwig Kreuzer zum 25. Dienstjubiläum (1905)
Katalog von 1909
Titelseiten historischer Kataloge (ganz links der von 1919)
Ausschnitt einer alten Werbung für das Inland …
… und für das Ausland. – Man beachte den Härtegrad „BBBBBB“ auf dem Stift ganz rechts.
Neue Technik zum Anfassen, Ausprobieren und Vergleichen
Eine spannende Reise in das Innere eines Bleistifts mit Aufnahmen eines Rasterelektronenmikroskops
Bruchgeschützt durch Bionik: Der Farbstift mit A.B.S.
Meine Empfehlung: Hingehen, anschauen und staunen!
Faszination Schreiben – 175 Jahre STAEDTLER
Ausstellung mit reichhaltigem Begleitprogramm vom 6. Mai bis 3. Oktober 2010
Museum Industriekultur
Äußere Sulzbacher Straße 60–62
90491 Nürnberg
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen